Der Gott, der Seine Verheißungen erfüllt, befähigt Sein Volk zum Handeln – Anmerkungen zu Sacharja 2, 1 – 17

 

Modell des Jerusalemer Tempels / Foto: Juan R. Cuadra/Wikipedia

Modell des Jerusalemer Tempels / Foto: Juan R. Cuadra/Wikipedia

Der Gott, der Seine Verheißungen erfüllt, befähigt Sein Volk zum Handeln – Anmerkungen zu Sacharja 2, 1 – 17

Das Bibelwort, das für die  Wortverkündigung am kommenden Sonntag ausgewählt wurde, stammt aus dem 2. Kapitel des Buches des Propheten Sacharja (zum Hintergrund des Buches Sacharja siehe: Klick!). Wir betrachten es in seinem Kontext:

“Und ich erhob meine Augen und sah: Und siehe, vier Hörner. Und ich sprach zu dem Engel, der mit mir redete: Was sind diese? Und er sprach zu mir: Diese sind die Hörner, die Juda, Israel und Jerusalem zerstreut haben. Und der HERR ließ mich vier Schmiede sehen. Und ich sprach: Was wollen diese tun? Und er sprach zu mir und sagte: Jene sind die Hörner, die Juda dermaßen zerstreut haben, dass niemand mehr sein Haupt erhob; und diese sind gekommen, um sie in Schrecken zu versetzen und die Hörner der Nationen niederzuwerfen, die das Horn gegen das Land Juda erhoben haben, um es zu zerstreuen. Und ich erhob meine Augen und sah: Und siehe, ein Mann, und eine Mess-Schnur war in seiner Hand. Und ich sprach: Wohin gehst du? Und er sprach zu mir: Jerusalem zu messen, um zu sehen, wie groß seine Breite und wie groß seine Länge ist.
Und siehe, der Engel, der mit mir redete, ging aus; und ein anderer Engel ging aus, ihm entgegen. Und er sprach zu ihm: Lauf, rede zu diesem Jüngling und sprich: Als offene Stadt wird Jerusalem bewohnt werden wegen der Menge von Menschen und Vieh in seiner Mitte. Und ich, spricht der HERR, werde ihm ringsum eine feurige Mauer sein und werde zur Herrlichkeit sein in seiner Mitte. Hui! Hui! Flieht aus dem Land des Nordens!, spricht der HERR. Denn nach den vier Winden des Himmels breite ich euch aus, spricht der HERR. Hui! Entkomme, Zion, die du wohnst bei der Tochter Babels! Denn so spricht der HERR der Heerscharen: Nach der Herrlichkeit hat er mich zu den Nationen gesandt, die euch geplündert haben; denn wer euch antastet, tastet seinen Augapfel an. Denn siehe, ich werde meine Hand über sie schwingen, und sie werden denen zum Raub sein, die ihnen dienten; und ihr werdet erkennen, dass der HERR der Heerscharen mich gesandt hat. Juble und freue dich, Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und werde in deiner Mitte wohnen, spricht der HERR. Und an jenem Tag werden viele Nationen sich dem HERRN anschließen, und sie werden mir zum Volk sein; und ich werde in deiner Mitte wohnen, und du wirst erkennen, dass der HERR der Heerscharen mich zu dir gesandt hat. Und der HERR wird Juda als sein Erbteil besitzen im heiligen Land und wird Jerusalem noch erwählen. Alles Fleisch schweige vor dem HERRN, denn er hat sich aufgemacht aus seiner heiligen Wohnung.

(Sacharja 2, 1 – 17 ELBÜEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum historischen Hintergrund von Sacharja

