Die Seligpreisungen – Eine kurze Übersicht

Mount of Beatitudes View Sea of Galilee Golan 200704

Blick vom Berg der Seligpreisungen auf den See Genezareth * Foto: By gugganij (own photography – eigenes Foto) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons

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Die Seligpreisungen, die einen Teil der so genannten “Bergpredigt“ darstellen, gehören zu den bekanntesten Texten der Heiligen Schrift. Wir finden sie im 5. Kapitel des Matthäusevangeliums (zum Hintergrund des Matthäusevangeliums: Klick!), in den Versen 3 – 10:

“Selig sind die geistlich Armen; denn ihrer ist das Himmelreich!
Selig sind die Trauernden; denn sie sollen getröstet werden!  Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Land ererben!
Selig sind, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie sollen satt werden!
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen!
Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen!
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen!
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich! „

(Matthäus 5, 3 – 10; LUTH’84)


Zum Hintergrund der so genannten “Seligpreisungen“

Die so genannte “Bergpredigt“ ist die erste von fünf großen Reden des Herrn im Matthäusevangelium. Jede dieser fünf großen Reden (Matthäus 5, 1Matthäus 7, 27; Matthäus 9, 35Matthäus 10, 42; Matthäus 13, 1 – 52; Matthäus 18; Matthäus 24 25) folgt auf einen größeren Abschnitt, in dem uns der Evangelist von den Taten Jesu berichtet und jede dieser Reden schließt mit einer Aussage bzgl. der Vollmacht Jesu (Matthäus 7, 28 – 29; Matthäus 11, 1 – 5; Matthäus 13, 53 – 58; Matthäus 19, 1 – 11; Matthäus 26, 1 – 2).
Bei der so genannte “Bergpredigt“ handelt es sich um eine der bekanntesten Texte der Bibel. Zahllose Bücher und Artikel wurden darüber verfasst, in denen die Aussagen des Herrn Jesus Christus immer wieder neu gedeutet wurden. So sah der Journalist Franz Alt Ende der 80ger Jahre in der Bergpredigt eine “Magna Charta der ganzheitlichen Liebe“, nach der sich die Politik verändern sollte. Dabei übersah Alt allerdings die eindeutige Absage Jesu an eine solche Deutung Seiner Lehre (siehe Johannes 18, 36). Andere wiederum sehen in der “Bergpredigt“ eine Art “neue 10 Gebote für Christen“ und vertreten die Ansicht, dass man durch das Einhalten der hier niedergelegten Grundsätze in das Reich Gottes gelangen könnten: Wenn Du dieses oder jenes bist/tust/erduldest, dann gehst Du mit Sicherheit in das Reich Gottes ein. Doch diese Deutung geht an der Gesamtaussage des Neuen Testaments bzgl. der Erlangung des Heils vorbei. Kein Mensch bekommt Zutritt zum Reich Gottes durch das Einhalten der Lehren Jesu, sondern allein durch die Gnade Gottes, der man durch den Glauben an Jesus Christus teilhaftig wird (Johannes 5, 24; Epheser 2, 8 – 9; Römer 3, 20 – 24). Außerdem wird uns schon in Alten Testament gesagt, dass das Reich Gottes dem Menschen von Gott gegeben wird (vgl. Daniel 2, 44 – 45), d.h., dass Gott Sein Reich ohne menschliche Bemühungen errichten wird (“ohne Zutun von Menschenhand“, vgl. Daniel 2, 44 – 45). Der Eingang in dieses Reich liegt aus diesem Grund ganz außerhalb aller  menschlichen Wirksamkeit. Dementsprechend müssen wir die in den “Seligpreisungen“ charakterisierten Personen auch nicht als “Anwärter“ auf das Reich Gottes verstehen, sondern als solche, die bereits die Gnade Gottes und damit auch die Teilhabe am Reich Gottes empfangen haben.
Wenn aber die so genannte “Bergpredigt“ weder ein politisches Manifest, noch ein “neues christliches Lebensgesetz“ ist, welche Bedeutung hat sie dann?  Um diese Rede des Herrn richtig einordnen zu können, ist es notwendig, dass wir verstehen, was mit dem Begriff “Himmelreich“ bzw. “Reich Gottes“ gemeint ist. Mir ist bewusst, dass ich mich wiederhole, wenn ich nachfolgend noch einmal auf den Begriff “Himmelreich“ und auf die Unterschiede zwischen dem Reich Gottes und der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) hinweise. Aber da ich davon ausgehe, dass nicht jeder Leser dieses Blog meine vorausgegangenen Ausführungen gelesen hat, möchte ich doch noch einmal darauf eingehen.

