Weisheit und Torheit – Anmerkungen zu 1. Samuel 25, 1 ff.

Weltchronik Fulda Aa88 241r detail

Rudolf von Ems: Weltchronik. Böhmen (Prag), 3. Viertel 14. Jahrhundert, Hochschul- und Landesbibliothek Fulda, (Aa 88). Bildbeschreibung nach Martin Roland: Miniatur 152 241r Abigajil kniet vor David; Verpflegung wird gebracht * via Wikimedia Commons



Anmerkungen zu 1. Samuel 25, 1 – 44

Der Bibeltext für den kommenden Sonntag ist dem 25. Kapitel des 1. Buches Samuel entnommen:

“(…) und sprecht so: Lebe lange! Und Friede dir, und Friede deinem Haus, und Friede allem, was dein ist!“

(1- Samuel 25, 6 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zum Verständnis des Verses und seines Kontextes empfehle sehr, den gesamten Text von 1. Samuel 25 (Klick!) zur Vorbereitung zu lesen.



Zum Hintergrund von 1. Samuel 25, 1 – 44

Verschiedene Kommentatoren betrachten die Kapitel 24 – 26 im 1. Buch Samuel als einen Bericht, in  dem die Güte Davids gegenüber zwei unweisen Menschen, zwei Toren, im Mittelpunkt steht. Während die Kapitel 24 und 26 viele Ähnlichkeiten aufweisen, wird uns in Kapitel 25 von Davids  Verhalten gegenüber dem geizigen und ungehobelten Nabal berichtet, der in gewisser Weise in diesem Kapitel als Feind Davids den Part Sauls übernimmt. Durch alle Kapitel hindurch zieht sich jedoch das Gnadenhandeln Gottes, der David, Seinen gesalbten König, davor bewahrt, das Blut seiner Feinde zu vergießen. Während Saul Gottes Gesetz nicht gehorsam war und zu einem Todfeind Davids wurde (vgl. 1. Samuel 23, 19 – 28), wurde David, der sein Herz darauf gerichtet hatte, Gottes Gesetz zu erfüllen, nicht nur eine “Lebenshilfe“ für Saul (vgl. 1. Samuel 23, 29 – 1. Samuel 24, 22), sondern auch für andere Menschen in Israel (vgl. 1. Samuel 25, 1 ff.). In den vorausgegangenen Kapiteln  lesen wir auch davon, wie Saul nach Möglichkeiten suchte, David das Leben zu nehmen. In 1. Samuel 23, 29 – 1. Samuel 24,  22 hätte David die Möglichkeit gehabt, Saul zu töten, doch er ließ ihn am Leben.
Wenden wir uns nun Kapitel 25 zu: Zu Beginn erfahren wir, dass der Richter und Prophet Samuel gestorben ist. Dieser war bis dahin das Werkzeug gewesen, durch das Gott Sein Volk Israel gesegnet hatte. Dieser Platz in dem Handeln Gottes mit Seinem Volk nahm nun David ein. Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass  der regierende König Saul selbst kurz zuvor bekannt hatte, dass David an seiner statt König werden würde. Damit war Samuels Dienst auch in Bezug auf den Übergang der Regierung von Saul auf David beendet. Mit Samuel starb der letzte der Richter. Einige Ausleger gehen davon aus, dass David Samuel als Richter sofort gefolgt wäre, seinen Dienst fortgesetzt hätte und Israels erster König geworden wäre, wenn das Volk nicht eigenmächtig Saul zu seinem König erwählt hätte.

 

Anmerkungen zu 1. Samuel 25, 1 – 44

* “Und Samuel starb; und ganz Israel versammelte sich und klagte um ihn und begrub ihn in seinem Haus in Rama. Und David machte sich auf und zog hinab in die Wüste Paran.“ – 1. Samuel 25, 1 – Das Kapitel beginnt mit einer traurigen Nachricht für David – sein Ratgeber  Samuel ist tot – und es wird auch mit einer solchen enden – seine Frau wird ihm genommen (1. Samuel 25, 44).  Die Wüste Paran, in die David hinab zog, liegt südöstlich von Maon, dem Ort, an dem sich die folgenden Ereignisse abspielen werden.

