Ermutigung & Auferbauung in schwerer Zeit – Anmerkungen zu 1. Petrus 5, 1 – 9


Jean-Léon Gérôme - The Christian Martyrs' Last Prayer - Walters 37113

Jean-Léon Gérôme – The Christian Martyrs‘ Last Prayer – Im Besitz des Walters Art Museum (37113) via Wikimedia Commons

 

Am morgigen Mittwoch dient ein Bibelwort aus dem 1. Petrusbrief (zum Hintergrund des 1. Petrusbriefes siehe: Klick!) als Grundlage der  Wortverkündigung. Wir betrachten diesen Vers in seinem  Zusammenhang:

„Die Ältesten nun unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden des Christus und auch Teilhaber der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, indem ihr die Aufsicht nicht aus Zwang führt, sondern freiwillig, auch nicht um schändlichen Gewinn, sondern bereitwillig, und nicht als solche, die über ihre Besitztümer herrschen, sondern die Vorbilder der Herde sind. Und wenn der Erzhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen. Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Älteren unter. Alle aber seid gegeneinander mit Demut fest umhüllt; denn „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit, indem ihr all eure Sorge auf ihn werft; denn er ist besorgt für euch. Seid nüchtern, wacht; euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht standhaft im Glauben, da ihr wisst, dass dieselben Leiden sich an eurer Brüderschaft in der Welt vollziehen.Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Ihm sei Ehre jetzt und für ewige Zeiten! Amen.“

(1. Petrus 5, 1 – 9; ÜEBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

1. Petrus 5, 1 – 9: Ermutigung & Auferbauung

Die ersten elf Verse des 5.  und damit letzten Kapitels des 1. Petrusbriefes nutzt der Apostel noch einmal, um die Gläubigen Kleinasiens (1. Petrus 1, 1), die beständige Bedrängnis und Verfolgung erdulden mussten, aufzuerbauen und zu ermutigen. Verschiedene Kommentatoren stellen fest, dass dieser Abschnitt des 1. Petrusbriefes  eine sehr persönliche Note des Apostels trägt. Mehr als in anderen Briefabschnitten scheint hier die individuelle Erfahrung des Petrus durch seine Worte hindurch. Dies wird besonders dort erkennbar, wo Petrus jene anspricht, die – wie er – in einem Dienst stehen für Gott stehen. Selbstverständlich ist jeder Gläubige dazu berufen, Gott zu dienen. Doch Petrus wendet sich in den ersten Versen dieses Kapitels besonders an jene, die von Gott dazu berufen wurden, Verantwortung für die Gläubigen der örtlichen Versammlung zu übernehmen. Die Übernahme einer solchen Verantwortung war bzw. ist schon in “normalen“ Zeiten keine einfache Aufgabe. Wie viel schwieriger wird es für die so Berufenen gewesen sein bzw. sein, ihrer Verantwortung in Zeiten der Verfolgung gerecht zu werden?

