Kurze Anmerkungen zu Römer 12,12

Das Bibelwort, das am kommenden Sonntag Grundlage der Wortverkündigung sein soll, ist dem 12. Kapitel des Römerbriefes (zum Hintergrund des Römerbriefes siehe: Klick!) entnommen:

“In Hoffnung freut euch; in Trübsal harrt aus; im Gebet haltet an; (…)“

(Römer 12, 12 ÜELBEDHÜ; z. Vgl. Luther’84)

Kurze Hinweise zu Römer 12

Nachdem Paulus in den Kapiteln 1 – 8 die die Grundlagen des christlichen Glaubens erläutert hat, folgt mit den Kapiteln 9 – 11 ein Einschub, in dem er seine Leser über das Handeln Gottes mit Israel belehrt. In Kapitel 12 greift er den Faden aus Kapitel 8 wieder auf, um den Gläubigen in Rom in den folgenden Kapiteln  aufzuzeigen, wie sie als Christen ganz praktisch im Alltag leben können. Dieser Alltag war von täglichen Bedrängnissen um des Glaubens an den Herrn Jesus Christis und von der Gefahr einer neuerlichen Christenverfolgung gekennzeichnet.

Anmerkungen zu Römer 12, 12 

* “In Hoffnung freut euch (…)“Biblische Hoffnung hat nichts mit Optimismus oder positivem Denken zu tun. Hoffnung ist – biblisch gesehen – eine “gewisse Zuversicht” (nicht: ich hoffe es, aber höchstwahrscheinlich wird es anders kommen, sondern wirkliche Gewissheit). Der Unterschied zwischen dem, was Hoffnung im biblischen Kontext bedeutet und dem, was wir landläufig als “Hoffnung” bezeichnen, ist so groß, dass es im Grunde zwei Sachen sind:

“Im Gegensatz zum umgangssprachlichen Gebrauch beinhaltet der neutestamentliche Gebrauch des Wortes keinerlei Ungewissheit; es spricht von etwas als gesichert Feststehendem, das nur noch nicht verwirklicht ist. Die endgültige Bestimmung des Gläubigen ist es, an der Herrlichkeit Gottes teilzuhaben (Römer 8, 29 – 30; Johannes 17, 22; 2. Korinther 3, 18; Philipper 3, 20 – 21; 1. Johannes 3, 1 – 2) und diese Hoffnung wird Wirklichkeit werden, weil Christus selbst sich dafür verbürgt (1. Timotheus 1, 1). Ohne die deutlichen und feststehenden Verheißungen des Wortes Gottes hätte der Gläubige keine Grundlage für eine Hoffnung (Römer 15, 4; Psalm 119, 81 + 114; Epheser 2, 12; vgl. Jeremia 14, 8).“¹

An vielen Stellen des neuen Testaments wird diese Hoffnung eng mit dem Kommen Jesu Christi verbunden (vgl. auch: Römer 5, 2; Römer 8, 24; Römer 15, 13; 1. Thessalonicher 5. 8). Ein wichtiger Motivationsfaktor dafür, dass Christen die biblische Lehre ernst nehmen und ihr Leben daran ausrichten, liegt also in der Zukunftshoffnung der Gläubigen: Jesus Christus wird wiederkommen, um alle Gläubigen zu sich nehmen. Dieses Ereignis, auch als “Entrückung der Gläubigen“ bekannt (1. Thessalonicher 4, 13 – 18)², ist für Christen primär mit großer Freude verbunden. Der Apostel Petrus bezeichnet es als unsere “lebendige Hoffnung“ (1.Petrus 1, 3). Dann endlich werden wir unseren Erlöser von Angesicht zu Angesicht sehen (1. Korinther 13, 12; 1. Petrus 1, 7 – 8). In den Schwierigkeiten und Bedrängnissen des Lebens brauchen Christen immer wieder diese Art der Auferbauung und Ermutigung. Der Hinweis auf das Kommen des Herrn ist in diesem Zusammenhang – insbesondere auch für den Apostel Paulus – die Quelle unserer Hoffnung und unseres Trostes:

“Wir wollen euch aber, ihr Brüder, nicht in Unwissenheit lassen in betreff der Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben.  Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen.  Denn das sagen wir euch in einem Worte des Herrn, daß wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrigbleiben, den Entschlafenen nicht zuvorkommen werden; (…) Darnach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und also werden wir bei dem Herrn sein allezeit.  So tröstet nun einander mit diesen Worten!“