Caiobadner - mount carmel

Südwestseite des Berges Karmel, aufgenommen vom Kibbutz Ma’agan Michael aus * Foto: By Chadner (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

* “Und es war ein Mann in Maon, der sein Anwesen in Karmel hatte; und der Mann war sehr vermögend und hatte dreitausend Schafe und tausend Ziegen; und er war während der Schur seiner Schafe in Karmel. Und der Name des Mannes war Nabal, und der Name seiner Frau Abigail. Und die Frau war von guter Einsicht und schön von Gestalt; der Mann aber war hart und boshaft in seinen Handlungen, und er war ein Kalebiter. Und David hörte in der Wüste, dass Nabal seine Schafe schor. Da sandte David zehn Knaben, und David sprach zu den Knaben: Zieht nach Karmel hinauf, und geht zu Nabal und fragt ihn in meinem Namen nach seinem Wohlergehen,  und sprecht so: Lebe lange! Und Friede dir, und Friede deinem Haus, und Friede allem, was dein ist! Und jetzt habe ich gehört, dass du die Schafscherer hast; nun, deine Hirten sind bei uns gewesen, wir haben ihnen nichts zuleide getan, und nicht das Geringste ist von ihnen vermisst worden alle Tage, die sie in Karmel gewesen sind. Frage deine Knaben, und sie werden es dir mitteilen. Mögen denn die Knaben Gnade finden in deinen Augen, denn an einem guten Tag sind wir gekommen; gib doch deinen Knechten und deinem Sohn David, was deine Hand findet!“ – 1. Samuel 25, 2 – 8 – Beide Orte – Maon und Karmel (dt.: “Weingarten Gottes“) („Garden Spot“) befinden sich ca. 22 Kilometer westlich von Engedi und um die 11 Kilometer südöstlich von Hebron. Im Verlauf des biblischen Berichts werden wir feststellen, dass es zwischen Nabal und Saul gewisse Parallelen gibt.
Bei dem Namen „Nabal“ kann es sich nicht um den wirklichen Rufnamen dieses Mannes gehandelt haben, da “Nabal“ in der hebräischen Sprache “Narr“ heißt.  Dieser “Nabal“ war ein nachkomme Kalebs, dem Gott die Stadt Hebron und ihre Umgebung zum Erbe gegeben hatte (vgl. Josua 15, 13). Doch “Nabal“ ähnelte seinem großen Vorfahren so gar nicht: Während dieser weise gewesen war, war “Nabal“ töricht. Während Kaleb den Verheißungen Gottes vertraut hatte, bezog “Nabal“ Gott überhaupt nicht in seine Überlegungen ein.  Im Gegenteil: “Nabal“ widerstand den Zielen Gottes und starb daher vorzeitig. In Kaleb hingegen hatte Gott einen Menschen gefunden, der mit Ihm zusammenarbeitete. Darum wurde Kaleb von Gott auch mit einem langen Leben gesegnet.
Im Alten Testament werden jene Menschen als “Narren“ bezeichnet, die gottlos lebten, d.h. Menschen, die Gott nicht in ihr Leben und ihre Pläne einbeziehen (vgl. Psalm  14, 1; Sprüche 18, 2 + 7; Jesaja 32, 6).  Gott hatte solchen Menschen bereits durch Mose Sein Gericht angekündigt (vgl. 5. Mose 28, 25 – 64) und in diesem Kapitel erleben wir mit, wie diese göttliche Ankündigung eintrifft (vgl. 1. Samuel 25, 25 – 26).
Doch “Nabal“ unterschied sich nicht nur von seinem gesegneten Vorfahren Kaleb, sondern insbesondere auch von seiner Frau Abigail. Er war töricht, sie war weise. Er war böse, sie war gütig. Er war abstoßend, sie war anziehend. Er war hochmütig, sie war demütig. Er war feindlich gesinnt, sie war ein Friedensstifter. Denn: Er war  gottlos, sie  war gottesfürchtig.
Durch Davids Männer, die sich mit ihm in der Wüste Paran aufhielten, waren Nabals Hirten und seine Herde vor Anschlägen und Raub bewahrt worden. Sie hatten ihm Schutz vor den Amalekitern und Philistern gegeben, die in unregelmäßigen Abständen die Gegend unsicher machten. Es war zu jener Zeit ein gängiger Brauch, dass ein so  reicher Mann wie “Nabal“ für einen solchen Dienst seine Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht hätte und zwar indem er die Männer Davids mit Nahrung versorgte. Die Zeit der Schafschur war eine Zeit des Feierns (vgl. 2. Samuel 13, 23 – 24). David begegnet uns hier als ein Mensch, der sich ganz dem Gesetz Gottes verpflichtet weiß und der als der Gesalbte des Herrn bereits zu diesem Zeitpunkt eine Quelle des Segens für die Menschen seiner Umgebung war.
Indem David sich selbst als Nabals “Sohn“ (Vers 8) bezeichnete, nahm er eine untergeordnete Stellung ein. In ähnlicher Weise hatte er zuvor Saul als seinen “Vater“ bezeichnet“ (vgl. 1. Samuel 24, 11 – 16).