Zum Begriff “Himmelreich“

Es ist wichtig, dass wir den Begriff “Himmelreich“ oder “Reich der Himmel“ nicht falsch verstehen. Luthers Übersetzung der griechischen Bezeichnung (“της βασιλειας των ουρανων“ / “tes basileias ton ouranon“) hat leider der falschen Vorstellung Vorschub geleistet, dieses Reich würde sich “im Himmel“ bzw. “in den Himmeln“ befinden. Doch der Begriff besagt nicht, dass es sich dabei um ein “Reich im Himmel/in den Himmeln“ handelt, sondern, dass dieses Reich vom Himmel aus regiert wird. Wir finden diesen Begriff bereits im Alten Testament: In Daniel 7 lesen wir von dem Kommen des Sohnes des Menschen und dem weltweiten Reich, das Er empfangen wird (Daniel 7, 13 – 14). Doch bereits in Daniel 2, 44 ist die Rede davon, dass “der Gott des Himmels“ diese Reich regieren wird. In Daniel 4, 26 wird sogar explizit gesagt, dass “die Himmel herrschen“, womit natürlich nichts anderes gemeint ist, als das die Herrschaft über dieses Reich von Gott im Himmel ausgehen wird. Das Reich selbst aber wird auf der (dann erneuerten) Erde aufgerichtet werden (vgl. Daniel 2, 34 – 35 & 44 – 45 [man beachte, dass der “Stein“ aus dem Himmel herabkommt und zwar “ohne Zutun von Menschenhänden“ {!}]; Offenbarung 20, 1 – 6).
Als Matthäus sein Evangelium schrieb, hatte er dabei insbesondere Juden als Leserschaft im Blick (zur Zielgruppe des Matthäusevangeliums siehe: Klick!). Diese vermieden es, den Namen Gottes auszusprechen, weil sie nicht gegen das 3. Gebot (das sich gegen den Missbrauch des Namens Gottes richtet) verstoßen wollten. Aus diesem Grund benutzt Matthäus ebenfalls weder den Namen Gottes noch den Begriff “Gott“, sondern das im Judentum (insbesondere dem Buch des Propheten Daniel) bekannte Synonym “Himmel“. So meinen also die Evangelisten, wenn sie vom “Reich Gottes“ (Markus, Lukas, Johannes) bzw. dem “Himmelreich“ / “Reich der Himmel“ (Matthäus) sprechen, ein und dasselbe Reich.

Unterscheidung: Das Reich Gottes und die Versammlung (= Gemeinde / Kirche)

Eine weit verbreitete Vorstellungen über das Reich Gottes ist, dass es gleichbedeutend sei mit der Versammlung (= Gemeinde/Kirche). Das ist jedoch nicht der Fall, wie wir an einem Vergleich von wenigen Bibelstellen erkennen können. Auf die Unterschiede zwischen dem Reich Gottes und der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) bin ich bereits an anderer Stelle eingegangen. Nachfolgend wiederhole ich nur die 10 wichtigsten Unterschiede:

1) Die Gläubigen, die zur Versammlung (= Gemeinde/Kirche) gehören, wurden in Christus vor Grundlegung der Welt auserwählt (vgl. Epheser 1, 4), wohingegen das Reich von (oder: seit) Grundlegung der Welt an bereitet wurde (vgl. Matthäus 25, 34).