Es ist gut, wenn wir uns die historische Situation, in der der Prophet Sacharja diese Worte an das Volk Israel richtete, noch einmal vergegenwärtigen. Sacharja wirkte in der Zeit nach dem babylonischen Exil des jüdischen Volkes:
Nach der Wegführung der 10 Stämme des Nordreiches Israel nach Assyrien (722/721 v. Chr.), kam es zu drei zeitlich unterschiedlichen Wegführungen der Bewohner des Südreiches nach Babylon (1. Wegführung 605 v. Chr., 2. Wegführung 597 n. Chr. und 3. Wegführung 586 v. Chr. nach der Zerstörung Jerusalems).
Nachdem die Herrschaft der Babylonier von den Medo-Persern abgelöst worden war, erließ der medo-persische König Cyrus II. im Jahr 538/537 v. Chr. ein Edikt, dass den Juden die Rückkehr in ihr Land und den Wiederaufbau des Tempels gestattete (Esra 1, 1). Noch 538/537 n. Chr. kehrten die ersten Juden unter dem Statthalter Serubbabel und dem Priester Josua nach Jerusalem zurück (Esra 1, 2) und bereits 536 v. Chr. wurde mit dem Wiederaufbau des Tempels begonnen (Esra 3, 1 ff.).
Doch nach einiger Zeit stagnierten die Wiederaufbauarbeiten. Ab 520 v. Chr. traten daraufhin zuerst der Prophet Haggai und zwei Monate später auch der Prophet Sacharja auf (Sacharja 1, 1; 1, 7; vgl. Nehemia 12, 10 – 16; Haggai 1, 1):
Haggai tadelte die Juden, weil ihr Interesse am Wiederaufbau des Tempels erlahmt war. Die Gründe dafür waren die Angst vor den Feinden (Esra 4, 24), die sich plötzlich gegen sie erhoben hatten, aber auch Selbstsucht und Gleichgültigkeit gegenüber den Plänen Gottes (Haggai 1, 4 + 9). Im Auftrag Gottes ermahnte und ermutigte Haggai das Volk in vier prophetischen Botschaften, mit dem Werk fortzufahren (Haggai 12).
Die Botschaft Gottes, die der Prophet Sacharja dem Volk übermittelte, ergänzte die Ermahnungen und Ermutigungen Haggais. Sacharja stellte das Wirken Gottes in einen historischen Kontext und zeigte auf, wie Gott das Volk in der Vergangenheit bewahrt hatte. Dann gab er einen Ausblick in die Zukunft des jüdischen Volkes. Das Kommen des Messias, dessen Verwerfung durch das Volk, Gottes Gericht, die Umkehr der Juden zu Gott und zu Seinem Messias werden von ihm ebenso angekündigt, wie die Aufrichtung des Friedensreiches durch den Messias als Ziel des Planes Gottes.

Die göttliche Botschaft von Sacharja 1 & 2

Nach einleitenden Worten (Sacharja 1, 1 – 6) teilt der Prophet dem Volk Israel Gottes Botschaft mit, die er in acht Nachtvisionen (Sacharja 1, 7Sacharja 6, 8) empfangen hatte. In diesen Nachtgesichten enthüllt Gott Seinen Willen und Seine Verheißungen in Bezug auf Israel im Allgemeinen und in Bezug auf Jerusalem im Besonderen. Im Mittelpunkt dieser prophetischen Verheißungen steht das Kommen des Messias und die Aufrichtung Seines Friedensreiches. Die Aussicht auf das Kommen des Messias sollte die Israeliten dazu motivieren, mit der Arbeit am Tempel Gottes – auch angesichts feindlicher Bedrohungen – fortzufahren.
Die erste Vision beschreibt die vier Reiter im Myrtengrund (Sacharja 1, 7 – 17). Diese symbolisieren den Engel des Herrn und die drei letzten der vier großen Weltreiche (Persien, Griechenland und Rom). Dabei betont der Prophet die Bewahrung und Wiederherstellung des Volkes.
In Sacharja 2, 1 – 4 folgt die Vision von den vier Hörnern (die die vier Weltreiche Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom symbolisieren) und den vier Schmieden (welche symbolisch das Handeln Gottes an Juda durch das medopersische, das griechische, das römische und schlussendlich das göttliche Reich, darstellen). Gott schenkt seinem Volk die Zusage, dass es bis zum Ende im Konflikt mit den Völkern bewahrt bleiben wird.
In der dritten Vision, die sich in Sacharja 2, 5 – 17 findet, wird dem Propheten ein Mann mit einer Mess-Schnur gezeigt. Gott hat vermisst das Land und macht auf diese Weise deutlich, dass Er eine eine Zukunft für Sein Volk in dem von Ihm verheißenen Land plant.