* “Und die Knaben Davids kamen hin und redeten zu Nabal nach allen diesen Worten im Namen Davids; und sie warteten ab. Aber Nabal antwortete den Knechten Davids und sprach: Wer ist David, und wer der Sohn Isais? Heutzutage gibt es viele Knechte, die davonlaufen, jeder von seinem Herrn. Und ich sollte mein Brot und mein Wasser nehmen und mein Geschlachtetes, das ich für meine Scherer geschlachtet habe, und es Männern geben, von denen ich nicht weiß, woher sie sind? Und die Knaben Davids wandten sich auf ihren Weg; und sie kehrten zurück und kamen und berichteten ihm nach allen diesen Worten. Da sprach David zu seinen Männern: Gürtet jeder sein Schwert um! Und sie gürteten jeder sein Schwert um, und auch David gürtete sein Schwert um; und sie zogen hinauf, hinter David her, etwa 400 Mann, und 200 blieben bei den Geräten.“ – 1. Samuel 25, 9 – 13 – Nabal stand politisch auf Sauls Seite und betrachtete David als einen dahergelaufenen Rebellen. Einige Ausleger vermuten, Nabal hätte in Davids Anfrage eine Art “Schutzgelderpressung“ gesehen und deshalb so abweisend reagiert. Andere sehen den Grund für Nabals schroffe Ablehnung des Ansinnens Davids in seinem Geiz. Dafür spricht, dass Nabal gar nicht anerkannte, dass David und seine Männer für ihn ein Segen gewesen waren. Er hatte aufgrund seiner Gottlosigkeit natürlich auch keine Erkenntnis darüber, dass David der Gesalbte des Herrn war.  David Reaktion auf die abweisende Haltung des Nabal war jedoch ebenfalls nicht im Sinne Gottes (1. Samuel 25, 13), denn er stand im Begriff, Nabals Gehöft anzugreifen und jeden seiner Männer zu töten (vgl. 1. Samuel 25, 22 + 34).

* “Und ein Knabe von den Knaben berichtete Abigail, der Frau Nabals, und sprach: Siehe, David hat Boten aus der Wüste gesandt, um unseren Herrn zu segnen; aber er hat sie angefahren. Und doch sind die Männer sehr gut zu uns gewesen; und es ist uns nichts zuleide geschehen, und wir haben nicht das Geringste vermisst alle Tage, die wir mit ihnen umhergezogen sind, als wir auf dem Feld waren. Sie sind eine Mauer um uns gewesen bei Nacht wie bei Tag, alle Tage, die wir bei ihnen waren und das Kleinvieh weideten. Und nun wisse und sieh zu, was du tun willst; denn das Unglück ist beschlossen gegen unseren Herrn und über sein ganzes Haus; und er ist ein solcher Sohn Belials, dass man nicht mit ihm reden kann.“ – 1. Samuel 25, 14 – 17 – Was für eine erstaunliche Aussage! Nabals Diener hatten mehr geistliche Erkenntnis als ihr Herr! Sie hatten erkannt, dass es Davids Anliegen gewesen war, das Haus Nabals zu segnen, weil David bereits zuvor den Hirten und Knechten Nabals Güte erwiesen hatte. Mit diesem Wissen geht nun einer der Diener Nabals zu dessen Frau. Ihm muss klar gewesen sein, dass er bei seinem Herrn “auf taube Ohren“ gestossen wäre. Es ist charakteristisch für einen Toren, dass weder auf andere noch auf Gott hört (vgl. Sprüche 1, 17 + 22; Sprüche 18, 2; Sprüche 23, 9).  Nabal war ein solcher Mensch und das war sogar seinen Knechten bekannt. Wie müssen sie ihn im Stillen dafür verachtet haben! Wäre Nabal an göttlicher Weisheit interessiert gewesen, dann  hätte er auch verstanden, dass David der Gesalbte Gottes war und dementsprechend hätte er sich verhalten können. Was für Zukunftsperspektiven hätte ihm eine solche Einstellung geboten! – Der Knecht Nabals hat das erkannt. Ihm ist bewusst, dass das Schicksal Nabals durch sein Verhalten David gegenüber besiegelt ist. Und er kennt auch den Grund dafür: Nabal ist ein gottloser Mensch. Der Knecht hat keine Scheu das wahre Übel beim Namen zu nennen: Nabal ist ein Sohn Belials – der Sohn eines Götzen, welcher ein Abbild des Satans ist.
Die hebräischen Worte für „gut“ (“טוב“) und “böse“ (“רע“) treten in diesem Kapitel jeweils sieben Mal auf (vgl. Verse 3, 8, 15, 21, 30, 31, 36 bzw. 3, 17, 21, 26, 34, 39 [2 x])  Damit rücken sie ein zentrales Thema dieses Kapitels in den Fokus des Lesers: Güte und Gottesfurcht bringen ihren eigenen Lohn hervor, während Gottlosigkeit und Bosheit auf den Toren zurückfallen.

