Wenn Gott aus übermächtigen Feinden ‚zahnlose Tiger‘ macht – Anmerkungen zu Psalm 3, 1 – 9

Mainz - Johann Fust & Peter Schoeffer (printers) - Mainz Psalter - Google Art Project

Mainzer Psalter gedruckt von Johann Fust & Peter Schoeffer / Google Art Projekt – Foto: Google Art Projekt, via Wikimedia Commons

Bei dem Herrn findet man Hilfe

Das Bibelwort, das am heutigen Mittwoch als Grundlage der Wortverkündigung dient, ist Psalm 3, 9. Wir betrachten diesen Vers im Zusammenhang des gesamten Psalms und seines historischen Hintergrunds:

“Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Absalom floh. Ach HERR, wie sind meiner Feinde so viel und erheben sich so viele gegen mich! Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. SELA. Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor. Ich rufe mit meiner Stimme zum HERRN, so erhört er mich von seinem heiligen Berge. SELA. Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich. Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden, die sich ringsum wider mich legen. Auf, HERR, und hilf mir, mein Gott!  Denn du schlägst alle meine Feinde auf die Backe und zerschmetterst der Gottlosen Zähne.Bei dem HERRN findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk! SELA.“

(Psalm 3, 9; LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Psalm 3

Die Psalmen werden allgemein in fünf Abschnitte oder “Bücher“ aufgeteilt. Die Kapitel 141 bilden den ersten Abschnitt bzw. das erste Buch des Psalters. Die meisten der hierin enthaltenen Psalmen stammen von David.  Das ist auch bei Psalm 3 der Fall. Kommentatoren weisen darauf hin, dass in diesem Psalm zum ersten Mal der Begriff “Psalm“, hebr. מִזמוֹר (mizmowr)  benutzt wird. Bis auf vier Psalmen (Psalm 1, Psalm 2, Psalm 10 und Psalm 33) in diesem ersten Buch des Psalters stammen alle Psalmen von David.
Wie wir aus dem Psalm selbst erfahren (Vers 1), schrieb David diese Worte nieder, als er vor seinem Sohn Absalom floh. Diese Begebenheit wird uns in 2. Samuel 15 – 18 ausführlich geschildert.¹
In Psalm 3 finden wir auch das erste Gebet in den Psalmen. Es ist dies Davids Bitte an Gott, ihn vor seinen Feinden zu bewahren.
Einige Ausleger erkennen in den Psalmen eine Vielzahl von prophetischen  Verheißungen. So werden die Psalmen 3 – 7 auch als prophetische Vorausschau auf die Leiden des jüdischen Überrestes während der “Dangsal Jakobs“ (vgl. Sacharja 13, 8 – 9, Daniel 12, 1; Jeremia 30, 4 – 10; Matthäus 24, 15 – 22)  gesehen. Unabhängig davon, ob man diese Auslegung teilt oder nicht, sind die Worte von Psalm 3 und die darin zum Ausdruck gebrachten Leiden, Erfahrungen, die wir im Leben vieler gläubiger Menschen zu allen Zeiten finden.

