Der dienende König und die Diener des Königs – Anmerkungen zu Matthäus 20, 20 – 28

Jersualem 70 AD

Modell des antiken Jerusalem vor der Zerstörung 70 n. Chr., in der Bildmitte Golgatha * Foto: By Superikonoskop (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Anmerkungen zu Matthäus 20, 20 – 28

Der Bibelvers, der die Grundlage der morgigen Wortverkündigung ist, stammt aus dem Matthäusevangelium (zum Hintergrund des Matthäusevangeliums siehe: Klick!). Zum besseren Verständnis betrachten wir diesen Vers in seinem Kontext:

„Da trat zu ihm die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Lass diese meine beiden Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken.Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie antworteten ihm: Ja, das können wir.Er sprach zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben steht mir nicht zu. Das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist von meinem Vater.Als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder.Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun.So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

(Matthäus 20, 20 – 28; LUTH’84)

 

Ein selektives Verständnis des Wortes Gottes führt zu einem eingeschränkten Gottesverständnis

* “Dann trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm und warf sich nieder und wollte etwas von ihm erbitten. Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Bestimme, dass diese meine zwei Söhne einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen mögen in deinem Reich!“ – Matthäus 20, 20 – 21 – Wie wir bereits bei dem Bericht über die Konfrontation der Jünger mit dem Sturm auf dem See Genezareth festgestellt haben (Klick!), so wird auch aus diesem Bericht deutlich, dass die Jünger oft nicht verstanden, was der Herr Jesus Christus ihnen sagte. Der Grund dafür lag nicht in einem begrenzten Verstand, sondern in ihren verhärteten Herzen (Markus 6, 52). Während der Herr Jesus Christus über Seine Verwerfung und den Ihm bevorstehenden Tod am Kreuz spricht, haben die Söhne des Zebedäus – also Jakobus und Johannes (vgl. Markus 1, 19 – 20) – nichts besseres zu tun, als sich um eine gehobene Position im Reich Gottes “zu bewerben“, besser gesagt: einzufordern! Sie schicken dabei ihre Mutter vor, vielleicht um nicht selbst in den Geruch von “Postenjägern“ zu geraten. Der Meister kündigt Seine Passion, also Sein Leiden, an und die Jünger träumen von Macht und Privilegien. Kann sich ein “verhärtetes Herz“ noch deutlicher zu erkennen geben?
Wie kamen die Jünger dazu, ihren Meister um eine besondere Position in Seinem Reich zu bitten? Nun, ganz offensichtlich hatten sie Ihm bei einer früheren Gelegenheit zugehört, nämlich als Er über die Errichtung Seines Reiches sprach:

Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

(Matthäus 19, 28)

Damals wie heute waren die Sitze rechts und links neben einem Herrscher die einflussreichsten Positionen, denn sie verdeutlichen bis heute die Nähe zum Zentrum der Macht. Und genau auf diese Positionen hatten es die Söhne des Zebedäus abgesehen. Doch ihre Fokussierung auf diese Positionen führte dazu, dass sie andere, ebenso wichtige Aussagen Ihres Herrn ganz offensichtlich überhörten. Immer wieder hatte Er angekündigt, dass  Sein stellvertretendes Leiden und Sterben die Voraussetzung dafür sein würden, dass das Reich Gottes (in der Zukunft) überhaupt errichtet werden konnte. Und Er hatte ihnen auch angekündigt, dass sie als Seine Jünger keine bessere Behandlung von Seiten einer gottlosen Welt zu erwarten hatten, als Er. Aber alle diese Ankündigungen von Bedrängnis, Leid und Verfolgung um Seines Namens bzw. um der Gerechtigkeit willen, scheinen weder ihre Ohren, noch ihre Herzen erreicht zu haben. Später sollte es einen anderen Jünger des Herrn geben, der diese Zusammenhänge bereits in den Anfangsjahren seiner Nachfolge nicht nur theoretisch lernen, sondern auch praktisch erleben würde. Es war der Apostel Paulus. Von ihm berichtet uns die Apostelgeschichte:

“Es kamen aber aus Antiochia und Ikonion Juden an, und nachdem sie die Volksmengen überredet und Paulus gesteinigt hatten, schleiften sie ihn zur Stadt hinaus, da sie meinten, er sei gestorben. Als aber die Jünger ihn umringten, stand er auf und ging in die Stadt hinein; und am folgenden Tag zog er mit Barnabas aus nach Derbe. Und als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonion und Antiochia zurück. Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich hineingehen müssen.“

(Apostelgeschichte 14, 19 – 22; REVELB’2006)

