Persönliches Leben und öffentlicher Dienst – Anmerkungen zu 1. Timotheus 4, 6 – 16

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Arbeitsbibel * Foto: JNj.

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Ein Vers aus dem 4. Kapitel des 1. Timotheusbriefes (zum Hintergrund des 1. Timotheusbriefes siehe: Klick!) wurde als Grundlage der Wortverkündigung am morgigen Sonntag ausgewählt. Wir betrachten diesen Vers in seinem Kontext:

 

“Wenn du dies den Brüdern vorstellst, so wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein, auferzogen durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre, der du genau gefolgt bist. Die ungöttlichen und altweibischen Fabeln aber weise ab, übe dich aber zur Gottseligkeit; denn die leibliche Übung ist zu wenigem nützlich, die Gottseligkeit aber ist zu allen Dingen nützlich, da sie die Verheißung des Lebens hat, des jetzigen und des zukünftigen. Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert; denn dafür arbeiten wir und werden geschmäht, weil wir auf einen lebendigen Gott hoffen, der ein Erhalter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen.
Dies gebiete und lehre. Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild der Gläubigen in Wort, in Wandel, in Liebe, in Glauben, in Keuschheit. Bis ich komme, halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermahnen, mit dem Lehren. Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir, die dir gegeben worden ist durch Weissagung mit Auflegen der Hände der Ältestenschaft. Bedenke dies sorgfältig; lebe darin, damit deine Fortschritte allen offenbar seien.
Habe Acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Dingen, denn wenn du dies tust, so wirst du sowohl dich selbst erretten als auch die, die dich hören.

(1. Timotheus 4, 6 – 16 ELBEDHÜ; z. Vgl. Luther’84)

 

Einige Gedanken zum Hintergrund des  1. Timotheusbriefes

Während im Brief an Titus der Schwerpunkt auf dem rechten christlichen Leben und Verhalten liegt, betont Paulus in den beiden Briefen an Timotheus mehr die Bedeutung der rechten christlichen Lehre. Die Gründe dafür sind verständlich, wenn wir die Zeit betrachten, in welcher der Apostel Paulus diesen Brief schrieb. Es war eine Zeit, in der die vielen neu entstandenen Versammlungen (= Gemeinden) aufblühten und wuchsen. (Welche Auswirkungen der Dienst des Apostels Paulus hatte, wird aus der Anklage deutlich, die der Hohepriester Annanias und die jüdischen Ältesten über ihn vor den römischen Autoritäten in Apostelgeschichte 24, 5 vorbrachten.) Im Zusammenhang mit diesem Wachstum kamen auch Fragen bzgl. der rechten Lehre und der Grundlagen des Zusammenkommens der Gläubigen auf. Diese Fragen beantwortet der Apostel in seinem zweiten Brief an Timotheus. Er hinterlässt seinem Mitarbeiter darin aber auch klare Anweisungen bzgl. der Auswahlkriterien für Mitarbeiter und für den Umgang mit Irrlehrern, die die Gläubigen zu verführen suchten. Welche Bedrohung diese Irrlehrer darstellten, wird deutlich, wenn man die Worte, die der Apostel am Ende seiner dritten Missionsreise an die Ältesten von Ephesus richtet (Apostelgeschichte 20, 29 – 30), studiert. In seiner Abschiedsrede warnte der Apostel die Ältesten vor zwei Gruppen von Menschen: Zum einen kündigte er das Auftreten von Menschen an, die wie ”reißende Wölfe” in die Versammlung (= Gemeinde) eindringen und die ”Herde nicht schonen” würden. Außerdem warnte er vor  Männern, die aus ihrer ”eigenen Mitte aufstehen und verkehrte Dinge reden würden, um so die Jünger (des Herrn Jesus) abzuziehen hinter sich her”. Beide Gruppen von Irrlehrern, jene, die von außen und jene, die von innen die Gläubigen zu verführen suchten, hatten also nicht das Wohl der ”Schafe Christi”, sondern nur ihren eigenen Profit im Blick. Wie wir aus 1. Timotheus 1, 6; 1. Timotheus 6, 21 und 2. Timotheus 2, 18 erkennen  können, waren die von Paulus angekündigten Gefahren schon evident. Hymenaeus, Philetus und Alexander waren ein anschauliches Beispiel für jene ”Wölfe, die die Herde Christi nicht schonten” (1. Timotheus 1, 20; 2. Timotheus 2, 17). Auch andere Irrlehrer bzw. falsche Lehren werden von Paulus bereits im ersten Timotheusbrief  angesprochen (vgl. 1. Timotheus 1, 3 – 111. Timotheus 6, 3 – 10). Doch das Auftreten dieser falschen Lehrer ist – das macht der Apostel in 1. Timotheus 4, 1 – 5 deutlich – keine Überraschung. Der Geist Gottes hatte vor dem Auftreten dieser Menschen bereits frühzeitig gewarnt. Diese Entwicklungen hatten auch vor der christlichen Gemeinschaft in Ephesus, der Timotheus vorstand,  nicht haltgemacht. Darum war es dem Apostel nicht nur ein Anliegen, seinen jungen Mitarbeiter zu warnen. Vielmehr wollte er Timotheus in dieser ganz konkreten Situation eine praktische Hilfestellung geben. In 1. Timotheus 4, 6 – 16 spricht er daher zuerst über die  Verantwortung, die sein Mitarbeiter im Umgang mit solchen Menschen und Lehren trägt. Anschließend erläutert er, wie Timotheus auf positive Weise die genannten Bedrohungen für die Herde Gottes überwinden können würde. Dabei ist die Integrität des persönlichen Lebens des Mitarbeiters die entscheidende Voraussetzung für einen fruchtbaren und kraftvollen geistlichen Dienst.

