Bibelbeobachtungen (3): Bitte (das Werk des Heiligen Geistes) nicht stören! (Lukas 15, 11 – 32)

 

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Buch der Bücher * Foto: Lupo / pixelio.de

Das “Gleichnis von dem verlorenen Sohn“ ist sicherlich eines der bekanntesten Gleichnisse Jesu. Wenn wir bestimmte Bibeltexte oft lesen oder hören, dann stellt sich häufig eine Gewöhnung ein. Wir meinen dann, das Gehörte oder Gelesene gut zu kennen. Dabei kann es sein, dass uns wichtige Informationen jedoch entgehen oder wir sie berhaupt nicht wahrnehmen. Vielleicht entdecken wir sie erst viele Jahre später. Eine solche Entdeckung habe ich kürzlich beim Lesen dieses Gleichnisses gemacht:

“Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere sprach zum Vater: Gib mir, Vater, den Teil des Vermögens, der mir zufällt! Und er teilte ihnen das Gut. Und nicht lange darnach packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein Vermögen mit liederlichem Leben. Nachdem er aber alles aufgebraucht hatte, kam eine gewaltige Hungersnot über jenes Land, und auch er fing an, Mangel zu leiden. Da ging er hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Schweine zu hüten. Und er begehrte, sich zu sättigen mit den Schoten, welche die Schweine fraßen; und niemand gab sie ihm. Er kam aber zu sich selbst und sprach: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluß, ich aber verderbe hier vor Hunger!  Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und hatte Erbarmen, lief, fiel ihm um den Hals und küßte ihn.  Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen! Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet eilends das beste Feierkleid her und ziehet es ihm an, und gebet ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße;  und bringet das gemästete Kalb her und schlachtet es; lasset uns essen und fröhlich sein!  Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.  Aber sein älterer Sohn war auf dem Felde; und als er kam und sich dem Hause näherte, hörte er Musik und Tanz.  Und er rief einen der Knechte herbei und erkundigte sich, was das sei.  Der sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat. Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber ging hinaus und redete ihm zu. Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; und mir hast du nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich wäre.  Da aber dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Gut mit Dirnen verschlungen hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet!  Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Man mußte aber fröhlich sein und sich freuen; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden worden!

(Lukas 15, 11 – 32; SCHL’51)

Ist Ihnen beim Lesen dieser Verse etwas aufgefallen? Mit fiel kürzlich beim Lesen dieses Gleichnisses auf, dass es hier heißt: “Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und hatte Erbarmen, lief, fiel ihm um den Hals und küßte ihn.“
Eine Beobachtung, die in Predigten häufig sehr betont wird, ist, dass der Vater dem verlorenen Sohn entgegen läuft und ihn in seine Arme schließt. Daraus werden dann oft evangelistische Verhaltensweisen abgeleitet, die sich so allerdings gar nicht im Text finden und die sich als sehr kontraproduktiv erweisen können.
Wir müssen beachten, dass hier die große Distanz, die zwischen dem verlorenen Sohn und dem Vater bestand, sehr deutlich aufgezeigt wird  (“als er noch fern war“). Diese Distanz bestand ja, seitdem sich dieser Sohn mit seinem Erbe “aus dem Staub“ gemacht hatte. Aber der Vater hatte nichts getan, um diese Distanz zu verringern. Erst als der Sohn umkehrt und sich auf dem Rückweg in das Haus seines Vaters befindet, erst als der Vater sieht, dass der Sohn zurückkehrt, da läuft er ihm entgegen, nimmt ihn in die Arme und heißt ihn willkommen. Warum ist die Beobachtung wichtig? Weil sie uns davor bewahrt, dass wir den verlorenen Söhnen und Töchtern den Rückweg in das “Haus des Vaters“ verbauen!
Viele von uns kennen dieses Gleichnis, sie verstehen aber den tiefen, evangelistischen Hintergrund falsch: Wie oft meinen wir, verlorenen Söhnen und Töchtern bis in ihren “Schweinestall“ nachgehen zu müssen? Es spricht nichts dagegen, dass wir das tun und ihnen dort immer wieder das Angebot machen, dass sie umkehren können und “im Haus des Vaters“ jederzeit willkommen sind. Aber viele gehen weit über diesen “Verkündigungsdienst“ hinaus. In falsch verstandenen Liebe bringen sie den verlorenen Söhnen und Töchtern nicht nur das Evangelium, sondern auch “Kaffee und Kuchen“ in den Schweinestall und bevor sie sich verabschieden, “machen sie dort noch einmal richtig sauber“. Müssen wir uns da wundern, dass viele verlorene Söhne und Töchter den “Schweinestall“ als gar nicht so unangenehm empfinden? Müssen wir uns da wundern, dass so viele verlorene Söhne und Töchter gar keinen Grund sehen, zum “Haus des Vaters“ umzukehren? Müssen wir uns da noch wundern, dass so wenige umkehren und errettet werden? Falsch verstandene Liebe, die die Distanz zwischen Sünde und Heiligkeit verwischt, verhindert das überführende Wirken des Heiligen Geistes (Johannes 16, 8 – 11) an den Herzen verlorener Söhne und Töchter und verstellt so den Menschen, von denen sie vorgibt, sie zu lieben, den Weg zur Umkehr und Erlösung. Erst dort, wo die verlorenen Söhne und Töchter, ihre Distanz zu Gott und die Realität des “Schweinestalls“ in dem sie sich befinden, wirklich erkennen, erst da wird in ihnen der Wunsch geweckt, zum “Haus des Vaters“ zurück zu kehren. Darum dürfen wir nichts unternehmen, dass dieses Werk verhindert. Wenn wir jedoch sehen, dass ein verlorener Sohn/eine verloren Tochter sich ernsthaft auf den Rückweg gemacht hat, dann kann nichts uns hindern, ihnen entgegen zu laufen und sie herzlich willkommen zu heißen.

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