Ermutigung zum Mutigsein – Anmerkungen zu 2. Timotheus 1, 8 – 12

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Klettersteig * Foto: Janusz Klosowski / pixelio.de

Ein Vers aus dem 1. Kapitel des 2. Timotheusbriefes (zum Hintergrund des 2. Timotheusbriefes siehe: Klick!) wurde als Grundlage der Wortverkündigung am morgigen Mittwoch ausgewählt. Wir betrachten diesen Vers in seinem Kontext:

“So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes; der uns errettet hat und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben, jetzt aber offenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, der den Tod zunichtegemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, zu dem ich bestellt worden bin als Herold und Apostel und Lehrer [der Nationen]. Aus diesem Grund leide ich dies auch; aber ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und bin überzeugt, dass er mächtig ist, das ihm von mir anvertraute Gut auf jenen Tag zu bewahren.

(2. Timotheus 1, 8 – 12 ELBEDHÜ; z. Vgl. Luther’84)

 

Einige Gedanken zum Hintergrund des  2. Timotheusbriefes

Der 2. Timotheusbrief, dem unser heutiger Predigttext entnommen wurde, entstand in einer sehr schwierigen Zeit: Nachdem der Apostel Paulus im Jahr 62 n. Chr. aus seiner ersten römischen Gefangenschaft entlassen worden war, setzte er seinen Dienst im kleinasiatischen Raum für eine kurze Zeit – man schätzt drei bis vier Jahre – fort, ehe er erneut gefangen genommen und inhaftiert wurde. Sein Mitarbeiter Timotheus wirkte während dieser Zeit in Ephesus (1. Timotheus 3, 142. Timotheus 1, 16 – 18; 2. Timotheus 4, 14 vgl. mit. 1. Timotheus 1, 20; 2.  Timotheus  4, 19). Im Zusammenhang mit dem Brand von Rom im Jahr 64 n. Chr. kam es unter Kaiser Nero zu einer Welle von Christenverfolgungen. Der Glaube an Jesus Christus wurde zu einer gefährlichen Überzeugung und viele Gläubige mussten dafür mit ihrem Leben bezahlen. Auch die Beziehung zu einem christlichen Verkündiger wie dem Apostel Paulus war in dieser Zeit nicht ungefährlich. Manche Christen mieden darum den Kontakt zu ihm und versuchten im Alltag als Christen nicht weiter aufzufallen (vgl. 2. Timotheus 1, 15; 2. Timotheus 4, 16). Auch Timotheus war angesichts der lebensbedrohlichen Lage von Furcht erfasst worden. In dieser Situation schreibt ihm der Apostel Paulus jenen Brief, den wir als 2. Timotheusbrief kennen. Er ermutigt seinen Mitarbeiter darin, dem Glauben an Jesus Christus treu zu bleiben und auch die Beziehung zu seinem geistlichen Vater nicht aufzugeben.
Kommentatoren gehen davon aus, dass der 2. Timotheusbrief im Herbst des Jahres 67 n. Chr. geschrieben wurde. Zwei Gründe werden für diese zeitliche Einordnung angeführt: Zum einen spricht die traditionelle Überlieferung dafür, dass Paulus kurze Zeit vor dem Selbstmord des Nero im Juni des Jahres 68 n. Chr. hingerichtet wurde¹. Zum anderen wissen wir, dass Paulus seinen Brief vor dem Winter schrieb und auch die Ankunft des Timotheus vor dem Winter erwartete (vgl. 2. Timotheus 4, 21). Der Apostel befindet sich zu diesem Zeitpunkt wieder im Rom in Gefangenschaft (2. Timotheus 2, 9), wo er kurze Zeit später den Märtyrertod erleiden sollte (vgl. 2. Timotheus 4, 6). Dieser Brief des Apostels Paulus ist somit der letzte Brief, den er geschrieben hat. Aus diesem Grund wurde er auch als das ”Testament des Paulus” bezeichnet.