Wenn es hier heißt, dass der Apostel Paulus und seine Mitarbeiter den Gläubigen sagte, dass sie durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen müssten, dann heißt das natürlich nicht, dass Bedrängnisse eine Art “Eintrittskarte“ in das Reich Gottes darstellt. Teilhabe am Reich Gottes bekommt der Mensch durch die neue Geburt (Johannes 3, 1 – 6), der Buße und Bekehrung vorausgehen (Apostelgeschichte 2, 38) müssen. Was Paulus den Gläubigen hier sagt, ist, dass diejenigen, die Teilhaber dieses Reiches sind, um ihres Glaubens an Jesus Christus willen auch immer wieder Bedrängnisse erleben werden und zwar so lange, bis das Reich Gottes buchstäblich in Erscheinung treten wird. Eine Welt, die sich von Gott losgelöst hatte, konnte das helle und klare Licht der Wahrheit Gottes, wie es in der Person Jesu offenbar wurde, nicht ertragen:

“Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden; wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.“

(Johanne 3, 16 – 21)

Diese Reaktion erfahren daher auch alle, die als Seine Nachfolger Sein Licht in diese Welt tragen:

“Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer und ein Sklave nicht über seinem Herrn. Es ist dem Jünger genug, dass er werde wie sein Lehrer und der Sklave wie sein Herr. Wenn sie den Hausherrn Beelzebul genannt haben, wie viel mehr seine Hausgenossen! Fürchtet euch nun nicht vor ihnen! Denn es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und nichts verborgen, was nicht erkannt werden wird.“

(Matthäus 10, 24 – 26)

Das sind harte Worte, aber es sind die Worte unseres Herrn und Erlösers. Hören wir sie? Verstehen wir sie? Oder haben auch wir ein verhärtetes Herz und daraus folgend ein selektives Verständnis von Gottes Wort? Es gibt viele Christen, die immer nur die “Lieblingsverse“ in ihrer Bibel lesen. Sie lesen Psalm 23, weil sie so gern vom “guten Hirten“ hören und gar nicht begreifen, dass es sich bei Psalm 23 um einen Kriegspsalm handelt. Sie lesen jene Bibelstellen, die von der Liebe Gottes und seinem Trost sprechen und blenden erfolgreich alle Stellen aus, die uns über die Kosten der Nachfolge Jesu belehren. Es sind jene Gläubigen, die die verfolgten Christen dieser Welt bedauern, anstatt für sie zu beten, die sie bemitleiden, anstatt von ihnen zu lernen, was es heißt, auch unter den schwersten Bedingungen dem Erlöser treu zu bleiben. Es sind jene “Gläubigen“, deren Glaube sich in Luft auflöst, wenn Gott in ihrem Leben nicht so handelt, wie sie es wünschen. Der Grund dafür ist ein selektiver Umgang mit dem Wort Gottes. Dieser selektive Umgang mit dem Wort Gottes führt automatisch zu einem eingeschränkten, wenn nicht gar falschen Gottesbild und ein solches Gottesbild wird an der Realität zerbrechen. Wir sehen die Folgen im Leben der Jünger Jesu: Als ihr Herr im  Garten Gethsemane gefangen genommen wurde, da verließen sie ihn alle und flohen (Markus 14, 51). Kurz darauf verleugnete Petrus seinen Herrn (Markus 14, 66 – 72) und anschließend finden wir die Jünger voller Angst hinter verschlossenen Türen (Johannes 20, 19). Als die Frauen am Morgen des Auferstehungstages ihnen dann die frohe Botschaft brachten, dass sie den Herrn gesehen hatten, da konnten die Jünger es nicht glauben (Lukas 24, 1 – 11). Waren das die Männer, die drei Jahre mit dem Erlöser durch Israel gezogen und  Seine zahlreichen machtvollen Zeichen und Wunder gesehen hatten? Waren dies die Männer, die erkannt hatten, dass der Herr Jesus Christus nicht ein weiterer wundertätiger Rabbiner oder Prophet, sondern der Sohn Gottes, also Gott selbst, war? Wo war ihr Glaube nun? Wir müssen feststellen: Ein verhärtetes Herz und ein selektives Verständnis der Worte ihres Herrn hatte sie furchtsam und wankelmütig gemacht. Aber diese Feststellung ist zugleich eine Anfrage an uns: Wie sieht es um unser Herz und um unser Verständnis des Wortes Gottes aus?
Im Alten Testament wird uns eine Begebenheit geschildert, die uns in diesem Zusammenhang ermutigen kann. Es ist der Bericht über “die drei Männer im Feuerofen“, den wir in Daniel 3, 1 – 30 finden. Nebukadnezar hatte befohlen, dass sein ganzes Volk vor einer Statue niederfallen und anbeten sollte. Obwohl jedem, der diese Anbetung verweigern würde, der Tod in einem Feuerofen drohte, widerstanden drei jüdische Männer aufgrund ihres Glaubens an den allein wahren Gott diesem Befehl des Königs. Es ist beeindruckend, wie sie vor Nebukadnezar ihre Weigerung begründen:

“Da fingen an Schadrach, Meschach und Abed-Nego und sprachen zum König Nebukadnezar: Es ist nicht nötig, dass wir dir darauf antworten. Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten.Und wenn er’s nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen.

