Anmerkungen zu 2. Mose 12, 43 – 51

Anmerkungen zu 2. Mose 12, 43 – 51

Das Textwort für den morgigen Sonntag ist dem 2. Buch Mose entnommen. Wir lesen und betrachten den betreffenden Vers  in seinem Kontext:

“Und der HERR redete zu Mose und Aaron: Dies ist die Satzung des Passahs: Kein Fremder soll davon essen;
der Knecht jedes Mannes aber, ein für Geld Erkaufter – wenn du ihn beschneidest, dann darf er davon essen.
Ein Beisasse und ein Tagelöhner soll nicht davon essen.
In einem Haus soll es gegessen werden; du sollst nichts von dem Fleisch aus dem Haus hinausbringen, und ihr sollt kein Bein an ihm zerbrechen.
Die ganze Gemeinde Israel soll es feiern.
Und wenn ein Fremder bei dir weilt und dem HERRN das Passah feiern will, so werde alles Männliche bei ihm beschnitten, und dann komme er herzu, es zu feiern; und er soll sein wie ein Einheimischer des Landes. Aber kein Unbeschnittener soll davon essen.
Ein Gesetz soll sein für den Einheimischen und für den Fremden, der in eurer Mitte weilt.
Und alle Kinder Israel taten, wie der HERR Mose und Aaron geboten hatte; so taten sie.
Und es geschah an ebendiesem Tag, da führte der HERR die Kinder Israel aus dem Land Ägypten heraus nach ihren Heeren.“

(2. Mose 12, 43 – 51 ELBEDHÜ; z. Vgl. Luther’84)

Zum Hintergrund von 2. Mose 12, 1 – 51

Die meisten Leser werden die ersten fünf Bücher des Alten Testaments unter den Namen 1., 2., 3., 4. und 5. Buch Mose kennen. In der jüdischen Tradition werden die biblischen Bücher jedoch nach ihren Anfangsworten bezeichnet. Im 2. Buch Mose sind dies die Worte: “Und dies sind die Namen ….“ Damit beginnt eine Aufzählung der Namen jener Stammväter Israels, die nach Ägypten kamen und dort 430 Jahre lebten. Es sind zugleich die Stammesnamen der Nachkommen dieser “Väter Israels“, die dann unter Mose aus Ägypten auszogen. Dieser Auszug aus Ägypten ist das bestimmende Thema des 2. Buches Mose. In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, erhielt dieses Buch darum auch den griechischen Namen “exodos“, was “Auszug“ bedeutet. Die latinisierte Version dieses Wortes – “Exodus“ – fand später dann Eingang in deutsche bzw. englische Bibelübersetzungen.
In den Kapiteln 1 – 4 des 2. Buches Mose wird uns die Geburt, Vorbereitung und Berufung Moses durch Gott geschildert. In den darauf folgenden Kapiteln (5 – 11) finden wir die geistliche Auseinandersetzung um die Freilassung der Israeliten aus der Knechtschaft Ägyptens, wie sie sich zwischen Mose und Aaron auf der einen und dem Pharao und seinen Beratern auf der anderen Seite abspielte.
In Kapitel 12, also jenem Kapitel, aus dem unser heutiges Textwort entnommen wurde, wird uns zuerst die (erneute) Aussonderung Israels als Bundesnation Gottes geschildert. Gott setzte für Sein Volk das Passahmahl ein (1. Mose 12, 1 – 28). Dieses Fest kennzeichnet die Erlösung Israels und damit beginnt ein ganz neuer Abschnitt in der Geschichte und Bestimmung des irdischen Volkes Gottes. Das wird insbesondere auch durch die neue Zeitrechnung verdeutlicht, die Gott für Sein Volk einsetzte (vgl. 1. Mose 12, 1 – 2). In den Versen 3 – 28 sind uns dann die genauen Vorschriften überliefert, nach denen dieses Passahfest gefeiert werden sollte. Im Anschluss daran (Verse 29 – 42) folgt der Bericht über das erste Passahfest in Ägypten, die 10. Plage Gottes über den Pharao und dessen Volk, sowie der Auszug der Israeliten aus der Knechtschaft in der Nacht ihrer Befreiung. Jeder menschliche Autor hätte hier seinen Bericht geschlossen: “Ende gut, alles gut!“ Doch Gottes Geschichte mit Seinem Volk und der ganzen Menschheit sollte ja weitergehen. Aus diesem Grund finden wir in den Versen 43 – 50 Anweisungen Gottes darüber, wie das Passah in Zukunft von Seinem Volk und jedem Fremdem, der nicht zu Seinem Volk gehörte, an diesem Fest aber teilnehmen wollte, gefeiert werden sollte.
Die Vers 50 – 51  bestätigen dann noch einmal abschließend die Befreiung des Volkes aus Ägypten durch das machtvolle Eingreifen Gottes.

