Anmerkungen zu Johannes 2, 1 – 11

Blick auf das nächtliche Nazareth (nahe Kana) * Foto: Masterjohn1881 via Wikimedia Commons

Blick auf das nächtliche Nazareth (nahe Kana) * Foto: Masterjohn1881 via Wikimedia Commons

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Das Bibelwort, das am morgigen Sonntag betrachtet werden soll, ist dem 2. Kapitel des Johannesevangeliums entnommen (zum Hintergrund des Johannesevangeliums siehe: Klick!). Wir betrachten diesen Vers in seinem Kontext:

”Und am dritten Tag war eine Hochzeit in Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dort. Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit geladen. Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Und Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was irgend er euch sagen mag, tut! Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Sie aber brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war (und er wusste nicht, woher er war, die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus in Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn.”


(Johannes 2, 1 – 11 ÜEEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)


Anmerkungen zu Johannes 2, 1 – 11

* ”Und am dritten Tag war eine Hochzeit in Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dort.” – Johannes 2, 1 – Nachdem der Evangelist uns im ersten Kapitel seines Evangeliums die Gottheit des Herrn Jesus Christus bezeugt hat, berichtet er uns im zweiten Kapitel von dem ersten Zeichen, dass der Herr während Seines irdischen Dienstes tat und durch das Er Seine Gottheit offenbarte.
Kana in Galiläa war ein kleiner Ort der ca. 14 Kilometer von Nazareth entfernt lag. Im Neuen Testament kommt der Ort ausschließlich im Johannesevangelium vor. Dort wird er außer in Johannes 2, 1 + 11 auch in Johannes 4, 46 erwähnt: Als der Herr Jesus Christus diesen Ort ein weiteres Mal aufsuchte, traf Er dort auf einen königlichen Beamten, der Ihn um die Heilung Seines Sohnes bat. Ein viertes und letztes Mal erwähnt der Evangelist den Ort in Kapitel 21, 2 als Herkunftsort des Jüngers Nathanael.
Wenn der Evangelist hier von ”dem dritten Tag” spricht, ist damit wahrscheinlich der dritte Tag nach der Berufung des letzten Jüngers (Nathanael) gemeint.
In diesem Zusammenhang sei folgender Hinweis erlaubt: Im Johannesevangelium stoßen wir immer wieder auf sehr genaue Daten bzgl. bestimmter Tage und der Dinge, die sich an diesen Tagen ereigneten (vgl. z.B. Johannes 1, 29; Johannes 1, 35; Johannes 1, 43; Johannes 2, 1). Dies unterstreicht die auch durch viele andere Beweise belegbare Tatsache, dass der Evangelist Augenzeuge der von ihm berichteten Ereignisse war (vgl. dazu auch den Abschnitt ”Johannesevangelium” in: ”Unterscheidung: Die vier Evangelien und ihre Zielgruppen”: Klick!) Verschiedene Kommentatoren weisen darauf hin, dass der Herr Jesus Christus mit diesem Zeichen Seine dem Nathanael gegebene Verheißung sehr rasch erfüllt hatte (vgl. Johannes 1, 50 – 51).
Der Evangelist Johannes benutzt weder hier in Johannes 2, 1 noch an irgendeiner anderen Stelle in seinem Evangelium den Namen der Mutter Jesu.

* ”Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit geladen.” – Johannes 2, 2 – Kana war ein kleiner Ort. Manche Ausleger vermuten, dass darum die Hochzeit ein Fest gewesen sei, an dem die ganze Dorfgemeinschaft teilgenommen habe. Der Herr Jesus Christus wurde wahrscheinlich eingeladen, weil Er sich dort aufhielt und einer der Dorfbewohner – Nathanael – erst kürzlich Sein Schüler geworden war.

* ”Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein.” – Johannes 2, 3 – Im Altertum dauerten Hochzeitsfeiern im Nahen Osten oft mehrere Tage, manchmal sogar eine ganze Woche. (In manchen nahöstlichen oder asiatischen Ländern ist das auch heute noch so.) Dies war u.a. der Tatsache geschuldet, dass Verwandte des Hochzeitspaares z. T. lange Reisen auf sich nehmen mussten. Außerdem waren solche Feiern ein herausragender familiärer und gesellschaftlicher Anlass. Hätte man bei einer solchen Gelegenheit seine Gäste nicht angemessen versorgt, so wäre ein dauerhafter sozialer Makel auf dem neuen Ehepaar zurückgeblieben. In Anbetracht dieser Umstände weist Maria den Herrn auf den Mangel an Wein hin. Offensichtlich ging sie davon aus, dass Er etwas unternehmen würde, um dem Bräutigam zu helfen. Ob sie dabei an ein Wunder gedacht hat? Einige Ausleger bezweifeln dies angesichts der Tatsache, dass Johannes in Vers 11 darauf hinweist, dass dies das erste Zeichen war, das der Herr tat. Woher sollte sie also gewusst haben, dass Er in der Lage war, solche Wunder zu tun?
Andererseits gibt es ein alttestamentarisches Vorbild für einen solchen Glauben, der sich auf kein vorausgegangenes bzw. vergleichbares Wunder berufen hatte: In 2. Könige 5, 1 ff. wird uns die Heilung des aramäischen Generals Naaman geschildert. Durch eine aus Israel verschleppte junge Frau, deren Name nirgendwo genannt wird und die im Haus des Naaman als Dienerin gehalten wurde, erfuhr der General von dem Gott Israels. Diese Dienerin war eine bemerkenswerte junge Frau. Obwohl es sich bei Naaman um einen Feind ihres Volkes handelte, blieb sie von der Krankheit, die ihn befallen hatte, nicht unberührt. Sie nahm sich ein Herz und sprach zu ihrer Herrin: ”Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien.” (2. Könige 5, 3) Wie kam diese junge Frau zu einer solchen Aussage? Ihr Glaube konnte sich auf keine gleichartige Erfahrung berufen. Niemals zuvor hatte Elisa einen Menschen vom Aussatz geheilt. Diese Tatsache wird von dem Herr Jesus Christus in Lukas 4, 27 bestätigt:

”Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa, und keiner von ihnen wurde rein als allein Naaman aus Syrien.”

Nein, auf gleichartige Erfahrungen konnte sich die Dienerin Naamans nicht berufen oder stützen. (Sie konnte dem General kein Buch bei Amazon oder Booklooker empfehlen, etwa mit dem Titel: ”100 Aussätzige in aller Welt bezeugen ihre Heilung nach Besuch bei jüdischem Propheten!”) Aber diese junge Frau kannte ihren Gott, von dem schon Asaph, ein Levit und Chorleiter König Davids (1. Chronika 6, 16 – 32), bezeugt hatte:

”Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Stärke kundgetan unter den Völkern.”

(Psalm 77, 15)

Warum sollte Gott nicht noch einmal Wunder tun und Seine Stärke kundtun? Gehörte nicht auch Syrien, das Heimatland Naamans, zu ”den Völkern”?

Wie die namenlose Dienerin Naamans, so konnte auch Maria ihren Glauben nicht auf irgendwelche Zeichen oder Wunder gründen, die der Herr Jesus Christus zuvor getan hatte. Doch wie diese junge, nach Syrien verschleppte Frau kannte Maria ihren Gott und sie wusste darum, dass der Herr Jesus Christus der von Gott gesandte Messias war. Diese Kenntnis ihres Gottes und das Wissen um die Berufung Jesu befähigten sie, in dieser Situation Gottes Eingreifen zu erwarten.

* ”Und Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.” – Johannes 2, 4 – Uns Westeuropäern des 21. Jahrhundert mag die Anrede einer Mutter als ”Frau” harsch, lieblos oder gar als respektlos erscheinen. Doch zur Zeit Jesu war dieser Gebrauch des griechischen Wortes ”γυνή” (”gune”) mit keinerlei negativen Anklängen verbunden (vgl. dazu auch Johannes 19, 26; Johannes 20, 15). Allerdings verdeutlicht diese Anrede, dass die Beziehung zwischen dem Herrn und Maria mit dem Beginn Seines öffentlichen Dienstes eine gravierende Veränderung erfahren hat (vgl. dazu auch: Lukas 11, 27 – 28; Matthäus 12, 46 – 50).
Auch die Frage ”Was habe ich mit dir zu schaffen?” wirkt auf uns heute wie eine scharfe Zurechtweisung. Doch stellte sie im damaligen Kontext nur eine einfache Ermahnung dar. Wir haben es hier mit einer umgangssprachlichen Redewendung zu tun, die sich bereits im Alten Testament findet (vgl. Richter 11, 12; 2. Samuel 16, 10; Matthäus 8, 29, Markus 1, 24; Lukas 4, 34) und die wir in etwa so übersetzen können: ”Haben wir ein gemeinsames Anliegen?” bzw. ”Das mag dich betreffen, aber nicht mich.” Es ist eine Redewendung, die Distanz schafft (vgl. Markus 5, 7). Als irdische Mutter hätte Maria wohl Forderungen stellen können, doch diese Zeit war jetzt für immer vorbei.

Der Herr erklärt Maria hier auch, dass Er zu Seiner Zeit auf Seine Weise handeln würde (”Meine Zeit ….”). Nachdem der Herr lange Zeit Seinen irdischen Eltern gehorsam gewesen war (Lukas 2, 51), war nun der Zeitpunkt gekommen, von dem ab Sein Handeln einzig und allein durch den Gehorsam gegenüber Seinem Vater im Himmel bestimmt wurde (vgl. Johannes 4, 34; Johannes 6, 38; Johannes 8, 28 – 29; Johannes 10, 25; Matthäus 12, 50). Das bedeutete auch, dass der Herr die Ihm von Gott bestimmten Dinge zu der von Gott bestimmten Zeiten tat (vgl. das ”musste” in Johannes 4, 4). Der Evangelist Johannes zitiert den Herrn immer wieder in dieser Weise bzw. weist selbst auf diesen Zusammenhang hin (vgl. Johannes 2, 4; Johannes 7, 30; Johannes 8, 20; Johannes 12, 23 + 27; Johannes 13, 1; Johannes 16, 32; Johannes 17, 1). Damit macht er deutlich, dass der Herr nicht nur den Willen Gottes tat, sondern dass Er diesen Willen jeweils genau zu dem von Gott festgesetzten Zeitpunkt erfüllte.