Anmerkungen zu 1. Petrus 5, 1 – 9

* “Die Ältesten nun unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden des Christus und auch Teilhaber der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: (…)“ – 1. Petrus 5, 1 –  Untersucht man diesen Eingangsvers näher, so wird deutlich, mit welcher Liebe zu mit welchem Mitempfinden Petrus sich hier an jene wendet, die Gott mit der Verantwortung für Seine Herde beauftragt hat. Wenn wir davon lesen, dass der Apostel diese Ältesten “ermahnt“, dann verbinden wir in unserer deutschen Sprache damit vielleicht Strenge oder den sprichwörtlichen “erhobenen Zeigefinger“. Doch nichts liegt Petrus ferner. das griechische Wort, das wir hier im griechischen Grundtext des Neuen Testaments finden ist “παρακαλέω“ („parakaleo“). Es geht weit über die Bedeutung “ermahnen“ hinaus und kann ebenso  “jemanden herbei rufen (damit dieser Hilfe empfängt)“, “jemandem raten“, “jemanden ermutigen“ und “jemanden warnen/ermahnen“ bedeuten.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Titel, mit dem der Herr Jesus Christus den Heiligen Geist, Seinen Stellvertreter auf Erden (Johannes 14, 16; Johannes 14, 26; Johannes 15, 26; Johannes 16, 7), bezeichnet, in der griechischen Sprache des neuen Testaments “παράκλητος“  (“parakletos“), d.h. der Tröster, Beistand, Sachwalter, ist. Seine Aufgabe ist es die Gläubigen zu trösten, ihnen beizustehen, die zu ermutigen und zu ermahnen (vgl. Johannes 13, 1 – Johannes 17, 26, siehe insbesondere: Johannes 16, 7 – 11;  Johannes  14, 16 – 17; Johannes 15, 26;  Apostelgeschichte 9, 31; Römer 8, 26 – 27; 1, Johannes 2, 27). Hier in 1. Petrus 5, 1 sehen wir Ihn dieses Werk an den Gläubigen in Kleinasien und insbesondere an denen, die Verantwortung für die dort lebenden  Gläubigen tragen, durch Petrus tun. Es ist dies ein Werk der “Liebe des Geistes“, von der der Apostel Paulus in Römer 15, 30 spricht.
Petrus bezeichnet sich als “Mitältester“. Auf diese Weise soll den Briefempfängern in Erinnerung gerufen werden, dass er über dieselben (positiven und negativen) Erfahrungen verfügt wie sie. Er weiß um die Freuden und Sorgen, die mit diesem verantwortungsvollen Dienst für Gott verbunden sind. Hier spricht nicht ein “Vorgesetzter“, der Dinge “vom grünen Tisch her“ anordnet. Hier spricht ein Mitbruder, dem die Schafe der Herde Christi genauso am Herzen liegen und der seine Verantwortung vor Gott genauso spürt, wie die, an die er sich wendet und der die Menschen, an die er seine Worte richtet, sehr gut verstehen kann. “Mitempfinden“ ist das Wort, das ganz groß über diesem ersten Vers steht.
Dies wird auch unterstrichen durch die Selbstbezeichnung des Petrus als “Zeuge der Leiden Christi“. Wenn Petrus diese Bezeichnung für sich wählt, so bedeutet das nicht nur, dass er Augenzeuge der Leiden des Herrn war – eine Tatsache, die uns von den  Evangelien bezeugt wird. Der griechische Begriff “μάρτυς“ (“martus“) bezeichnet aber nicht nur einen “Augenzeugen“ oder “Zeugen“ im allgemeinen Sinne (was auf Petrus zutraf).  “μάρτυς“ (“martus“) – wovon sich unser Begriff “Märtyrer“ ableitet –  bedeutet auch, dass jemand um Christi willen (ebenfalls) gelitten (vgl. 1. Petrus 4, 13!). Petrus weiß ganz genau, durch welche Leiden und Bedrängnisse die Christen in Kleinasien aufgrund ihres Glaubens an den Herrn Jesus Christus gehen, denn er selbst hat ähnliches erlebt – und zwar einmal (besonders) der letzten Woche des irdischen Dienstes Christi, die zu Seinem Tod führte und anschließend als Zeuge Jesu Christi  seit der Auferstehung des Sohnes Gottes überall dort wo die Verkündigung des Evangeliums auf die Feindschaft von Juden und Heiden stieß.
Wer aber hier auf Erden die Leiden des Herrn Jesus Christus mit Ihm teilt, wird auch Teilhaber Seiner (zukünftigen) Herrlichkeit sein. Diese Verheißung des Herrn Jesus Christus wird uns im Neuen Testament immer wieder zugesprochen:

“Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.“

(Markus 8, 38)

“Ich sage euch aber: Wer mich bekennt vor den Menschen, den wird auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes. „

(Lukas 12, 8)

“Das ist gewisslich wahr: Sterben wir mit, so werden wir mit leben; dulden wir, so werden wir mit herrschen; (…)“

(2. Timotheus 2, 11 – 12)

“Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“

(Römer 8, 17)

“Ihr Lieben, lasst euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt. Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens Christi willen, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch.“

(1. Petrus 4, 13 – 15)

(vgl. zum vollständigen/besseren Verständnis auch: 2. Thessalonicher 1, 4 – 5; Hebräer 10, 36 (!); Offenbarung 20, 4).