(Daniel 3, 16 – 18)

Diese Männer hatten ein klares Verständnis davon, wer der Gott war, dem sie dienten: Der allmächtige Schöpfer des Himmels und der Erde und damit auch ihr Schöpfer. Darum gehörten sie Ihm und befolgten Seine Gebote. Weil sie wussten, dass sie diesem allmächtigen Schöpfer gehörten, machten sie ihren Glauben an Ihn auch nicht davon abhängig, ob Er ihnen helfen würde oder nicht. Nicht ihre Vorstellungen davon, was Er zu tun oder zu lassen habe, wie Er einzugreifen und ihnen zu helfen habe, sondern Seine Person und Sein Wille waren ihr Fokus. Als Folge ihrer Treue zu Gott werden die drei Männer in den Feuerofen geworfen. Doch dann geschah etwas, das nicht nur Nebukadnezar überraschte:

“Da entsetzte sich der König Nebukadnezar, fuhr auf und sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden in das Feuer werfen lassen? (…) Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen und sie sind unversehrt; und der vierte sieht aus, als wäre er ein Sohn der Götter. Und Nebukadnezar trat vor die Tür des glühenden Ofens und sprach: Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ihr Knechte Gottes des Höchsten, tretet heraus und kommt her! (…)Da fing Nebukadnezar an und sprach: Gelobt sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut und des Königs Gebot nicht gehalten haben, sondern ihren Leib preisgaben; denn sie wollten keinen andern Gott verehren und anbeten als allein ihren Gott!“

(Daniel 3, 24 – 28)

Wo nicht unsere Vorstellungen oder Wünsche, sondern Gottes unvergleichliche Person im Zentrum steht, da wird Gottes Handeln erfahren. Denn der Blick auf Gottes Wesen und Größe, bewirkt den Glauben, durch den Gott handeln möchte.
Wir bewahren unser Herz vor Verhärtung, indem wir uns bewusst immer wieder als Jünger Jesu, d.h. Schüler, also als Lernende begreifen und so belehrbar bleiben. Wir bewahren uns vor einem falschen Gottesbild, indem wir Gottes ganzes Wort, betend lesen und studieren – auch jene Abschnitte, die wir (noch) nicht verstehen und die uns “hart“ erscheinen. Auf diese Weise wird unser Glaube gestärkt und erweist sich  auch in Bedrängnissen als tragfähig.

Der Weg  nach oben führt nach unten

* “Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie antworteten ihm: Ja, das können wir. Er sprach zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben steht mir nicht zu. Das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist von meinem Vater.“ – Matthäus 20, 22 – 23 –  Im Alten Testament  hatte das Bild des “Kelches“ verschiedene Bedeutungen. So kannte man den “Kelch des Segens“ (vgl. Psalm  16, 5; Psalm 23, 5; Psalm 116, 13), aber auch den “Kelch des Gerichtes“ bzw. den “Kelch des Zorns“ (vgl. Psalm 75, 8; Jesaja 51, 17 – 18; Jeremia 25, 15 – 28; Hesekiel 23, 31 – 34) und auch den “Kelch der Leiden (vgl. Jesaja 51, 17 – 23; Klageleider 4, 21). Indem der Herr Jesus Christus dieses Bild benutzt, macht Er deutlich, dass Er den den “Kelch des göttlichen Gerichts“, der zugleich ein “Kelch der Leiden“ war,  trinken würde, um auf diese Weise die Sünden der Welt zu sühnen. Die Antwort der Jünger zeigt, dass sie (wieder!) nicht verstanden hatten, worum es ihrem Herrn ging. Die einzige Form des Leidens, die sie bisher kennen gelernt hatten, war die Ablehnung ihres Meisters durch die religiösen und politischen Machthaber und die von diesen angestachelten Volksmengen. Dieses Leiden konnten sie ertragen, da waren sie sich sicher!  Und der Herr kündigt ihnen an, dass sie diese Art des Leidens und der Ablehnung auch in Zukunft erfahren würden. die Erfüllung dieser Worte sehen wir an vielen Stellen des Neuen Testaments. Im Fall der beiden Söhne des Zebedäus ist die Erfüllung sehr eindrücklich: Jakobus zur de der erste christliche Märtyrer (Apostelgeschichte 12, 2) und Johannes wurde um seines Glaubens willen verfolgt und ins Exil nach Patmos verbannt (Offenbarung 1, 9). Doch wer zur Rechten und zur Linken des Sohnes Gottes sitzen würde, dass lag allein in der Entscheidung des Vaters.

