Bibelbeobachtungen (7): Die Furcht durch Gottesfurcht vertreiben

 

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Buch der Bücher * Foto: Lupo / pixelio.de

Als ich kürzlich das Buch Ruth las (zum Hintergrund des Buches Ruth siehe: Klick!), fiel mir ein Detail auf, das mir bisher entgangen war.  In Ruth 1, 1 – 2 (ELBEDHÜ) heißt es:

“Und es geschah in den Tagen, als die Richter richteten, da entstand eine Hungersnot im Land. Und ein Mann von Bethlehem-Juda zog hin, um sich in den Gebieten von Moab aufzuhalten, er und seine Frau und seine beiden Söhne. Und der Name des Mannes war Elimelech, und der Name seiner Frau Noomi, und die Namen seiner beiden Söhne Machlon und Kiljon, Ephratiter aus Bethlehem-Juda. Und sie kamen in die Gebiete von Moab und blieben dort.“

Die “Tage der Richter“ waren eine 400 – 480 Jahre dauernde Periode, in der Israel von außen immer wieder von verschiedenen Feinden angegriffen wurde. Gleichzeitig war das Zusammenleben des Volkes von Anarchie geprägt:

“In jenen Tagen war kein König in Israel; jeder tat, was recht war in seinen Augen.

(Richter 17, 6 ELBEDHÜ)

“In jenen Tagen war kein König in Israel; jeder tat, was recht war in seinen Augen.

(Richter 21, 25 ELBEDHÜ)

Zweimal bringt das Buch der Richter es auf den Punkt: Diese Zeit war geprägt von menschlichem Egoismus und Eigensinn (vgl. dazu auch: Richter 18, 1 und Richter 19, 1). Darum hat diese Zeit der Richter auch als “Endzeit in Israel“ bezeichnet (vgl. 2. Timotheus 3, 1 – 6). Niemand fragte danach, was Gottes Wille war, niemand erforschte das Wort Gottes, um Seinen Willen zu erfahren!  Diese innere Einstellung des Volkes führt zum Gericht Gottes (vgl. 5. Mose 11, 13 – 17), durch das Er Israel wieder auf Seinen Weg zurückführen wollte (Jesaja 26, 9 – 10).
Wie wir aus Ruth 1, 1 – 2 erfahren, stellte auch Elimelech in diesem geistlichen und sozialen Durcheinander dieser Zeit keine Ausnahme dar. Obwohl sein Name “Gott ist mein König“ (und damit auch mein Herr, mein Schutz, mein Erhalter etc.) bedeutete, verließ er sich nicht auf diesen Gott, sondern meinte, selbst für sich sorgen zu müssen. Anstatt in der Not nach Gott zu fragen, zu Gott umzukehren und Seine Hilfe im Gebet zu suchen, wandert er nach Moab, in das Land der Feinde Israels (!), aus. Elimelech hatte trotz seines wunderbaren Namens kein Vertrauen in seinen Gott. Er erinnert uns damit an eine Warnung, die der Herr Jesus Christus in den Sendschreiben an Menschen ausspricht, die sich Christen nennen, aber es in Wirklichkeit nicht sind:

“Und dem Engel der Versammlung in Sardes schreibe: Dieses sagt der, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und du bist tot.

(Offenbarung 3, 1 ELBEDHÜ)

Elimelech hatte Furcht, Furcht vor dem Hungertod. Anstatt dieser Furcht im Gebet und Vertrauen auf Gott zu begegnen, ließ sich Elimelech von der Furcht in ein fremdes Land vertreiben. Aus den auf Rut 1, 1 – 2 folgenden Versen erfahren wir dann, dass Elimelech – in Moab angekommen – genau das Schicksal ereilte, vor dem er geflohen war: Er starb und seine Frau blieb mit den beiden Söhnen allein zurück. Das lässt mich an Sprüche 10, 24 (ELBEDHÜ) denken, wo es heißt:

