Anmerkungen zu Rut 1, 15 – 18

Fort Delaware POW 1864

Ruth auf einer Feldpostkarte aus dem Jahr 1864 * Foto: By (former) Confederate Post Office [Public domain], via Wikimedia Commons

Am heutigen Mittwoch soll ein Bibelwort aus dem Buch Rut (auch: Ruth) betrachtet werden:

“Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden.

(Rut 1, 15 – 18; Luther’84)

 

Zum Hintergrund des Buches Rut(h)

Der Name “Rut(h)“ stammt ursprünglich aus der moabitischen, nicht aus der hebräischen Sprache. Verschiedene Bedeutungen sind vorgeschlagen worden: “Trost“, “Freundschaft“, aber auch “Erfrischung“. Die etymologische Ableitung ist jedoch unsicher. Ebenso schwierig ist eine genaue Datierung dieses alttestamentarischen Buches. Im Babylonischen Talmud findet sich ein Hinweis, dass der Prophet Samuel die Geschichte Ruts aufgezeichnet haben soll. Ursprünglich fand sich das Buch im jüdischen Alten Testament als Anhang zum Buch Josua. Später, als das Buch während des Wochenfestes (Pfingsten) im Tempelgottesdienst gelesen wurde, übernahm man es in den dritten Teil des hebräischen Tanach. Dieser Teil umfasst die Bücher Rut, Hoheslied, Prediger, Klagelieder und Esther. Sie wurden während des Gottesdienstes an den fünf wichtigsten jüdischen Festen (Schawuot, Pessach, Sukkot, Tischa beAv und Purim) gelesen. Aus diesem Grund bezeichnet man diese Schriftrollen auch als  “Megillot“ (Festrollen). 

Inhalt und Aufteilung des Buches Rut(h)

Als Christen betonen wir im Zusammenhang mit diesem Buch immer sehr schnell und sehr gern, wie gut es doch Gottes erlösendes Wirken darstellt. Das ist wahr, aber dabei wird die eigentliche Botschaft dieses Buches übersehen. Das Buch Rut möchte uns nämlich in erster Linie zeigen, wie fürsorglich Gott im Leben des Gläubigen alle Dinge führt und leitet. In den 89 Versen dieses Buches (andere Zählungen kommen auf 85 Verse) wird Gott nur in 23 Versen erwähnt. Von diesen 23 Versen sind Rut 1,6 und Rut 4, 14 Kommentare des Autors. Die restlichen Vorkommen finden wir in den Reden, der im Buch auftretenden Personen. In dieser Weise ähnelt das Buch Rut dem Buch Esther. Im Buch Esther wird Gott nicht ein einziges Mal erwähnt, und dennoch zeigt uns dieses Buch Sein liebevolles und fürsorgliches Handeln für die an Ihn Glaubenden auf sehr eindrückliche Weise.
Ein zweiter Schwerpunkt dieses Buches liegt auf dem Bezug zu König David. Durch die in diesem Buch aufgezeichnete Genealogie wird seine Abstammung über Boas und Rut bis auf Perez bezeugt und damit seine Herkunft aus dem Stamm Juda belegt. Dabei ist zu beachten, dass diese Genealogie nur die wichtigsten Personen aus seiner Ahnenreihe erwähnt und andere, nicht so wichtig erscheinende Personen unerwähnt lässt.
Wir können das vier Kapitel umfassende Buch in drei große Abschnitte einteilen:
Abschnitt I (Rut 1, 1 – 22) beschreibt den Auszug der Familie Naomis in das Land der Moabiter. Dort sterben ihr Ehemann und ihre Söhne (Rut 1, 1 – 5). Als Witwe ist Naomi nicht in der Lage, für die Zukunft ihrer beiden Schwiegertöchter Rut and Orpa zu sorgen (Rut 1, 6 – 14).  Naomi wird dann von ihren Schwiegertöchtern auf ihrem Rückweg nach Israel begleitet. Hier kommt es zur Trennung von Orpa, die in ihre Heimat zurückkehrt. Rut hingegen bekennt sich nicht nur zu Naomi, sondern auch zum Glauben an den Gott Israels (Rut 1, 15 – 18). Im letzten Teil dieses Abschnitts wird uns der schwache Glaube Naomis gezeigt (Rut 1, 19 – 21) und die Jahreszeit genannt, in der Naomi und Rut nach Israel zurückkehrten.
Im zweiten Abschnitt (Rut 2, 1 – 3, 18) wird berichtet, wie Naomi und Rut mit ihrer neuen Lebenssituation in Israel umgehen (Kapitel 2). Dabei wird in Rut 2, 1 – 7 die Fürsorge Gottes beschrieben, die die beiden Frauen bei ihrer Suche nach einem neuen Ehemann für Rut (der gleichzeitig auch ein Versorger für die Witwe Naomi sein würde) leitet. So wird Rut eine Magd von Boas (Rut 2, 8 – 13), der ihr Arbeit gibt und dabei besondere Privilegien einräumt (Rut 2, 14 – 16). Im Anschluss daran wird der Segen aufgezeigt, der für Rut und Naomi aus dieser Beziehung entsteht (Rut 2, 17 – 23).  Es folgt der Bericht darüber, wie Naomi einen Plan entwirft, Rut durch die Beziehung zu Boas eine dauerhafte Versorgung zu schaffen (Rut 3, 1 – 5). Sie ermutigt Rut in der richtigen Weise den Kontakt zu Boas zu intensivieren, worauf Boas in positiver Weise reagiert (Rut 3, 6 – 18).
Abschnitt III (Rut 4) berichtet uns davon, dass der nächste Verwandte von Rut  diese nicht “lösen“ konnte (Rut 4, 1 – 6) und dadurch Boas die Gelegenheit erhält, Rut zu heiraten (Rut 4, 7 – 12). Gott segnet das Ehepaar mit einem Sohn (Rut 4, 13 – 17). Das Buch schließt mit den genealogischen Hinweisen auf König David (Rut 4, 18 – 22). 

