Das offenbar gemachte Geheimnis Gottes: Jesus Christus – Anmerkungen zu 1. Korinther 2, 1- 5

 

Karl Witkowski - Secrets

„Geheimnisse – Bild: Karl Witkowski [Public domain], via Wikimedia Commons

Anmerkungen zu 1. Korinther 2, 1 – 5

Als Grundlage für die Wortverkündigung am kommenden Sonntag sollen Verse aus dem 2. Kapitel des 1. Korintherbrief (zum Hintergrund des 1. Korintherbriefes siehe: Klick!) dienen, die wir in ihrem Sinnzusammenhang betrachten werden:

Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.“

(1. Korinther 2, 1 – 2; LUTH’84)

“Geheimnis“ oder “Zeugnis“?

* In der Lutherübersetzung 1984 haben die Übersetzer das, was Paulus verkündigen wollte, als “Geheimnis“ übersetzt.  Andere, auch sehr auf Genauigkeit bedachte Übersetzungen, wie z.B. die Schlachter-Übersetzung aus dem Jahr 2000, benutzen das Wort “Zeugnis“. Die in der griechischen Sprache für “Geheimnis bzw.  “Zeugnis“ gebrauchten Worte ähneln sich sehr: “Geheimnis“  heißt in der griechischen Sprache des Neuen Testaments “μυστήριον“ (“musterion“), “Zeugnis“ hingegen  “μαρτύριον“ (“marturion“). Beide Schreibweisen finden sich in den neutestamentarischen Handschriftenfunden, die uns überliefert wurden. Der Unterschied ist jedoch nicht sehr groß. Denn das Evangelium von Jesus Christus ist sowohl das “Geheimnis“, das Gott in früheren Zeitaltern verborgen hatte, nun aber durch die Jünger des Herrn verkündigen ließ (Kolosser 1, 26). Zugleich ist das verkündigte Evangelium aber auch das “Zeugnis“ für den Herrn Jesus Christus. 