* “Da eilte Abigail und nahm 200 Brote und zwei Schläuche Wein und fünf zubereitete Schafe und fünf Maß geröstete Körner und 100 Rosinenkuchen und 200 Feigenkuchen und lud sie auf Esel; und sie sprach zu ihren Knaben: Zieht vor mir hin; siehe, ich komme hinter euch her. Aber ihrem Mann Nabal sagte sie nichts davon. Und es geschah, als sie auf dem Esel ritt und an einer durch den Berg verdeckten Stelle herabkam, siehe, da kamen David und seine Männer herab, ihr entgegen; und sie stieß auf sie. David aber hatte gesagt: Gewiss, umsonst habe ich alles behütet, was diesem Menschen in der Wüste gehörte, so dass nicht das Geringste vermisst wurde von allem, was sein ist; und er hat mir Böses für Gutes vergolten! So tue Gott den Feinden Davids, und so füge er hinzu, wenn ich von allem, was sein ist, bis zum Morgenlicht übrig lasse, was männlich ist!“ – 1. Samuel 25, 18 – 22 – Abigail erweist sich als eine Frau voller Weisheit. Sie zögert nicht, alles  zuzubereiten, um den Gesalbten Gottes und seine Knechte mit dem zu versorgen, was diese Männer nötig haben. Ihr Verhalten ähnelt dem Jakobs, als dieser seinem Bruder Esau entgegen ging (vgl. 1. Mose 32, 13 – 21) und wir dürfen daraus schließe, dass Abigail eine Frau war, die aus dem Gesetz Gottes und der Geschichte ihres Volkes gelernt hatte. Man mag sich fragen, ob es richtig war, dass Abigail so handelte – ohne Einwilligung ihres Mannes.  Das war es sicher, denn ihr Ziel war es ja, sein Leben und das seines ganzen Hauses zu retten. Hätte sie ihm von ihrer Absicht berichtet, so hätte er es sicher vereitelt und den Tod  vieler Menschen in Kauf genommen.

