Das vierfache Ackerfeld – Anmerkungen zu Markus 4, 1 – 20

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Hortus Deliciarum, Das Gleichnis vom Sämann, etwa 1180, von Herrad von Landsberg * Foto: Dnalor_01 via Wikimedia Commons unter CC-BY-SA 3.0-Lizenz

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Der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche liegt ein Wort aus dem Markusevangelium  (zum Hintergrund des Markusevangeliums siehe: Klick!) zu Grunde. Zum besseren Verständnis soll dieses Wort in seinem Kontext betrachtet werden:

Und wieder fing er an, am See zu lehren. Und eine sehr große Volksmenge versammelt sich bei ihm, so dass er in ein Schiff stieg und auf dem See saß; und die ganze Volksmenge war am See auf dem Land. Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und er sprach zu ihnen in seiner Lehre: Hört! Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. Und es geschah, als er säte, fiel einiges an den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf. Und anderes fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und sogleich ging es auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Und als die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Und anderes fiel in die Dornen; und die Dornen schossen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht. Und anderes fiel in die gute Erde und gab Frucht, indem es aufschoss und wuchs; und eins trug dreißig- und eins sechzig- und eins hundertfach. Und er sprach: Wer Ohren hat, zu hören, der höre! Und als er allein war, fragten ihn die, die um ihn waren, mit den Zwölfen über die Gleichnisse. Und er sprach zu ihnen: Euch ist es gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes [zu erkennen]; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil, damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen, und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.“ Und er spricht zu ihnen: Begreift ihr dieses Gleichnis nicht? Und wie werdet ihr dann all die Gleichnisse verstehen? Der Sämann sät das Wort. Diese aber sind die an dem Weg: wo das Wort gesät wird und, wenn sie es hören, sogleich der Satan kommt und das Wort wegnimmt, das in sie gesät war. Und diese sind es [ebenso], die auf das Steinige gesät werden, die, wenn sie das Wort hören, es sogleich mit Freuden aufnehmen, und sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind nur für eine Zeit; dann, wenn Drangsal entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nehmen sie sogleich Anstoß. Und andere sind es, die in die Dornen gesät werden: Das sind solche, die das Wort gehört haben, und die Sorgen der Welt und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht. Und diese sind es, die auf die gute Erde gesät sind, die das Wort hören und aufnehmen und Frucht bringen: eins dreißig- und eins sechzig- und eins hundertfach.

(Markus 4, 1 – 20 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Das heute von uns zu betrachtende Bibelwort ist Teil eines größeren Abschnittes (Markus 3, 20Markus 4, 34), in dem der Evangelist die wachsende Ablehnung des Dienstes und der Person Jesu Christi thematisiert. In Markus 3, 20 – 35 lesen wir von der wachsenden Ablehnung, die dem Herrn Jesus Christus entgegengebracht wird. Die ab Markus 4, 1 – 34 folgenden Gleichnisse wenden sich daher mit ihrer Botschaft auch ausschließlich an die gläubigen Nachfolger des Herrn. Im Markusevangelium werden uns die Lehren des Herrn in drei großen Abschnitten überliefert: Markus 4, 1 – 34; Markus 7, 1 – 23 und Markus 13, 3 – 37. In Markus 4, 1 – 34, dem  ersten großen Abschnitt, werden die  Gleichnissen des Reiches Gottes (bei Matthäus als “Gleichnisse des Himmelreiches“ bezeichnet) thematisiert.

Zu den Besonderheiten bei der Auslegung biblischer Gleichnisse

Die Auslegung der Gleichnisse des Neuen Testaments stellt den Verkündiger vor besondere Herausforderungen. Es ist hier nicht Zeit und Raum, um die Auslegung von Gleichnissen ausführlich zu besprechen. Einige grundlegende Hinweise sollen jedoch zum Verständnis, was ein Gleichnis überhaupt ist und welche Besonderheiten bei der Auslegung von Gleichnissen zu beachten sind, beitragen:

Kurzgefasst können wir sagen, dass in einem Gleichnis ein natürlicher, irdischer Vorgang beschrieben und dann mit einer geistlichen Wahrheit verglichen wird. Im  Gleichnis vom “vierfachen Ackerfeld“ beschreibt der Herr Jesus Christus einen Sämann, der guten Samen sät. Dieser Same fällt auf vier unterschiedliche Arten von Ackerboden. Anschließend erläutert der Herr Seinen Jüngern dieses Gleichnis: Er Selbst ist der Sämann, der den guten Samen, das Wort Gottes, aussät. Bei einigen Menschen fällt der Same des Wortes Gottes auf “guten Boden“, sie nehmen das Wort Gottes glaubend an und werden errettet. Auch andere Menschen sind in gewisser Weise am Wort Gottes interessiert. Aber sie lassen ihr Leben dann doch von anderen Dingen bestimmen. Der Glaube an Gott und Sein Wort hat in ihrem Leben keine Priorität und so kommt es, dass ihr Interesse bald schwindet. Als Folge davon kann der gute Same des Wortes Gottes in ihrem Leben keine Wurzeln schlagen, geschweige denn sich entfalten oder gar zu einer starken Pflanze ausreifen.
Alle Dinge, die der Herr in diesem Gleichnis erwähnt – der Sämann, der gute Same, die vier verschiedenen Arten des Ackerfeldes – waren Seinen Zuhörern aus ihrem täglichen Leben bekannt. Darum konnten sie auch die geistliche Wahrheit, mit der der Herr dieses Geschehen verglich, nachvollziehen.
Während Märchen und/oder Fabeln ausgedachte Geschichten benutzen, um den Zuhörern oder Lesern eine moralische Belehrung zu erteilen und zur Illustration derselben auch unnatürliche Verhaltensweisen oder Geschehnisse einsetzen, bezieht sich ein Gleichnis immer auf einen realen, irdischen Vorgang, durch den eine ebenso reale, geistliche Wahrheit zum Ausdruck gebracht wird. Aus diesem Grund sind Kenntnisse über die Lebenswelt der Menschen in der Zeit des Neuen Testaments, d.h. der ersten Adressaten dieser Gleichnisse, eine wichtige Hilfe bei ihrem Verständnis.¹

Bei der Auslegung eines Gleichnisses gelten dieselben Grundsätze, die auch bei der Auslegung anderer Stellen der Heiligen Schrift zu beachten sind:

Niemals dürfen wir eine einzelne Lehre ausschließlich auf ein Gleichnis allein gründen. Alle Lehren, die wir – ausgehend von einem Gleichnis – weitergeben, müssen sich auch durch andere Stellen der Heiligen Schrift belegen lassen. Der in Matthäus 18, 16 und 2. Korinther 13, 1 verankerte Grundsatz gilt auch hier.

Ferner ist zu beachten, dass jedes Gleichnis eine Grundaussage vermittelt. Diese gilt es zu erkennen. Nicht die menschliche Phantasie, die gern in jedem Detail eines Gleichnisses eine Bedeutung sehen möchte, ist der Maßstab der Auslegung, sondern das Wort Gottes. Nur aus der Heilige Schrift selbst dürfen wir die in den Gleichnissen benutzen Symbole erklären. Beachten wir diesen Grundsatz nicht, dann öffnen wir damit allen möglichen falschen Lehren die Tür. Ein bekanntes Beispiel für eine solche Fehlentwicklung in der Lehre ist die Aussage, das “Gleichnis vom Sauerteig“ würde uns dahingehend belehren, dass Christen mit dem Evangelium die ganze Welt “durchsäuern“ sollten. Hier haben wir es eindeutig mit einer “Auslegung“ zu tun, die auf rein menschlichen Gedankenschlüssen und nicht auf den Aussagen des ganzen Wortes Gottes beruht. Denn das Neue Testament lehrt in allen Stellen, in denen es Sauerteig erwähnt, eindeutig, dass Sauerteig ein Symbol des Bösen ist, von dem wir uns fern zu halten haben. Dementsprechend kann Sauerteig in dem erwähnten Gleichnis keinen positiven Charakter haben (vgl. den Artikel “Guter Sauerteig?“: Klick!)
Desweiteren ist es wichtig, dass wir das “Reich der Himmel“ bzw. “Reich Gottes“, um das es in vielen Gleichnissen geht, nicht mit der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) gleichsetzen. Diese beiden Bereiche des Handelns Gottes gilt es zu unterscheiden, weil die Heilige Schrift sie deutlich voneinander abgrenzt. Die zehn auffälligsten Unterscheidungsmerkmale zwischen dem Reich Gottes und der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) habe ich in einem gesonderten Artikel dargelegt: Klick! 