Anmerkungen zu Sacharja 2, 1 – 17

* “Und ich erhob meine Augen und sah: Und siehe, vier Hörner. Und ich sprach zu dem Engel, der mit mir redete: Was sind diese? Und er sprach zu mir: Diese sind die Hörner, die Juda, Israel und Jerusalem zerstreut haben.“ – Sacharja 2, 1 – 2 – Zuerst sieht der Prophet vier Hörner. Hörner waren im Alten Testament immer ein Zeichen für Macht oder Stärke (Amos 6, 13; Samuel 2, 1; 2. Sanuel 22, 3) und werden häufig als Symbole für Königreiche gebraucht (5. Mose 33, 17; Daniel 7, 24; Daniel 8, 20 u.a.m.) Die Erklärung, die der Prophet erhält, ist, dass diese Hörner jene Königreiche darstellen, “die Juda, Israel und Jerusalem zerstreut haben“. Zwei dieser Weltreiche waren zur Zeit Sarcharjas bereits aufgetreten (Babylon, Medo-Persien), zwei weitere würden noch kommen und so mit Israel verfahren (Griechenland und Rom). Die Tatsache, dass Sacharja hier in der Vergangenheitsform spricht, widerspricht der zukünftigen Erfüllung nicht. Im Gegenteil: Indem  der Prophet von dem Zukünftigen spricht als sei es schon geschehen, macht er deutlich, wie sicher die Erfüllung dieser göttlichen Verheißung ist. Viele Prophetien des Alten Testaments wurden auf diese Weise ausgesprochen. Kommentatoren sprechen in diesem Zusammenhang auch von dem “prophetischen Pefekt“.

* “Und der HERR ließ mich vier Schmiede sehen. Und ich sprach: Was wollen diese tun? Und er sprach zu mir und sagte: Jene sind die Hörner, die Juda dermaßen zerstreut haben, dass niemand mehr sein Haupt erhob; und diese sind gekommen, um sie in Schrecken zu versetzen und die Hörner der Nationen niederzuwerfen, die das Horn gegen das Land Juda erhoben haben, um es zu zerstreuen.“ – Sacharja 2, 3 – 4 – Nach den Hörnern sieht der Prophet vier Schmiede. Das maßgebliche Werkzeug eines Schmieds ist sein Hammer, mit dem er ein zu schmiedendes Stück Metall formen oder auch zerstören kann. Dem Propheten wird auf diese Weise erklärt, dass die Herrschaft der Hörner nicht von unbegrenzter Dauer sein wird. Im Bild der Schmiede, die die Hörner zerstören werden, wird deutlich, dass Gott der alles unterjochenden Gewalt der Weltreiche ein Ende bereiten wird. Andere Mächte werden aufstehen, um sie zu zerstören. Die Geschichte bezeugt, dass drei dieser Reiche (Medo-Persien, Griechenland und Rom) das jeweils vorausgehende Reich zerstörten und in seiner Herrschaft ablösten. Diese drei Reiche hatten also nicht nur die Funktion eines “Horns“, sondern auch die eines “Schmiedes“. Das hier verheißene vierte und letzte Reich (= der letzte “Schmied“), wird das kommende Friedensreich des  Messias sein (Klick!). Diesen Verlauf der Menschheitsgeschichte hatte bereits der Prophet Daniel angekündigt:

“Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben, (..)“

(Daniel 2, 44)

“Ich schaute in Visionen der Nacht: Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen. Und er kam zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn vor ihn. Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum so, dass es nicht zerstört wird.

(Daniel 7, 13 – 14)

* “Und ich erhob meine Augen und sah: Und siehe, ein Mann, und eine Mess-Schnur war in seiner Hand. Und ich sprach: Wohin gehst du? Und er sprach zu mir: Jerusalem zu messen, um zu sehen, wie groß seine Breite und wie groß seine Länge ist.“ – Sacharja 2, 5 – 6 – Als nächstes sieht der Prophet einen Mann mit einer Mess-Schnur. Dass Gott sein Maß an die Stadt Jerusalem anlegen würde, hat Er bereits in Sacharja 1, 16  angekündigt:

“Darum spricht der HERR: Ich will mich wieder Jerusalem zuwenden mit Barmherzigkeit, und mein Haus soll darin wieder aufgebaut werden, spricht der HERR Zebaoth, und die Messschnur soll über Jerusalem gespannt werden.“