* “Und als Abigail David sah, da stieg sie schnell vom Esel herab; und sie fiel vor David auf ihr Gesicht und beugte sich zur Erde nieder; und sie fiel ihm zu Füßen und sprach: Auf mir, mein Herr, sei die Schuld! Und lass doch deine Magd zu deinen Ohren reden und höre die Worte deiner Magd! Mein Herr kümmere sich doch nicht um diesen Mann Belials, um Nabal; denn wie sein Name, so ist er: Nabal ist sein Name, und Torheit ist bei ihm. Und ich, deine Magd, habe die Knaben meines Herrn nicht gesehen, die du gesandt hast. Und nun, mein Herr, so wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, der HERR hat dich verhindert, in Blutschuld zu kommen und dass deine Hand dir Hilfe schaffe! Und nun, mögen wie Nabal sein deine Feinde und die Böses suchen gegen meinen Herrn! Und nun, dieses Geschenk, das deine Magd meinem Herrn gebracht hat, es werde den Knaben gegeben, die im Gefolge meines Herrn ziehen. Vergib doch das Vergehen deiner Magd! Denn gewiss wird der HERR meinem Herrn ein beständiges Haus machen, weil mein Herr die Kriege des HERRN kämpft und kein Böses an dir gefunden wurde, seitdem du lebst. Und ein Mensch ist aufgestanden, dich zu verfolgen und nach deiner Seele zu trachten; aber die Seele meines Herrn wird eingebunden sein in das Bündel der Lebendigen bei dem HERRN, deinem Gott; und die Seele deiner Feinde, die wird er wegschleudern in der Pfanne der Schleuder. Und es wird geschehen, wenn der HERR meinem Herrn tun wird nach all dem Guten, das er über dich geredet hat, und dich bestellen wird zum Fürsten über Israel, so wird dir dies nicht zum Anstoß sein noch zum Herzensvorwurf für meinen Herrn, dass du Blut vergossen habest ohne Ursache und dass mein Herr sich selbst Hilfe geschafft habe. Und wenn der HERR meinem Herrn wohltun wird, so erinnere dich an deine Magd.“ – 1. Samuel 25, 23 – 31 –  Diese erste Begegnung Abigails mit David ist ein Beispiel für Mut und Weisheit zugleich: Eine einzelne Frau, auf einem Esel reitend und nur in Begleitung einiger weniger Diener, begegnet 400 auf Pferden reitenden, bewaffneten Kämpfern, die gerade auf dem Weg sind, ihren Ehemann und dessen ganzes Haus umzubringen.  Sich auf einen solchen Weg zu begeben, bedarf es großen Mutes, aber auch großer Weisheit. Von dieser Weisheit zeugt die Rede Abigails: Sie nimmt zuerst alle Schuld ihres Ehemannes auf sich. Dann bat sie David, ihr zuzuhören. Während Nabal David als einen Rebellen beschimpft hatte (vgl. Vers 10),  erkennt Abigail Davids wirkliche Stellung an und begegnet ihm als eine demütige Dienerin. Für das Verhalten ihres Ehemannes findet sie klare Worte. man mag auch hier wieder fragen,  ob eine Ehefrau so über ihren Ehemann sprechen sollte, selbst wenn er ein Tor ist. Doch es ist offensichtlich, dass David ihr dieses Verhalten nicht als Untreue gegenüber Nabal ausgelegt hat, denn sonst hätte er sie später sicherlich nicht um sie geworben und sie zur Frau genommen. Die Gottesfurcht und die aus ihr genährte Weisheit Abigals kommt aber besonders darin zum Ausdruck, dass sie Davids Blick in dieser Situation auf  den Willen Gottes lenkt. Sie sagt, dass Gott es ist, der David vor dem vergießen unschuldigen Blutes bewahren will. Obwohl sie das Werkzeug Gottes in dieser Situation ist, beansprucht sie für sich selbst keinerlei Ehre. In ihren folgenden Worten kommt ihre ganze Kenntnis darüber, dass David der Gesalbte Gottes und der zukünftige König Israels ist, zum Ausdruck. Diese Worte zeugen zugleich von ihrem festen und tiefen Glauben an Gott und Sein Handeln. Dann übergibt sie David die mitgebrachte Nahrung und bitte – erneut und anstelle Nabals um seine Vergebung. Sie glaubte daran, dass Gott David ein beständiges Haus, d.h. eine lang bestehende Dynastie, schenken würde, da er die Kriege Gottes, nicht nur die Kriege Sauls, kämpfte. Und sie war deswegen auch überzeugt, dass David in dieser Situation den Willen Gottes erfüllen wollte. Dementsprechend rechnete sie auch mit der richtigen Reaktion auf ihre Bitte. Sie glaubte auch daran, dass Gott David in allen seinen Kämpfen am Leben lassen würden und bezog sich damit auf eine Verheißung Gottes aus dem Gesetz des Mose (vgl. z.B. 5. Mose 4, 10; 5. Mose 8, 1; 5. Mose 16, 20 u.a.m.) Auch dadurch wird deutlich, wie sehr sich diese Frau aus dem Wort Gottes hatte belehren lassen.
Wenn David sein Vorhaben, Nabal und sein ganzes Haus zu töten, wirklich ausgeführt hätte, so hätte er nicht nur Blutschuld auf sich geladen, sondern auch Mißtrauen in die Herzen der Judäer gesät. Denn wen David im Zorn am Haus Nabals Rache nahm, wer konnte dann noch vor ihm sicher sein? Das aber wäre eine schlechte Grundlage für seine spätere Herrschaft als König Israels gewesen. Diese Tatsache ruft Abigail David ins Gedächtnis und sie beendet ihre Worte an ihn mit der Bitte, sich ihrer zu erinnern, wenn er seine Herrschaft antreten würde. Diese Bitte erinnert uns an die Bitte, die Joseph im Gefängnis an den  Mundschenk des Pharaos richtete (vgl. 1. Mose 40, 14), eine Begebenheit, die Abigail natürlich bekannt gewesen ist. Zum dritten Mal werden wir darauf hingewiesen, dass sie eine Frau war, die nicht nur das Wort Gottes kannte, sondern daraus gelernt hatte und es im Alltags anzuwenden wusste. In ihrem ganzen Verhalten offenbart Abigail einen geistlichen Ein- und Durchblick, der ihrem Ehemann Nabal völlig fehlte.