Anmerkungen zu Psalm 3, 1 – 9

* “Ach HERR, wie sind meiner Feinde so viel und erheben sich so viele gegen mich! Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. ‚SELA‘.“Psalm 3, 2 – 3 – David befand sich in einer schrecklichen Situation: Sein Sohn Absalom hatte sich gegen ihn erhoben und wollte ihn als König Israels vom Thron verdrängen. Dabei ging er sehr listig vor (2. Samuel 15, 6). Verrat ist immer eine schlimme Sache, die den, der verraten wird, sehr verletzen kann. Wenn aber der Verrat in der eigenen Familie geplant und ausgeführt wird, wieviel schmerzhafter muss das sein! David schüttet sein Herz vor Gott aus:  Seine Feinde sind sehr zahlreich.
Betrachtet man die Lebensgeschichte Davids eingehender, so kann man feststellen, dass er mit zunehmendem Alter auch mit zunehmender Ablehnung und Feindschaft zu tun hatte. Hierin ist er ein Typus auf den Herrn Jesus Christus: Jer näher der Herr der Erfüllung Seines Auftrags auf dieser Erde kam, desto mehr Feindschaft und Ablehnung begegneten Ihn.
In seiner Not ruft David zu Gott. Die Hilfe, die er braucht, ist ganz praktischer Natur. Wenn wir in den Psalmen von “Befreiung“ oder “Errettung“ lesen, dann geht es dabei in der Regel um Errettung aus Gefahren und Bedrohungen, weniger um “Erlösung“ im geistlichen Sinn. Gott will uns beides schenken: Hilfe für unsere Seele, aber auch Hilfe für die Anfechtungen und Bedrängnisse, die uns in unserem Alltag begegnen. Er ist ein Gott, dessen Hilfe und Fürsorge dem ganzen Mensche gilt. In 3. Johannes 2, lesen wir, dass der Apostel Johannes dem Empfänger wünscht, dass es ihm “
in allen Dingen gut gehe und (er) gesund sei, so wie es (seiner) Seele gut geht“. Einen ähnlichen Wunsch bringt der Apostel Paulus in 1. Thessalonicher 5, 23 zum Ausdruck: “(…) und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.“  In beiden Segenswünschen kommt Gottes Fürsorge für alle Bereiche unseres Menschseins zum Ausdruck. Dieses Wissen ermutigt uns zum Gebet. Kein Bereich unseres Lebens ist zu  ungeistlich oder zu unbedeutend, als dass Gott sich darum nicht kümmern möchte (Philipper 4, 6).
Während viele Menschen im Volk Israel der Meinung waren, dass Gott den alten König  verworfen habe, (“Viele sagen von mir ….“), glaubte David dies nicht. Inmitten aller Ablehnung und Anfeindung, sieht er in Gott seinen Bewahrer, seinen einzigen Schutz. Gott als Schutz der Gläubigen, dieses Thema durchzieht die Psalmen, wie kaum ein anderes².
Der Begriff “Sela“ (in manchen Übersetzungen auch “Selah“), der in diesem Psalm häufiger vorkommt, ist ein so genanntes “Tonzeichen“. Man geht davon aus, dass damit eine Ruhepause bzw. das Ende eines Psalms angegeben wird. Diese Tonzeichen gehörten wohl nicht zu den ursprünglichen Psalmtexten, sondern wurden erst in diese eingefügt, als die Psalmlieder Teil des Tempelgottesdienstes wurden.

