Anmerkungen zu Psalm 65, 1 ff.

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Psalmenrolle * Foto: Pete unseth, via Wikimedia Commons

 

Anmerkungen zu Psalm 65, 1 ff.

Psalm 65, 6 ist als Grundlage für die Wortverkündigung am morgigen Mittwoch vorgesehen. Wir betrachten diesen Vers im Kontext des gesamten Psalms:

“Dem Vorsänger. Ein Psalm von David, ein Lied.
Deiner harrt schweigend der Lobgesang, o Gott, in Zion, und dir wird bezahlt werden das Gelübde.
Hörer des Gebets! Zu dir wird kommen alles Fleisch.
Ungerechtigkeiten haben mich überwältigt; unsere Übertretungen, du wirst sie vergeben.
Glückselig der, den du erwählst und herzunahen lässt, dass er in deinen Vorhöfen wohne! Wir werden gesättigt werden mit dem Guten deines Hauses, dem Heiligen deines Tempels.
Du wirst uns antworten durch furchtbare Dinge in Gerechtigkeit, Gott unseres Heils, du Zuversicht aller Enden der Erde und der fernsten Meere, der die Berge feststellt durch seine Kraft, umgürtet ist mit Macht, der da stillt das Brausen der Meere, das Brausen ihrer Wellen und das Getümmel der Völkerschaften.
Und die Bewohner der Enden der Erde fürchten sich vor deinen Zeichen; du bewirkst, dass die Ausgänge des Morgens und des Abends jauchzen.
Du hast dich der Erde angenommen und ihr Überfluss gewährt, du bereicherst sie sehr: Gottes Bach ist voll Wasser. Du bereitest ihr Getreide, wenn du sie so bereitest.
Du tränkst ihre Furchen, ebnest ihre Schollen, du erweichst sie mit Regengüssen, segnest ihr Gewächs.
Du hast das Jahr deiner Güte gekrönt, und deine Spuren triefen von Fett.
Es triefen die Weideplätze der Steppe, und mit Jubel umgürten sich die Hügel. Die Weidegründe bekleiden sich mit Herden, und die Täler bedecken sich mit Korn; sie jauchzen, ja, sie singen.“

(Psalm 65, 1 – 13 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)


Zum Hintergrund von Psalm 65

Bei Psalm 65 handelt es sich um einen gemeinsam gesungenen Psalm, mit dem das Volk Gottes seinen Dank ausdrücken und Gott für die Fülle des Segens preisen konnte, mit dem Er es in dem verheißenen Land beschenkte. Auch die Psalmen 66, 107, 1118, 124 und 129 werden zu dieser Kategorie gemeinschaftlicher Dankpsalmen gerechnet. Alle diese Psalmen lassen ihren gemeinschaftlichen Charakter entweder am Gebrauch des pluralen Personalpronomens oder an einem anderen deutlichen Kennzeichen erkennen. Die Botschaft, die David mit diesem Psalm verkündigen will (und zu deren Verkündigung er das Volk mit diesem Psalm anleitet), ist, dass Gott Gebet erhört, Sünde – im Sinn von Vergebung – sühnt und Sein Volk segnet.  Allein die Güte Gottes ist der Grund für den Überfluss, in dem das Volk Israel leben und durch die es auch Gottes übernatürliches Eingreifen erleben darf. 

* “Dem Vorsänger. Ein Psalm von David, ein Lied. Deiner harrt schweigend der Lobgesang, o Gott, in Zion, und dir wird bezahlt werden das Gelübde.“ – Psalm 65, 1 – 2 – In den Versen 1 – 4  beschäftigt sich der Psalmist mit der Tatsache (Hebräer 11,1), dass Gott Gebet erhört. Er allein ist der “Hörer des Gebets“ – neben Ihm gibt es keinen anderen Gott. Die “Götzen der Nationen sind Silber und Gold, ein Werk von Menschenhänden“ (Psalm 135, 15; vgl. Jesaja 46, 6 – 7). Vor diesem – allmächtigen – Gott hat (zuerst einmal) alles zu schweigen. Es gibt Zeiten, in denen es keine höhere Anbetung Gottes als das schweigende Niederfallen vor Seiner herrlichen Person gibt (Psalm 46, 10; Habakuk 2, 20; Sacharja 2, 13;). Dann aber wird das Volk Gott auch preisen und Ihm seine Gelübde erfüllen. Beides ist die dankbare Reaktion auf die Gnade Gottes, die sich in der Erhörung der Gebete Seines Volkes und in dem Schutz, den Er seinem Volk gewährt, ausdrückt.