* “Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, indem ihr die Aufsicht nicht aus Zwang führt, sondern freiwillig, auch nicht um schändlichen Gewinn, sondern bereitwillig, (…)“ – 1. Petrus 5, 2 – Indem Petrus die Ältesten als “Hirten“ anspricht, erinnert er sie an ihre Aufgabe. Sie waren berufen, Sorge um die “Schafe der Gottes“ zu tragen. Diesen Begriff benutzte Gott bereits im Alten Testament als Bezeichnung für jene, denen Er die Verantwortung für sein Volk übertragen hatte (Hesekiel 34, 1 – 16 u.a.). Dieser Begriff wird in gleicher Weise auch im Neuen Testament gebraucht (vgl. Johannes 21, 16; Apostelgeschichte 20, 28). Älteste waren für die pastoralen Aufgaben in der örtlichen Versammlung verantwortlich. Der Begriff “ποιμαίνω“ (“poimaino“) bedeutet, “sich um ein Schaf kümmern“, “ein Schaf pflegen“, “ein Schaf ernähren/füttern/versorgen“. Genau diese Tätigkeiten gehören zu einem Hirtendienst: (An-)Leitung, Versorgung mit guter geistlicher Nahrung,  Trost und  Ermahnung, Schutz/Bewahrung vor äußeren Angriffen. Dabei ist es wichtig, dass wir uns immer bewusst sind, dass die “Herde“, deren Hirte wir sein dürfen, nicht “unsere Herde“, sondern die “Herde Gottes“ ist. Erinnern Sie sich noch, wie die führenden Männer der DDR das Volk, das sie regierten, nannten? Sie hatten sich angewöhnt von “Unseren Menschen“ zu sprechen (Klick!).  Wenn wir dahin kommen, die “Herde Gottes“ als “Unsere Herde“ zu betrachten / zu bezeichnen, dann haben wir uns auf ein gefährliches Terrain begeben und wir sollten uns nicht wundern, wenn wir genauso enden wie Politiker, die ein Volk als “ihre Menschen“ betrachten. Verfallen wir nie der Anmaßung, das, was Gott uns anvertraut hat, die “Herde Gottes“, als unseren Besitz zu betrachten!  Ein falsches Verständnis unseres Dienstes wird auch falsche Handlungsweisen nach sich ziehen:

  • Ein erzwungener Dienst anstelle eines freiwilligen Dienstes (vgl. 2. Korinther 9, 7). Gott möchte, dass wir Ihm mit Freuden dienen (5. Mose 28, 47). Genauso sollten Hirten  der “Herde Gottes“ dienen, weil sie ein Herz für Gott und Seine Kinder  haben, nicht weil sie sich dazu gezwungen fühlen.
  • Ein selbstsüchtiger Dienst anstelle eines begeisterten, von Leidenschaft für Gott und Sein Volk geprägten Dienstes. Wahre Hirten dienen nicht, weil sie etwas für ihren Dienst bekommen, sondern aus Liebe. Zur Zeit der ersten Christen wurden Älteste, die einen Hirtendienst versahen auch finanziell unterstützt (vgl. 1. Korinther 9, 7 – 11). Doch diese finanzielle Unterstützung sollte nicht der Beweggrund ihres Dienstes sein.  Denn es war (und ist!) eine Entweihung dieses heiligen Dienstes, ihn um des Mammons willen zu versehen.

* “(…) und nicht als solche, die über ihre Besitztümer herrschen, sondern die Vorbilder der Herde sind.“ – 1. Petrus 5, 3 – Es folgt ein weiterer Hinweis, dass die Hirten der “Herde Gottes“ nicht berufen sind, über die “Schafe Christi“ zu herrschen. Sie sind berufen, die Gläubigen anzuleiten und zwar indem sie Vorbilder sind. Nicht Führen durch Befehle, sondern (an-)leiten durch Vorleben ist das “Leiterschafts-Prinzip“, das Gott für Seine Herde vorgesehen hat (vgl. auch: 1. Timotheus 4, 12; 2. Thessalonicher 3, 9).  Ein Hirte der “Herde Gottes“ kann von den Gläubigen nur das erwarten, was er ihnen auch vorlebt. Je mehr ein Hirte in seiner Glaubens- und Lebensbeziehung zu dem Herrn Jesus Christus wächst, desto mehr werden auch die ihm anvertrauten Gläubigen geistlich wachsen. Kein Hirte der “Herde Gottes“ hat das Recht, von den Gläubigen etwas zu fordern, was er nicht selbst bereit ist zu tun. Nur ein hingegebener Hirte wird auch ein Wachstum von Hingabe bei den ihm anvertrauten Gläubigen sehen können.