Anmerkungen zu 2. Timotheus 1, 8 – 12

* “So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes (…)“ – 2. Timotheus 1, 8 – Nachdem der Apostel in den Versen 1 – 2 dieses Kapitels Grüße und Segenswünsche ausgesprochen hat, dankt er in den Versen 3 – 7 Gott für die Treue, die Timotheus, sein Mitarbeiter und „Kind im Glauben“ in der Vergangenheit unter Beweis gestellt hat. Paulus ermutigt Timotheus außerdem, sich an die ihm von Gott verliehenen Gaben zu erinnern und sie erneut einzusetzen (vgl. 1. Timotheus 1, 18). Denn der Geist Gottes, der ihm diese Gaben verliehen hatte, ist nicht ein “Geist der Furchtsamkeit, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht“.
Ab Vers 8 geht Paulus dann dazu über, seinen Bruder und Mitarbeiter zu ermutigen. Timotheus soll sich durch nichts und niemanden einschüchtern lassen. Die äußeren Umstände, in denen die Gläubigen und damit auch Timotheus zu dieser Zeit leben mussten, waren alles andere als dazu angetan, freimütig und offensiv für den christlichen Glauben einzutreten. Die christliche Gemeinschaft war eine verfolgte und verleumdete Minderheit in einem riesigen Weltreich. Ihr bekanntester Verkündiger, Paulus, saß zum wiederholten Mal in Rom im Gefängnis. Konnte es einen größeren Imageschaden für die christliche Mission geben? Ganz zu schweigen von dem Gott, an den die Christen glaubten. Das Letzte, was diese Welt von Ihm gesehen hatte, war ein toter Körper an einem römischen Kreuz. Was bedeutete das anders, als dass Rom diesen Gott schon vor Jahrzehnten besiegt hatte? Es war doch nur eine Frage der Zeit, bis auch die verwirrten Nachfolger dieses Gottes am Ende waren.
Und wie war diese Erfahrung der Verfolgung und des Leides eigentlich geistlich einzuordnen? Hatte Timotheus nicht aus dem Alten Testament (z. B. Psalm 73; 5. Mose 28) gelernt, dass Gott ihn segnen würde, wenn er gehorsam Seine Gebote befolgte? Waren Leid und Bedrängnis nicht ein deutliches Zeichen dafür, dass er gesündigt haben musste? Solche Überlegungen konnten sich leicht zu einem geistlichen Nebel verdichten, in dem Timotheus die Orientierung verlieren musste und genau diesen Nebel galt es zu vertreiben. Darum schreibt Paulus: „So schäme dich nun nicht …“ Die grammatische Form, in der diese Aufforderung geschrieben ist, deutet nicht darauf hin, dass Timotheus sich bereits schämte. Paulus will Timotheus vielmehr deutlich machen, dass dieser gar nicht damit anfangen soll, sich zu schämen. Er soll der Entmutigung erst gar keinen Raum geben! Es gibt absolut keinen Grund, sich zu schämen! Dass der Erlöser Gottes in die Hände seiner Feinde überliefert werden und einen schmachvollen Tod erleiden sollte, das hatten die Propheten viele Jahrhunderte vor dem Kommen des Messias angekündigt (vgl. 1. Mose 3, 15; Jesaja 53, 1 ff.; Apostelgeschichte 3, 18; Apostelgeschichte 26, 23) und dass Seine Jünger in ähnlicher Weise würden leiden müssen, hatte der Herr Jesus Christus ebenfalls angekündigt (vgl. Matthäus 5, 10 – 12; Johannes 15, 18 – 21; Johannes 16, 1 – 2; Johannes 17, 14; Apostelgeschichte 14, 22 u.v.a.m.) Weder der gefolterte und gekreuzigte Erlöser, noch die verfolgten und in den Arenen Roms dem Tod preis gegebenen Gläubigen waren ein Versehen, ein Zufall oder ein Versagen Gottes. Diese Reaktion einer gottlosen, ja gottfeindlichen Welt auf das Erlösungsangebot Gottes war lange vorher vorausgesagt worden, so dass sie keinen Gläubigen überraschten musste. Im Gegenteil: Die Verfolgung und das Leiden um des Evangeliums willen, war das Siegel Gottes auf einem Gott wohlgefälligem Leben. So drückt es Paulus zwei Kapitel später aus: „Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“ (2. Timotheus 3, 12)
Paulus war nicht im Gefängnis, weil er gegen ein römisches Gesetz gehandelt hatte, selbst wenn ihm ein solcher Verstoß vorgeworfen wurde. Der wahre Grund für seine Gefangenschaft war die Verkündigung des Evangeliums durch ihn. Paulus trug die Ketten seiner Gefangenschaft nicht, weil er gegen Gott gesündigt, sondern weil er Christus treu gedient hatte.
Timotheus sollte sich also weder des gekreuzigten Retters, noch des gefangenen Apostels schämen. Vielmehr sollte er sich – erneut – mit aller Kraft der Verkündigung des Evangeliums widmen. Auch wenn dieser Dienst Leiden und Verfolgung mit sich bringen sollte, konnten doch alle diese Hindernisse und Bedrängnisse durch die Kraft Gottes  ertragen und überwunden werden.