Anmerkungen zu 1. Timotheus 4, 6 – 16

* “Wenn du dies den Brüdern vorstellst, so wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein, auferzogen durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre, der du genau gefolgt bist.“1. Timotheus 4, 6 – Mit diesem Vers beginnt Paulus drei zentrale geistliche Prioritäten im Leben eines geistlichen Leiters aufzuzeigen. An erster Stelle steht der Umgang des Dieners Gottes mit dem Wort Gottes. Wo falsche Lehren auftreten, soll ein Diener Gottes diese anhand des Wortes Gottes widerlegen. Denn die Worte “Wenn du dies den Brüdern vorstellst …“ beziehen sich auf die Widerlegungen, die Paulus in  1. Timotheus 4, 1 – 5 aufgezeigt hat. Obwohl unter den Gläubigen in Ephesus solche Lehren aufgetreten waren, bezeichnet Paulus diese Christen als Brüder. Sie sind für ihn keine Feinde, sondern Mitgläubige, die er liebt und denen er mit aller Kraft helfen möchte, dass sie wieder auf den rechten Weg zurückfinden. Dementsprechend weist er Timotheus auch an, diesen Gläubigen die Wahrheit des Wortes Gottes “vorzustellen“. Das hier gebrauchte griechische Wort “ὑποτίθημι“ (“hupotithemi“) bedeutet “jemandem etwas nahelegen“, “etwas anregen“, “eine Vorstellung von etwas vermitteln“. Es geht also nicht darum, jenen, die auf diese falschen Lehren hereingefallen sind, etwas zu befehlen oder ihnen Vorhaltungen zu machen. Sie sollen mit der Wahrheit des Wortes Gottes konfrontiert werden – aber in Liebe und Demut.
Paulus ist voller Zuversicht, dass Timotheus dazu in der Lage sein wird, denn  dieser war “auferzogen durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre,“ der er auch “genau gefolgt“ war. Die tiefe Verwurzelung  im Wort Gottes, d.h. ein beständiges Studium desselben sowie seine praktische Umsetzung im persönlichen Leben, ist also die erste Priorität für jeden Christen, den Gott berufen hat, Seine Herde zu weiden. Nur so wird ein Mitarbeiter in der Lage sein, in Demut und Liebe falsche Lehren zu widerlegen. Gleichzeitig unterstreicht ein solcher Christ durch das Zeugnis seines eigenen Lebens  die Wahrheit des Wortes Gottes.

