Freude in Zukunft und Gegenwart – Anmerkungen zu Jesaja 65, 18 – 19

Anmerkungen zu Jesaja 65, 18 – 19

Am kommenden Sonntag soll ein Bibelwort aus dem Buch des Propheten Jesaja als Grundlage der Wortverkündigung dienen (zum Hintergrund des Propheten Jesaja siehe: Klick!). Nachfolgend lesen wir den Predigttext im Zusammenhang: des Sinnabschnittes, zu dem er gehört:

“Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude,und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.“

(Jesaja 65, 17 – 25; LUTH’84)

Verheißungen für ein niedergeschlagenes Volk

Auch die Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja, die wir heute betrachten wollen, erreichten die Israeliten während sie sich noch in der babylonischen Gefangenschaft befanden. Es sind Worte der Verheißung, Worte der Ermutigung an ein niedergeschlagenes Volk. Gott eröffnet seinem Volk Israel in diesem  Abschnitt einen weiten Blick in die Zukunft. Dabei wird der Focus primär auf die Segnungen gerichtet, die das Volk Israel in dem Friedensreich, das Er aufrichten wird, empfangen soll.
Bereits von in dem großen Abschnitt von Jesaja 63, 1 bis  Jesaja 65, 16 wird uns gezeigt, dass die Untreue Israels Gott nicht davon abhalten wird, in großer Treue die  Verheißungen zu erfüllen, die Er diesem Volk gegeben hat. Mehr noch, Gott wird nicht nur Seine Verheißungen erfüllen, Er wird auch einen Erneuerungsprozess einleiten, durch den es möglich sein wird, dass alle Menschen in einem Umfeld leben können, in dem Gerechtigkeit herrscht. Wenn wir in Jesaja 65, 17 von neuen Himmeln und einer neuen Erde lesen, dann wird mit diesen Worten primär der Erneuerungsprozess der Schöpfung während des kommenden Friedensreiches, dem Millennium, beschrieben und noch nicht der Zustand der (später folgenden) neuen Schöpfung. Der Prophet Jesaja spricht zwar von „neuen Himmeln und einer neuen Erde“, doch diesen endgültigen Zustand streift er nur leicht. Hauptsächlich  beschreibt er das auf 1000 Jahre begrenzte Friedensreich Gottes und die Zustände, die darin herrschen werden. Seine Beschreibung der “neuen Himmel und der neuen Erde“ ist nicht so ausführlich, wie die, die wir im Neuen Testament finden. Erst  bei dem Apostel Johannes (Offenbarung 20, 4 – 6; Offenbarung 21, 1) und dem Apostel Petrus (2. Petrus 3, 13) wird uns der ewige Zustand dieser neuen Schöpfung beschrieben. Ich habe auf diesen Unterschied bereits in einem früheren Artikel hingewiesen (Klick!). So, wie sich am Pfingstfest 33. n. Chr. die prophetische Verheißung aus Joel 3, 1 – 5 teilerfüllte und den Zeitabschnitt der “letzten Tage“ einläutete (vgl. Apostelgeschichte 2, 14 ff.), so wird die Aufrichtung des Millenniums den Beginn der Erneuerung der ganzen Schöpfung markieren. Am Ende dieses göttlichen Erneuerungsprozesses wird eine neue Schöpfung stehen, die unfassbar besser sein wird als alles, was Menschen jemals kannten. Die Herrlichkeit des neuen wird so großartig sein, dass alle Erinnerung des Vergangenen dadurch verblassen wird:

“Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, also daß man der frühern nicht mehr gedenkt und sie niemand mehr in den Sinn kommen werden (…)“

(Jesaja 65, 17)

Gott verhieß Seinem Volk also nicht nur, dass Er es aus der Gefangenschaft in Babylon erretten würde, sondern auch, dass Er für es (und alle Menschen) eine ganz neue Erde schaffen würde. Diese Verheißung sollte dem Volk Israel Zuversicht verleihen und es motivieren Gott wieder neu und mit ganzer Hingabe zu dienen.
Ich habe bereits in vergangenen Artikel auf das “Gesetz der doppelten Erwähnung (oder Bezugnahme)“ erwähnt, dass wir bei der Auslegung biblischer Prophetie beachten müssen¹. Das gilt auch für den Abschnitt Jesaja 65, 17 ff. Wie wir wissen, ging Gottes Verheißung, die Israeliten aus der Gefangenschaft in Babylon zu befreien und sie in ihr Land zurückkehren zu lassen, im Jahr 539 v. Chr.  durch den Sieg Kyros II. über die Babylonier in Erfüllung. Darum dürfen die wir auch die Erfüllung der weiteren Verheißungen in diesem Abschnitt mit großer Zuversicht erwarten.