(1. Thessalonicher 4, 13 – 18)³

* “(…) in Trübsal harrt aus (…)“ – Die Erwartung dieses Ereignisses führt uns aber auch unsere persönliche Verantwortung vor Augen. Denn im Zusammenhang damit werden wir uns auch dem Gericht über unser Leben stellen müssen. Dieses Gericht wird sich jedoch nicht mehr mit der Frage ”ewiger Tod” oder ”ewiges Leben” auseinandersetzen. Diese Frage ist für jeden Gläubigen ab dem Moment, an dem er Buße getan und sich bekehrt hat (Apostelgeschichte 2, 38; zur Definition siehe auch: Klick!) ein für allemal geklärt (Johannes 3, 18; Johannes 5, 24). Das Gericht, dem wir uns als Gläubige stellen müssen, ist das Gericht über unsere Werke. Dabei wird die Frage entschieden, ob wir für diese Werke Lohn von unserem Herrn und Erlöser empfangen.4 Aus diesem Grund ist die einseitige Betonung von Freude und Hoffnung problematisch, ja für den Gläubigen gefährlich, wenn – wie geschehen – die Verantwortung des Gläubigen im Hier und Jetzt ausgeblendet wird. Denn es gilt auch in Trübsal und Bedrängnissen auszuharren. Die Heilige Schrift lehrt uns nicht, dass wir weltentrückt durch das Leben schweben sollen, jeden Augenblick hoffend, dass das irdische Jammertal endlich ein Ende findet. Der Apostel Paulus (und mit ihm die ganze Heilige Schrift) lehrt uns (z.B. in Römer 13, 11 – 14), dass wir das Ziel, unsere Glaubens fest im Auge haben, aber gleichzeitig alle Kraft einsetzen sollen, um das Evangelium in Wort und Tat in unserem Alltag auszuleben. Nur so werden wir der Verantwortung gerecht, die Gott uns übertragen hat und nur so werden wir vor dem Richterstuhl des Christus einmal Lohn empfangen. Wer meint, das wahre Leben würde erst im Himmel beginnen, der täuscht sich. Wer meint, es genüge, irgendwie dieses “böse, irdische“ Leben durchzustehen, um dann hoffentlich bald im Himmel anzukommen, der täuscht sich. Wer sich – wie ein Biedermeier – ins Private zurückzieht, das “stille Glück“ sucht und meint, dafür auch noch Lohn von Gott zu empfangen, der erliegt einem gefährlichen Irrtum und wird “Schaden erleiden“ (1. Korinther 3, 11 – 15).
Nein, mit der Verantwortung, die Gott uns gibt, schenkt Er unserem Leben im Hier und Heute Sinn und Bedeutung und zwar auch un gerade inmitten von Trübsal und Bedrängnis (Römer 8, 28). Weil Gott diese Welt liebt (Johannes 3, 16), sie für sich gewinnen und sie segnen will,  darum ist Ihr und mein Einsatz gefragt, an jedem Tag unseres Lebens das Evangelium in Wort und Tat sichtbar werden zu lassen (1. Petrus 2, 12; Titus 2, 14; Koloser 1, 10; Jakobus 3, 13).  Es geht nicht um einen Gegensatz (“himmlisches Ziel“ kontra “irdisches Leben“), sondern um eine Folgerichtigkeit: Weil Gott mir Verantwortung überträgt und ewigen Lohn verheißt, darum diene ich Ihm in meinem Alltag mit aller Kraft. Weil Gott mir eine wunderbare Zukunft verheißen hat, darum kann ich auch  “Zeiten der Trübsal“ nicht nur  passiv erdulden, sondern – wo und wie immer möglich – aktiv in Seiner Kraft gestalten. Das Wissen darum, dass Gott unserem Leben im Hier und Heute durch die Verantwortung, die Er uns übertragen hat, Sinn und Bedeutung gibt, dieses Wissen kann uns auch in Zeiten von Trübsal und Bedrängnis Tragkraft und Stärke zum Ausharren geben. Weiterführende Gedanken zum Thema “Ausharren“ finden sich in dem Artikel “Glaubensprüfung & Glaubensbewährung – Anmerkungen zu Jakobus 1, 1 – 18″: Klick!