“Wovor dem Gottlosen graut, das wird über ihn kommen, und das Begehren der Gerechten wird gewährt.“

Elimelech hätte aus der Geschichte Israels wissen können, dass Entscheidungen, die man ohne nach Gottes Willen zu fragen trifft, schwerwiegende Konsequenzen haben können (vgl. Josua 9, 1 ff.). Aber offensichtlich war ihm das nicht wichtig.
Seine Söhne heirateten moabitische Frauen, was dem Gesetz Gottes widersprach und eine Folge des falschen Verhaltens ihres Vaters war, der sie in dieses fremde Land geführt hatte (5. Mose 7, 1 ff.; 5. Mose 23, 4 – 7; Esra 9, 1 ff.; Nehemia 13, 23 f.; Maleachi 2, 10 ff. Der Grund für dieses Heiratsverbot findet sich in 4. Mose 25, 1 – 3, wo uns berichtet wird, dass die Moabiterinnen auf Geheiß des falschen Propheten Bileam die Israeliten zum Götzendienst verführten).
Anschließend sterben auch die beiden Söhne. Jetzt ist Noomi, die Witwe Elimelechs, ohne Schutz in einem fremden Land  (5. Mose 10, 18). Nur die die beiden moabitischen Schwiegertöchter, Rut und Orpa, sind ihr noch geblieben. Doch dann empfängt Noomi gute Nachrichten aus Juda: Gott hat die Hungersnot abgewendet. Noomi trifft eine Entscheidung. Sie macht sich auf den Weg und kehrt nach Juda zurück. Ihre beiden Schwiegertöchter, Rut und Orpra, begleiten sie. Mehrfach versucht Noomi ihre Schwiegertöchter von der inneren Verpflichtung, sie nach Israel zu begleiten, zu entbinden, doch beide bleiben bei ihr. Aber nach einem weiteren Gespräch entschließt sich Orpa doch, bei ihrem Volk zu bleiben. Sie kehrt, wie Noomi richtig erkennt, “zu ihrem Volk und zu ihren Göttern“ zurück (Ruth 1, 15). Als Noomi Ruth auffordert, ebenfalls in Moab zu bleiben, spricht diese die bekannten Worte:

“Aber Ruth sprach: Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, um hinter dir weg umzukehren; denn wohin du gehst, will ich gehen, und wo du weilst, will ich weilen; dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott; wo du stirbst, will ich sterben, und dort will ich begraben werden. So soll mir der HERR tun und so hinzufügen, nur der Tod soll scheiden zwischen mir und dir!“

(Ruth 1, 16 – 17; ELBEDHÜ)

Ruth hat innerlich eine Glaubenswende vollzogen: Weg von den Göttern Moabs und hin zu dem wahren und lebendigen Gottes Israels. Sie begleitet Noomi nach Juda, wo sie später Boas kennenlernt, ihn heiratet und so zu einer Ahnin des Messias wurde. Diese Ereignisse aus dem Leben von Noomi und Ruth sind den meisten Gläubigen bekannt. Weniger bekannt, aber sehr interessant ist eine Aussage, die wir in Ruth 1, 19 (ELBEDHÜ) finden:

“Und so gingen beide, bis sie nach Bethlehem kamen. Und es geschah, als sie nach Bethlehem kamen, da geriet die ganze Stadt ihretwegen in Bewegung, und sie sprachen: Ist das nicht Noomi?