* “Die ungöttlichen und altweibischen Fabeln aber weise ab, übe dich aber zur Gottseligkeit; denn die leibliche Übung ist zu wenigem nützlich, die Gottseligkeit aber ist zu allen Dingen nützlich, da sie die Verheißung des Lebens hat, des jetzigen und des zukünftigen.“1. Timotheus 4, 7 – 8  – Anschließend ermahnt der Apostel seinen Mitarbeiter, dass dieser sich nicht in Wortgefechte, d.h. Diskussionen, über die genannten Irrlehren einlassen soll. Diese Ermahnung finden wir an zahlreichen Stellen in den so genannten Pastoralbriefen des Paulus (vgl.  1. Timotheus 1, 4; 1. Timotheus 4, 7; 2. Timotheus 2, 14 – 18 + 23; Titus 1, 14; Titus 3, 9). Wenn es um die Wahrheit des Wortes Gottes geht, durch die allein Menschen Erlösung finden können (Johannes 14, 6), dann verbietet sich jede Diskussion. Christen sind nicht berufen, Irrlehren zu diskutieren oder zu analysieren, ob sich darin vielleicht doch noch so genannte “Elemente der Wahrheit“ finden könnten. Christen sind berufen, die Wahrheit Gottes zu bezeugen und dafür einzutreten. Denn diese falschen Lehren sind “ungöttlich“. Sie sind so wertlos, wie Fabeln, die alte Frauen zum Zeitvertreib den Kindern erzählen. Diese ungöttlichen, wertlosen Lehren soll Timotheus widerlegen, jedoch ohne sich weiter darauf einzulassen. Vielmehr soll er seine ganze Zeit und Kraft dazu nutzen, sich in der Gottseligkeit zu üben. Damit spricht Paulus die zweite große Priorität im Leben eines geistlichen Leiters an: “Gottseligkeit“, grch. “εὐσέβεια“ (“eusebeia“)  ist ein zentraler Begriff in den Pastoralbriefen (vgl. 1. Timotheus 2, 2; 1. Timotheus 3, 16; 1. Timotheus 4, 7; 1.Timotheus 4, 8; 1. Timotheus 6, 3; 1. Timotheus 6, 5; 1.Timotheus 6, 6; 1. Timotheus 6, 11; 2. Timotheus 3, 5; Titus 1, 1). Mit dem Begriff  “Gottseligkeit“ beschreibt Paulus den Lebensstil eines Menschen, der in Übereinstimmung mit den Lehren des Evangeliums ist (Ethik) steht und durch den dieses Evangelium auch treu verkündet wird (Theologie). Dieser Lebensstil, das macht ein gründliches Studium der genannten Schriftstellen deutlich, wird von Paulus als das “normale Christenleben“ und nicht etwa als etwas Außergewöhnliches betrachtet. Das Wort “εὐσέβεια“ (“eusebeia“) setzt sich zusammen aus den Worten “εὐ“ für “gut“ und  “σέβομαι“ (“sebomai“) für “Anbetung“.  Wahre Anbetung Gottes ist also nicht eine Sache von 90 Minuten am Sonntagmorgen, sondern zeigt sich primär im täglichen Leben und Denken (vgl. 1. Timotheus 4, 16a). Wenn beides – Leben und Denken, Ethik und Theologie – mit dem Wort Gottes in Einklang stehen, ist jeder Tag unseres Lebens eine beständige Anbetung Gottes. Ein solches Leben setzt Selbstdisziplin voraus. Doch ein solches Leben in beständiger Anbetung Gottes ist jeden Einsatz wert, denn “die Gottseligkeit (…) ist zu allen Dingen nützlich, da sie die Verheißung des Lebens hat, des jetzigen und des zukünftigen“. Auf einem Leben der Gottseligkeit wird schon hier auf der Erde der Segen Gottes ruhen (vgl. z.B. Matthäus 6, 33; Johannes 16, 33), darüber hinaus sind mit einem solchen Leben auch zahlreiche Verheißungen bzgl. der Ewigkeit verbunden (vgl. z.B. Matthäus 25, 21 – 23; 1. Korinther 3, 11 – 15; 1. Korinther 15, 58; 2. Korinther 5, 10; Offenbarung 5, 10).
Im Gegensatz dazu hat die “leibliche Übung“, d.h. die gnostische Askese¹, die die genannten Irrlehrer als Weg zu einer angeblichen “höheren Gotteserkenntnis“ verkünden,  nur einen sehr begrenzten Wert. Timotheus sollte also diszipliniert die Entwicklung seines geistlichen Lebens vorantreiben und dabei in den Genuss der zeitlichen und ewigen Segnungen Gottes kommen.