Die Freude der zukünftigen neuen Schöpfung

Die erste Segnung, die in Jesaja 65 erwähnt wird, ist die Freude:

“Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.“

(Jesaja 65, 18 – 19)

Die bisherige Schöpfung verlor durch den Sündenfall ihre Herrlichkeit und Reinheit. Aufgrund der Sünde und des aus ihr resultierenden Todes (Römer 5, 23) kann  diese Schöpfung kein Ort dauerhafte Freude und dauerhaften Friedens mehr sein. Sie war und ist vielmehr geprägt von Traurigkeit, Leiden und Verlust. Der Prophet Jesaja musste diesen Zustand der Erde häufig erwähnen. Eine besonders eindrückliche Beschreibung finden wir in Jesaja 24, 4 – 12:

“Das Land verdorrt und verwelkt, der Erdkreis verschmachtet und verwelkt, die Höchsten des Volks auf Erden verschmachten. Die Erde ist entweiht von ihren Bewohnern; denn sie übertreten das Gesetz und ändern die Gebote und brechen den ewigen Bund. Darum frisst der Fluch die Erde, und büßen müssen’s, die darauf wohnen. Darum nehmen die Bewohner der Erde ab, sodass wenig Leute übrig bleiben. Der Wein ist dahin, der Weinstock verschmachtet, und alle, die von Herzen fröhlich waren, seufzen.Die Freude der Pauken ist vorüber, das Jauchzen der Fröhlichen ist aus, und die Freude der Harfe hat ein Ende. Man singt nicht beim Weintrinken, und das Getränk ist bitter denen, die es trinken. Die Stadt ist zerstört und wüst, alle Häuser sind verschlossen, dass niemand hineingehen kann. Man klagt um den Wein auf den Gassen, dass alle Freude weg ist, alle Wonne des Landes dahin ist. Nur Verwüstung ist in der Stadt geblieben, und die Tore sind in Trümmer geschlagen.“

Gott lässt dieser bedauernswerte Zustand Seiner Schöpfung nicht “kalt“. Er leidet unter dem der Sünde Seines Volkes:

“Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich! Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist; nach einem Volk, das mich beständig ins Angesicht kränkt: Sie opfern in den Gärten und räuchern auf Ziegelsteine (..)“

(Jesaja 65, 1 – 3)

Dieser Zustand der Trauer und des Leidens – für Gott und für Sein Volk – wird mit dem Beginn der neuen Schöpfung ein Ende finden. Die Sünde (und alle ihren bösen Folgen) werden im endgültigen Zustand der neuen Schöpfung nicht mehr zu finden sein, keinen Platz mehr haben. Die Sünde wird sich nie wieder trennend zwischen Gott und Sein Volk stellen können und das wird der Grund für unendliche Freude sein. Das Volk wird sich freuen, weil es endlich frei ist – frei von der Sünde, frei von irdischen feinden, die es unterdrückten und bedrohten, frei zu einen ungetrübten Beziehung zu Gott.  Einen Vorgeschmack auf diese ewige Freude wurde ihnen schon in der Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft gegeben. In Psalm 126, 1 – 3 wird die Freude beschrieben, die die Rückkehrer empfanden, als sie wieder nach Jerusalem kamen:

“Ein Wallfahrtslied. Als der HERR die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Jubel; da sagte man unter den Heiden: «Der HERR hat Großes an ihnen getan!»  Der HERR hat Großes an uns getan, wir sind fröhlich geworden.

