Glaube, der im Alltags sichtbar wird – Anmerkungen zu Titus 2, 1 – 15

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Sonnenaufgang über Bethlehem * Foto: W. Broemme / pixelio.de

Glaube, der im Alltag sichtbar wird – Anmerkungen zu Titus  2, 1 – 15

Das Bibelwort, das der Wortverkündigung am 25. Dezember zugrunde liegen soll, entstammt dem Titusbrief (zum Hintergrund des Titusbriefes siehe: Klick!). Zum besseren Verständnis betrachten wir Titus 2, 11 in seinem Kontext:

„Du aber rede, was der gesunden Lehre geziemt: dass die alten Männer nüchtern seien, würdig, besonnen, gesund im Glauben, in der Liebe, im Ausharren; die alten Frauen ebenso in ihrem Betragen, wie es dem heiligen Stand geziemt, nicht verleumderisch, nicht Sklavinnen von vielem Wein, Lehrerinnen des Guten; damit sie die jungen Frauen unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig, sich den eigenen Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert werde. Die jüngeren Männer ermahne ebenso, besonnen zu sein, indem du in allem dich selbst als ein Vorbild guter Werke darstellst; in der Lehre Unverfälschtheit, würdigen Ernst, gesunde, nicht zu verurteilende Rede, damit der von der Gegenpartei beschämt wird, da er nichts Schlechtes über uns zu sagen hat. Die Knechte ermahne, sich ihren eigenen Herren unterzuordnen, in allem wohlgefällig zu sein, nicht widersprechend, nichts unterschlagend, sondern alle gute Treue erweisend, damit sie die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, zieren in allem. Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken. Dies rede und ermahne und überführe mit allem Nachdruck. Lass niemand dich verachten!“

(Titus 2, 1 – 15; ÜELBEDHÜ)

 

Ein Leben, das das Evangelium ausstrahlt

Bereits in dem erwähnten Hintergrundartikel zum Titusbrief habe ich darauf hingewiesen, dass dieser Brief viele Hinweise des Apostels Paulus in Bezug auf den Lebensstil des Gläubigen enthält:

“Während in den Briefen an Timotheus der Schwerpunkt auf der rechten christlichen Lehre liegt, betont Paulus im Brief an Titus mehr das rechte Verhalten des Christen. Dabei nehmen insbesondere die aus dem Glauben entspringenden guten Werke (Titus 1, 8 + 16; Titus 2, 7 + 14; Titus 3, 1 + 8 + 14) und das vorbildhafte Verhalten des Christen als Zeugnis in einer glaubenslosen Umgebung (Titus 2, 5, + 7 + 8, + 10, + 11; Titus 3, 1 + 8) einen wichtigen Platz ein.“ 

Das heute zu betrachtende Textwort begegnet uns genau in diesem Kontext.

* “Du aber rede, was sich der gesunden Lehre geziemt (…)“Titus 2, 1 – An sehr vielen Stellen in seinen Briefen betont der Apostel Paulus die Bedeutung der unverfälschten biblischen Glaubenslehre (siehe dazu z.B. 1. Timotheus 1, 10; 1. Timotheus 6, 3; 2. Timotheus 1, 13; 2. Timotheus 4, 3; Titus 1, 913). Immer wieder fordert der Apostel seine Mitarbeiter mit Nachdruck dazu auf, auf die gesunde Lehre zu achten und falsche Lehren zu widerlegen. Der Grund dafür ist z.B. aus Titus 1, 16a deutlich zu erkennen. Dort heißt es:

“Sie sagen, sie kennen Gott, aber mit den Werken verleugnen sie ihn (..)“

Dieser Vers bezieht sich auf Irrlehrer, also auf Menschen, die – unter dem Deckmantel des christlichen Glaubens – eine falsche Lehre bringen. Diese Menschen  (und ihre falsche Lehre) konnte man an ihrem Lebenswandel erkennen. Denn dieser Lebenswandel war ganz eindeutig nicht in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes. Nicht immer kann man an den Worten eines Menschen seine wahre Absicht erkennen. Nicht immer verraten sich solche Menschen durch ihre Sprache. Vielleicht machten diese falschen Lehrer viele schöne, fromme Worte. Aber hinter ihren Worten verbargen sie eine ganz andere Absicht. Paulus war solchen Menschen begegnet und er warnte die Gläubigen in Rom (und uns!) vor ihnen:

“Ich ermahne euch aber, Brüder, dass ihr achthabt auf die, welche entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, Zwistigkeiten und Ärgernisse anrichten, und wendet euch von ihnen ab! Denn solche dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch süße Worte und schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen.“

(Römer 16, 17 – 18)

In ähnlicher Weise ermahnt auch der Apostel Johannes die Empfänger seines ersten Briefes Und uns!):

“Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit (…)“

(1. Johannes 1, 6)

Falsche, dem Wort Gottes widersprechende Lehre, kann also nicht zu einem  Lebensstil führen, der dem Evangelium Jesu Christi entspricht. Darum ist es so wichtig, dass falsche Lehren (od. Irrlehren), die in die Gemeinschaft der Gläubigen eindringen wollen, aufgedeckt und gründlich widerlegt werden.
Falschen Lehrern (od. Irrlehrern) darf in der Gemeinschaft der Gläubigen kein Platz gewährt werden. Denn das gefährliche Wesen der falschen Lehre (od. Irrlehre) wird ja nicht erst dann wirksam, wenn “ein Mensch (dadurch) in die ewige Verdammnis (ge)führt wird, wenn er daran glaubt“, sondern schon viel früher. Indem falsche Lehre (od. Irrlehre) zu einem Lebenswandel führt, der nicht in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes steht, wird das Zeugnis des Gläubigen unwirksam gemacht und so das Evangelium Jesu Christi vor einer ungläubigen Welt verdunkelt.¹ Aus diesem Grund warnt uns der Apostel Paulus vor jedem Kontakt mit falscher Lehre (od. Irrlehre) und sei die “genossene Portion“ auch noch so klein:

“Ihr kamt so gut voran! Wer hat euch nur davon abgebracht, weiterhin der Wahrheit zu folgen? Die Argumente, mit denen man euch überredet, kommen nicht von dem, der euch ´zum Glauben` ruft. ´Denkt daran:` Die kleinste Menge Sauerteig genügt, um den ganzen Teig zu durchsäuern!

(Galater 5, 7 – 9; NGÜ)

Auch dieser Hinweis des Apostels Paulus wird durch den Apostel Johannes bestätigt, wenn er schreibt:

“Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmet nicht auf in euer Haus und grüßet ihn nicht!  Denn wer ihn grüßt, macht sich teilhaftig seiner bösen Werke.

(2. Johannes 10 – 11)

Im Gegensatz zu falscher Lehre (od. Irrlehre), die nicht zu einem Leben führen kann, das in Übereinstimmung mit dem Evangelium steht, führt die gesunde Lehre des Wortes Gottes zu einem Leben, durch das das Evangelium ausgestrahlt wird. Denn die gesunde Lehre des Wortes Gottes richtet den Gläubigen auf Jesus Christus aus und lässt ihn so im Glauben reifen:

“(…) damit wir nicht mehr Unmündige seien, umhergeworfen und herumgetrieben von jedem Wind der Lehre, durch die Spielerei der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen, sondern daß wir, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken in ihm, der das Haupt ist, Christus, von welchem aus der ganze Leib, zusammengefügt und verbunden durch alle Gelenke, die einander Handreichung tun nach dem Maße der Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Gliedes, das Wachstum des Leibes vollbringt, zur Auferbauung seiner selbst in Liebe.“

(Epheser 4, 14 – 16)

Damit die Gläubigen durch ihren täglichen Lebenswandel ein glaubhaftes Zeugnis für Jesus Christus und für die durch Ihn der Welt angebotenen Erlösung sein können, müssen sie