* “Als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun.So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht (…)“ – Matthäus 20, 24 – 27 – Als die anderen zehn Jünger von der “Bewerbung“ der Zebedäussöhne hören, werden sie ärgerlich. Warum? Hatten diese zehn anderen Jünger eine demütigere Gesinnung als Jakobus und Johannes? Offensichtlich nicht, denn sonst hätte der Herr Jesus Christus die Jünger – nun alle 12 – kaum erneut darüber belehrt, was Er unter wahrer Größe versteht! Wie schon bei der Berufung der Jünger, so stellt der Herr auch in dieser Frage die menschlich traditionelle Sicht auf den Kopf (oder besser gesagt: auf die richtigen Füße!). Größe zeigt sich nach den Worten Jesu nicht im Herrschen über andere, sondern im Dienst an ihnen. Der Größte ist nach den Worten des Herrn jener Jünger, der allen anderen dient. Bereits bei der Segnung der Kinder (Matthäus 18, 10 f.) hatte Er ihnen erklärt, dass Demut und Glauben die entscheidenden Kennzeichen jener sind, die das Reich Gottes ererben werden. Doch diese Belehrung war bei ihnen anscheinend “in das eine Ohr hinein und gleich zum anderen wieder hinaus gegangen“. Um den Jüngern noch einmal deutlich vor Augen zu führen, wie sehr sich Gottes Reich und das Leben darin von den reichen dieser Welt unterscheidet, zeigt der Herr den Jüngern auf, dass sie sich durch ihren Wunsch nach Macht und Privilegien auf eine Stufe mit den ungläubigen Heiden stellen: “Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. 26 So soll es nicht sein unter euch“ (Matthäus 20, 25 – 26). Dabei reicht es nicht aus, dass man sich als “Knecht“ oder “Diener“ des Herrn bezeichnet oder bezeichnen lässt. Entscheidend ist das tägliche Leben und Handeln. In den Reichen dieser Welt sind jene groß, die bedient werden, im Reich Gottes sind die, die anderen dienen, die wahrhaft Großen.

Der dienende König und die Diener des Königs

* “(…) so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ – Matthäus 20, 28 – Der Charakter des kommenden Reiches Gottes wird sich von dem aller vorausgegangenen menschlichen Reiche radikal unterscheiden: Das Reich Gottes wird ein Reich von Dienern sein, kein Reich von Herrschern. Durch Sein Leben und Seinen Dienst hat die oberste Autorität dieses Reiches, der Herr Jesus Christus selbst, Seinem Reich diesen Charakter verliehen.
Mancher Bibelleser wundert sich vielleicht, dass in den Evangelien zeitweise die Rede vom “Sohn Gottes“ und dann wieder die Rede vom “Menschensohn“ oder “Sohn des Menschen“ ist. Untersucht man die einzelnen Stellen näher, so wird schnell deutlich, dass der Herr immer wieder dann diesen Titel gebrauchte, wenn es um Sein Leiden und Seine anschließende Verherrlichung, aber auch um die Herrschaft in Seinem Reich ging. Dieser Titel macht auf besondere Weise den Dienst des Herrn deutlich, der sich selbst erniedrigte und Mensch wurde um uns zu erlösen:

“Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, wegen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit er durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmeckte. Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Urheber ihrer Rettung durch Leiden vollkommen zu machen.“

(Hebräer 2, 9 – 10)

Der Sohn Gottes wurde nicht nur der Diener aller, Er opferte Sein Leben, um die Sühnung für ihre Sünden zu vollbringen. Diese dienende Hingabe, die in Seinem Wesen so vollkommen offenbar wurde, soll nicht nur Sein Reich, sondern auch die Nachfolge all jener kennzeichnen, die an Ihn glauben. Der Apostel Paulus hatte dies verstanden. Darum schreibt er den Gläubigen in Philippi (und uns!):

“Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen. Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war,der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist,damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“

(Philipper 2, 1 – 11)

Die Kraft zu einem solchen dienenden Leben kann uns nur aus der engen Lebensgemeinschaft mit dem dienenden König zufließen. Wenn wir Sein Leben und Seine Hingabe, wie sie uns in den Evangelien vor Augen gestellt werden, immer wieder neu betend betrachten, dann empfangen wir daraus nicht nur die Kraft zu einem Leben im Dienst am Nächsten, sondern werden auf diese Weise auch die Veränderung unseres Lebens nach Seinem Willen erfahren (Römer 12, 2).

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