* “Und wenn der Erzhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“ – 1. Petrus 5, 4 – Die in 1. Petrus 5, 2 – 3 darlegten Prinzipien unterstreicht der Apostel, indem er darauf verweist, dass Jesus Christus der “Erzhirte“ oder –  wie es andere Übersetzungen es ausdrücken – der “oberste Hirte“ / “Oberhirte“ – ist (Johannes 21, 15 – 17). Alle Hirten, die hier auf der Erde Verantwortung für die Gläubigen tragen sind und bleiben nur “Unter-Hirten“, Hirten unter der Autorität des einen, guten Hirten: Jesus Christus! Und nur insoweit irdische Hirten das Wesen des einen, guten Hirten widerspiegeln, sind sie Hirten nach dem Herzen Gottes.
Jeder irdische Hirte muss sich bewusst sein, dass der Tag kommen wird, an dem er vor dem Richterstuhl Christi Rechenschaft darüber ablegen wird, wie er der “Herde Gottes“ gedient hat (Hebräer 13, 17!) Entweder werden seine Werke dabei verbrennen (1. Korinther 3, 11 – 15) oder er wird als Lohn die hier angesprochene “Krone der Herrlichkeit“ empfangen.
Dieser Vers enthält zugleich Ermahnung und Ermutigung: Indem Petrus die Hirten der “Herde Gottes, seine Mitältesten, auf das Kommen Christi zur Entrückung Seiner Versammlung (= Gemeinde/Kirche) verweist, macht er ihnen noch einmal ihre Verantwortung deutlich. Gleichzeitig führt er ihnen damit aber auch vor Augen, dass die Leiden der Gegenwart zeitlich begrenzt sind und dass Gott Seine Diener mit dem Wunsch erwartet, sie belohnen zu können.

* “Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Älteren unter. Alle aber seid gegeneinander mit Demut fest umhüllt; denn „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.““ – 1. Petrus 5, 5 – Mit diesem Vers wendet sich Petrus nun allen Gläubigen zu. Die “Jüngeren“ meint junge Christen und Christinnen. Diese jüngeren Gläubigen werden der Obhut der älteren Gläubigen anvertraut. Sie sollen von deren Glaubens- und Lebenserfahrung lernen. Aber wie es in der Beziehung der Hirten zur “Herde Gottes“ keine “Oben-Unten“-Hierarchie gibt, so soll es auch zwischen den Jüngeren und Älteren keine solche Hierarchie geben. Alle sollen einander in Demut begegnen. Das in unseren Übersetzungen mit “umhüllt“ wiedergegebene griechische Wort “ἐγκομβόομαι“ (“egkomboomai“) bezeichnete im Altertum das Anlegen eines spezielle Gewandes, das ein Sklave über seine normale Kleidung zog, um auf diese Weise seine Bereitschaft zum Dienen anzuzeigen (vgl. Johannes 13, 4 – 15). Petrus gebraucht es hier, um den Empfängern seines Briefes zu sagen: “Seid bereit, anderen zu dienen und (er-)wartet nicht dass/bis andere euch dienen.“ So hat es uns der “Oberhirte“ vorgelebt (Markus 10, 45).
Anschließend zitiert Petrus aus dem Buch der Sprüche 3, 34. Diese Verse sind die Grundlage für das Gesagte und das, was er in den folgenden Versen noch darlegen wird.