* “(…) dass die alten Männer nüchtern seien, würdig, besonnen, gesund im Glauben, in der Liebe, im Ausharren; die alten Frauen ebenso in ihrem Betragen, wie es dem heiligen Stand geziemt, nicht verleumderisch, nicht Sklavinnen von vielem Wein, Lehrerinnen des Guten (…) indem du in allem dich selbst als ein Vorbild guter Werke darstellst; in der Lehre Unverfälschtheit, würdigen Ernst, gesunde, nicht zu verurteilende Rede, damit der von der Gegenpartei beschämt wird, da er nichts Schlechtes über uns zu sagen hat. (…) damit sie die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, zieren in allem.“ – Titus 2, 2 – 10 – In diesen Versen führt der Apostel nun eine Vielzahl von Einzelheiten auf, die den christlichen Lebenswandels in unterschiedlichsten Lebensumfeldern ausmachen und er erläutert, warum dieser, mit dem Wort Gottes im Übereinstimmung stehende Lebenswandel, so wichtig ist: Nur so kann der Christ  glaubwürdiges Zeugnis in einer von Gott entfremdeten Welt sein. Jemand hat einmal gesagt, dass die einzige Bibel, in der viele Menschen “lesen“, das Leben der Christen sei, mit denen sie in Kontakt kommen. Diese Aussage gilt heute mehr denn je. Zwar kann man davon ausgehen, dass es in den meisten deutschen Haushalten (irgendwo) eine Bibel gibt. Gemäß einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts “Allensbach“ aus dem Jahr 2005, lesen jedoch 62 % der Deutschen nie (!) in ihrer Bibel (Klick!)! Das sind fast zwei Drittel der deutschen Bevölkerung. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Anzahl der Menschen, die sich in Deutschland als >>Christen<< bezeichnen, ebenfalls auf 62 % belaufen soll (Klick!) ….  Diese Zahlen zeigen nicht nur eindrücklich, dass Deutschland mittlerweile ein Missionsland ist, sie bezeugen auch, dass die Aufforderung des Apostels Paulus bis heute nichts an ihrer Aktualität und Dringlichkeit verloren hat. Damals wie heute ist der mit dem Evangelium Jesu Christi in Übereinstimmung stehende Lebenswandel eines Gläubigen oft die einzige Möglichkeit, einen anderen Menschen mit der Heilsbotschaft Gottes bekannt zu machen. 

Ein Leben, dessen Kraft die Gnade ist 

* Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken.“Titus 2, 11 – 14 – Nachdem Paulus zuerst deutlich gemacht hat, dass eine christliche Lebenspraxis, die das Evangelium überzeugend ausstrahlen will,  ihre Wurzeln nur in der gesunden Lehre des Wortes Gottes haben kann, und nachdem er dann klare Hinweise für das Verhalten der Gläubigen gegeben hat, kommt er nun in Titus 2, 11 auf die (einzige) Kraft zu sprechen, durch die ein solcher Lebenswandel erst möglich wird: die Gnade Gottes. Diese Ausführungen beginnen in unseren deutschen Bibelübersetzungen mit dem Wort “denn“ – einer kausale Hauptsatzkonjunktion. Durch sie wird ein Hauptsatz eingeleitet, in dem der Grund für das, was vorher gesagt wurde, genannt wird. Bzgl. Titus 2, 11 bedeutet das, dass wir so leben können (und sollen), wie es der Apostel beschrieben hat, weil die Gnade Gottes in der Person Jesu Christi erschienen ist. Ein Leben in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes, ein Leben, das das Evangelium zu anderen Menschen ausstrahlt, ist möglich, weil die Gottes Gnade durch unseren Herrn Jesus Christus in unserem Leben wirksam ist. Ohne diese Gnade, die wir durch Jesus Christus empfangen, ist ein solches Leben undenkbar. Wir können zwei Aspekte dieser Gnade in unserem Leben unterscheiden:

1. Durch das Kommen Jesu Christi in diese Welt (Sein Leben, Seinen Dienst, Sein stellvertretendes Sühnopfer am Kreuz von Golgatha, Seine Auferstehung und Himmelfahrt) erhalten alle Menschen die Möglichkeit, erlöst und so mit Gott versöhnt zu werden (vgl. Johannes 3, 16; Epheser 2, 5; 2. Timotheus 1, 9; 2. Timotheus 2, 4 – 6; 2. Timotheus 4, 10). Paulus benutzt zur Beschreibung dieses Ereignisses den griechischen Begriff “ἐπιφαίνω“ (“epiphaino“), deutsch “Erscheinung“, “Auftreten“. D. Edmond Hiebert merkt in seinem Kommentar zum Titusbrief² an, dass der Apostel auf diese Weise mit Nachdruck darauf hinwiesen will, dass es sich bei  der “Erscheinung der Gnade“ in der Person Jesu Christi um ein reales, historisches Geschehen handelt. Erst ab diesem Zeitpunkt  ist die Erfahrung vollkommener, göttlicher Gnade in der Geschichte der Menschheit möglich.³

2. Doch die Gnade Gottes – ”χάρις” (”charis”) – ist mehr als nur “unverdiente Güte” oder “Begnadigung”, d.h. Erlass der/einer Strafe, die mit unserer Erlösung, also am Beginn unseres Glaubenslebens, empfangen. ”χάρις” ist auch “der göttliche Einfluss auf das Objekt der Gnade”4, eine Gabe bzw. eine Kraft, die das Objekt der Gnade befähigt bzw. in den Stand versetzt, das zu tun, was von ihm verlangt wird. Ein irischer Bibelkommentator spricht daher auch sehr treffend von “the energy of Grace”, zu deutsch ”die Energie bzw. Kraft der Gnade”5. Diese Kraft bzw. Energie der Gnade empfangen wir durch die tägliche, beständige Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus. Auf diese Weise werden wir in die Lage versetzt, ein Leben nach Seinem Willen führen zu können.