Wo du hingehst, da will auch ich hingehen ….“

* “Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. (Rut 1, 15 – 18) – Obwohl durch den Auszug der Familie Naomis nach Moab ein deutlicher Mangel an Glauben offenbar geworden war – Rut 1, 6 berichtet uns davon, wie Gott Seinem Volk Israel zur Hilfe kam und die Hungersnot ein Ende fand – hatte der Glaube dieser Familie seine Wirkung auf die in Moab angeheiratete Rut. Ganz offensichtlich hatte Rut von dem Gott Israels nicht nur durch die Erzählungen ihrer Verwandten gehört, sie hatte Ihn auch persönlich kennengelernt. Denn während Naomis Glaube sehr schwankend ist und sie mehr nach dem lebt, was sie sieht, praktiziert Rut ein Leben im Glauben, das nicht auf das Sichtbare schaut (vgl. 2. Korinther 4, 18). Denn anstatt in Moab zu bleiben, also dort wo sie heimisch war und noch Verwandtschaft besaß (vgl. Rut 1, 8), wählt sie den Weg nach Israel, den Weg in ein Land, das sie nicht kannte und damit den Weg in eine (eigentlich) ungewisse Zukunft. Auch andere Zusammenhänge zeigen uns, welche Qualität der (neue) Glaube dieser moabitischen Frau hatte: Im Altertum sprach man den Göttern nur einen begrenzten Machtbereich zu. Wer also sein Heimatgebiet verließ, der verließ damit auch seinen Gott. Rut muss dieser Zusammenhang bewusst gewesen sein, denn sie bekennt sich nicht nur zu ihrer Familie, sondern auch zu ihrem (neuen) Gott. Wir werden darauf später noch genauer eingehen. Ein weiterer Punkt in Ruts Aussage ist sehr bemerkenswert: Wie wir aus den Berichten des Alten Testaments wissen, hatte die Grabstätte eines Menschen eine wichtige Bedeutung für ihn/sie selbst und seine/ihre Angehörigen (vgl. z.B. 1. Mose 23; 1. Mose 25, 9 – 10; 1. Mose 50, 1 – 14 + 24 – 25; Josua 24, 32 u.a.m.). Dieses Denken finden wir nicht nur bei den Israeliten. Auch in den heidnischen Nachbarvölkern wurde das Grab eines Menschen als seine letzten “Heimatstätte“ angesehen. Indem Rut also bekennt, dass sie dort “begraben“ werden möchte, wo Naomi begraben sein wird, drückt sie gleichsam aus, dass das heidnische Moab nicht mehr ihre Heimat ist. In Vers dann wird ihre Bekehrung zu dem Gott Israels unwiderruflich deutlich. Kommentatoren weisen darauf hin, dass Gott sich den Stammvätern Israels immer wieder als “der Allmächtige“, hebr. “El Shaddai“, geoffenbart hatte (vgl. 1. Mose 7, 1; 1. Mose 28, 3; 1. Mose 35, 11; 1. Mose 43, 14; 1. Mose 48, 3; 1. Mose 49, 25; 2. Mose 6, 3 u.a.m.) Rut gebraucht jedoch im Zusammenhang mit ihrem Versprechen den Namen Gottes – Jahwe – und lässt dadurch keinen Zweifel daran, dass nun nicht mehr “Kemosch“, der Hauptgott der Moabiter oder irgendein anderer “mächtiger Gott“ ihr Leben bestimmt, sondern der Bundesgott Israels. Während Abraham, der “Vater des Glaubens“ von Gott Verheißungen und Zusagen erhalten hatte, auf die er seinen Glauben gründen konnte, muss Rut das “Glaubenswagnis“ völlig ohne solche Zusagen eingehen – und sie tut es! Damit bezeugt Rut unausgesprochen, was der Dichter von Psalm 73 in diese Worte gefasst hat:

“Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“

(Psalm 73, 25)

Obwohl Gott bzgl. Seines Bundes mit Abraham und dessen Nachkommen auch immer die Möglichkeit bot, dass Fremde in diesen Bund aufgenommen werden konnten (vgl. 1. Mose 17), findet sich keine weiterer Bericht im gesamten Alten Testament, in dem ein Mensch eine so radikale Hinwendung zu dem Gott Israels vollzieht, wie hier im Buch Rut. Rut 1, 15 – 18, das Bekenntnis der Rut, dem diese Frau dann auch entsprechende Taten folgen lässt, gibt uns damit den Schlüssel zum Verständnis des ganzen weiteren Segens, den Gott dieser Frau dann schenkt. Ein solches Bekenntnis, das in entsprechenden Taten seinen Ausdruck findet, kann auch der Schlüssel zum Segen Gottes in unserem Leben sein.

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