* “Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert; (…)“1. Timotheus 4, 9  – Mit diesen Worten bezieht sich Paulus auf den vorausgehenden Vers. Seine Aussagen über den Wert der Gottseligkeit haben ihre Grundlage in den zuverlässigen Verheißungen Gottes und sind deshalb gewiss und aller Annahme durch die Gläubigen wert.

* “(…) denn dafür arbeiten wir und werden geschmäht, weil wir auf einen lebendigen Gott hoffen, der ein Erhalter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen.“1. Timotheus 4, 10 – Weil Paulus – und mit ihm alle Gläubigen – fest den Verheißungen Gottes vertrauen, die ihre Grundlage in dem unveränderbaren Charakter Gottes (vgl.  Psalm 102, 26 – 27; Maleachi 3, 6; Hebräer 1, 11 – 12; Hebräer 13, 8; Jakobus 1, 17) haben, darum ist/sind er/sie auch bereit, dafür jede Anstrengung, ja sogar Schmähungen, auf sich zu nehmen. Die Kraft für ein solches Leben (2. Petrus 1, 1 – 11), kann der Christ aus der Gewissheit schöpfen, dass der lebendige Gott, dem er vertraut, “der Erhalter/Retter aller Menschen, besonders der Gläubigen ist“. Wenn Paulus hier – und an anderen Stellen – explizit von dem “lebendigen Gott“ spricht, dann tut er dies, um damit den Unterschied zu den toten Götzen, die über keinerlei Macht verfügen, aufzuzeigen. Dieser lebendige  Gott (1. Timotheus 3, 15), dem der Christ ganz und gar vertrauen kann, ist der Erhalter/Retter aller Menschen (1. Timotheus 2, 2; 1. Timotheus 4, 6).  Gott ist der Retter aller Menschen in dem Sinn, dass die Erlösung, die Er geschaffen hat, für alle Menschen  zugänglich ist. Aber Er ist zugleich in besonderer Weise der Erretter der Gläubigen, weil die Erlösung in ihrem Leben durch den Glauben wirksam werden konnte. Die Erlösung, die Gott durch den Kreuzestod Seines Sohnes – Jesus Christus –  geschaffen hat, ist ausreichend, um jeden Menschen, der jemals gelebt hat oder noch leben wird, zu erretten. Wirksam wird diese Erlösung jedoch nur im Leben derer, die sie glaubensvoll für sich annehmen, Buße tun und die Vergebung Gottes in Anspruch nehmen (Johannes 3, 16; Apostelgeschichte 2, 38; 1. Johannes 1, 7 – 9).