Zum Kontext von 1. Korinther 2, 1 – 5

Es ist sehr wichtig, dass wir die von uns zu betrachtenden Verse in ihrem Gesamtzusammenhang, d.h. in der Fortführung des Arguments, das Paulus in Kapitel 1 dazulegen begonnen hat, verstehen. Kommentatoren weisen darauf hin, dass eine aus diesem Zusammenhang gerissene Betrachtung dieser Verse uns sonst zu völlig falschen Schlussfolgerungen führen kann. Betrachtet man z.B. den Abschnitt 1. Korinther 2, 1 – 5 isoliert, so könnte man fälschlich folgern, dass der  Apostel in den anschließenden Versen (1. Korinther 2, 56 – 16) von einer Art “geistlichen Elite“ spräche, die allein  in der Lage sei, seine Lehre zu verstehen. Das ist jedoch keinesfalls die Absicht, die Paulus mit seinen Ausführungen verfolgt.
Was können wir aus dem Kontext, indem sich die von uns zu betrachtenden Verse finden, erkennen? In dem großen  Abschnitt von  1. Korinther 1, 10 bis 1. Korinther 6, 20 geht Paulus auf die Zustände ein, die in der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Korinth herrschten und von denen ihm berichtet worden war. Dabei geht es von 1. Korinther 1, 10 bis 1. Korinther 4, 21 um Spaltungen, die sich  innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen abzeichneten.
In 1. Korinther 1, 10 – 17 geht Paulus auf das Grundproblem der Gläubigen in Korinth ein: Die sich abzeichnenden Spaltungen entsprangen einer inneren Einstellung, durch die einige Gläubige diese und andere Gläubige jene Diener Gottes bevorzugten. Die eine Gruppe pries die Weisheit und Predigtweise dieser Verkündiger, die andere Gruppe die Weisheit und Predigtweise jener Verkündiger. Der wahre Grund für dieses Herausstellen einzelner Diener Gottes war, dass diejenigen, die dies taten, zugleich auch sich selbst damit rühmen und erhöhen konnten. Diese Geisteshaltung stellt Paulus hier bloß: indem die Gläubigen in Korinth die Weisheit bestimmter Diener Gottes priesen, zeigten sie, dass sie von der wahren Weisheit Gottes noch gar nichts verstanden hatten.
Im Anschluss daran zeigt der Apostel in dem Abschnitt von 1. Korinther 1, 18 bis 1. Korinther 2, 5 auf, dass das Evangelium in völligem Widerspruch zur menschlichen Weisheit steht. Paulus arbeitet den großen Unterschied zwischen menschlicher Klugheit und dem Kreuz Christi heraus (1. Korinther 1, 17). Das Kreuz Christi und das mit ihm verbundene Evangelium ist keine “Weisheit“ wie sie die menschlichen Philosophien, die in Korinth sehr verbreitet und angesehen waren, vertreten. Die Botschaft von einem gekreuzigten Erlöser ist für die Vertreter der menschlichen Weisheit, die Philosophen,  nicht anziehend (1. Korinther 1, 18 – 25) und dementsprechend betrachten die Philosophen auch die Menschen, die dem Evangelium Jesu Christi glaubend vertrauen, nicht als weise  (1. Korinther 1, 26 – 31). Paulus zeigt dann in 1. Korinther 2, 1 – 5 auf, dass seine Verkündigung, obwohl sie nach menschlichem Ermessen ohne jegliche (philosophische) Weisheit war, zu kraftvollen Ergebnissen führte: Menschen waren zum Glauben an den Herrn Jesus Christus gekommen, waren vor der ewigen Verdammnis und dem Zorn Gottes errettet worden, hatten Erlösung, ewiges Leben und Frieden mit Gott empfangen. Diese Veränderungen waren, bei allen Schwächen die die Gläubigen in Korinth aufwiesen, sichtbar. Sie konnten nicht geleugnet werden. Denn die “Torheit Gottes“, die Verkündigung des Evangeliums, war stärker als alle “Weisheit der Menschen“, d.h. der menschlichen Philosophien. Wo hatte die “Weisheit“ der griechischen Philosophen schon jemals eine solche Lebensveränderung bewirkt?
In 1. Korinther 2, 6 – 16 verweist der Apostel dann auf den Dienst des Heiligen Geistes, den er in den Versen 4 – 5 bereits angesprochen hat. Die Gläubigen in Korinth sollten lernen, dass der christliche Dienst, die Verkündigung, unter ganz anderen Vorzeichen gesehen werden muss. Eindrucksvolle Reden waren kein Zeichen besonderer, geschweigedenn göttlicher Weisheit. Die griechischen Philosophen hielten sehr oft rhetorisch beeindruckende Reden.  Aber darauf kam (und kommt) es im christlichen Dienst, bei der Verkündigung des Evangeliums, nicht an. Denn menschliche Worte, seien sie auch noch so gewählt und beeindruckend, können das menschliche Herz nicht erneuern. Der Schlüssel zu echter geistlicher  Erneuerung lag (und liegt) in dem Dienst des Heiligen Geistes, der den Gläubigen Erleuchtung und Erkenntnis schenkt. Menschen, die wahre Weisheit, göttliche Weisheit, suchen, können diese nicht ohne den Dienst des Geistes Gottes empfangen. Wir dürfen hier nicht den Fehler begehen, der in der Vergangenheit von so vielen Christen gemacht wurde. Viele schlossen aus diesen Worten des Apostels, dass es nur der Erleuchtung des Heiligen Geistes bedurfte, um das Wort Gottes zu verstehen und dass man darum keinen Fleiß zu einem ernsthaften Studium der Heiligen Schrift mehr aufzuwenden brauche. Doch dies ist eindeutig eine falsche Schlussfolgerung, denn derselbe Apostel Paulus fordert seinen Mitarbeiter Timotheus (und mit ihm alle Verkündiger des Evangeliums) in 2. Timotheus 2, 15 (SCHL’2000):

“Strebe eifrig danach, dich Gott als bewährt zu erweisen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit recht teilt (“richtig unterscheidet“ / “gerade schneidet“).“

Beides ist untrennbar, wenn es um das richtige Verständnis des Wortes Gottes geht: die Bitte um die Leitung und Belehrung durch den Geist Gottes und ernsthaftes, genaues Studium der Heiligen Schrift in ihrem Gesamtzusammenhang.