Anmerkungen zu Markus 4, 1 – 20

* “Und wieder fing er an, am See zu lehren. Und eine sehr große Volksmenge versammelt sich bei ihm, so dass er in ein Schiff stieg und auf dem See saß; und die ganze Volksmenge war am See auf dem Land.
Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und er sprach zu ihnen in seiner Lehre:
Markus 4, 1 – 2 –  Dieser Vers erinnert mich an einen Ausspruch John Wesleys. Als die anglikanische Staatskirche dem späteren Begründer der methodistischen Kirche das Predigen in ihren Kirchengebäuden untersagte, begann er auf Marktplätzen, an Straßenecken und sogar vom Grab seines Vaters zu großen Menschenmengen zu predigen. Er soll sein Verhalten mit folgenden Worten gerechtfertigt haben: “Ich betrachte die ganze Welt als meine Pfarrei; d.h. wo immer auf der Welt ich bin, betrachte ich es als angebracht, rechtmässig und meine auferlegte Pflicht, allen, die zuzuhören bereit sind, die gute Nachricht der Erlösung zu verkünden. Das ist die Arbeit, wovon ich weiss, dass Gott mich berufen hat sie zu tun; und ich bin sicher, dass sein Segen sie begleitet.“² Aus der Sicht der damaligen Gesellschaft war dieses Verhalten Wesleys völlig unangebracht. Der einzig adäquate Ort für Predigten war ihrer Meinung nach ein Kirchengebäude. Hätten sie diesbezüglich einmal das Neue Testament befragt, so wäre ihnen aufgefallen, dass der Herr Jesus Christus – nachdem sich die Synagogen für Seine Lehre immer mehr verschlossen hatten – häufig große Menschenmengen im Freien, oft auch am See Genezareth, lehrte.
Die Gleichnisse des Herrn wurden zwar, wie wir hier lesen, einer großen Volksmenge vorgetragen, das Verständnis derselben war aber, wie wir später noch sehen werden, nur den glaubenden Jüngern möglich.

* “Hört! Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. Und es geschah, als er säte, fiel einiges an den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf. Und anderes fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und sogleich ging es auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Und als die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Und anderes fiel in die Dornen; und die Dornen schossen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht. Und anderes fiel in die gute Erde und gab Frucht, indem es aufschoss und wuchs; und eins trug dreißig- und eins sechzig- und eins hundertfach. Und er sprach: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“Markus 4, 3 – 9  – Wie ich in den Ausführungen zur Auslegung von Gleichnissen bereits schrieb, hatten die in diesem Gleichnis gebrauchten Bilder alle einen sehr engen Alltagsbezug zum Leben der Zuhörer und waren dementsprechend auch gut nachvollziehbar: Mit den Worten “an den Weg“ sind jene Wege gemeint, die die einzelnen Felder voneinander teilten. Bei der Aussaat konnte es geschehen, dass Samenkörner auf diese festgestampften Wege fielen, dort liegen blieben und so den Vögeln als Futter dienten. Mit dem Begriff das “Steinige“ wird ein felsenartiger Untergrund beschrieben, der mit etwas Erde überdeckt war und daher bei der Aussaat nicht zu sehen war. Auch bei den Dornengewächsen, die hier erwähnt werden, handelt es sich um solche  Gewächse, deren Wurzeln während der Zeit der Aussaat nicht sichtbar waren. Die Qualität des guten (weg-, fels- und dornenfreien) Bodens wird an seiner Frucht sichtbar. 

* “Und als er allein war, fragten ihn die, die um ihn waren, mit den Zwölfen über die Gleichnisse.“Markus 4, 10 – Die Zwölf, also die direkt von dem Herrn berufenen Jünger und andere Gläubige, die Ihm folgten (“die um ihn waren mit den Zwölfen“) tragen die Frage an den Herrn heran, warum Er die Volksmenge in Gleichnissen lehrte (vgl. Matthäus 13, 10).

* “Und er sprach zu ihnen: Euch ist es gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes [zu erkennen]; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil, „damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen, und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.“Markus 4, 11 – 12 – Der Herr unterscheidet hier zwischen solchen, die an Ihn glauben und Ihm nachfolgen und solchen, die Ihn ablehnen und Ihm nicht glauben. Die Jünger und alle, die Ihm glauben und folgen sind “drinnen“. Alle anderen, die Ihn ablehnen, sind “draußen“.  Die Entscheidung, ob jemand “drinnen“ oder “draußen“ ist, liegt in der Hand eines jeden einzelnen Zuhörers (vgl. Markus 4, 24!)  An jenen, die nicht glauben, erfüllt sich die Prophezeiung aus Jesaja 6, 9 – 10. Diese Art der Trennung können wir bis heute bei jeder Verkündigung des Evangeliums erleben (vgl. 1. Korinther 2, 6 – 16).
Jenen, die sich entschieden haben, dem Herrn zu glauben und Ihm nachfolgen, wird aufgrund ihres Glaubens nun eine neue Offenbarung über das Reich Gottes und seine Erscheinungsformen zu Teil. Auch dieses geistliche Prinzip hat sich bis heute nicht verändert: Wachstum im Glauben setzt die Anerkennung und glaubensvolle Annahme des bisher Geoffenbarten voraus. Wenn ich als Christ im Glauben wachsen will, dann wird das nur geschehen können, wenn ich mit dem, was ich bisher von Gott erkannt habe, auch in der rechten Weise handele. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass mit unserem Wachstum im Glauben auch ein Wachstum in unserer Verantwortung einher geht:

“Jedem aber, dem viel gegeben ist – viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern. (…)“

(Lukas 12, 49 a; ELBEDHÜ)

Der Herr spricht in Vers 11 von dem “Geheimnis des Reiches Gottes“. Dieses “Geheimnis des Reiches Gottes“ ist eines der acht Geheimnisse Gottes, die im Neuen Testament erwähnt werden: Klick!  Was ist unter diesem “Geheimnis des Reiches Gottes“ zu verstehen? Unter einem Geheimnis Gottes, griech. ”μυστήριον” (”musterion”), versteht die Heilige Schrift etwas, das nur Gott bekannt ist und dass uns als Menschen nur dadurch zugänglich gemacht werden kann, indem Gott es uns offenbart (Amos 3, 7; Epheser 3, 3 – 4; 1. Korinther 2, 7; 1. Korinther 4, 1).  Bezüglich des Reiches Gottes wird den Jüngern hier geoffenbart, dass die buchstäbliche Aufrichtung dieses Reiches in Macht und Herrlichkeit auf dieser Erde durch die (zu diesem Zeitpunkt noch bevorstehende) Verwerfung des Königs dieses Reiches (vgl. Apostelgeschichte 3, 17 – 21) für eine begrenzte Zeitspanne ausgesetzt wird. Erst bei Seiner Wiederkunft wird der Herr Jesus Christus dieses Reich buchstäblich aufrichten. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von dem “Tausendjährigen Friedensreich“ oder dem “Millennium“. Dennoch besteht dieses Reich Gottes auch gegenwärtig, jedoch in einer anderen, einer verborgenen Erscheinungsform. Seitdem Christus in den Himmel aufgefahren ist, von Seinem Vater verherrlicht wurde und nun dort zu Rechten Gottes sitzt, herrscht Er auch über dieses Reich – in dessen verborgener Form. Dieses Reich hat in seiner verborgenen Erscheinungsform einen inneren Kreis, zu dem alle wahrhaft Gläubigen gehören:

“(…) man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“

(Lukas 17, 21)

Und das Reich Gottes hat in seiner verborgenen Erscheinungsform auch einen äußeren Kreis. Zu diesem äußeren Kreis gehören jene Menschen, die sich nur äußerlich zu Jesus Christus bekennen, ohne jemals Buße getan und ewiges Leben empfangen zu haben.  Diese Vermischung im Reich Gottes für die Dauer seiner verborgenen Erscheinungsform, wird uns in vielen Gleichnissen des Reiches  Gottes eindrücklich vor Augen geführt (vgl. Matthäus 13, 24 ff.; Matthäus 13, 31 + 32; Matthäus 13, 33; Matthäus 13, 47 – 50 u.a.m.).

* “Und er spricht zu ihnen: Begreift ihr dieses Gleichnis nicht? Und wie werdet ihr dann all die Gleichnisse verstehen?Markus 4, 13 – Die Volksmengen verstanden den Herrn nicht, die Pharisäer und Schriftgelehrten verstanden Ihn nicht, Seiner irdischen Familie fehlte das Verständnis für Seine Person und Seinen Auftrag, ja sogar den Jüngern musste Er zu diesem Zeitpunkt Seine Lehre erläutern. 