Sacharja wird geantwortet, dass die Länge und Breite der Stadt Jerusalem ausgemessen werden soll. Eine Vermessung stellt immer die Grundlage bzw. die Vorbereitung eines zukünftigen Baus dar. Indem Gott Seinem Propheten ankündigt, dass Er Seine Stadt vermessen wird, macht Er unmißverständlich klar, dass Er für Jerusalem eine Zukunft vorgesehen hat. Der Wiederaufbau Jerusalems unter Esra und Nehemia stellt nicht die endgültige, von Gott verheißene, Wiederherstellung der Stadt dar. Das hatte Gott Seinem Volk auch durch andere Propheten angekündigt  (vgl.  Hesekiel 40Hesekiel 48). Dass diese Vermessung die Verheißung des Wiederaufbaus Jerusalems buchstäblich “untermauert“, macht auch ein anderer Zusammenhang deutlich:  In Sacharja 2, 5 – 6 wird uns gesagt, dass nur die Länge und die Breite der Stadt vermessen werden sollen, also ihre Grundfläche. Das weist darauf hin, dass es sich hier um die irdische Stadt Jerusalem handelt. Denn wenn es um die Vermessung des zukünftigen, himmlischen Jerusalems geht, dann werden neben der Länge und Breite auch ihre Höhe genannt bzw. vermessen (vgl. Offenbarung 21, 15 – 16). 

* “Und siehe, der Engel, der mit mir redete, ging aus; und ein anderer Engel ging aus, ihm entgegen. Und er sprach zu ihm: Lauf, rede zu diesem Jüngling und sprich: Als offene Stadt wird Jerusalem bewohnt werden wegen der Menge von Menschen und Vieh in seiner Mitte.“ – Sacharja 2, 7 – 8 –  Der Prophet wird in diesen Versen als “der junge Mann“ angesprochen. Offensichtlich war der Prophet zu diesem Zeitpunkt seines  Dienstes noch ein junger Mensch. Sein genaues Alter wird uns weder in diesem Buch noch in einem anderen biblischen Buch genannt. Doch wie andere junge Menschen (Samuel, Daniel, Timotheus u.a.m.) konnte Gott ihn mit einer wichtigen Aufgabe betrauen. Ihm wird verheißen, dass Jerusalem eine “offene Stadt“ sein wird. D.h., dass die ganz nach Gottes Plan wiederhergestellte Stadt Jerusalem keine Mauern haben wird. Zwei Gründe werden dafür angegeben:
Zum einen wird die Menge der Bewohner Jerusalems so zahlreich sein, dass sie “aus allen Nähten platzt“, also nicht durch Mauern eingeschränkt werden kann. Auch diese Verheißung hatte Gott Seinem Volk bereits früher durch andere Propheten mitteilen lassen (vgl. Jesaja 49, 13 – 21; Jesaja 54, 1 – 3). Der zweite Grund wird dann in Vers 9 angesprochen:

* “Und ich, spricht der HERR, werde ihm ringsum eine feurige Mauer sein und werde zur Herrlichkeit sein in seiner Mitte.“ – Sacharja 2, 9 – Das ganz nach Gottes Plan wiederhergestellte Jerusalem bedarf auch keiner Mauern mehr, um sich vor Feinden zu schützen. Denn Gott selbst wird ihr Schutz sein. Die Verheißung, dass Gott Seine Herrlichkeit in dieser Stadt wohnen lassen wollte, muss mehr als alles andere ein Ansporn für die Israeliten gewesen sein, die Arbeiten für den Wiederaufbau der Stadt fortzusetzen. Auch diese Verheißung war nicht neu. Jahrhunderte zuvor hatte Gott durch König David prophetisch ankündigen lassen:

“Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs. „SELA“. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre. „SELA“.

(Psalm 24, 6 – 10)

Obwohl Gott die aus dem babylonischen Exil unter Esra und Nehemia zurückgekehrten Israeliten immer bewahrt hatte, hat sich diese Verheißung bis heute noch nicht vollständig erfüllt. Sie wird aber im Friedensreich des Messias ihre Erfüllung finden. Erst dann, wenn der Messias auf dem Thron Davids regieren wird, wird die Herrlichkeit Gottes (vgl. 2. Mose 13, 21 – 22; 2. Mose 14, 19 – 20; 2. Mose 40, 34) nach Jerusalem zurückkehren (Jesaja 4, 5 – 6; Jesaja 60, 19; Hesekiel 43, 1 – 5; Hesekiel 48, 35).