Anmerkungen zu 1. Korinther 2, 1 – 5

* “So bin auch ich, meine Brüder, als ich zu euch kam, nicht gekommen, um euch in hervorragender Rede oder Weisheit das Zeugnis/Geheimnis Gottes zu verkündigen. – 1. Korinther 2, 1 – Paulus erinnert hier die Gläubigen in Korinth, dass er, als er zu ihnen kam, nicht in der Weise auftrat, wie dies die bekannten Philosophen und Redner taten. In der Regel war es so, dass solche Redner, wenn sie in eine Stadt kamen, zuerst einmal Werbung für ihren Auftritt machten. In der dargebotenen Rede wurde dann in der Regel zuerst einmal die Stadt mit allen ihren 8angeblichen) Vorzügen gepriesen. So etwas hörten die Bewohner natürlich gern. Auf diese Weise gewannen solche Redner auch Schüler, durch deren Unterweisung sie ihren Lebensunterhalt verdienten. Schlossen sich ihm nach einer überzeugenden (Werbe-)Rede genügend Schüler an, dann blieb ein solcher Mann in der Stadt, um diese Schüler in Rhetorik oder Philosophie zu unterweisen.
Paulus macht deutlich, dass er weder mit einer solchen Absicht nach Korinth kam, noch das er wie diese Philosophen auftrat. Seine Verkündigung war weder ein Versuch, menschliche Aufmerksamkeit oder Anerkennung zu gewinnen, geschweigedenn ein Mittel, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

* “Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten.“ – 1. Korinther 2, 2 – Seine ganze Verkündigung richtete Paulus auf den gekreuzigten Herrn Jesus Christus aus. Auf diese Weise vermied er alles, was ihm Applaus und schnelle Zustimmung eingebracht hätte. Ihm ging es nicht darum, Menschen als Anhänger eines rhetorisch geschliffenen Verkündigers zu gewinnen, er wollte Menschen für den Sohn Gottes, den Erlöser der Welt, gewinnen.  Dieser Vers enthält eine deutliche Warnung an alle Verkündiger des Wortes Gottes: Wehe, wenn man von Dir als einem “wunderbaren Redner“ und nicht von dem “wunderbaren Erlöser“ spricht!

* “Und ich war in Schwachheit und mit viel Furcht und Zittern1 bei euch.“ – 1. Korinther 2, 3 – Wenn Paulus hier von “Furcht und Zittern“ spricht, dann ist dies kein Ausdruck der Angst vor den Korinthern. Jeder Verkündiger des Evangeliums wird seinen Dienst, wenn er wirklich in Ehrfurcht vor Gott geschieht, auf diese Weise ausüben. Denn jeder Verkündiger, der ehrlich zu sich selbst ist, weiß, dass kein Mensch von sich aus in der Lage ist, den geistlichen Bedürfnissen seiner Zuhörer zu begegnen und dass, wenn seine Verkündigung wirklich etwas bewirkt, dies nur durch Gottes Wirken, durch Gottes Gnade, durch Gottes Hilfe  geschehen ist. 