* “Dies gebiete und lehre.“1. Timotheus 4, 11 – Das Wort, das in den meisten unserer Bibelausgaben mit “gebiete“ übersetzt wird, ist “παραγγέλλω“ (“paraggello“). Es  ist dies ein Begriff, der aus der Militärsprache entlehnt ist und mit “gebieten“ oder “befehlen“ wiedergegeben werden kann (vgl. 1. Timotheus 1, 3 + 18). Über diese Dinge, die der Apostel in den vorausgegangenen Versen niedergelegt hatte, sollte Timotheus die Gläubigen in Ephesus regelmäßig mit großem Eifer belehren. Während Paulus seinen Mitarbeiter aufruft, jenen Gläubigen, die von falschen Lehrern verführt wurden, die Wahrheit des Wortes Gottes in Demut und Liebe vorzustellen, um sie so für die rechte Lehre zu gewinnen, soll Timotheus die übrigen Gläubigen, die diesen Lehren nicht auf den Leim gegangen sind, beständig und entschlossen in der Wahrheit Gottes unterweisen, damit sie darin umso fester verwurzelt werden.

* “Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild der Gläubigen in Wort, in Wandel, in Liebe, in Glauben, in Keuschheit.1. Timotheus 4, 12 – Das Wort “νεότης“ (“neotes“) beschreibt nach Aussage verschiedener Kommentatoren ein Alter unter 40 Jahren. Als relativ junger Mann hatte Timotheus vielleicht Bedenken, die Ältesten und die älteren Gläubigen in Ephesus zu belehren, ja ihnen bestimmte Dinge sogar zu gebieten. Das ist auf dem Hintergrund einer Gesellschaft, in der Alter und Ehre wichtige, von allen zu achtende Werte darstellen, sehr nachvollziehbar. Vielleicht gab es auch Gläubige, die den Dienst des Timotheus aufgrund seines “jugendlichen“ Alters in Frage stellten. Paulus hat für diese Fälle einen sehr praktischen Rat: “Sei ein Vorbild der Gläubigen in Wort, in Wandel, in Liebe, in Glauben, in Keuschheit.“ Wenn deine Worte sie nicht überzeugen, dann wird es dein christusgemäßer Lebenswandel sein. Denn einen solchen Lebenswandel kann nur jemand führen, in dem Christus auch wirklich lebt (vgl. Kolosser 1, 27). Durch deinen Lebenswandel wird deutlich werden, dass der Herr Jesus Christus mit dir ist bzw. du Sein Botschafter bist. Einem solchen Lebenszeugnis wird sich auf Dauer niemand in der Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus entziehen können. Die Qualifikation für einen geistlichen Leitungsdienst zeigt sich also nicht primär in rhetorischen und intellektuellen Fähigkeiten – so dankbar wir für diese sein können und sollen -, sondern in einem Lebenswandel, der Christus verherrlicht. Durch einen solchen Lebenswandel wird auch deutlich, ob ein Mensch wirklich von neuem geboren wurde, also den Heiligen Geist empfangen hat (vgl. 2. Timotheus 1, 7) oder ob er nur ein äußerlicher Bekenner des christlichen Glaubens ist.