* ”Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was irgend er euch sagen mag, tut!” – Johannes 2, 5 – Wir sehen, dass Maria hier auf eine Weise reagiert, wie wir es bereits aus anderen Situationen, in denen sie mit dem Willen Gottes konfrontiert wurde, kennen (vgl. Lukas 1, 28). Es scheint, als haben Seine Worte sie wachgerüttelt und an das erinnert, was der Engel ihr 30 Jahren zuvor gesagt hatte (Lukas 1, 32 – 33). Dieser Sohn, den sie gebären würde, würde nicht für immer ”ihr” Sohn bleiben. Ihre Mutterrolle galt es nur für eine sehr begrenzte Zeit auszufüllen. Denn dieser Sohn war der von Gott verheißene Messias, der Erlöser der Welt und zukünftige König Israels. Sie würde keine Autorität über Ihn haben, ganz im Gegenteil: Auch sie bedurfte der Erlösung durch Ihn (Römer 3, 10 + 12 + 23; Römer 5, 12). In dem, was der Herr ihr sagte, erkannte sie das Reden Gottes (wieder) und sie reagierte darauf mit Demut und Glauben. So, wie sie 30 Jahre zuvor schon einmal in das (für sie nicht nachvollziehbare) Handeln Gottes eingewilligt hatte, so tat sie es jetzt wieder. Und doch ist diesmal etwas anders. Ihr Glaube geht über ihre Person hinaus. Während die näheren Umstände der Geburt des Messias fast ausschließlich sie betrafen, gelten das Offenbarwerden und die Wirksamkeit des Messias nun allen Menschen. Dementsprechend verweist sie die Diener auf den Herrn und fordert sie auf, Seinem Willen zu entsprechen.

* ”Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste.” – Johannes 2, 6 – Die rituelle Reinigung vor jedem Essen war ein integraler Bestandteil des jüdischen Alltags (Matthäus 15, 1 – 2; Markus 7, 2 – 3). Jeder dieser Krüge konnte zwischen 75 und 115 Litern Wasser enthalten.

* ”Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Sie aber brachten es.” – Johannes 2, 7 – 8 – Bei den hier angesprochenen Personen handelt es sich um die Diener, zu denen zuvor Maria gesprochen hat. Da diese Krüge das Wasser zur Reinigung enthielten, schöpfte man daraus normalerweise kein Wasser, um es dem Speisemeister zu bringen. Dennoch folgten die Diener dem Gebot des Herrn. Indem der Herr die Diener anwies, die Krüge völlig zu füllen, sorgte Er auch dafür, dass genug Wein für alle Gäste vorhanden war.

* ”Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war (und er wusste nicht, woher er war, die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.” – Johannes 2, 9 – 10 – Im normalen Ablauf eines solchen Festes wurde zuerst der besonders gute Wein serviert. Zu einem späteren Zeitpunkt des Festes, wenn die Gäste bereits betrunken waren und den Unterschied nicht mehr bemerkten, servierte man dann auch Wein minderer Qualität. Indem uns Johannes das Urteil des Speisemeisters über den durch das Wunder Jesu entstandenen Wein mitteilt, verweist er zugleich auf die Gottheit des Herrn. Nur der Schöpfer war und ist in der Lage, aus dem von Ihm Geschaffenen Neues zu schaffen und immer, wenn Er schöpferisch tätig wird, ist das von Ihm Geschaffene bester Qualität.

* ”Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus in Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn.” – Johannes 2, 11 – Wie bereits erwähnt, weist Johannes am Ende seines Berichts über diese Hochzeitsfeier darauf hin, dass es sich bei diesem Ereignis um das erste Zeichen handelt, dass der Herr Jesus Christus tat. Es war nicht nur ein Wunder, sondern ein Wunder mit besonderer Bedeutung – ein Zeichen. Dieses Wunder verwies auf den Herrn Jesus Christus als den Schöpfers, der aus etwas Geschaffenem eine völlige Neuschöpfung machen konnte (vgl. dazu auch: 2 Korinther 5, 17!). Auf diese Weise wurde der Herr vor denen, die Augenzeugen dieses Wunder wurden, verherrlicht. Es führte außerdem dazu, dass der bereits vorhandene Glaube der Jünger weiter gestärkt wurde (vgl. dazu Johannes 1, 50!)
Der Hinweis des Johannes, dass der Herr Jesus Christus dieses Zeichen ”in Kana in Galiläa” – also einem Ort, den die Leser seines Berichtes aufsuchen konnten – tat, belegt nicht nur die Historizität des Geschehens, er macht damit auch deutlich, dass es sich bei diesem Zeichen um ein buchstäbliches Wunder gehandelt hat, das wir nicht allegorisch ”wegdeuten” sollten.

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