2) Die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) entstand am Tag der Pfingsten mit dem Kommen des Heiligen Geistes (vgl. Apostelgeschichte 2, 1 – 47). Das Reich Gottes nahm seinen Anfang schon davor mit seiner Verkündigung durch den König dieses Reiches, den Herrn Jesus Christus und zwar mit dem Beginn seines öffentlichen Dienstes (vgl. Matthäus 4, 17; Markus 1, 15).

3) Die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) wird erst im Neuen Testament erwähnt und thematisiert (Matthäus 16, 13 – 19). Sie ist im Alten Testament unbekannt (so wird sie z.B. nicht unter den prophetisch vorhergesagten Dingen in 1. Petrus 1, 9 – 12 genannt). Vom Reich Gottes hingegen sprechen bereits die alttestamentarischen Propheten (vgl. Jesaja 9; 11; 60; 61; 62; 63; 64; 65; 66; Daniel 2; Daniel 7; Micha 5; Psalm 45; Psalm 72 u. a. m.)

4) Nach den alttestamentarischen Prophezeiungen wird das Reich Gottes auf dieser Erde errichtet werden und ein Ort irdischen, materiellen Segens sein (vgl. die unter Punkt 3 angegebenen alttestamentarischen Verheißungen, insbesondere bei Jesaja). Im Gegensatz dazu sind den Gläubigen der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) vorrangig geistliche Segnungen verheißen und verliehen worden (vgl. Epheser 1, 3; Römer 8, 16 – 17; Hebräer 3, 1), ihr Glaubensziel ist nicht die Erde, sondern die ewige Gemeinschaft mit Gott im Haus des Vaters (Johannes 14, 1 – 3).

5) Zur Versammlung (= Gemeinde/Kirche) gehören all jene, die das Evangelium geglaubt, Buße getan, Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser angenommen (Apostelgeschichte 16, 31; Johannes 1, 12 – 13) und den Heiligen Geist empfangen haben (Epheser 1, 13; 1. Korinther 12, 13). Im Reich Gottes dagegen befinden sich auch solche, die nur äußerlich und mit dem Mund die Herrschaft Christi bekennen (vgl. Matthäus 13, 24 – 30), d.h. sich Christ nennen ohne in einer Glaubens- und Lebensbeziehung zu Jesus Christus zu stehen.

6) All‘ jene, die durch Glauben und Wiedergeburt aus dem Heiligen Geist (Apostelgeschichte 16, 31; Johannes 1, 12 – 13; Epheser 1, 13; 1. Korinther 12, 13) zur Versammlung (= Gemeinde/Kirche) gehören, haben auch Anteil am Reich Gottes (vgl. Kolosser 1, 13; Johannes 3, 1 – 6; 1. Thessalonicher 2, 12). Von jenen, die – rein äußerlich zum Reich Gottes gehören – wird jedoch nirgendwo in der Heiligen Schrift gesagt, dass sie auch Teil der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) seien.

7) Die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) wird als eine „neue Masse“ gesehen (1. Korinther 5, 7). Das Reich Gottes wird jedoch als „von Sauerteig durchsäuert“ beschrieben, d.h. in ihm sind Gutes (= reiner Teig) und Böses (= Sauerteig) miteinander vermischt (vgl. Matthäus 13, 33; Lukas 13, 20 – 21). „Sauerteig“ bezeichnet in der Heiligen Schrift nie etwas Gutes, sondern durchgängig etwas Böses (vgl. dazu meinen Artikel „Guter Sauerteig?“: Klick!)

8 ) Während im Reich Gottes bzw. im Reich der Himmel „Unkraut und Weizen“ bis zur Ernte nebeneinander wachsen sollen und es den Knechten des Herrn untersagt wird, das Unkraut vorher zu entfernen (vgl. Matthäus 13, 24 – 30), gibt der Apostel Paulus im Gegensatz dazu in 1. Korinther 5, 9 – 13 eine klare Anweisung zur Trennung von solchen, die sich „Brüder“, also „Gläubige“, nennen, aber durch ihren Wandel deutlich zeigen, dass sie Christus nicht wirklich angehören (vgl. zu „falschen Brüdern“ auch Galater 2, 4 und 2. Korinther 11, 26). Der Herr Jesus Selbst hat in Matthäus 18, 15 – 17 ähnliche Anweisungen gegeben.

