Anmerkungen zu Matthäus 18, 15 – 20

Für die Wortverkündigung am morgigen Sonntag wurden Verse aus dem 18. Kapitel des Matthäusevangelium (zum Hintergrund des Matthäusevangeliums siehe: Klick!) gewählt. Wir betrachten diese Verse in ihrem Zusammenhang:

“Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit durch den Mund von zwei oder drei Zeugen jede Sache bestätigt werde. Wenn er aber nicht auf sie hört, so sage es der Versammlung; wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hört, sei er dir wie der Heide und der Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was irgend ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und was irgend ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein. Wahrlich, wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden über irgendeine Sache, welche sie auch erbitten mögen, so wird sie ihnen zuteil werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.

(Matthäus 18, 15 – 20 ÜEEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)


Den Bruder / die Schwester gewinnen

Der Zusammenhang, in dem diese Verse stehen, ist kein  Zufall. In den Versen 10 – 14 dieses Kapitels finden wir das Gleichnis von dem einen verlorenen Schaf. Um dieses eine verlorene Schaf zu finden und zu retten, verlässt der gute Hirte zeitweise seine anderen 99 Schafe. Dieses Gleichnis richtet unseren Blick auf die große Liebe, mit der der gute Hirte – Jesus Christus – einem jeden Menschen nachgeht, damit dieser in den Genuss der Erlösung kommt.
Diese “nachgehende Liebe“ hört aber nicht auf, wenn ein Mensch zum Glauben kommt und ein Jünger Jesu Christi wird. Auch Gläubige – Jünger – können fehlen, scheitern, sündigen. Doch im Gegensatz zu den Geflogenheiten, die wir heute in vielen christlichen Gemeinschaften vorfinden, möchte der Herr Jesus Christus nicht, dass diese Menschen lieblos ihrer Sünde überlassen werden. Ihnen soll Hilfe zuteil werden. Matthäus 18, 15 – 18 zeigt uns ein dreistufiges Konzept:
Wenn in den Beziehungen von Gläubigen zu Sünde kommt (“Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen.“), soll der davon Betroffene das Gespräch unter vier Augen mit demjenigen suchen, der sich an ihm / ihr versündigt hat. Das Ziel eines solchen Gespräches wird in diesem Vers eindeutig definiert: Der andere Gläubige soll gewonnen werden. Damit wird von vorn herein jeder Art von Streitgesprächen eine Absage erteilt. Es geht nicht darum, dass einer der beiden Beteiligten “Recht“ bekommt, es geht darum, den Bruder (oder: die Schwester) zu gewinnen! Solange ich also Zorn in meinem Herzen gegenüber einem solchen Bruder (od. einer solchen Schwester) hege, solange es mir nur darum geht, endlich mein Recht zu bekommen, habe ich noch gar nicht die richtige Herzenshaltung, um ein solches Gespräch führen zu können. Ein Gespräch, das in einer zornigen, rechthaberischen Weise geführt wird, wird mehr zerstören, als helfen. Anklagen haben immer den Effekt, dass sie zu einer Verhärtung des Gesprächspartners und damit zu einer Art Blockbildung führen. Auf diese Weise werden die Gräben zwischen den Beteiligten aber nur vertieft. Solange wir uns also noch in einer solchen Herzenshaltung befinden, sollten wir erst einmal dafür beten, dass unser eigenes Herz Ruhe in Gott findet und von Ihm in die Lage versetzt wird, dem Bruder/der Schwester zu vergeben. Dann wird auch ein Gespräch in der richtigen Haltung möglich (zur weiteren Betrachtung empfehle ich in diesem Zusammenhang unbedingt: Lukas 17, 3 – 4; 2. Thessalonicher 3, 14 – 15; Jakobus 5, 19 – 20)
Beachten wir außerdem, dass der Bruder / die Schwester von seiner / ihrer Sünde “überführt“ werden soll. Es ist sehr bemerkenswert, dass Matthäus hier dasselbe griechische Wort benutzt, wie wir es in Johannes 16, 8 finden, wo es die Wirksamkeit des Heiligen Geistes beschrieben wird. In Johannes 16, 7 – 11 (REVELB’2006) lesen wir:

