Anmerkungen zu Johannes 6, 26 – 27

 

Der Wortverkündigung am heutigen Mittwoch sollen Worte aus dem Johannesevangelium (zum Hintergrund des Johannesevangeliums siehe: Klick!) zugrunde liegen:

„Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben; denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters.

(Johannes 6, 26 – 27; LUTH’84)

Zum Hintergrund von Johannes 6 

Ich empfehle sehr, diese Worte in dem gesamten Textzusammenhang (Johannes 6, 22 – 59) nachzulesen. Das große Thema dieses großen Sinnabschnittes ist die Lehre des Herrn Jesus Christus über  Seine Person als das Brot des Lebens.
In Johannes 6, 1 – 15 lesen wir von der Speisung der 5.000. Im Anschluss daran berichtet uns Johannes von der Überfahrt der Jünger über den See und wie ihnen der Herr dort inmitten des Sturms begegnet (Johannes 6, 16 – 21).
Danach folgt von Johannes 6, 22 – 59 die Lehre des Herrn über Seine Person als das Brot des Lebens.
Mit der Speisung der 5.000 offenbarte demonstrierte der Herr, dass Er der Versorger Seines Volkes war, mit Seinem Wandel über den See zeigte Er sich auch als der Beschützer derer, die Ihm glaubten und vertrauten. In beiden Wundern offenbarte der Herr zudem Seine Gottheit, was sich in Seiner Vollmacht über die Natur ausdrückte. Johannes, der sich mit seinem Evangelium insbesondere an die christlichen Gläubigen richtet (zur Zielgruppe des Johannesevangeliums siehe: Klick!), hat diese Ereignisse ganz offensichtlich ebenfalls niedergeschrieben, um seinen  Lesern die Gottheit Jesu vor Augen zu stellen. Beide Wunder zeigen deutlich die Gottheit des Sohnes, denn im Alten Testament wird Gott, der Vater, als der Gott beschrieben, der genau diese Dinge tut (siehe 2. Mose 16, 15, Nehemia 9, 15; Psalm 78, 24 – 25; Hiob 38, 8-11; Psalm 107 , 28 – 29). Der Herr Jesus Christus benutzt nun diese Wunder, um Seine Zuhörer weiter über Seine Person zu belehren: Er – Jesus Christus – ist das Brot des Lebens:

“Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel herabgekommen. Wenn jemand von diesem Brot ißt, wird er in Ewigkeit leben. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.“

(Johannes 6, 51)

Der amerikanische Bibelkommentator Warren W. Wiersbe weist darauf hin¹, dass in diesem Zusammenhang von praktischem Wunder und anschließender Belehrung der Ihm folgenden Menschenmassen jene beiden  Aspekte des Dienstes Jesu zum Ausdruck kommen, wie sie uns in Johannes 1, 17 genannt werden:

“Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“

Die Gnade des Herrn, so Wiersbe, zeigte sich in dem Wunder der Brotvermehrung/Speisung des Volkes, die Wahrheit in der Lehre des Herrn die sich daran anschließt.

* Am nächsten Tag sah das Volk, das am andern Ufer des Sees stand, dass kein anderes Boot da war als das eine und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen war, sondern seine Jünger waren allein weggefahren. Es kamen aber andere Boote von Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen hatten unter der Danksagung des Herrn. Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in die Boote und fuhren nach Kapernaum und suchten Jesus. Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Sees, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hergekommen?“Johannes 6, 22 – 25 –  Mit diesen Worten macht der Evangelist Johannes drei Dinge deutlich, nämlich, dass a) zwischen der Speisung der 5.000 und der Belehrung über das Brot des Lebens die Begegnung des Herrn mit den Jüngern auf dem See liegt, b), dass dieses Geschehen sich wirklich ereignet hat und c), dass es sich bei jenen Menschen, die Seine Lehre über das Brot des Lebens hörten, um dieselben handelte, die zuvor von Ihm gespeist worden waren.

* Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.“ – Johannes 6, 26 – In Seiner Antwort auf die Frage des Volkes (“Rabbi, wann bist du hergekommen?“) geht der Herr in keiner Weise auf das zuvor geschehene Wunder auf dem See ein. Er spricht das eigentliche Verlangen dieser Menschen  an: Sie suchten Ihn nicht wegen der Zeichen, die Er tat und die darauf hinwiesen, dass Er der  von Gott verheißene Erlöser war, sondern weil Er sie mit Brot versorgt hatte.  Sie waren – wie so viele Menschen heute auch – nicht wirklich an dem Geber, sondern lediglich an Seinen Gaben interessiert. Indem der Herr Jesus Christus diesen Menschen gegenüber das Wunder auf dem See nicht erwähnt, vermeidet Er es auch, diese Einstellung der Menschen noch zu verstärken. 

* Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben; denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters.“ – Johannes 6, 27 – Nachdem der Herr   in Kapitel 4 dieses Evangeliums von dem Trank des lebendigen Wassers gesprochen hatte (Johannes 4, 1 – 42), spricht Er nun vom Brot des Lebens. Damit stellte Er erneut der natürlichen Speise die geistliche Speise gegenüber. Auf diese Weise sollte das Augenmerk der Zuhörer auf die geistliche Bedeutung Seiner Sendung gerichtet werden. Zusätzlich zu ihrer täglichen natürlichen Nahrung, die ihren Körper ernährte, brauchten ihr Geist und ihre Seele geistliche Nahrung. Für diese geistliche Nahrung galt es Sorge zu tragen. Doch bevor auch nur einer der Zuhörer auf den Gedanken kommen könnte, er selbst oder ein anderer Mensch könnte für diese geistliche Nahrung sorgen, sagt der Herr, dass diese Speise nur von Ihm Selbst kommen kann. Er allein kann diese Speise geben, denn nur Er ist von Gott dem Vater bestätigt worden. Nur Er trägt das Siegel der göttlichen Zustimmung (vgl. auch Matthäus 3, 17; Markus 9, 7; Johannes 5, 32 – 47). Die Speise, von der der Herr spricht, ist, wie aus den späteren Versen in Johannes 6  hervorgeht, Er selbst:

“Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“

(Johannes 6, 35)

Jesus Christus selbst ist die Nahrung des Gläubigen. Von Ihm, von Seiner Person, aus der Lebensbeziehung zu Ihm, ernährt sich die Seele des Gläubigen. Es ist die Aufgabe des Gläubigen, die Beziehung zu seinem Erlöser täglich zu pflegen, um auf diese Weise Seine Seele zu ernähren. Wo diese Beziehung täglich gepflegt wird, wächst sie und stärkt den Gläubigen auch in den schwierigsten Situationen. Erinnern wir uns an den äthiopischen Kämmerer, der Jerusalem aufgesucht hatte, um Gott zu finden (Apostelgeschichte 8, 26 – 40)? Gott sah sein Verlangen und sandte Philippus zu diesem Mann, als sich dieser schon auf dem Rückweg in seine  Heimat befand. Durch die Verkündigung des Evangelisten fand er zum errettenden Glauben an Jesus Christus und wurde getauft. Wir lesen nichts davon, dass er auf seinem Weg in die äthiopische Heimat von irgendeinem anderen Gläubigen begleitet wurde. Nur eine Schriftrolle des Wortes Gottes nahm er mit. Trotzdem hatte er ganz offensichtlich alles, was er zu einem Leben in der Nachfolge Seines Erlösers brauchte. Denn durch den Glauben lebte sein Herrn Selbst in ihm (Kolosser 1, 27).

Fußnoten:

¹ = Warren W. Wiersbe: ”The Bible Expositon Commentary”, Scripture Press, Wheaton, 1989, Band I, Seite 310

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