Noomi kehrt nach Bethlehem zurück, die ganze (!) Stadt gerät ihretwegen in Bewegung und erkennt sie. Es gibt also in Bethlehem lauter Menschen, die Noomi kennen, als sie in den Ort zurückkehrt. D.h.,  diese Menschen haben die Hungersnot überlebt! Von Todesopfern, die die Hungersnot forderte, ist an keiner Stelle die Rede. Gott hatte rechtzeitig eingegriffen. Es gab, wie wir an Boas sehen, sogar wohlhabende Menschen in Bethlehem (Rut 2, 1). Die Furcht aufgrund derer Elimelech nach Moab – in das Land der Feinde Judas! – zog, war völlig grundlos. Alles, was im Leben Elimelechs und seiner Familie nach dieser “Flucht aus Furcht“ folgte, hätte vermieden werden können.
In Jesaja 8, 12 – 13 (ELBEDHÜ) ließ der Gott dem Volk Israel, das den Angriff der assyrischen Armee fürchtete, sagen:

“Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, was dieses Volk Verschwörung nennt; und fürchtet nicht ihre Furcht und erschreckt nicht davor. Den HERRN der Heerscharen, den sollt ihr heiligen; und er sei eure Furcht, und er sei euer Schrecken.

Der Apostel Petrus greift diesen Vers in seinem ersten Brief auf:

“Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr! Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, sondern heiligt Christus, den Herrn, in euren Herzen. Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, (…)“

(1. Petrus 3, 14 – 15 ELBEDHÜ)

Gläubige sollen sich nicht von der Furcht anderer anstecken lassen und schon gar nicht von der Furcht, die Menschen verbreiten, die nicht an Gott glauben.
In beiden Schriftstellen werden wir darauf hingewiesen, wie wir der Furcht begegnen, ja sie eliminieren können. Die beste Waffe gegen Furcht ist Gottesfurcht. Jesaja und Petrus bringen das hier zum Ausdruck, wenn sie sagen, dass wir den “HERRN der Heerscharen“ heiligen sollen, dass Er unsere Furcht sein soll bzw. dass wir “Christus, den Herrn“ in unseren Herzen “heiligen“ sollen.
Wenn wir aufgefordert werden, den Herrn Jesus Christus “in unseren Herzen zu heiligen“, dann bedeutet das, dass wir Ihm einen ganz besonderen Platz in unserem Leben einräumen sollen: den ersten und entscheidenden Platz. Er soll in unserem Leben genauso den Vorrang haben, wie Er ihn in allem den Vorrang hat:

“Und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe.

(Kolosser 1, 18 ELBEDHÜ)

Den “Herrn in unseren Herzen zu heiligen“ bedeutet, dass unser Leben von Gottesfurcht geprägt ist. Gottesfurcht zu haben, hat nichts mit Angst vor Gott zu tun. Gottesfurcht bedeutet Ehrfurcht, Respekt vor Gott zu haben, Ihn als den anzuerkennen, der Er ist. Das setzt ein Bewusstsein der Tatsache voraus, dass wir unser ganzes Leben vor diesem heiligen, allmächtigen Gott führen. An diesem Punkt muss das theoretische Wissen in die Praxis unseres Alltags überführt werden. Es reicht nicht aus, von dem heiligen Gott zu sprechen oder – in Anlehnung an Elimelech gesagt – den Namen “Christ“ zu tragen. Bei Elimelech entsprach das Alltagsleben, das praktische Handeln, nicht dem Bekenntnis zu Gott, das durch seinen Namen zum Ausdruck gebracht wurde. Das soll und kann bei uns anders sein, denn Gott hat uns durch die Kraft der Gnade und durch den Beistand des Heiligen Geistes alles geschenkt, was wir brauchen, um entsprechend Seinem Willen leben zu können. Wir wachsen in der Gottesfurcht, indem wir Gott begegnen. Durch das Lesen Seines Wortes und im Gebet lernen wir Ihn immer besser kennen. Dann werden wir nicht nur erkennen, dass es der Wille Gottes ist, dass wir uns von allem trennen, was Ihm nicht entspricht (vgl. Sprüche 8, 13; 1. Thessalonicher 4, 3), nein, wir werden auch den Wunsch verspüren, so leben zu wollen, dass unser Leben ein Leben zur Ehre Gottes ist (2. Korinther 7, 1). Gottesfurcht ist also keine religiöse Haltung, die wir am Sonntagmorgen für 90 Minuten annehmen und beim anschließenden Mittagessen wieder ablegen. Gottesfurcht ist eine Überzeugung, die unser Leben  zutiefst prägt und zu einem entsprechenden Handeln führt, weil sie aus der Begegnung mit Gott erwächst. Ein solcher Glaube hat Verheißung.
Gott gibt uns durch den Propheten Jesaja einen weiteren, wichtigen Hinweis:

“Darum spricht Gott der HERR: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht, (…)“

(Jesaja 28, 16 LUTH’84)

“Wer glaubt, flieht nicht.“ Wer glaubt, muss auch gar nicht fliehen, denn er steht schon auf der richtigen Seite – bei Gott! Wer glaubt, flieht nicht, er kann stand halten, weil er von Gott gehalten wird! Wer glaubt, flieht nicht, er kann fest stehen, weil Gott ihm beisteht. Wer glaubt und dementsprechend nicht flieht, muss u.U. auch durch schwierige Situationen gehen (vgl. 1. Petrus 3, 14 – 15!), aber er wird hindurchgehen, weil Gott mit Ihm geht!  Die Heilige Schrift gibt uns zahlreiche Beispiele dafür, dass Gott einen solchen Glauben belohnt. Ich möchte nur zwei nennen:
In Daniel 3 wird uns von den drei jüdischen Männern berichtet, die der babylonische König Nebukadnezar mit dem Tode durch Verbrennen bedrohte, weil sie sein Götzenstandbild nicht anbeten wollten. Daraufhin antworten diese Männer:

“Sadrach, Mesach und Abednego antworteten und sprachen zum König: Nebukadnezar, wir halten es nicht für nötig, dir ein Wort darauf zu erwidern. Ob unser Gott, dem wir dienen, uns aus dem brennenden Feuerofen zu erretten vermag – und er wird uns aus deiner Hand, o König, erretten –oder ob nicht, es sei dir kund, o König, dass wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Bild, das du aufgerichtet hast, nicht anbeten werden.“

(Daniel 3, 16 – 18 ELBEDHÜ)

Die Gottesfurcht dieser Männer war eindeutig größer als die Furcht vor dem damals mächtigsten König der Erde. Gott belohnte ihren Glauben und bewahrte sie (Daniel 3, 23 – 27).

Ein weiteres Beispiel solcher Gottesfurcht bzw. solchen Glaubens ist David. In Psalm 56, 3 – 5 bekennt er:

“Meine Feinde schnauben den ganzen Tag; denn viele bekämpfen mich in Hochmut. An dem Tag, da ich mich fürchte, vertraue ich auf dich. In Gott werde ich rühmen sein Wort; auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten; was sollte das Fleisch mir tun?

und in Vers 14 desselben Psalms kann er bezeugen:

“Denn du hast meine Seele vom Tod errettet, ja, meine Füße vom Sturz, damit ich vor dem Angesicht Gottes im Licht der Lebendigen wandle.“

Die Männer im Feuerofen, David und viele andere (vgl. Hebräer 11, 1 ff.) haben es erlebt: Ein Glaube, der aus der täglichen Begegnung mit Gott  genährt wird, kann auch unter schweren Bedingungen standhalten. Ein Herz, dass von Ehrfurcht vor Gott erfüllt ist, hat keinen Platz mehr für Menschenfurcht (Sprüche 29, 25). Während Elimelech sich von seiner Furcht vertreiben ließ, vertrieben diese und viele andere Gläubige die Furcht durch die Gottesfurcht.
Ich glaube, dass es angesichts des immer mehr zunehmenden Chaos in dieser Welt, wichtig ist, dass wir diese Lektion lernen und durch praktisch ausgelebte Gottesfurcht die Furcht, wo immer sie uns begegnet, überwinden. Gott, der durch Seinen Geist Seine Liebe in unsere Herzen  ausgegossen hat (Römer 5, 5), hat verheißen, uns dabei zu helfen (1. Johannes 5, 18a).

 
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