* “Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor. Ich rufe mit meiner Stimme zum HERRN, so erhört er mich von seinem heiligen Berge. ‚SELA‘.“Psalm 3, 4 – 5  – Nachdem David über den Verrat seines Sohnes und die Abtrünnigkeit des Volkes getrauert und geklagt hat (vgl. auch 2. Samuel 15, 30), richtet er nun seinen Blick auf Gott. Beides hat bei Gott seinen Platz: Trauer und Klage, Gebet und Aufblick zu Gott. Beides ist wichtig und wenn wir unserer Trauer keinen Raum geben, in dem sie sich auszudrücken kann, dann wird sie unseren Glauben und unsere Hinwendung zu Gott blockieren. Trauer und Klage sind kein Zeichen des Unglaubens. Wenn wir mit unserem Schmerz und unserer Trauer zu Gott kommen, dann ist Er weder überrascht noch wendet Er sich angewidert ab. So, wie Gott Davids Trauer und Klage vernahm und sich ihm zuwandte, so wird Er sich auch uns zuwenden. Wenn wir unser Herz vor Ihm ausschütten, dann kann Er es mit neuer Zuversicht und Kraft füllen.
David bezeichnet Gott in diesem Vers als seinen “Schild“ (vgl. Psalm 7, 10; Psalm 18, 2; Psalm 47, 9; Psalm 59, 11; Psalm 84, 11; siehe auch 5. Mose 33, 29). Dies ist ein sehr eindrucksvolles Bild. Kommentatoren verweisen darauf, dass Soldaten sich im Alterum im Kampf gegenseitig mit ihren Schilden schützten, manchmal sogar unter Aufgabe ihres eigenen Schutzes. In dieser Zeit, in der ihn kein Mensch wirklich zu schützen vermag, wirft David sich im Vertrauen ganz auf seinen Gott. Wo der menschliche Schutz nicht mehr gewährleistet ist, wird Gott ihm zur Hilfe kommen und ihm zum “Schild“ werden, zu einem starken Schutz gegen seine Feinde.
Wenn David hier von Gott als seiner “Ehre“ spricht, dann kommt darin die Ehre zum Ausdruck, die die Zugehörigkeit zu dem allein wahren, ewigen Gott darstellt. Gläubige finden ihre Ehre nicht in sich selbst, in dem was sie tun, noch nicht einmal in dem, was sie für Gott tun, sondern allein in Gott selbst (Psalm 115, 1; Daniel 9, 18 – 19).
Davids Zuversicht gründete sich nicht auf sich selbst, auf seine Militätmacht, noch auf seine prophetische Einsicht, sie gründete sich allein  auf die Gnade Gottes und die daraus resultierende göttliche Erwählung. Der Gott, der ihn erwählt und berufen hatte, Israels König zu sein, der würde seine Königsherrschaft auch wieder herstellen. Denn er und nicht Absalom war von Gott zu diesem Dienst bestimmt worden.
Auch die Aussage, dass Gott unser “Haupt emporhebt“ findet sich häufiger in den Psalmen. Damit bringt der jeweilige Psalmist seine Zuversicht zum Ausdruck, dass Gott den jetzt Bedrängten wieder zu Ehren bringen wird (vgl. auch 1. Mose 40, 1320; 2. Könige 25, 27)

* “Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich. Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden, die sich ringsum wider mich legen.“Psalm 3, 6 – 7 – Davids Feinde hatten sich vorgenommen, ihn in der Nacht zu überfallen, zu einem Zeitpunkt also, an dem er angreifbar und – nach ihrer Meinung – schutzlos war. Diese Begebenheit wird in 2. Samuel 17, 1 – 4 beschrieben. Dort heißt es:

Und Ahitofel sprach zu Absalom: Ich will zwölftausend Mann auswählen und mich aufmachen und David nachjagen in dieser Nacht und will ihn überfallen, solange er matt und verzagt ist. Wenn ich ihn dann erschrecke und das ganze Kriegsvolk, das bei ihm ist, flieht, will ich den König allein erschlagen und das ganze Kriegsvolk zu dir zurückbringen, wie die junge Frau zu ihrem Mann zurückkehrt. Du trachtest ja nur einem Mann nach dem Leben, aber das ganze Volk soll in Frieden bleiben. Die Rede gefiel Absalom gut und allen Ältesten in Israel.“

 

Doch Ahitophels Plan wird durch einen Freund Davids an diesen verraten (vgl. 2. Samuel 17, 5 – 22) und so kann sich der König in Sicherheit bringen. David schreibt diesen Psalm nach dieser Nacht nieder. Er hat erleben dürfen, wie Gott ihn auch in einer so bedrohlichen Situation bewahrt. Das ist für ihn wie ein Unterpfand auf den kommenden, vollkommenen Sieg über seine Feinde. Wenn Gott den Plan des einen, bösen Ahitophel, der über sehr viel Einfluss an Absaloms Verräterhof verfügte, zunichte machen kann (vgl. 2. Samuel 17, 23!), dann wird Er dem König auch über die Heeresmacht seiner Feinde den Sieg schenken. 