Ein Gesetz für den Einheimischen und den Fremden, der in eurer Mitte weilt

Das Passahfest war ausschließlich das Fest der Erlösung des irdische Volkes Gottes: “Die ganze Gemeinde Israel soll es feiern.“ (Vers 47) Dieses Volk hatte Gott bereits “in Abraham“ auserwählt und mit ihm einen Bund geschlossen. Das Zeichen dieses Bundes war die Beschneidung (vgl. 1. Mose 17, 10; 1. Mose 17, 13 – 14). Dieses Bundeszeichen hatte eine trennende und eine einende Wirkung: Als Zeichen des Bundes mit Gott trennte es die Israeliten von allen anderen Menschen. Gleichzeitig einte es alle Israeliten in ihrer Beziehung zu Gott. Ausschlaggebend für eine Beziehung zu Gott war weder der soziale Stand, noch ein weltliches oder klerikales Privileg. Ein beschnittener König stand Gott nicht näher als ein beschnittener Bauer, Arbeiter oder Bettler. Durch die Beschneidung gehörte jeder Israelit zu Gottes irdischem Volk und dieses Volk befreite Gott im Zusammenhang mit dem Passahfest aus der Knechtschaft Ägyptens. Dass das Passahfest ausschließlich für die Israeliten gedacht war, geht aus den Versen 43 und 45 unmissverständlich hervor: “Und der HERR redete zu Mose und Aaron: Dies ist die Satzung des Passahs: Kein Fremder soll davon essen; (…) Ein Beisasse und ein Tagelöhner soll nicht davon essen.“ Gleichzeitig mit dieser Einschränkung gibt Gott Seinem Volk jedoch auch Bestimmungen für den Fall, dass ein Fremder (a.Ü.: Ausländer, Beisasse, für Geld gekaufter Sklave, Tagelöhner) daran teilnehmen möchte. Gott sah voraus, dass auch Nichtisraeliten sich Seinem Volk anschließen wollten, wie es dann auch der Fall war. Denn in Vers 38 lesen wir:

“Und es zog auch mit ihnen viel fremdes Volk, dazu Schafe und Rinder, sehr viel Vieh.“

Wenn diese Menschen nun in Zukunft mit den Israeliten zusammen der Befreiung aus Ägypten gedenken und daher mit den Israeliten zusammen das Passahfest feiern wollten, dann galt für sie dasselbe Gesetz, wie für die geborenen Israeliten: Sie mussten sich beschneiden lassen. Eine andere Möglichkeit am Passahfest teilzunehmen gab es nicht. Das göttliche Gesetz, das für die Einheimischen, d.h., die Israeliten galt, sollte auch für die Fremden gelten. Gott verlangte von dem Nicht-Israeliten nicht weniger, aber auch nicht mehr, als Er von einem Israeliten erwartete. Für jeden war der Zugang offen und für jeden gab es denselben Weg. Niemand wurde bevorzugt, niemand wurde benachteiligt. Gott war – und ist – in allen Seinen Forderungen gerecht. In diesem Zusammenhang ist es wichtig festzuhalten, dass weder der Israelit, noch der Fremde selbst etwas tun konnte, um seine Würdigkeit zur Teilnahme am Passahfest zu erlangen, denn die Beschneidung wurde ja an dem Betreffenden vorgenommen, er beschnitt sich nicht selber.

Die neutestamentarische Anwendung

In 1. Korinther 10, 6 erklärt uns der Apostel Paulus:

“Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, (…)“

Welche Bedeutung haben nur die in 2. Mose 12, 43 – 51 enthaltenen Vorschriften und Hinweise für uns als Christen?