9) Die Zeit der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) auf dieser Erde dauert von ihrer Entstehung am Tag der Pfingsten (Apostelgeschichte 2, 1 – 47) bis zum Zeitpunkt der Entrückung (1. Thessalonicher 4, 17 – 18). Das Reich Gottes begann mit der öffentlichen Verkündigung desselben durch den Herrn Jesus Christus während Seines irdischen Dienstes (vgl. Matthäus 4, 17; Markus 1, 15). Es wird seinen vollen Ausdruck im Tausendjährigen Friedensreich, dem Millennium, finden und mit dem Gericht vor dem großen weißen Thron enden (vgl. 1. Korinther 15, 25 – 26; Offenbarung 20, 11 – 15).

10) Der Herr Jesus Christus ist der König des Reiches Gottes (vgl. Johannes 1, 49; Matthäus 18, 23 – 35; Matthäus 21, 5 i.V.m. Sacharja 9, 9; Matthäus 22, 2 – 14; Matthäus 25, 34 u. a. m.) Im Zusammenhang mit der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) wird der Herr Jesus Christus nie als „König“ bezeichnet, sondern als „Herr“ oder „Haupt“ (vgl. „Herr“: Römer 1, 4 + 7; Römer 5, 1 + 11 + 21; 1. Korinther 1, 2 – 3 + 7 – 10; Epheser 4, 5; „Haupt“: Epheser 1, 10; + 22; Epheser 4, 15; Kolosser 1, 18; Kolosser 2, 19 u. a. m.).

Einige Hinweise zu den “Seligpreisungen“

In den so genannten “Seligpreisungen“ charakterisiert der Herr Jesus Christus jene, die im Reich Gottes bestimmte Segnungen empfangen werden. Jede dieser Beschreibungen wird mit den Worten “Selig sind …. “ eingeleitet. Ähnliche Verheißungen finden wir im Alten Testament (vgl. Psalm 1, 1; Psalm 32, 1 – 2; Psalm 84, 4 – 5; Psalm 144, 15; Sprüche 3, 13; Daniel 12, 12). Einige Kommentatoren vertreten die Meinung, dass die Seligpreisungen die Erfüllung der Prophetie in Jesaja 61, 1 – 3 beschreiben.
Mit dem Wort “selig“ bzw. der besseren Übersetzung “glückselig“ geben unsere deutschen Bibeln in Matthäus 5, 3 ff. das griechische Wort “μακάριος“ („makarios“) wieder. Mit diesem Wort ist keine “Seligkeit“ im Sinn von “Erlösung“ gemeint, sondern eine überwältigend große Freude, die ihren Grund darin hat, dass die so bezeichnete Person zum Reich Gottes gehört bzw. gehören wird.
In unseren deutschen Übersetzungen folgt jedes Mal nach der Aussage über die Glückseligkeit ein “denn“. Mit den dann folgenden Worten wird erläutert, warum die jeweilige Person als “glückselig“ bezeichnet werden kann. Grundsätzlich sind alle als “glückselig“ Bezeichneten in diesem Zustand, weil sie am Reich Gottes teilhaben. Außerdem stellt aber auch jede “Seligpreisung“ die Erfüllung einer  Verheißung bzgl. des Reiches Gottes dar (vgl. Matthäus 5, 3 mit Jesaja 61, 1; Jesaja 66, 2; Matthäus 5, 4 mit Jesaja 61, 1 – 3; Matthäus 5, 5 mit Psalm 37, 11; Matthäus 5, 6 mit Jesaja 55, 1 – 2 und Daniel 9, 24; Matthäus 5, 7 mit Sprüche 19, 17 und Jesaja 49, 10; Matthäus 5, 8 mit Psalm 24, 4 und Jesaja 33, 17Matthäus 5, 9 mit Jesaja 9, 6 – 7 und  Jesaja 52, 7Matthäus 5, 10 mit Apostelgeschichte 14, 22).

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