* “Und David sprach zu Abigail: Gepriesen sei der HERR, der Gott Israels, der dich mir an diesem Tag entgegengesandt hat! Und gesegnet sei dein Verstand, und gesegnet seist du, die du mich heute davon zurückgehalten hast, in Blutschuld zu kommen und mir mit meiner Hand Hilfe zu schaffen! Doch so wahr der HERR lebt, der Gott Israels, der mich verhindert hat, dir Böses zu tun, wenn du nicht geeilt und mir nicht entgegengekommen wärst, so wäre dem Nabal bis zum Morgenlicht nicht übrig geblieben, was männlich ist! Und David nahm von ihrer Hand, was sie ihm gebracht hatte, und sprach zu ihr: Zieh in Frieden hinauf in dein Haus. Siehe, ich habe auf deine Stimme gehört und deine Person angesehen.“ – 1. Samuel 25, 32 – 35 – David erkennt in dem Handeln und den Worten Abigails das Handeln Gottes und Seine Stimme. Er lobt Gott, den verstand der Abigail und sei selbst. So, wie Gott zuvor davids Gewissen benutzte, um ihn davon abzuhalten, Saul zu töten (vgl. 1. Samuel 24, 5), so benutzte Er nun Abigails Worte, um David davor zu bewahren Nabal zu töten. david war weise genug, um auf die Worte dieser Frau zu hören, die für ihn eine Fremde war. Nabal war dazu nicht in der Lage gewesen. 

* “Und als Abigail zu Nabal kam, siehe, da hatte er ein Festmahl in seinem Haus wie ein Königsmahl; und das Herz Nabals war fröhlich in ihm, und er war über die Maßen betrunken. Und sie berichtete ihm weder Kleines noch Großes, bis der Morgen hell wurde. Und es geschah am Morgen, als der Rausch von Nabal gewichen war, da berichtete ihm seine Frau diese Dinge; und sein Herz erstarb in seinem Innern, und er wurde wie ein Stein.“ – 1. Samuel 25, 36 – 38 –  Als Abigal nach Hause zurückkehrte, fand sie ihren törichten Mann betrunken und in Partylaune vor. Der tödlichen Gefahr, in die ihn seine überheblichen Worte David gegenüber gebracht hatten, war er sich nicht bewusst. Er war “fröhlich in sich selbst“, denn er hielt sich für überaus schlau und stark. Das verführte ihn dazu, stolz zu sein und darum verhielt er sich wie ein König, nicht wie der Diener jenes zukünftigen Königs, den Gott bereits ausgewählt hatte.  Hierin ähnelte Nabal Saul. Auch Saul war stolz auf sich und sein Königtum. Beiden wurde ihr Stolz zum Fallstrick (vgl. Sprüche 16, 5 + 18). Abigail war weise genug ihrem Ehemann in diesem Zustand nichts von dem, was sie getan und erlebt hatte, zu erzählen. Sie wartete damit bis zum nächsten Morgen, in der Hoffnung, dass Nabal dann wieder nüchtern sein würde. Bei klarem Verstand war er ja nie gewesen.  Als Nabal schlussendlich realisierte, in welcher Gefahr er sich mit seinem ganzen Haus befunden hatte, “erstab sein Herz in ihm“. Einige Ausleger sehen darin einen Herzinfarkt, andere vermuten eine Katatonie.  Zehn  Tage später war von dem geizigen, stolzen und gottlosen Nabal nichts mehr übrig, denn das Gericht Gottes hatte ihn erreicht (vgl. 4. Mose 3, 2; 4. Mose 16, 32; Josua 7, 25; 1. Korinther. 11, 30; 1. Johannes 5, 16). Gott hatte Nabal gerichtet, weil er den Gesalbten Gottes abgelehnt und verworfen hatte und genau das würde Gott auch mit Saul tun und zwar aus demselben Grund. In diesem Zusammenhang dürfen wir auch davon ausgehen, dass David Gottes Wirken in Bezug auf Nabal  als eine Vorschattung Seines Eingreifens in Bezug auf Saul betrachtete. dass, was David mit dem törichten Nabal erlebt hatte, würde er auch mit dem törichten Saul erleben. Dass er ein Tor war, sollte Saul in der Zukunft selbst bekennen (vgl. 1. Samuel 26, 21).