Zuerst einmal sind wir als Christen, wie das Volk Israel, aus einer Knechtschaft befreit. Dabei handelte es sich zwar nicht um einen Sklavendienst, wie ihn die Israeliten unter den herrschenden Ägyptern ableisten mussten. Doch die Knechtschaft, unter der wir zu leiden hatten und von der wir befreit wurden, war nicht minder real. Es war die Knechtschaft Sünde, in der wir gefangen und durch die wir von Gott getrennt waren (Römer 3, 19). Von dieser Knechtschaft wurden wir völlig befreit, so dass wir heute nicht mehr der Sünde, sondern Gott dienen können (Römer 6, 6 + 10 – 11).
So, wie die Israeliten nur durch das Blut des Passahlammes vor dem Zorngericht Gottes und aus der Knechtschaft Ägyptens gerettet wurden (2. Mose 12, 29 ff.), so werden wir nur aus einem einzigen Grund gerettet, nämlich weil Jesus Christus – unser Passahlamm (vgl. 1. Korinther 5, 7!) – für uns gestorben ist.
Um an dem Segen dieses – unseres – Passahlammes teilhaben zu können, mussten auch wir uns beschneiden lassen. Doch diese Beschneidung war keine “Beschneidung am Fleisch“, sondern eine “Beschneidung des Herzens“:

“In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht, als ihr nämlich euer fleischliches Wesen ablegtet in der Beschneidung durch Christus.“

(Kolosser 2, 11)

“(…) und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Das Lob eines solchen ist nicht von Menschen, sondern von Gott.“

(Römer 2, 28 – 29)

Als wir zum Glauben an den Herrn Jesus Christus und Sein vollbrachtes Werk auf Golgatha kamen, als wir von neuem geboren wurden, da wurden unsere Herzen beschnitten. Wir selbst konnten – wie die Israeliten – gar nichts dazu tun. Diese Beschneidung nahm Gott Selbst an unserem Herzen vor:

“Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.

(Epheser 2, 8 – 9)

Auch die Beschneidung des Herzens hat einen trennenden und einen einigenden Aspekt – sie trennt uns von all jenen, deren Herzen durch den Glauben nicht beschnitten wurden. Der Apostel Paulus drückte es so aus:

“Mir aber sei es fern, mich zu rühmen als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“

(Galater 6, 14)

Gleichzeitig verbindet sie uns mit allen, deren Herzen ebenfalls durch den Glauben an Jesus Christus gereinigt wurden (Apostelgeschichte 15, 9; Philipper 3, 3).
Diese Beschneidung des Herzens, die ein jeder Mensch erlebt, der sein Vertrauen einzig und allein auf das Erlösungswerk Jesu Christi setzt, ist die unveränderliche Voraussetzung für jeden Menschen, die Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde, Vergebung der Sünden, Frieden mit Gott zu empfangen.
Dabei ist es völlig egal, welchem sozialen Stand, welcher Rasse, welcher Nationalität oder welchem Geschlecht ein Mensch entstammt. Wer immer auch seine Schuld vor Gott bekennt (1. Johannes 1, 7 – 9) und an die sühnende Kraft des Blutes Jesu Christi glaubt (Römer 3, 25), der wird gerechtfertigt (Römer 3, 26).  Auch ist nicht der Umfang geistlicher Erkenntnis ausschlaggebend, sondern einzig der Glaube an die Zusage Gottes. Als die Israeliten das Blut des Passahlammes an den Pfosten ihrer Häuser angebracht hatten und im Inneren ihrer Häuser das Passahmahl zu sich nahmen, da sahen sie das Blut des Opferlammes nicht. Aber das brauchten sie auch nicht. Um vor dem Gericht, das in jener Nacht über Ägypten kam, bewahrt zu bleiben, mussten sie nur glauben, was Gott Ihnen zugesagt hatte:

“Und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“

(2. Mose 12, 13)

Es reichte völlig aus, dass Gott dieses Blut sah. Jeder Beschnittene, der im Inneren eines Hauses saß, an dessen Türpfosten das Blut des Lammes war, durfte völligen Frieden und völlige Sicherheit genießen. Das gilt auch heute noch. Wo immer ein Mensch sein Herz beschneiden lässt und dem Wort Gottes vertraut, wird er trotz aller äußeren Umstände bei Gott Geborgenheit und Frieden erfahren.


 
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