* “Hui! Hui! Flieht aus dem Land des Nordens!, spricht der HERR. Denn nach den vier Winden des Himmels breite ich euch aus, spricht der HERR. Hui! Entkomme, Zion, die du wohnst bei der Tochter Babels! Denn so spricht der HERR der Heerscharen: Nach der Herrlichkeit hat er mich zu den Nationen gesandt, die euch geplündert haben; denn wer euch antastet, tastet seinen Augapfel an.
Denn siehe, ich werde meine Hand über sie schwingen, und sie werden denen zum Raub sein, die ihnen dienten; und ihr werdet erkennen, dass der HERR der Heerscharen mich gesandt hat.“
– Sacharja 2, 10 – 13 –  Zum wiederholten Mal (Jeremia 3, 18; Jeremia 16, 15; Jeremia 23, 8; Jeremia 31, 8) ruft Gott den Rest Seines Volkes auf, aus Babylon (und all jenen anderen Ländern) zu fliehen und nach Jerusalem zurück zu kehren. Dort, in dem von Ihm verheißenen Land, wollte Er Sein Volk neu gründen, es segnen, sich ausbreiten lassen.
Doch von den Israeliten, die Gott gerichtet und nach Babylon hatte verbringen lassen (Jesaja 43, 5 – 6; Jesaja 49, 12) und jenen, die in andere Länder geflohen waren (Jeremia 43, 7; Jeremia 40, 11 – 12) war nur ein kleiner Teil nach Israel zurückgekehrt. Etliche Israeliten hatten es vorgezogen, in Babylon zu verbleiben. Ihre Zukunft in dieser wirtschaftlich ungemein prosperierenden Stadt erschien ihnen sicherer zu sein, als der Zug in die Ungewissheit, die sie in ihrer zerstörten Heimat  erwarten würde. Diese Israeliten setzen ihr Vertrauen auf das Sichtbare – die Macht und Versorgung des götzendienerischen Babylons. Dabei bemerkten sie gar nicht, dass der Untergang Babylons nur eine Frage der Zeit war. Bei Gott war das Gericht über diese Stadt schon lange “beschlossene Sache“. Die Schmiede, die der Prophet gesehen hatte (Sacharja 2, 3 – 4) standen bereit, um ihre Aufgabe zu erfüllen.  Doch wer sich im Vertrauen auf Gottes Zusagen auf den Weg in das von Gott verheißene Land Israel machte, der würde dabei auch immer Seinen Schutz und Seine Versorgung erleben. Das hatte Gott bereits eindrucksvoll im Leben ihres Patriarchen Abraham und später dann auch während der Wüstenwanderung ihrer Vorfahren bewiesen.
Im Anschluss an den Aufruf Babylon zu verlassen wird der Dienst des Messias geschildert. Dieser wird, wenn Er Sein reich auf dieser Erde aufrichtet, die Nationen richten, weil sie nicht nur das gerechte Gericht Gottes an Israel vollzogen haben, sondern in der Bedrängung dieses Volkes weit darüber hinaus gegangen sind. Diese Nationen werden genau das erleben, was sie Israel angetan haben: “(…) sie werden denen zum Raub werden, die ihnen dienten (…)“. Das Eingreifen Gottes wird die Machtverhältnisse völlig umkehren und daran wird das Volk Israel erkennen, dass der Messias von Gott gesandt wurde.
Diese prophetische Verheißung erreichte jene Israeliten, die aus Babylon unter Esra und Nehemia zurückgekehrt waren und deren Kraft zum Wiederaufbau der Stadt Jerusalem durch das Auftreten äußerer Feinde unterminiert worden war. Für sie wurde diese Verheißung zu einem neuen, kraftvollen Ansporn, das begonnene Werk fortzusetzen und sich nicht länger von ihren Feinden einschüchtern zu lassen.