 “Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.“

Das hier gebrauchte griechische Wort ist “ἐλέγχω“ (“elegcho“). Es kann mit “überführen“, “widerlegen“, aber auch “einen Fehler korrigieren“ übersetzt werden kann. Um jemanden von etwas Falschem überführen bzw. etwas Falsches widerlegen zu können, muss man das Richtige kennen und dem Falschen gegenüberstellen. Genauso überführt und korrigiert uns der Heilige Geist. Er stellt der Sünde die Wahrheit des Wortes Gottes gegenüber (vgl. dazu Titus 1, 9; 2. Timotheus 4, 2; Jakobus 2, 9; 1. Korinther 14, 24), um bei dem / der Betreffenden Einsicht in sein / ihr falsches Handel zu ermöglichen.
Auch uns ist von Gott kein anderes Mittel gegeben worden, um den Bruder / die Schwester zu gewinnen, als nur das Wort Gottes. Weder sind unsere Meinungen/Vorstellungen von gut und richtig der Maßstab, an dem sich andere zu orientieren haben, noch haben unsere menschlichen Ansichten oder Überzeugungen die geistliche Kraft, einen anderen Menschen von Sünde zu überführen. Nein, der einzige Maßstab für uns selbst und den Bruder / die Schwester ist die Heilige Schrift. Und nur das vom Heiligen Geist inspirierte Wort Gottes hat die Autorität und die Kraft das menschliche Herz von Sünde zu überführen:

“Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt.“

(2. Timotheus 3, 16 – 17)

Das bedeutet aber auch, dass wir uns zuerst einmal selbst prüfen müssen, ob das, was wir von Seiten des Bruders / der Schwester als Sünde gegen uns empfinden, überhaupt Sünde ist. Vielleicht stellen wir dabei ja fest, dass dem Handeln des Bruders / der Schwester uns gegenüber ein falsches Verhalten unsererseits vorausging? In einem solchen Fall wäre es an uns, den Bruder / die Schwester um Vergebung zu bitten.
Diese beiden Hinweise aus dem Wort Gottes machen uns deutlich, dass ein solches Gespräch mit übereilt und unvorbereitet herbeigeführt werden sollte. Ein solches Gespräch kann nur auf der Grundlage des Wortes Gottes und in der richtigen Herzenshaltung geführt werden. Es sollte auch durch anhaltendes Gebet um Gottes Führung, Sein Eingreifen und Seinen Segen vorbereitet werden.