* “Auf, HERR, und hilf mir, mein Gott! / Denn du schlägst alle meine Feinde auf die Backe und zerschmetterst der Gottlosen Zähne. Bei dem HERRN findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk! „SELA“. „Psalm 3, 8 – 9 – Doch nach diesem ersten Sieg stellt David seine Gebete nicht ein. Er hat – im Gegensatz zu der Jüngern des Herrn Jahrhunderte später (Klick!) – aus dem, was er mit Gott erlebt hat, gelernt. Darum ist David zuversichtlich, dass Gott ihm den vollkommenen Sieg schenken wird und so betet er kontinuierlich darum. Er hat auch aus dem gelernt, was er von Gott gehört hat: Gott hatte ihn berufen, der König Seines Volkes zu sein. Darum ist David gewissn, dass Gott sein Königtum in Jerusalem wieder herstellen wird. Beides – seine Erfahrungen mit Gott und das Reden Gottes zu ihm – stärken seinen Glauben so sehr, dass er in diesem Gebet Worte wählt, die seine Feinde als schon besiegt beschreiben. Für den Menschen des 21. Jahrhunderts, mag dieser Vers, wenn er ihn liest, etwas merkwürdig anmuten. Da ist die Rede davon, dass Gott den feinden “auf die Backe“ schlägt und so der “Gottlosen Zähne zerschmettert“ werden. David zeichnet seine Feinde hier im Bild wilder, reißender Raubtiere. Zu seiner Zeit waren solche Tiere eine Bedrohung, der die meisten menschen schutzlos ausgeliefert waren. Dieses Bild bringt noch einmal die Grlße der Bedrohung, der David sich ausgesetzt sah, und die damit verbundene Angst zum Ausdruck. Aber Davids Worte machen zugleich auch deutlich, dass durch das mächtige Eingreifen Gottes aus solchen raubtierhaften Feinden “zahnlose Tiger“ werden können.
Im letzten Vers dieses Psalms fasst David die Lehre seiner Erfahrung zusammen, die er auch seinen Zuhörern und den Generationen danach vermitteln möchte: “Bei dem Herrn findet man Hilfe.“:

  • Bei dem Herrn findet man Hilfe, ganz unabhängig davon, wieviel Feinde einem gegenüberstehen.
  • Bei dem Herrn findet man Hilfe, ganz egal wie mächtig und einflussreich die Verschwörer, die gegen mich auftreten, sind.
  • Bei dem Herrn findet man Hilfe – ganz egal, welche hinterlistigen Taktiken die Feinde planen.
  • Bei dem Herrn findet man Hilfe – auch wenn die Auseinandersetzungen sich lange hinziehen mögen.

Von David lernen

In 1. Korinther  10, 11 (REVEBF) schreibt der Apostel Paulus über die Berichte des Alten Testaments:

“Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist.“

Wir sollen allso die Berichte des Alten Testaments studieren, um daraus für unser Leben zu lernen. Was können wir von Davids Bericht in Psalm 3 lernen?

  • Wir können Gott unser Leid klagen im festen Vertrauen darauf, dass Er uns hören und uns nicht abweisen wird
  • Wir sollten aus unseren vergangenen Erfahrungen mit Gott lernen, damit wir  zuversichtlich und  glaubensvoll beten können
  • Wir dürfen nach einem ersten Etappensieg nicht aufgeben, sondern sollten  kontinuierlich bis zur vollkommenen Erfüllung unserer Anliegen weiter beten
  • Wir sollten aus  dem von Gott Gehörten lernen und wissen, dass Gott Seine Gaben und Berufungen nicht zurückzieht  (Römer 11, 29) – das wird unseren Glauben stärken und uns zum Gebet motivieren

Fußnoten:

¹= Die 14 Psalmen, die von historischen Geschehnissen berichten, sind  Psalm 3, Psalm 7, Psalm 18, Psalm 30, Psalm 34, Psalm 51, Psalm 52, Psalm 54, Psalm 56, Psalm 57, Psalm 59, Psalm 60, Psalm 63 und Psalm 142).

²= siehe z.B. Psalm 7, 10; Psalm 18, 2 + 30; Psalm 28, 7; Psalm 33, 20; Psalm 59, 11; Psalm 84, 11; Psalm
115, 9 – 11; Psalm 119, 114; Psalm 144, 2)

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