Unterwiesen durch die Gnade für das tägliche Leben

Wer sich so der Gnade Gottes öffnet, durch sie die (einmalige) Erlösung und die (tägliche) Ausrüstung mit Kraft zu einem, dem Willen Gottes entsprechenden Lebenswandel empfängt, der wird auch durch die Gnade Gottes unterwiesen. Während in Titus 2, 1 das Wort “διδάσκω“ (“didasko“), “lehren“ im Sinne von “Belehrung“, “Lehrsätze“, benutzt wird, gebraucht der Apostel Paulus in Titus 2, 11 das Wort “παιδεύω“ (“paideuo“). Damit ist eine ganz praktische Unterweisung gemeint, ein Training, wie man es Kindern für das alltägliche Verhalten gibt. Dadurch wird zweierlei deutlich:

1. Die Unterweisung in der Gnade ist nicht eine einmalige Sache, die zu einem sofortigen, hundertprozentigen Ergebnis kommt, sondern sie findet in Form eines schrittweisen Wachstumsprozesses statt (vgl. 2. Petrus 3, 18!) und

2. Die Unterweisung der Gnade zielt nicht auf eine Vermehrung unseres  (geistlichen) Wissens ab. Ihr Ziel ist es, dass wir das, was wir aus Gottes Wort, der Bibel, lernen ganz praktisch in unserem Alltag umsetzen. Dabei gibt es eine “negative“ und eine “positive“ Seite: Weil Jesus Christus uns von der Gottlosigkeit erlöst hat (Galater 1, 4), wenden wir uns nun auch praktisch von der Gottlosigkeit ab, egal in welcher Form sie uns im Alltag begegnet (Römer 12, 2). Weil Jesus Christus uns von der Gottlosigkeit erlöst hat (Römer 5, 6), wenden wir uns ganz praktisch von der Lust nach allem ab, das nicht in Übereinstimmung mit Gottes Willen steht (1. Johannes 2, 15 – 17). Gleichzeitig – und hier haben wir den positiven Aspekt – wenden wir uns aber allem zu, was besonnen, gerecht und Gott wohlgefällig ist. Auf diese Weise bereiten wir uns auch ganz praktisch auf das Ereignis vor, das uns in Titus 2, 13 verheißen wird.

Unterwiesen durch die Gnade mit einem Ziel

An zwei Stellen im 1. Johannesbrief werden wir auf die Bedeutung unserer praktischen Vorbereitung auf das Kommen Christi für die Gläubigen hingewiesen:

“Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir Freimütigkeit haben, wenn er erscheint, und uns nicht schämen müssen vor ihm bei seiner Wiederkunft.“

(1. Johannes 2, 28)

“Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich, gleichwie auch Er rein ist.“

(1. Johannes 3, 3)

Auch im zweiten Kapitel des Titusbriefes folgt auf die Belehrung über den zeugnishaften Lebensstil des Christen und wie dieser ganz praktisch umgesetzt werden kann, der Hinweis auf das Kommen des Herrn für die Gläubigen:

“(…) und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus, (…)“

(Titus 2, 13)

Als Christen warten wir auf die “Erscheinung (….) unseres Heilands Jesus Christus“. Jesus Christus wird wiederkommen, so wie Er es selbst verheißen hat (Johannes 14, 1 – 3). In diesem Satz benutzt Paulus ebenfalls den griechischen Begriff “ἐπιφαίνω“ (“epiphaino“), deutsch “Erscheinung“, “Auftreten“. Wie oben ausgeführt, schreibt D. Edmond Hiebert in seinem Kommentar zum Titusbrief², dass der Apostel durch die Benutzung dieses Begriffs mit Nachdruck deutlich machen will, dass es sich bei  der “Erscheinung der Gnade“ in der Person Jesu Christi um ein reales, historisches Geschehen handelt. Wenn Paulus also im Zusammenhang mit dem zweiten Kommen Christi diesen Ausdruck ebenfalls benutzt, dann können wir davon ausgehen, dass er damit deutlich machen möchte, dass es sich bei dem zweiten Kommen Christi um ein ebenso reales und historisches Ereignis handeln wird. Diese Überzeugung wird auch durch die Verheißung der Engel gegenüber den Aposteln bei der Himmelfahrt Christi unterstützt:

“Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr hier und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird in gleicher Weise wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“

(Apostelgeschichte 1, 11)

Das in Titus 2, 13 gebrauchte griechische Wort “προσδέχομαι“ (“prosdechomai“), “erwarten“, drückt eine zuversichtliche, geduldige Erwartung aus. Das Wort steht im Präsens, was darauf hinweist, dass diese Haltung der zuversichtlichen, geduldigen Erwartung die den Christen kennzeichnende Einstellung sein soll. Während der Christ in dieser Weise das Kommen seines Herrn zur Entrückung (1. Thessalonicher 4, 15 – 18) erwartet, wird er – motiviert und unterwiesen durch die Gnade Gottes – ein Leben führen, dass darauf ausgerichtet ist, Gott zu verherrlichen und andere Menschen mit dem Evangelium bekannt zu machen.

So wichtig es ist, dass jeder einzelne Christ die in Titus 2, 1 ff. enthaltene Belehrung ernst nimmt und sich von der Gnade Gottes nicht nur erlösen, kräftigen, sondern auch unterweisen lässt, so wichtig ist es, dass alle Gläubigen sich in diesen “Gandenkreislauf“ hineinnehmen lassen. Gottes Wunsch und Ziel sind keine “Einzelkämpfer“. Gottes Wunsch und Ziel ist ein “Eigentumsvolk, das eifrig ist zu guten Werken“ (Titus 2, 14). Aus diesem Grund brauchen wir alle immer wieder gegenseitige Ermutigung und auch Ermahnung (Titus 2, 15): Ermutigung dazu, dass wir die Kraft der Gnade immer wieder neu “anzapfen“ (Johannes 1, 16), indem wir beständig in der Lebensgemeinschaft mit Christus bleiben und darin wachsen. Ermahnung, damit, wenn wir in den vielfältigen Anforderungen des Alltags die Unterweisung der Gnade aus den Augen verloren haben, wir uns ihr wieder neu zuwenden und uns von ihr für ein Leben in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes trainieren lassen.

Fußnoten:

¹= Eine Beispiel in diesem Zusammenhang ist die falsche Lehre des so genannten “Wohlstandsevangeliums“. Viele Verkündiger dieses “Evangeliums“ reißen die biblischen Verheißungen, die Gott dem Volk Israel für das kommende Millennium gegeben hat, aus ihrem Zusammenhang und wenden sie auf die heute lebenden, christlichen Gläubigen an. Dabei stellen sie Gott als Erfüller menschlicher Wünsche dar, der den Gläubigen mit Wohlstand und Gesundheit nur so überschütten wird, wenn der Christ nur “richtig“ glauben würde. Diese falsche Lehre propagiert nicht nur – unausgesprochen – eine sehr subtile Form der Ersatztheologie (d.h. der Behauptung, die christliche Versammlung [Gemeinde/Kirche] habe Israel als Volk Gottes ersetzt), sie vermittelt auch ein völlig dem Neuen Testament widersprechendes Verständnis Gottes. Wo aber ein falsches Verständnis von Gott  vermittelt wird, wird auch ein falscher Gott angebetet und verkündigt.

²= D. Edmond Hiebert: “Titus“ in: “Ephesians-Philemon“,  The Expositor’s Bible Commentary, Vol. 11, Edited by Frank E. Gaebelein/J. D. Douglas,  Zondervan Publishing House, Grand Rapids 1978, S. 439

³= Weitere, detailliertere Ausführungen zur  erlösenden Gnade Gottes finden sich in den Artikeln “Der Reichtum Seiner Gnade“: Klick! und “Gnade ist mehr“: Klick!

4= vgl. Thayer, Joseph Henry: ‘Thayer’s Greek-English Lexicon of the New Testament”, New York: Harper & Brothers, 1889, Seite 665 f., Anmerkung zu ”χάρις”

5= vgl. J.N. Darby: ”Betrachtungen über das Wort Gottes”, Band 4 (”Matthäus – Johannes”), Ernst-Paulus-Verlag Neustadt/Weinstraße, o. J., Seite 406, Fußnote zu Lukas 14.  

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