Wenn er aber nicht hört …

Angenommen wir haben das Gespräch mit dem Bruder / der Schwester in der richtigen Herzenshaltung gesucht, haben mit ihm / ihr auf der Grundlage des Wortes Gottes versucht das Problem zu lösen und sind dennoch auf taube Ohren gestoßen – was dann? Der Herr gibt uns in Matthäus 18, 15 – 20 auf für diese Situation eine Handlungsanweisung. In einem solchen Fall sollen wir das Problem zwei anderen Gläubigen mitteilen und mit diesen gemeinsam den Bruder / die Schwester aufsuchen (“Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit Dieser Weg eröffnet einige neue Möglichkeiten der Versöhnung: Zum einen wird deutlich, dass derjenige/diejenige, der/die das Gespräch sucht, es wirklich ernst meint. Er / sie gibt nicht auf und schreibt das leichtfertig gegenüber ab (“hat nicht gewollt, selber schuld, ist es eben aus zwischen uns“), sondern er / sie unternimmt einen weiteren Versuch und macht sich dabei die Mühe, die Problematik zwei anderen Gläubigen darzulegen. Schon an diesem Punkt des weiteren Vorgehens kann es u.U. zu Lösungen des Problems kommen. Vielleicht erkennen die beiden anderen Gläubigen Zusammenhänge, die der Versöhnung der Betroffenen im Wege stehen und die der einzelne Betroffene gar nicht gesehen hat oder gar nicht sehen konnte. Die Teilnahme von zwei weiteren Personen kann auch vermittelnd auf die beiden Betroffenen wirken, indem sie beiden neuen Gesprächsteilnehmer darauf achten, dass bei einem neuen Gespräch alle Teilnehmer zu Wort kommen und ihre Meinung darlegen können, dass alle Betroffenen beim Thema bleiben und keine “Nebenschauplätze“ eröffnet werden, die Problematik wirklich auf der Grundlage des Wortes Gottes besprochen wird und eine Atmosphäre von gegenseitigem Verständnis herrscht.
Auch ein solches Gespräch kann natürlich nicht übereilt und nur in der rechten Herzenshaltung geführt werden. Auch bei einem solchen Gespräche in einem erweiterten Teilnehmerkreis ist und bleibt es das Ziel, den Bruder / die Schwester zu gewinnen. Und auch ein solches Gespräch sollte in anhaltendem Gebet vorbereitet werden. Denn nicht die zusätzlichen Gesprächsteilnehmer sind der Garant für ein gelungenes Gespräch, sondern allein Gottes Wirken durch Sein Wort und Seinen Geist.

Wenn er aber nicht auf sie hört …

Für den Fall, dass eine Versöhnung auch nach Gesprächen mit mehreren Teilnehmern nicht herbeigeführt werden kann, finden wir in Matthäus 18, 15 – 20 die Anweisung, die Angelegenheit vor die ganze Versammlung (= Gemeinde) zwecks einer Entscheidung zu bringen (“Wenn er aber nicht auf sie hört, so sage es der Versammlung; wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hört, sei er dir wie der Heide und der Zöllner.“) Dieser Schritt gibt den Betroffenen noch einmal die Möglichkeit, dass ihr Problem von vielen, nicht direkt in die Angelegenheit eingebundenen Personen vorurteilsfrei betrachtet werden kann und dabei Dinge ans Licht kommen, die vorher nicht erkannt wurden bzw. Lösungswege vorgeschlagen  werden, deren Möglichkeit vorher noch niemand in Betracht gezogen hat. Er verhindert außerdem, dass ein kleiner Kreis eine vorschnelle Entscheidung trifft. Erst wenn die gesamte Versammlung (= Gemeinde) in dieser Angelegenheit zu einer einmütigen Entscheidung gekommen ist, kann diese auch vollzogen werden.

Die Vorteile dieses auf drei aufeinander folgende Schritte setzenden Lösungsansatzes zur Versöhnung zwischen zwei Betroffenen  hat mehrere Vorteile:

  1. Er verhindert eine einseitige Entscheidung.
  2. Er verhindert eine übereilte Entscheidung. Dadurch gibt Er Gott Zeit zum Wirken und den Betroffenen Zeit zum Nachdenken, zur Besinnung und Einsicht.
  3. Er eröffnet vielfältigere Problemlösungsmöglichkeiten, indem er sukzessive mehr Menschen in den ganzen Lösungs- bzw. Entscheidungsprozess einbezieht.

Bereits im Alten Testament finden wir ein Gebot, das die ersten beiden Schritte des in Matthäus 18 aufgezeigten Lösungsweges umfasste (3. Mose 19, 17; 5. Mose 19, 15). Indem der Herr diesen Ansatz erweitert, verdeutlicht er uns, welchen Wert er darauf legt, dass wir keine vorschnellen Urteile und Entscheidungen fällen.