* “So demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit, indem ihr all eure Sorge auf ihn werft; denn er ist besorgt für euch.“ – 1. Petrus 5, 6 – 7 – Die Empfänger des 1. Petrusbriefes erlitten – unter der Zulassung Gottes – Verfolgung und Bedrängnis. Der Apostel fordert sie auf, weise mit dieser Situation umzugehen. Wie Paulus, der die Christen in Rom darauf hinwies, dass alle Dinge denen zum Besten dienen müssen, die Gott lieben (Römer 8, 28), so versicht Petrus hier den Gläubigen in Kleinasien, dass Gott sie erhöhen wird, wenn Er Sein Werk an ihnen vollendet hat (vgl. auch Jakobus 1, 2 – 4; Lukas 14, 11). Petrus selbst war durch einen solchen Lernprozess unter der “Hand Gottes“ gegangen.
Schon im Alten Testament wird das Bild der “Hand Gottes“ als Symbol göttlicher Zurechtweisung  (2. Mose 3, 19; 2. Mose 6, 1; Psalm 32, 4), aber auch als Symbol der Befreiung (5. Mose 9, 26; Hesekiel 20, 34; ).
Aber Petrus fordert die Gläubigen nicht auf, sich in irgendeiner Weise unter die mächtige Hand Gottes zu demütigen. Nicht irgendeine passive Demutshaltung war das Ziel seiner Ermahnungen. Nein, die Christen in Kleinasien sollten ihre Demut dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie sich selbst und ihre Sorgen auf Gott warfen (vgl. Matthäus 6, 25; Matthäus 6, 33 – 34; Philipper 4, 6). Das ist ein sehr aktive Art, Demut auszudrücken. Sie setzt voraus, dass wir der Fürsorge Gottes vertrauen. Aus diesem Grund versichert der Apostel den Gläubigen noch einmal ausdrücklich, dass Gott besorgt um sie ist. Nur wenn wir in dieser aktiven Demutshaltung leben und unsere Sorgen immer wieder auf den Gott werfen, der um uns besorgt ist, werden wir auch geistlich nüchtern bleiben. Diese Nüchternheit aber ist wichtig, wenn wir den Verführungen des Teufels widerstehen wollen.

* “Seid nüchtern, wacht; euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht standhaft im Glauben, da ihr wisst, dass dieselben Leiden sich an eurer Brüderschaft in der Welt vollziehen.“ – 1. Petrus 5, 8 – 9 – Warum werden die Gläubigen von Petrus zur Nüchternheit ermahnt? Nun, Sorgen – insbesondere in so stressigen Zeiten der Bedrängnis und Verfolgung – können dazu führen, dass wir  Entscheidungen treffen, die nicht vorher von einem klaren Verstand überlegt wurden. Das sind dann keine Entscheidungen, deren Gründe wir aus dem Wort Gottes entnommen und sorgsam durchdacht haben, sondern Entscheidungen, deren Wurzeln in Gefühlen der Angst und der inneren Zerrissenheit liegen. Solche Entscheidungen aber können nie zu guten Ergebnissen führen. Jemand hat einmal gesagt: “Angst ist ein schlechter Ratgeber“ und dieser Aussage kann man nur zustimmen. Petrus verbindet  die Aufforderung zur Nüchternheit mit der Warnung vor dem geistlichen Feind der Christen. Denn es sind gerade solche schwierigen Zeiten, die der Teufel nutzt, um Gläubige zu verängstigen und anschließend zur Sünde zu verführen. Hier steht das Bild des “Löwen“, dessen Gebrüll bereits Angst verursacht im Vordergrund. Wenn die bedrängten und verfolgten Christen  Kleinasiens in ihrer Angst nun auf den Gedanken gekommen wären, dass ihr Leiden ein Zeichen dafür sei, dass Gott sich nicht mehr für sie interessieren würde, wie leicht hätte sie der Teufel auch zu anderen Sünden verführen können.
Der Teufel geht immer nach der gleichen Weise vor: Er will dem Christen dazu bringen, am Wort Gottes zu zweifeln, das Wort Gottes zu verneinen, das Wort Gottes nicht zu beachten und endlich dem Wort Gottes nicht zu gehorchen.  Dem galt (und gilt!) es standhaft, also mit aller Kraft, zu widerstehen. Hier war (und ist!) geistliche Selbstverteidigung angesagt. Dieser Widerstand fällt uns leichter, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nicht allein in diesem Kampf stehen, sondern dass alle Christen ihm kämpfen müssen. Diese geistliche Auseinandersetzung und das Leiden um des Namens Christi willen, waren und sind Teil aller hingegeben Gläubigen und zwar solange wir auf dieser Erde sind:

“Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“

(2. Timotheus 2, 12)

I'm part of Post A Day 2014
 

Dieser Beitrag wurde unter Glimpses/Impulse, Predigt abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s