Allerdings war die Freude über die Rückkehr aus Babylon nicht dauerhaft. Denn wieder und wieder wurde Jerusalem von Feinden überrannt, die das Land einnahmen und das Volk unterdrückten. Doch diese Gefahr wird in der neuen Schöpfung Gottes ein für allemal gebannt sein. Jede Furcht wird der ewigen Freude weichen müssen. Die Verse ab Jesaja 65, 20 ff. machen deutlich, dass in dieser neuen Schöpfung der Fluch der Sünde, der sich auch auf das Arbeitsleben des Menschen erstreckte (1. Mose 3, 17 – 19) aufgehoben ist. Menschen werden Raum und Zeit haben, Gutes zu tun. Ihre Arbeit wird gesegnet sein und sie werden die Früchte dieser Arbeit genießen können. In Jesaja 65, 24 lesen wir:

“Und es soll geschehen, ehe sie rufen, will ich antworten, wenn sie noch reden, will ich sie erhören!“

Hier wird der Gedanke aus den Versen 18 und 19 neu aufgegriffen, dass  vollkommene Harmonie – und damit verbunden auch eine ungestörte Kommunikation – zwischen Gott und dem Menschen dann möglich sein wird. Das alles ist eine Quelle der Freude an Gott für das Volk, gleichermaßen aber auch für Gott. 

Die Freude der gegenwärtigen neuen Schöpfung

Heute schon haben alle, die durch Jesus Christus Vergebung ihrer Sünden (1. Johannes 1, 7 – 9) und ewiges Leben (Johannes 5, 24) empfangen, indem sie Buße tun (Apostelgeschichte 2, 28), Anteil an dieser neuen Schöpfung:

“Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.“

(2. Korinther 5, 17)

“Und der auf dem Throne saß sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht zu mir: Schreibe, denn diese Worte sind gewiß  und wahrhaftig.“

(Offenbarung 21, 5)

Aus diesem Grund müssen wir auch nicht mehr bis zur völligen Erneuerung der Schöpfung warten, ehe wir uns an Gott erfreuen können und Gott sich an uns erfreuen kann. Durch das Opfer Jesu Christi sind uns die Sünden vergeben worden:

“Da wir nun durch den Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unsren Herrn Jesus Christus,  durch welchen wir auch im Glauben Zutritt erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.“

(Römer 5, 1 – 2)

Gott hat uns zu Seinen Kindern gemacht und wir dürfen Ihn unseren Vater nennen:

“Weil ihr denn Söhne seid, hat Gott den Geist Seines Sohnes in eure Herzen gesandt, der schreit: Abba, Vater!  So bist du also nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe Gottes durch Christus.“

(Galater 4, 6 – 7)

Von dieser Liebe Gottes kann uns nichts – absolut nichts – mehr trennen:

„Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?Welcher sogar seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott, der sie rechtfertigt? Wer will verdammen? Christus, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der uns auch vertritt?  Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: «Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wir sind geachtet wie Schlachtschafe!» Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,  weder Hohes noch Tiefes, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unsrem Herrn!“

(Römer 8, 31 – 39)

Im Vertrauen auf diese unverbrüchliche Liebe Gottes können wir voll Freude in der Gemeinschaft mit Gott den Weg gehen, den Er uns führt. Das neue, ewige Leben Gottes in uns ist das Pfand, die Zusage, die Gott uns gibt, dass Er – zu Seinem Zeitpunkt – diese ganze Schöpfung erneuern wird (Epheser 1, 14). Jedes mal, wenn wir Zeit in Seiner Nähe verbringen, wird diese Freude und damit unsere Kraft erneuert:

“Du wirst mir kundtun den Weg des Lebens; Fülle  von Freuden ist vor deinem  Angesicht, Lieblichkeiten in  deiner Rechten immerdar“

(Psalm 16, 11)

“(…) darum bekümmert euch nicht, denn die Freude am HERRN ist eure Stärke!“

(Nehemia 8, 10)

Fußnoten:

¹= Zum ”Gesetz der doppelten Erwähnung” / ”Gesetz der doppelten Bezugnahme” siehe die ausführliche Fußnote 1 im Artikel ”’Bereitet dem Herrn den Weg’ – Anmerkungen zu Jesaja 40, 3″: Klick!


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