Wie bereits gesagt, ist das Ziel eines solchen Handelns immer, dass der Bruder / die Schwester gewonnen, die Gemeinschaft mit ihm / ihr wiederhergestellt wird. Nur mit einer solchen, inneren Herzenseinstellung verdient Seelsorge ihren Namen, nur dann ist sie wirklich “Sorge um die Seele“ des anderen.

Trifft – wider alle Hoffnungen, trotz allem Gebet und entgegen allen Einsatzes der Beteiligten – der Fall ein, dass sich einer der Betroffenen der Versöhnung und Wiederherstellung verweigert, so soll er / sie den Gläubigen “wie der Heide und der Zöllner“ gelten. Was ist damit gemeint? Solche Menschen waren nicht Teil der Gemeinschaft der Gläubigen, aber sie waren, wie alle anderen Menschen, Inhalt ihrer Gebete und Gegenstand ihrer Liebe. Für solche Menschen zu beten und ihnen auch weiterhin in Liebe zu begegnen, sollte für uns also ganz selbstverständlich sein. So, wie Gott einem jeden Mensch bis zum Ende dieser Gnadenzeit Seine Tür offenhält, so muss auch unsere Tür für diese Brüder / Schwestern offen bleiben:

“Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest.“

(Galater 6, 1)

Die Frage der Autorität

Während von Vers 15 bis Vers 17 immer die Rede von “du“ und “dein Bruder“ war, verändert sich dies ab Vers 18. Der Herr Jesus Christus spricht nun die Gesamtheit der Gläubigen an, von der Er zuvor als der “Versammlung“ (= Gemeinde) gesprochen hat. Nun heißt es in Vers 19:

“Wahrlich, wiederum sage ich euch: Was irgend ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und was irgend ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein.“

Die Autorität, die der Herr Seiner Versammlung (= Gemeinde) verleiht, hat sie nur in ihrer Gesamtheit. Nicht einige wenige beschließen irgendwelche Dinge und alle anderen haben diese Beschlüsse umzusetzen. Nein, mit dieser Autorität ist die Versammlung (= Gemeinde) nur in ihrer Gesamtheit bekleidet. Nur wenn alle Glieder der Versammlung einmütig einen Beschluss fassen und diesen ausführen, wird er auch mit geistlicher Autorität versehen sein und die entsprechende Wirkung haben.

Woher Autorität kommt

Diese Autorität hat die Versammlung (= Gemeinde) nicht aus sich selbst. Sie empfängt sie nur aus ihrer Abhängigkeit von Gott und in Übereinstimmung mit Seinem Willen. Die Verse 19 und 20 machen dies deutlich:

“Wahrlich, wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden über irgendeine Sache, welche sie auch erbitten mögen, so wird sie ihnen zuteil werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“

Das Gebet zeigt unsere völlige Abhängigkeit von Gott. Aus uns heraus können wir nichts tun. Aber Er hat verheißen uns alles zu schenken, was wir brauchen, wenn wir Ihn bitten. In Vers 19 geht es allerdings nicht um eine allgemeine Verheißung des Herrn bzgl. des Gebets. Gebet hat Verheißung, das ist wahr. Die Heilige Schrift bezeugt uns diese Tatsache an vielen Stellen (vgl. u.a. Matthäus 7, 7 – 8; Matthäus 21, 22; Johannes 14´, 13 – 14; Johannes 15, 7 – 8, Johannes 15, 16; 1. Johannes 5, 14 – 15). In Matthäus 18, 19 geht es jedoch ganz speziell um das Gebet im Zusammenhang mit der in Matthäus 18, 15 – 18 erörterten Seelsorge an einem Bruder / einer Schwester, an deren Ziel die völlige Wiederherstellung der Gemeinschaft  mit seinen / ihren Mitgläubigen stehen soll. Dabei ist die zahlenmäßige Größe der Versammlung völlig unerheblich. “Zwei“ ist das absolute Minimum, aber zwei Gläubige wären auch genug. Wenn sie in Abhängigkeit von Gott und in Übereinstimmung mit Seinem geoffenbarten Willen handeln, verleiht Gott ihrem Handeln die entsprechende geistliche Autorität. Diese Tatsache kommt in den Worten des Herrn in Vers 20 zum Ausdruck:

“Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“

Versammelt zum Namen des Herrn

Vielfach wird heute ein sehr kraftloses “Christentum“ in unserem Land  beklagt. Diese geistliche Kraftlosigkeit mag verschiedene Ursachen haben. Eine dieser Ursachen ist aber unzweifelhaft die, dass Christen die Aussage des Herrn in Matthäus 18, 20 nicht wirklich ernst nehmen. Der Blick in das Telefonbuch einer mittleren deutschen Kleinstadt genügt, um festzustellen, unter wie vielen verschiedenen Namen Christen zusammenkommen. Entspricht das dem Willen des Herrn? Der Herr hat den an Ihn Gläubigen Seine persönliche Gegenwart verheißen, wenn sie sich zu Seinem Namen hin versammeln. Was heißt das konkret?

Wenn im Neuen Testament von dem Namen Jesu Christi die Rede ist, dann  ist damit immer die ganze Person des Herrn und Heilands gemeint. Der Name steht für alles, was von der Person des Herrn geoffenbart wurde. Sehr oft spricht das  Neue Testament von dem der Namen des Herrn Jesus, wenn die Zentralität Seiner Person  betont werden soll. Niemals dürfen wir der irrigen Vorstellung verfallen, wir könnten Seinen Namen wie eine besondere religiöse Formel benutzen, indem wir ihn  an unsere Gebet ”anhängen”, als würden wir damit unserem Gebet  ”Kraft” verleihen. Einen göttlichen Namen wie eine magische Formel zu gebrauchen, dass ist eine heidnische Vorstellung. Auf diese Weise würden wir uns des Missbrauchs Seines Namens schuldig machen. Bedenken wir, dass der Herr ganzer Mensch und ganzer Gott ist (Philipper 2, 8; Johannes 1, 1 – 4; Johannes 20, 28). Wenn wir Seinen Namen missbrauchen, verstoßen wir gegen das 3. Gebot (2. Mose 20, 7). Gebet ”im Namen Jesu” (Johannes 14, 13) ist nicht ein Gebet, an das wir die Worte ”im Namen Jesu” o. ä. anhängen. Es ist immer ein Gebet, dass ganz auf die Person des Herrn Jesus und Seinen Willen ausgerichtet ist. Es ist ein Gebet in dem Bewusstsein, dass wir in allem ganz von dem Sohn Gottes abhängig sind. Betrachten wir im Folgenden einige Stellen, die uns die genannten  Zusammenhänge noch mehr verdeutlichen:

Als Petrus sich wegen der Heilung des Gelähmten vor den jüdischen Religionsbehörden rechtfertigen muss, da bezeugt er nicht nur, dass der Kranke durch den Herrn Jesus geheilt wurde, sondern er sagt:

”Wenn wir heute über die Wohltat an einem kranken Menschen verhört und gefragt werden, wodurch dieser geheilt worden ist, so sei euch allen und dem ganzen Volke Israel kund, daß in dem Namen Jesu Christi, des Nazaräers, welchen ihr gekreuzigt habt, den Gott auferweckt hat aus den Toten, daß durch ihn dieser gesund vor euch steht. Dieser ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, für nichts geachtet, der zum Eckstein geworden ist. Und es ist in keinem anderen das Heil, denn auch kein anderer Name ist unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen.

(Apostelgeschichte 4, 9 – 12)

Errettung, Erlösung ist nur durch Jesus Christus möglich. Mit dieser Aussage bezieht sich der Apostel auf das, was der Herr von Seiner Person gesagt hatte:

”Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich.