* “Juble und freue dich, Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und werde in deiner Mitte wohnen, spricht der HERR. Und an jenem Tag werden viele Nationen sich dem HERRN anschließen, und sie werden mir zum Volk sein; und ich werde in deiner Mitte wohnen, und du wirst erkennen, dass der HERR der Heerscharen mich zu dir gesandt hat. Und der HERR wird Juda als sein Erbteil besitzen im heiligen Land und wird Jerusalem noch erwählen.“ – Sacharja 2, 14 – 16 – Gott verhieß Juda einen ganz besonderen Segen. Er wollte in ihrer Mitte wohnen . Viele Kommentatoren weisen darauf hin, dass dies die einzige Stelle in der ganzen Heiligen Schrift ist, in der  das Land Israel als “heiliges Land“ bezeichnet wird. Viele Christen benutzen diesen Begriff heute, wenn sie von Israel sprechen. Doch wirklich “heilig“ wird dieses Land erst dann, wenn  Gott selbst es erneut in Besitz nehmen und durch Seine Gegenwart heiligen wird.
Als der wiederaufgebaute Tempel eingeweiht wurde, da erfüllte die Herrlichkeit Gottes nicht diesen Tempel, wie es einst bei der Weihe des ersten Tempels unter König Salomo der Fall gewesen war (vgl. 1. Könige 8, 10). Diese Verheißung wird sich erst erfüllen, wenn der Messias das Friedensreich auf Erden aufrichten wird (Jesaja 43, 2 – 5) und von Jerusalem aus über die gesamte Erde herrschen wird (Sacharja 6, 12 – 13). Es wird die Zeit sein, in der Israel den “Eckstein, den die Bauleute verworfen haben“ (Psalm 118, 22; Matthäus 21, 42; 1. Petrus 2, 7) – Jesus Christus – als ihren Messias erkennen und anerkennen wird (vgl. Sacharja 12, 10 mit Johannes 19, 37). Ein Quelle zur Reinigung aller Sünde und Ungerechtigkeit wird sich für Israel (und die Welt!) öffnen (Sacharja 13, 1). “Und man wird“ Zion “nennen: das heilige Volk, die Erlösten des HERRN; und dich wird man nennen: die Gesuchte, die nie mehr verlassene Stadt.“ (Jesaja 62, 12)

* “Alles Fleisch schweige vor dem HERRN, denn er hat sich aufgemacht aus seiner heiligen Wohnung.“ – Sacharja 2, 17 –  All die Dinge, die Sacharja in seiner Vision ankündigt, sind bei Gott bereits lange beschlossen. Er wird Seine Pläne ausführen und Er wird Seine Verheißungen erfüllen. Er wird Sein gerechtes Gericht vollziehen und Gnade üben, die sich dann auch in bisher nicht gekannten Segnungen ausdrücken wird. Auch wenn vieles von dem, was Gott verheißen hat, zur Zeit Sacharjas – und auch in unserer Zeit – noch in der Zukunft lag bzw. liegt, sollten wir nicht übersehen, dass Gottes Handeln uns an jedem neuen Tag der Erfüllung Seiner Pläne näher bringt. Er wird sich nicht erst irgendwann in Zukunft “aufmachen aus seiner heiligen Wohnung“, Er hat es bereits getan. Für die Welt mag es oft so scheinen, als sei Gott untätig. Doch die Nachtgesichte Sacharjas belehren uns eines anderen: Gott beobachtet das Verhalten der Nationen sehr genau und zu dem von Ihm bestimmten Zeitpunkt wird Er eingreifen. Einen Teil Seiner Verheißungen, die Sacharja verkünden durfte, hat er bereits erfüllt und Er wird auch die noch ausstehenden Verheißungen erfüllen. Daran sollte kein Zweifel bestehen.
Sind wir uns dieser Zusammenhänge bewusst, wenn wir beten: “Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden!“ (Matthäus 6, 10)?
Sind wir uns bewusst, dass unser Leben auf genau diese Pläne Gottes ausgerichtet sein soll? Erinnern wir uns, was uns der Herr Jesus Christus in Matthäus 6, 30 gebietet? – “Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“
Unsere Gebete sollen die Erfüllung der Pläne Gottes zum Inhalt haben und unser Leben soll darauf ausgerichtet sein, dass Gottes Pläne in unserem Leben und in dieser Welt zur Erfüllung kommen.
Angesichts dieser Verantwortung vor dem heiligen Gott ist die Aufforderung, in Seiner Gegenwart zu schweigen, sehr nachvollziehbar. Was könnten fehlbare Menschen in der Gegenwart eines heiligen Gottes sagen, der Sein Volk in der Vergangenheit auf machtvolle Weise gerettet hat und der jetzt bereit steht, dasselbe erneut zu tun?  Es ist nicht Angst, sondern die Ehfurcht, der Respekt vor dem heiligen Gott, vor dem Gott, der Seine Verheißungen erfüllt, die uns anbetend schweigen lässt. In dieser Stille, in der wir das Wesen Gottes und Seine machtvollen Taten betrachten, werden wir mit neuem Glauben und mit neuer Kraft erfüllt. Wie die Israeliten zur Zeit Sacharjas neue Kraft und Motivation empfingen, um den Wiederaufbau des Tempels und der Stadt trotz feindlicher Angriffe voran zu treiben, so wird die Begegnung mit Gott in der Stille auch uns mit neuer Kraft ausrüsten, damit wir die Aufgaben, zu denen Gott uns berufen hat, erfüllen können.

I'm part of Post A Day 2014

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