* “Und als David hörte, dass Nabal gestorben war, sprach er: Gepriesen sei der HERR, der den Rechtsstreit meiner Schmach von Seiten Nabals geführt und seinen Knecht vom Bösen abgehalten hat! Und die Bosheit Nabals hat der HERR auf seinen Kopf zurückkehren lassen. Und David sandte hin und warb um Abigail, um sie sich zur Frau zu nehmen. Und die Knechte Davids kamen zu Abigail nach Karmel; und sie redeten zu ihr und sprachen: David hat uns zu dir gesandt, um dich zu seiner Frau zu nehmen. Da stand sie auf und beugte sich nieder, das Gesicht zur Erde, und sprach: Siehe, deine Magd als Dienerin, um die Füße der Knechte meines Herrn zu waschen. Und Abigail machte sich schnell auf und bestieg einen Esel, sie und ihre fünf Mägde, die ihrem Fuß folgten; und sie zog den Boten Davids nach, und sie wurde seine Frau. Und David hatte auch Achinoam von Jisreel zur Frau genommen; und so wurden sie alle beide seine Frauen.“ – 1. Samuel 25, 39 – 43 – David pries Gott dafür, dass Er ihn gerechtfertigt hatte und dass Er ihn davor bewahrt hatte, Blutschuld auf sich zu laden. Es ist gut nachvollziehbar, warum David Abigail so attraktiv fand. Sie war nicht nur intelligent (vgl. 2. Chronik 30, 22; Psalm 111:10; Sprüche 1315) und schön  (vgl. 1. Samuel 25, 3; 1. Mose 29, 17; Esther 2, 7), sondern teilte auch seine Sicht des Lebens und seine Hingabe an Gott. Dennoch war Monogamie Gottes Wille seit der Schöpfung (vgl. 1. Mose 2, 24) und daher für David nicht recht, sie zu heiraten. Denn zuvor hatte er bereits Ahinoam von Jisreel zu seiner Frau genommen und außerdem war er mit Michal, der Tochter Sauls verheiratet gewesen (vgl. Verse 43 – 44). Vielleicht rechtfertigte David sein Handeln damit, dass Saul ihn für tot erklärt und seine Tochter, Davids Frau, einem anderen Mann gegeben hatte. Vielleicht diente ihm auch der weitverbreitete Brauch der Polygamie im Nahen Osten seiner Zeit als Argument. Doch Gott hatte genau dies den Königen Israels untersagt (5. Mose 17, 17). Davids falscher Umgang mit Frauen sollte später in seinem Leben noch zu großen Problemen führen, aber wir können bereits in 1. Samuel 25  die Wurzel dieser Probleme erkennen: Dieselben Worte “sandte zu ihr“ und “nahm sie“ finden wir auch in 2. Samuel 11, 4, wo wir von Davids Ehebruch mit Bathseba erfahren. Offensichtlich betrachtete David ein solches Verhalten als sein “gutes“ Recht an. Hätte Abigail sich Davids Heiratsantrag verweigern sollen? Hätte sie das überhaupt gekonnt? Der Text scheint die Möglichkeit zu eröffnen, dass sie sich hätte frei entscheiden können (vgl. Vers 42). David war bereits verheiratet und es wäre besser gewesen, wenn sie diesen Ehebund respektiert hätte (1. Mose 2, 24), immer vorausgesetzt, dass sie wirklich frei in ihrer Entscheidung war. Vielleicht verspürte sie nach dem Tod Nabals ein Bedürfnis nach Sicherheit und die Heirat mit David versprach die Erfüllung dieses Bedürfnisses, insbesondere da sie Vieles mit David gemeinsam hatte. Auch wenn ihre Entscheidung verständlich ist, so war und ist sie doch nicht empfehlenswert.