* “Der Sämann sät das Wort. Diese aber sind die an dem Weg: wo das Wort gesät wird und, wenn sie es hören, sogleich der Satan kommt und das Wort wegnimmt, das in sie gesät war. Und diese sind es [ebenso], die auf das Steinige gesät werden, die, wenn sie das Wort hören, es sogleich mit Freuden aufnehmen, und sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind nur für eine Zeit; dann, wenn Drangsal entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nehmen sie sogleich Anstoß. Und andere sind es, die in die Dornen gesät werden: Das sind solche, die das Wort gehört haben, und die Sorgen der Welt und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht. Und diese sind es, die auf die gute Erde gesät sind, die das Wort hören und aufnehmen und Frucht bringen: eins dreißig- und eins sechzig- und eins hundertfach.“Markus 4, 14 – 20 – “Der Sämann sät das Wort.“ – mehr wird hier nicht über die Person des Sämanns gesagt, denn es musste den Jüngern klar sein, dass es sich bei diesem Sämann einzig und allein um ihren Herrn und Meister handeln konnte. Der Same, den dieser Sämann aussät, ist das Wort Gottes (vgl. 1. Petrus 1, 23; Jakobus 1, 18). Dieser Same ist das “Wort des Lebens“ (Apostelgeschichte 5, 20). Als das “Wort vom Kreuz“ ist er für die, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft.“ (1. Korinther 1, 18) Diesen Samen also streut der Sämann aus. Dabei wirft Er den Samen großzügig weit über das Land. Er geht nicht erst hin und prüft, ob der Boden “würdig“ ist, diesen Samen zu empfangen. Nein, alle Welt soll Sein Wort hören (vgl. Markus 16, 15-16).
Es folgt die Auslegung der vier (Herzens-)Bodenarten, auf die dieser Same fällt. Wie im Zusammenhang mit der Vermischung  in der gegenwärtigen Erscheinungsform des Reiches Gottes erwähnt, finden wir hier nicht nur eine Artvon Herzensboden:  Da sind zuerst jene, deren Herzensboden so hart und unempfänglich wie ein festgestampfter Feldweg ist.  Der Same prallt davon ab, bleibt liegen und wird so wortwörtlich zu einem “gefunden Fressen“ für die “Vögel des Himmels“, ein biblisches Synonym für die Mächte des Bösen. Der zweite Herzensboden, den der Herr in diesem Gleichnis beschreibt, ist ein Symbol für solche Menschen, die das Wort bereitwillig und “mit Freuden“ aufnehmen, aber ihr Glaube hat keine “Wurzeln“. Im Matthäusevangelium wird ein solcher Mensch, der das Wort Gottes zwar mit Freuden (wir würden vielleicht sagen ”Begeisterung”) aufnimmt, dann aber nicht daran festhält, als ”Mensch des Augenblicks” bezeichnet:

”Bei dem aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden aufnimmt; er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur ein Mensch des Augenblicks; und wenn Bedrängnis entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich Anstoß.

(Matthäus 13, 20 – 21; REVELB)

Wenn es plötzlich dazu kommt, dass diese Menschen sich klar und eindeutig zu ihrem “Glauben“ bekennen müssen, dann fällt dieser “Glaube“ wie ein angestochenes Souffle in sich zusammen und entpuppt sich als das, was er war: nichts als heiße Luft.
Der dritte Herzensboden, von dem der Herr in diesem Gleichnis spricht, stellt Menschen dar, die den Samen des Wortes zwar aufnehmen, aber da er “unter die Dornen gesät ist“ wird er auch von diesen – alles überwuchernden Dornengewächsen – erstickt. Die Dornen sind  ein Bild für “die Sorgen der Welt und den Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen“. Das Herz dieser Menschen ist nicht klar fokussiert. Sie sind zwar “offen“ für den Samen des Wortes Gottes – aber auch für alles andere! Neben dem Wort Gottes geben sie dem Betrug des Reichtums und den Begierden nach den übrigen Dingen“  in ihrem Herzen und Leben Raum. Als Folge davon verkümmert der Same des Wortes Gottes und kommt nicht zu Entfaltung.
Abschließend spricht der Herr von den Menschen, die Sein Wort aufnehmen und  dreißig-, sechzig- und hundertfach Frucht bringen. Ihren Herzensboden bezeichnet er als “gut“. Dieser gute Herzensboden ist weich, aufnahmebereit für das Wort Gottes. In ihm sind keine mit wenig Erde überdeckten Felsen zu finden, so dass das Wort Gottes in diesem Herzensboden tiefe Wurzeln schlagen und sich fest verankern konnte. In diesem guten Herzensboden wuchern auch keine Dornengewächse, die den Samen des Wortes Gottes ersticken, denn diese Menschen sind klar fixiert auf das Wort Gottes. Sie trachten zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit (Matthäus 6, 33). Weil diese Menschen frei sind – sich frei gemacht haben – von allem, was die Aufnahme des göttlichen Wortes in ihrem Herzen und sein Gedeihen in ihrem Leben ver- oder behindern könnte, darum trägt ihr Leben reiche Frucht für Gott.

¹= vgl. z.B.: https://mt1820today.wordpress.com/2009/05/04/5-bucher-zum-neuen-testament/

²= vgl. https://christlicheraussteiger.wordpress.com/2013/07/27/john-wesley-und-die-methodisten-teil-3/

 
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