* “Bis ich komme, halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermahnen, mit dem Lehren.“1. Timotheus 4, 13 – Timotheus oblagen verschiedene Aufgaben. Die drei wichtigsten dieser Aufgaben, spricht Paulus nun an.
Erstens: Timotheus sollte den Gläubigen aus den heiligen Schriften, d.h. den Schriften des Alten Testaments und den zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandenen neutestamentarischen Schriften, vorlesen. Dies war in einer Gesellschaft, in der nicht jeder des Lesens mächtig war, umso wichtiger. Heute ist jeder Gläubige aufgefordert, regelmäßig die Heilige Schrift für sich selbst zu lesen und zu studieren (vgl. Lukas 12, 49a). Die Verlesung der Heiligen Schrift spielte bereits während der Zeit des  ersten Tempels, dann aber auch in den Synagogen, eine große Rolle (vgl. 2. Mose 24, 7; 5. Mose 31, 11; 2. Könige 23, 2; Nehemia 8, 7 – 8; Lukas 4, 16) und wurde auch durch die Apostel in den ersten christlichen Versammlungen (= Gemeinden) weiter fortgeführt (Apostelgeschichte 15, 21; Apostelgeschichte 13, 151. Thessalonicher 5, 27).
Zweitens sollte der Mitarbeiter des Paulus im Zusammenhang mit dem Verlesen der heiligen Schriften die Gläubigen ermahnen. “Ermahnung“ bedeutet hier, dass Timotheus den Gläubigen die heiligen Schriften auslegen und ihnen zugleich auch die praktische Anwendung des betrachteten Textes für ihr Leben als Christen darlegen sollte. Das Wort “Ermahnen“, grch. “παράκλησις“ (“paraklesis“) enthält aber auch den Gedanken des Trostes, des Beistandes, des Rates, der Ermutigung oder der Warnung. Alle diese Elemente können und sollen Gegenstand der Auslegung der Heiligen Schrift sein.
Die dritte Aufgabe, die Timotheus zu erfüllen hatte, war die der Lehre. Während die Auslegung der Heiligen Schrift sich auf die konkrete Anwendung des Gelesenen im Alltagsleben der Christen beziehen sollte, war Lehre notwendig, um die Gläubigen immer wieder mit allen grundlegenden und weiterführenden Lehren des christlichen Glaubens vertraut zu machen und um sie darin zu festigen.

* “Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir, die dir gegeben worden ist durch Weissagung mit Auflegen der Hände der Ältestenschaft.“1. Timotheus 4, 14 – Eine große Hilfe in allen seinen Aufgaben sollte Timotheus die geistliche Gnadengabe sein, die Gott ihm verliehen hatte, als die Ältesten ihn unter Handauflegung für seinen Dienst gesegnet hatten und die durch eine Weissagung genauer definiert worden war. Paulus ermutigt seinen Mitarbeiter, diese göttliche Gabe nicht zu vernachlässigen, sie in allen seinen Aufgaben und Verpflichtungen nicht zu vergessen. Selbstzweifel und/oder Anfechtungen von außen, können dazu führen, dass wir die Begabungen, die uns von Gott geschenkt wurden, vergessen bzw. vernachlässigen. Dabei sind es gerade diese Gaben Gottes, die uns eine große Hilfe im Dienst für Ihn sein sollen und die uns immer wieder daran erinnern sollen, dass Gott es ist, der uns berufen hat und dass Er auch jetzt mit uns ist. Wo berufene Gläubige in ihrem Dienst entmutigt werden, ist es unsere Aufgabe, sie – wie Paulus dies für Timotheus tat – zu ermutigen und an die Gaben zu erinnern, die Gott ihnen für ihren Dienst geschenkt hat.

* “Bedenke dies sorgfältig; lebe darin, damit deine Fortschritte allen offenbar seien.“1. Timotheus 4, 15 – Wenn Timotheus die beschriebenen  Aufgaben treu versehen würde, dann würde der Fortschritt in seiner persönlichen Gottseligkeit, d.h. Anbetung Gottes, die durch seinen alltäglichen Lebenswandel zum Ausdruck käme, für alle erkennbar werden. Dazu war es jedoch notwendig, dass er sich darauf konzentrierte, das zuvor von Paulus Gesagte sorgsam zu bedenken, um es dann ganz praktisch in seinem Leben umzusetzen. Was Paulus hier sagt, ist, dass Timotheus sich selbst ganz in das Gesagte hineingeben sollte. Diese Dinge sollen die Priorität seines Lebens und seines Dienstes sein. Nur wenn unser Leben nach der Wahrheit Gottes geformt wurde und dies auch für andere sichtbar wird, werden sie unseren Worten Beachtung und Glauben schenken. Diese Worte sind eine klare Absage an alle, die “christlichen Glauben“ spielen oder neben dem Dienst für Gott noch anderen Herren (z. B. der Politik o.ä.) dienen möchten.