Von Abigail können wir viel lernen: Wir sehen an ihrem Leben, wie ein gottesfürchtiger Mensch mit der Torheit eines Ehepartners umgeht, nämlich indem er/sie den Ehepartner bewahrt und beschützt, anstatt seine Torheiten zu  übersehen. Wir mögen vielleicht nicht auf so  spektakuläre Weise für unseren Ehepartner eintreten wie Abigail, aber wir können und sollten jeden Tag für ihn/sie vor Gott im Gebet eintreten. Wir sehen am Leben Abigails auch, wie eine gottesfürchtige Person in der richtigen Weise auf einen törichten Ehepartner reagieren kann – indem man ihn /sie ehrt, anstatt ihn/sie gering zu schätzen. ferner zeigt uns das Verhalten  Abigails, wie eine gottesfürchtige Person damit umgeht, wenn sie von anderen Segen und Gunst erhält, nämlich indem man freigiebig zurück gibt, anstatt solche Segnungen/Gunsterweise als selbstverständlich zu betrachten. Auch für das Verhalten gottesfürchtiger Menschen untereinander ist Abigail ein Vorbild für uns: Wie sie David eine Hilfe war, ihm nicht widerstand, sondern ihn höher achtete als sich selbst, so können auch wir unseren Mitgläubigen in Liebe und Demut dienen und auf diese Weise Christus ähnlich werden (Philipper 2, 5 – 8). Abigail lehrt uns, wie wir in gottesfürchtiger Weise auf Situationen reagieren können, in denen wir verletzbar sind – indem wir bereit sind, Opfer zu bringen, anstatt hochmütig zu sein.  Und wir können von Abigal auch lernen, wie wir richtig mit gefahrvollen Situationen umgehen können, nämlich indem wir Gott vertrauen und gemäß Seinem Wort handeln, anstatt die Gefahr zu ignorieren. Nur in Abigails Reaktion auf ihr Bedürfnis nach Sicherheit können wir ihr nicht folgen. In diesem Fall hätte sie sich besser auf Gott verlassen sollen, anstatt auf die menschliche Sicherheit, die nur durch einen Kompromiss mit dem Gesetz Gottes erlangt werden konnte. Es ist in diesem Zusammenhang sehr interessant, dass immer da, wo Abigail in der Folgezeit im Zusammenhang mit David genannt wird, sie als “Nabals Frau“ bezeichnet wird (vgl. 1. Samuel 27, 3; 1. Samuel 30, 5).

* “Saul aber hatte seine Tochter Michal, die Frau Davids, Palti, dem Sohn des Lais, aus Gallim, gegeben.“ – 1. Samuel 25, 44 – Wie bereits einleitend gesagt, beginnt und endet dieses Kapitel  mit einer leidvollen Erfahrung für David – dem Tod Samuels und der erzwungenen Scheidung von Michal. Indem Saul seine Tochter Michal, Davids Frau, einem anderen Mann zur Frau gab, erklärte er David für tot. Vielleicht wollte Saul auf diese Weise auch jeden Anspruch Davids auf seinen Thron abwehren. Später (vgl. 2. Samuel 3, 13 – 16) forderte David Michal als seine Frau zurück. Doch ihre Rückkehr an Davids Seite sollte sich als eine Quelle beständigen Leides für David erweisen. Denn Michal wusste Davids beständige Hingabe an Gott und Seine Autorität (vgl. 2. Samuel 6, 16 – 23; 1. Chronik 15, 29).

 

 

 

 
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