* “Und meine Rede und meine Verkündigung bestand nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, (…)“ – 1. Korinther 2, 4 – Noch einmal stellt Paulus klar, dass er weder seine Verkündigung (die Botschaft des Evangeliums) noch die Art und Weise (durch die Predigt), wie er sie darlegte, so gestaltete, dass er damit seinen Zuhörern gefiel. Ganz im Gegenteil – er brachte eine ganz einfache Botschaft. Seine Verkündigung war zugleich eine Demonstration der Kraft Gottes. Die Überführung von ihren Sünden, bewirkte nicht er, sondern der Geist Gottes, in den Herzen der Zuhörer. Es war die Kraft des Geistes Gottes, nicht die Weisheit des Verkündigers, die diese Ergebnisse hervorbrachte. Sündenerkenntnis kommt nicht durch Überredung oder Argumente, sie ist die Frucht der Wirksamkeit des Heiligen Geistes (vgl. Johannes 16, 8!). Es ist der heilige Geist, der – während das Evangelium verkündet wird – “blinde Augen“ öffnet und sehend macht. Während wir jede Gabe gebrauchen sollten, die Gott uns geschenkt hat, dürfen wir gleichzeitig bei der Verkündigung des Wortes Gottes niemals unser Vertrauen in uns oder unsere (rhetorischen) Fähigkeiten, sondern einzig auf den Dienst des Geistes Gottes setzen. Menschliche Weisheit, gebildete Argumente, geschliffene Rhetorik mag beeindrucken, aber nichts davon erreicht das Herz des Menschen. Ganz anders ist es, wenn die Verkündigung durch den Dienst des Geistes Gottes begleitet wird. Wenn das passiert, dann geschieht, was uns in Apostelgeschichte 2, 37 – 38:

“Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“

* “(…) damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhe, sondern auf Gottes Kraft.“ – 1. Korinther 2, 5 –  Der Apostel hatte seine Gründe für diese Art des Dienstes. Er wusste, dass nur ein Dienst, der in völliger Abhängigkeit von Gott versehen wird, ein Dienst, der nicht irgendeinen (oder irgendwelche) Menschen, sondern allein Christus und Ihn gekreuzigt, zum Inhalt hat, solche Frucht hervorbringen konnte. Nur ein in dieser Weise versehener Verkündigungsdienst kann einen Glauben hervorbringen, der auf der Kraft Gottes gründet und der deswegen ewigen Bestand haben wird. Wahrer Glaube hat immer eine übernatürliche, eine göttliche Grundlage:

Da spricht er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel!“

(Matthäus 16, 15 – 17)

Das offenbar gemacht Geheimnis Gottes: Jesus Christus

Wie ich eingangs schrieb, ähneln sich die in der griechischen Sprache für “Geheimnis bzw.  “Zeugnis“ gebrauchten Worte sehr: “Geheimnis“  heißt in der griechischen Sprache des Neuen Testaments “μυστήριον“ (“musterion“), “Zeugnis“ hingegen  “μαρτύριον“ (“marturion“). Beide Schreibweisen finden sich in den neutestamentarischen Handschriftenfunden, die uns überliefert wurden. Der Unterschied ist jedoch nicht sehr groß. Denn das Evangelium von Jesus Christus ist sowohl das “Geheimnis“, das Gott in früheren Zeitaltern verborgen hatte, nun aber durch die Jünger des Herrn verkündigen ließ (Kolosser 1, 26). Zugleich ist das verkündigte Evangelium aber auch das “Zeugnis“ für den Herrn Jesus Christus.
Unabhängig davon, welches Wort wir unseren Überlegungen zugrunde legen, macht der Kontext unseres Predigttextes eines ganz deutlich: Verkündigung ist nur dann wirklich christliche Verkündigung, wenn durch sie die Zentralität der Person Jesu Christi im Heilshandeln Gottes zum Ausdruck kommt. Er, der gekreuzigte, auferstandene, aufgefahrene, verherrlichte und wiederkommende Herr Jesus Christus ist der einzige Inhalt und die einzige Kraft wahrer christlicher Verkündigung. Ihn, dessen Person und Herrlichkeit in den vergangenen Zeitaltern vor der Welt verborgen war, haben wir der Welt zu verkündigen, gleichsam offenbar zu machen. Dort, wo anderes zum Inhalt der Verkündigung wird, mögen die Zuhörer “selige Gefühle“ haben, aber mit Sicherheit keinen festgewurzelten Glauben, der auch dann noch Bestand hat, wenn alles im Leben zerbricht.

“Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit,wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“

(1. Korinther 1, 22 – 24)

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