* “Habe Acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Dingen, denn wenn du dies tust, so wirst du sowohl dich selbst erretten als auch die, die dich hören.“1. Timotheus 4, 16  – Zusammenfassend weist Paulus seinen Mitarbeiter darauf hin, dass er sorgsam auf sein persönliches Leben und auf seinen Dienst acht haben muss. Das ist die dritte Priorität, durch die die beiden zuvor genannten Prioritäten erst ihre volle Wirksamkeit entfalten können. Timotheus soll seinem persönlichen Leben und seinem geistlichen Dienst seine volle Aufmerksamkeit schenken. Ich glaube, dass dieser Aufforderung heute, in einem Zeitalter, in dem unsere Aufmerksamkeit  durch die modernen Medien so stark wie nie zuvor beansprucht wird, eine besondere Bedeutung zukommt. Denn ein geistlicher Leiter kann in seiner Verkündigung und Lehre noch so  genau sein, wenn sein persönliches Leben damit nicht übereinstimmt, weil er das persönliche Leben in der Gottseligkeit vernachlässigt hat, hat dies schwerwiegende Konsequenzen und zwar weit über seine Person hinaus. Ein geistlicher Leiter, dessen persönliches Leben nicht mit der Lehre des Evangeliums Jesu Christi übereinstimmt, belügt nicht nur sich selbst, sondern auch jene, die er anleiten soll. Er verunehrt zudem den Namen Christi vor einer gottlosen Welt. Darum ist es von großer Wichtigkeit, dass jene, die über das Wohlbefinden der Herde Gottes wachen sollen, zuerst und vor allem über ihr eigenes Leben wachen. Dazu bedarf es großer Beharrlichkeit, Ausdauer und Geduld. Kein Gläubiger ist vollkommen, auch kein Diener Gottes. Ein Lebensstil, der dem Evangelium entspricht, muss beharrlich und in beständiger Abhängigkeit von der Kraft der Gnade Gottes eingeübt werden. Wenn dies aber geschieht, so wird der Fortschritt, den ein solcher Christ macht, für Gläubige wie Ungläubige sichtbar werden.  Ein solches Lebenszeugnis wird nicht ohne Auswirkungen bleiben. Gläubige werden in ihrem Glauben gestärkt und zu einem Leben in der Heiligung motiviert, weil sie die Treue und Kraft Gottes in einem solchen Leben erkennen. Ungläubige werden durch ein solches Leben zum Nachdenken über das Evangelium Gottes angeregt,  werden  fragend und am Ende u.U. sogar gläubig. Alle, die einen solchen Verkündiger des Wortes Gottes, dessen Leben im Einklang mit dem Evangelium steht, hören, werden Segen dadurch erfahren. Doch auch der Verkündiger selbst – d.h. Timotheus und alle, die von Gott mit einem ähnlichen Dienst betraut wurden/werden – wird/werden auf diese Weise davor bewahrt, die Wahrheit des Wortes Gottes als pure Theorie zu betrachten und auf diese Weise in falsche Lehren bzw. auf falsche Wege abzuweichen.

Fußnoten:

¹= “In manchen gnostischen Gemeinschaften der Antike wurde Askese (sexuelle Enthaltsamkeit, Fasten, Verzicht auf Fleischgenuss) als heilsnotwendig betrachtet. Das Motiv war radikale Weltablehnung. Auch der Manichäismus, eine im 3. Jahrhundert entstandene, vom Gedankengut der Gnosis geprägte Religion, betonte die Notwendigkeit einer enthaltsamen Lebensweise. Die Manichäer forderten von ihrer Elite (lateinisch electi „die Erwählten“) lebenslange sexuelle Enthaltsamkeit, ein Leben in Armut sowie häufiges und strenges Fasten.“ vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Askese#Gnosis

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