(Johannes 14, 6)

Der Herr Jesus Christus ist der einzige Weg zu Gott dem Vater. Er ist auch der einzige Mittler zwischen dem erlösungsbedürftigen Menschen und dem allmächtigen Gott (1. Timotheus 2, 5). Da, wo Menschen an Ihn glauben, werden sie zu Kindern Gottes:

”Er kam in das Seinige, und die Seinigen  nahmen ihn nicht an;  so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“

(Johannes 1, 12 – 13)

 

Noch in der Zeit Seines irdischen Dienstes gab der Herr Jesus Christus Seinen Jüngern eine wunderbare Verheißung, die an eine bestimmte Voraussetzung gekoppelt war:

”Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen (a. Ü.: zu meinem Namen hin), da bin ich in ihrer Mitte.”

(Matthäus 18, 20)

Die Apostelgeschichte ist voll von Berichten darüber, wie die Kraft Gottes wirksam wurde, wenn die Jünger des Herrn zu Seinem Namen hin versammelt waren. Doch schon bald sehen wir eine traurige Entwicklung: Bereits in seinem ersten Brief an die Korinther muss der Apostel Paulus die Gläubigen dafür rügen, dass sie innerhalb der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) Gruppen gebildet und diese mit den Namen bestimmter Menschen belegt haben (1. Korinther 1, 12). Paulus verurteilt diese Entwicklung mit scharfen Worten und bezeichnet sie als ungeistlich. Doch je weiter die Kirchengeschichte voran schritt, desto mehr nahm diese ungeistliche Entwicklung zu. Bald sehen wir, wie Gebäude, in denen sich Gläubige trafen, nach den Namen angeblich besonderer ”Heiliger” (Sankt Sowieso) benannt wurden, obwohl uns die Heilige Schrift doch ausdrücklich sagt, dass ”alle, die an allen Orten den Namen des Herrn Jesus Christus anrufen Heilige Gottes” (1. Korinther 1, 2) sind. Später ging man dazu über, einzelne christliche Bewegungen nach dem Namen ihres kirchlichen Zentrums (Rom, Konstantinopel etc.), nach dem Namen ihrer führenden Persönlichkeiten (Luther, Calvin etc.) oder nach bestimmten Schwerpunkten ihrer Lehre (baptistisch, pfingstlich, apostolisch u. v. a. m.) zu benennen und sich unter diesem ”Namen” zu versammeln. Viele dieser Bewegungen konnten/können beeindruckende Mitgliederzahlen vorweisen, doch sind Mitgliederzahlen kein Zeichen geistlicher Kraft oder göttlichen Lebens. Gott hat die Wirksamkeit Seiner Kraft nicht mit menschlichen Namen oder menschlichen Bekenntnissen verbunden, sondern allein mit dem Namen Seines Sohnes Jesus Christus. Wo immer ein menschlicher Name im Mittelpunkt steht und Jesus Christus nur eine ”Wichtigkeit” des Glaubens ist, wird Gott dieses Werk auf Dauer nicht bestätigen. Es reicht nicht aus, zu Beginn eines Gottesdienstes mit den Worten ”im Namen Jesu” zu beten. Es reicht nicht aus, im Gottesdienst zu singen: ”Wir sind hier versammelt in Jesu Namen …”, wenn wir uns doch gleichzeitig unter diesem oder jenem menschlichen Namen versammeln. Gott bezeugt sich dort mit Seiner Kraft, wo die Person Seines Sohnes der einzige Mittelpunkt der Anbetung und Verkündigung ist. Dort wird Er Selbst das Brot des Lebens austeilen, Er Selbst wird hungrige Seelen sättigen, Er Selbst wird zerbrochene Herzen heilen, Er Selbst wird Vergebung, Befreiung und Heilung schenken. Dort wird Er die an Ihn Gläubigen auch mit der geistlichen Vollmacht ausstatten, die zur Versöhnung und zur Wiederherstellung von zerbrochenen Beziehungen notwendig ist.

 

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