* “(…) der uns errettet hat und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben, jetzt aber offenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, der den Tod zunichtegemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, zu dem ich bestellt worden bin als Herold und Apostel und Lehrer [der Nationen]. – 2. Timotheus 1, 9 – 11 -In diesen nun folgenden Versen  führt Paulus seinem Mitarbeiter noch einmal die ganze Herrlichkeit des Evangeliums vor Augen: Gott hatte ihn errettet und mit heiligem Ruf berufen. Das hatte sich Timotheus nicht eingebildet, das hatte er persönlich erlebt. Paulus kann das bezeugen, denn er war zugegen als Timotheus ein Kind Gottes und ein Diener Jesu Christi wurde (1. Timotheus 1, 2; 1. Timotheus 1, 18 u.a.) Dadurch hatte Timotheus Teil an dem Werk der Erlösung, das Gott bereits vor ewigen Zeiten geplant und das Er mit dem Kommen Seines Sohnes in diese Welt  realisiert hatte. Während das Letzte, was eine gottlose Welt von diesem Erlöser sah, ein toter Mensch an einem römischen Kreuz war, wurde gerade durch den Tod Christi der Erlösungsplan Gottes vollendet. Während es bei dem Propheten Hosea – also über 700 Jahre vor dem Kreuz Christi – noch heißt: „Ich denke nicht daran, euch vor dem Tod zu bewahren oder aus der Totenwelt loszukaufen. Tod, schicke deine Seuchen aus! Totenwelt, zeige deine Macht! Ich kenne kein Mitleid mehr.“ kann Paulus im Rückblick auf das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi sagen: „Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“ (1. Korinther 15, 54 – 57). Weil dieser Sieg Christi über die Macht des Todes seit Seiner Auferstehung eine nicht mehr rückgängig zu machende Tatsache ist und weil Gläubige dieses Auferstehungsleben in der Wiedergeburt „am eigenen Leib“ erfahren haben (vgl. Kolosser 3, 4; Johannes 3, 36; Johannes 5, 24; Römer 8, 11; 2. Korinther 3, 6; Epheser 2, 5), kann der Apostel den Korinthern versichern: „Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.“ (1. Korinther 15, 58). Und in derselben Gewissheit erinnert Paulus Timotheus in diesen Versen daran, dass das Evangelium, das sie verkünden, auf genau dieser alles überwindenden und überdauernden Auferstehungskraft Christi gründet und ihr Dienst darum niemals umsonst sein kann. Daran kann auch der vielfältige Verlust (Ansehen, Sicherheit, Freiheit, Unversehrtheit etc.), den dieser Dienst zeitweise mit sich bringt, nichts ändern.

* “Aus diesem Grund leide ich dies auch; aber ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und bin überzeugt, dass er mächtig ist, das ihm von mir anvertraute Gut auf jenen Tag zu bewahren. – 2. Timotheus 1, 12 – Hat Paulus in den vorausgehenden Versen deutlich gemacht, was er glaubt, so geht er nun dazu über, darzulegen, wem er geglaubt hat: Einzig und allein weil er die wunderbare Botschaft der Erlösung jedem Menschen verkündete, musste er Gefangenschaft und alle damit verbundenen Nachteile erleiden. Aber er schämte sich des Evangeliums nicht (vgl. Römer 1, 16). Sein Tun mochte für die römischen Behörden ein strafbares Handeln darstellen, doch der Apostel wusste, wem er geglaubt hatte: Weit über der Weltmacht Rom gab es eine noch viel höhere Macht, Gott, den Schöpfer und Erhalter dieses Universums. Der lebendige Gott, nicht der Kaiser in Rom, war die letzte Instanz, der es zu gehorchen galt. Paulus besaß nicht nur ein lehrmäßiges Verständnis über diesen Gott. Er war diesem Gott persönlich begegnet (Apostelgeschichte 9) und dadurch in eine Lebensbeziehung zu diesem Gott getreten. Weil er seinen Gott immer besser und tiefer kennengelernt hatte, konnte er auch voller Zuversicht und Vertrauen sein. Immer wieder hatte der Apostel  in seinem Dienst erlebt, dass Gott treu war. Dieser treue Gott, davon war Paulus überzeugt, würde alles, was er Seinem Schutz anvertraute, bewahren und zwar bis zu jenem Tag, an dem der Apostel seinen Herrn und Meister von Angesicht zu Angesicht sehen würde, sei es durch seinen Tod oder bei der Entrückung der Gläubigen (vgl.  1. Korinther 3, 13; 2. Korinther 5, 9 – 10; 2. Timotheus 1, 18).  Der Apostel sorgte sich nicht um die Frucht seines Dienstes, d.h. die Menschen, die dem Evangelium geglaubt hatten und zu denen auch Timotheus gehörte. Er selbst hätte sie niemals bewahren können. Dazu war er nicht in der Lage. Doch er hatte sie dem allmächtigen Gott anvertraut, der mächtig und willens ist, Seine Kinder zu bewahren (vgl. 1. Petrus 1, 4 – 5; 1. Petrus 5, 7). Dieses Wissen um das Wesen Gottes und Seinen machtvollen Schutz war kein apostolisches Privileg. Auch Timotheus sollte sich neu darauf besinnen. Durch den Blick auf die Treue Gottes, sollte er neuen Mut empfangen. So konnte er seiner Berufung treu bleiben und auch zukünftig ohne Furcht das Evangelium verkündigen. Je mehr sich Timotheus auf die Größe Gottes konzentrierte, desto kleiner würden die Feinde des Evangeliums in seinen Augen werden. Je mehr sein ganzes Wesen von der Person und Liebe Gottes erfüllt wurde, desto weniger Raum würden Angst und Menschenfurcht (vgl. 1. Johannes 4, 18) in seinem Herzen einnehmen können.

Fußnoten:

¹= vgl. dazu Eusebius von Caesarea: “Kirchengeschichte”, herausgegeben und eingeleitet von Heinrich Kraft, Kösel-Verlag München, 3., unveränderte Auflage 1989, Seite 146 – 147  (Buch II, 25, 5 ff.), vgl. Seite 151 (Buch III, 1, 3)

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