* “Hörer des Gebets! Zu dir wird kommen alles Fleisch. Ungerechtigkeiten haben mich überwältigt; unsere Übertretungen, du wirst sie vergeben.“ – Psalm 65, 3 – 4 –  “Hörer des Gebets!“ An kaum einer anderen Stelle des Alten Testaments wird Israels Abhängigkeit von seinem Gott so prägnant ausgedrückt. Drei Worte, die alles sagen: Kein anderer Gott, kein anderer Helfer, kein anderer Erretter (vgl. Jesaja 45, 24)! Und weil nirgendwo anders – weder bei den Götzen der Nationen noch in der eigenen menschlichen Kraft und Stärke (vgl. Jeremia 17,  5- 8) Hilfe zu finden ist, wird “alles Fleisch“, d.h. jeder Mensch (schlussendlich) diesen einzigartigen, wahrhaftigen Gott anrufen (vgl. Philipper 2, 5 – 11).
Nach diesen Feststellungen spricht David von der einen Sache, die das Lob und die Anbetung Gottes hindern kann: Sünde. Er spricht davon, dass er selbst von “Ungerechtigkeiten“ überwältigt wurde, dann aber auch von “unseren Sünden“. Letzteres deutet darauf hin, dass das gesamte Volk betroffen war. Kommentatoren haben in diesem Zusammenhang verschiedene Möglichkeiten “persönlicher“ oder “nationaler Sünde“ in Betracht gezogen, doch die Heilige Schrift macht hierzu keine genauen Angaben. Doch das ist auch nicht wichtig, denn voller Glauben, Zuversicht und Dankbarkeit kann David bekennen: “Unsere Übertretungen, du wirst sie vergeben.“

* “Glückselig der, den du erwählst und herzunahen lässt, dass er in deinen Vorhöfen wohne! Wir werden gesättigt werden mit dem Guten deines Hauses, dem Heiligen deines Tempels. Du wirst uns antworten durch furchtbare Dinge in Gerechtigkeit, Gott unseres Heils, du Zuversicht aller Enden der Erde und der fernsten Meere, der die Berge feststellt durch seine Kraft, umgürtet ist mit Macht, der da stillt das Brausen der Meere, das Brausen ihrer Wellen und das Getümmel der Völkerschaften.“ – Psalm 65, 5 – 8 – Über Vers 5 dieses Psalms könnte man Luthers Worte aus dem fünften Hauptstück seines Kleinen Katechismus schreiben: “… denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit.“ Denn erst die Vergebung der Sünde (siehe Vers 4) ermöglicht den neuen, ungehinderten Zugang zu Gott (vgl. Jesaja 6, 1 – 8). Und in der Gegenwart Gottes kann dann auch (wieder) die ganze Fülle der Segnungen der Gegenwart Gottes erlebt werden. Die wiederhergestellte Beziehung zu Gott ist zudem die Grundlage, auf der Gott in machtvoller Weise für sein Volk eintritt und “furchtbare Dinge der Gerechtigkeit“ (d.h. Dinge, die den, der sie erlebt zur Ehrfurcht vor Gott führen) tut. Gottes Größe, Güte und Macht, die sich in seiner Schöpfung spiegeln, sind für David Grund genug,  Ihm fest zu vertrauen.
Davids Blick geht in diesen Versen allerdings weit über seine eigene Erfahrung bzw. die Erfahrung des Volkes Israel hinaus. In prophetischer Weise gibt dieser Psalm bereits einen Ausblick darauf, dass eine Zeit kommen wird, in der der “Hörer des Gebets“, der allmächtige, allein wahre Gott zur Zuversicht “aller Enden der Erde und der fernsten Meere“, d.h. aller Menschen, werden würde. Der Zeitpunkt wird kommen, ab dem die Nationen nicht mehr „das Werk ihrer Hände“ (Jesaja 2, 8) anbeten werden (wie zur Zeit Davids), sondern  an dem “die Erde voll werden (wird) von der Erkenntnis der Ehre des HERRN“ und die Völker erkennen werden, dass Er, Jahwe, allein der Gott des Heils, der Erlösung, ist. 

* “Und die Bewohner der Enden der Erde fürchten sich vor deinen Zeichen; du bewirkst, dass die Ausgänge des Morgens und des Abends jauchzen. Du hast dich der Erde angenommen und ihr Überfluss gewährt, du bereicherst sie sehr: Gottes Bach ist voll Wasser. Du bereitest ihr Getreide, wenn du sie so bereitest.“ – Psalm 65, 9 – 10 Doch schon gegenwärtig ist Gottes Allmacht in Seinem Schöpferwirken deutlich erkennbar (vgl. Römer 1, 20) und führt bei denen, die es erkennen zur Ehrfurcht vor Gott. – David beschreibt Gott hier wie einen Landwirt, der Tag für Tag die Erde bestellt (“hast dich der Erde angenommen“) und dessen Handeln zu überreichem Segen führt (“wenn du sie so bereitest“).

* “Du tränkst ihre Furchen, ebnest ihre Schollen, du erweichst sie mit Regengüssen, segnest ihr Gewächs. Du hast das Jahr deiner Güte gekrönt, und deine Spuren triefen von Fett. Es triefen die Weideplätze der Steppe, und mit Jubel umgürten sich die Hügel.“ – Psalm 65, 11 – 13 – Doch im Gegensatz zu einem Landwirt, der das Land nur bestellen und pflegen kann, ist Gott auch derjenige, der allein alles geben kann, was zum Gedeihen Seiner Schöpfung notwendig ist. Und genau das tut Er in reichem Maß und an jedem neuen Tag, den Er werden lässt.  Selbst jene werden von diesem Segen Gottes erfasst, die Ihn ablehnen bzw. nicht anerkennen (vgl. Matthäus 5, 45), denn Gott hat Freude daran, zu segnen. Er ist nicht nur ein großer, sondern auch ein guter Gott. Auf diesem Hintergrund gilt allen Menschen die Einladung, sich diesem Gott ganz zuzuwenden und Ihm von Herzen zu vertrauen:

“Oder betrachtest du seine große Güte, Nachsicht und Geduld als selbstverständlich? Begreifst du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr bringen will?“

(Römer 2, 4; NGÜ)

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