* “(…) im Gebet haltet an (…)“ – So sehr uns die Gewissheit des Kommens unseres Herrn auch mit Freude erfüllen und motivieren kann, so sehr uns das Wissen um unsere Verantwortung in dieser Welt Sinn und Ausdauer zu geben vermag – die entscheidende Kraft für unser Leben – auch inmitten schwieriger Umstände – kommt nur aus der direkten Lebens- und Glaubensbeziehung zu unserem Erlöser. Diese Lebens- und Glaubensbeziehung wird durch zweierlei erhalten und gepflegt: Die tägliche Ernährung unseres inneren Menschen (Epheser 3, 16) durch das Lesen des Wortes Gottes und durch das Gebet, d.h. das Reden mit Gott. Aus diesem Grund ermahnt uns der Apostel Paulus in Römer 12, 12, am Gebet anzuhalten. Gerade in schwierigen Situationen fühlen wir uns oft gedrängt, “die Sache selbst in die Hand zu nehmen“. Wir  vertrauen dann oft mehr auf unsere Kraft als auf Den, Dem “alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben“ ist (Matthäus 28, 18) und nehmen uns so selbst jede Möglichkeit, in den Genuss des Eingreifens Gottes zu kommen. Doch gerade in schwierigen Zeiten, wenn Sorgen und Nöte und besonders bedrängen, dürfen wir nicht vom Gebet ablassen. Im Gegenteil – gerade in solchen Zeiten sollten wir vermehrt, verstärkt beten und Gott vertrauen. Die Heilige Schrift gibt uns viele Beispiele dafür, wie durch Gebet oftmals schwierigste Umständ im Leben eines Gläubigen Veränderung erfuhren: Der Herr Jesus Christus betete und wurde erhöhrt (Hebräer 5, 7), Kornelius betete und wurde erhöhrt (Apostelgeschichte 10, 31), Zacharias betete und wurde erhöhrt (Lukas 1, 13), Salomos Gebet wurde erhöhrt (2. Chronika 7, 12), Hiskias Gebet wurde erhört (2, Könige 19, 20). Wir könnten noch viele weitere Beispiele anführen. Mit allen diesen Beispielen möchte Gott uns ermutigen, gerade in schwierigen Zeiten das Gebet nicht aufzugeben.


Fußnoten:

¹= John MacArthur, Kommentar zu Römer 5, 2 in ”John MacArthur Studienbibel”, Seite 1610, 1. Auflage 2002, CLV Bielefeld

²= Das Kommen des Herrn für die Gläubigen, d.h. die Entrückung (1. Thessalonicher 4, 13 – 18), muss von dem Kommen des Herrn für die Welt, d.h. von Seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit zum Gericht (z.B. Matthäus 24, 1 – 51) unterschieden werden. Das Neue Testament kündigt uns für das Kommen des Herrn Jesus Chriustus zum Gericht über diese Welt diverse “Zeichen  der Zeit“ an, die sich zuvor erfüllen müssen (z.B. das Zunehmen von Kriegen, Hungersnöten, Seuchen und Erdbeben etc., vgl. Matthäus 24, 7 – 8). Im Gegensatz dazu nennt uns das Neue Testament keinerlei Bedingungen, die vor der Entrückung der Gläubigen erfüllt sein müssen (siehe dazu auch: Philipper 3, 20 – 21; Philipper 4, 5; 1. Thessalonicher 1, 9 – 10; Hebräer 9, 28; Titus 2, 13). Dementsprechend kann die  Entrückung der Gläubigen in jedem Augenblick stattfinden. Wir sprechen daher auch von der unmittelbaren Erwartung Seines Kommens für die Gläubigen. Die Wiederkunft des Herrn in Macht und Herrlichkeit zum Gericht wird jedoch erst nach Erfüllung der von Jesus Christus selbst genannten Zeichen stattfinden.

³= Die Aufforderung, dass wir uns mit bestimmten Worten trösten sollen, findet sich nur ein einziges Mal im gesamten Neuen Testament und zwar an dieser Stelle.

4= Dieses Gericht findet vor dem ”Preisrichterstuhl [“βῆμα“; “bema“] Christi” (vgl. Römer 14, 10; 1. Korinther 3, 11 – 15; 1. Korinther 4, 1 – 5; 2. Korinther 5, 10), nicht vor dem Thron [“θρόνος“; “thronos“] Gottes (vgl. Offenbarung 20, 11 – 15), statt. Es gilt, diese zwei Orte und die jeweils damit verbundenen Gerichte zu unterscheiden. Wenn es in 1. Korinther 3. 11 – 15 heißt, dass wir “Schaden erleiden“ können, so ist damit nicht der Verlust unseres ewigen Heils gemeint. Eine solche Aussage würden unzähligen Zusagen unseres Herrn Jesus Christus selbst widersprechen. “Schaden erleiden“ bedeutet im Kontext von 1. Korinther 3, 11 – 15, dass der Gläubige, dessen Werke im Feuer vergehen, keine Belohnung in Form eines Siegeskranzes (andere übersetzen “Krone“) empfangen wird (vgl. 1. Korinther 9, 25; Offenbarung 2, 10; 1. Petrus 5, 2 – 4; 2. Timotheus 4, 8; 1. Thessalonicher 2, 19 – 20) und somit auch nichts hat, wenn alle anderen ihre Kränze in Anbetung vor dem Sohn Gottes niederlegen werden.

 

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