Anmerkungen zu Psalm 6, 5

 

Für die Wortverkündigung am heutigen Mittwoch wurde ein Vers aus Psalm 6 gewählt. Zum besseren Verständnis betrachten wir dieses Wort im Zusammenhang des gesamten Psalms:

Ein Psalm Davids, vorzusingen, beim Saitenspiel auf acht Saiten. Ach HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! HERR, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind erschrocken und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach du, HERR, wie lange! Wende dich, HERR, und errette mich, hilf mir um deiner Güte willen! Denn im Tode gedenkt man deiner nicht; wer wird dir bei den Toten danken? Ich bin so müde vom Seufzen; / ich schwemme mein Bett die ganze Nacht und netze mit meinen Tränen mein Lager. Mein Auge ist trübe geworden vor Gram und matt, weil meiner Bedränger so viele sind. Weichet von mir, alle Übeltäter; denn der HERR hört mein Weinen. Der HERR hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der HERR an. Es sollen alle meine Feinde zuschanden werden und sehr erschrecken; sie sollen umkehren und zuschanden werden plötzlich.“

(Psalm 6, 1 – 11; LUTH’84)

 

Zum Hintergrund der so genannten Buß- bzw. Klagepsalmen Davids

In verschiedenen Bibelübersetzungen (z. B. auch der Lutherübersetzung von 1984) ist dieser Psalm mit der Überschrift “Der erste Bußpsalm“ versehen. Lange Zeit wurden die Psalmen 6, 32, 38, 51, 102, 130 und 143 als die “sieben Bußpsalmen Davids“ bezeichnet. Darunter versteht/verstand man Psalmen, in denen David Sünden bekennt, die er getan hatte und an deren Konsequenzen er nun litt. Zwischenzeitlich rechnen viele Ausleger Psalm 6 jedoch nicht mehr zu den “Bußpsalmen Davids“, sondern zu den “Klagepsalmen Davids“¹, da sich in Psalm 6 kein konkretes Sündenbekenntnis findet.
In Psalm 6 beklagt David eine schwere Krankheitssituation. Außerdem gibt es Feinde, die ihm sehr zusetzen. Es geht aus dem Psalm – und meines Wissens auch aus keiner anderen Stelle in der Heiligen Schrift – hervor, was zu dieser notvollen Situation geführt hat, in der David sich befindet.  Er selbst sieht darin eine zeitliche Strafe Gottes für (im Psalm nicht konkret genannte) Sünde und aus diesem Hruznd bittet er Gott um Vergebung. Anschließend nimmt der Psalm eine Wendung: Aus der Gewissheit heraus, dass Gott sein Gebet erhört und ihm vergeben hat, vermag David nun sogar seine Feinde zu warnen: Der Gott, der ihm seine Sünde vergeben hat, wird ihm auch im Kampf gegen seine Feinde und Bedränger beistehen. Ihr Urteil ist schon besiegelt.

Zum Begriff “Errettung“

Wenn David in Psalm 6, 5 betet:

“Wende dich, HERR, und errette mich, hilf mir um deiner Güte willen!“

dann haben wir es hier nicht mit der Bitte um Errettung/Erlösung zum Heil zu tun, sondern mit der Bitte um Errettung aus dieser notvollen Situation, die David in den Versen zuvor beschreibt. Der Begriff “Errettung“ kommt sehr häufig in der Heiligen Schrift vor, allerdings hat er nicht immer dieselbe Bedeutung. Wir finden hauptsächlich drei verschiedene Bedeutungen, wenn es um “Errettung“ geht: “Errettung zum Heil“, “Errettung aus gegenwärtigen notvollen Lebensumständen“ und “Errettung aus der Welt“.

Errettung/Erösung zum ewigen Heil

In Epheser 2, 8 erklärt uns der Apostel Paulus, wie Errettung/Erlösung zum ewigen Heil geschieht:

“Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“

Errettung/Erlösung zum ewigen Heil geschieht – und hier könnten wir zahlreiche andere Belegstellen aus den apostolischen Briefen zitieren – allein aus Gnade mittels des Glaubens (d.h. durch das Mittel des Glaubens) ohne jegliches Werk des Menschen (und zwar weder des Menschen, der errettet wird, noch eines anderen).²

Errettung/Erlösung aus notvollen Lebensumständen

In diesem Sinne wird edas Wort “Errettung“ zum Beispiel in folgenden Schriftstellen benutzt:

Und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.“

(Matthäus 10, 22; vgl. auch Matthäus 24, 13)

Hier ist die Rede von jenem gläubigen jüdischen Überrest, der kurz vor der Wiederkunft Christi in Israel leben wird. Angesichts der starken Bedrängnis, in der sie sich befinden, verheißt Gott ihnen die Errettung aus diesen Umständen. Ein weiteres Beispiel findet sich im Brief des Apostels Paulus an die Christen in Philippi:

“Darum, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, verwirklicht eure Rettung mit Furcht und Zittern (…)“

(Philipper 2, 12)

Auch in diesem Vers geht es nicht um die “Errettung/Erlösung zum ewigen Heil“, denn in in Philipper 1, 28 – 29 wird ja ausgesagt, dass die Philipper diese Art der Errettung/Erlösung bereits erfahren hatten:

“(…) und euch in keiner Weise einschüchtern laßt von den Widersachern, was für sie ein Anzeichen des Verderbens, für euch aber der Errettung ist, und zwar von Gott. Denn euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden, (…)“

Mit ihrer Hinwendung zu Jesus Christus als ihrem Erlöser hatten diese Gläubigen jedoch auch den Zorn ihrer heidnischen Umwelt auf sich gezogen und erlebten nun zeitweise schwere Verfolgung. Jetzt ging es darum, dass die Gläubigen in Philippi Gott auch in diesen Schwierigkeiten weiterhin vertrauten – und zwar auch für ihre Errettung aus diesen schwierigen, ja sogar lebensbedrohlichen Umständen. Wie David sollten wie Gott vertrauen und ihre Zuflucht im Gebet zu Ihm nehmen.
Wenn Paulus in Philipper 2, 12 davon spricht, dass die Philipper dies mit “Furcht und Zittern“ tun sollten, so ist damit nicht gemeint, dass die Gläubigen Angst/Furcht um ihre Errettung zum ewigen Heil oder um die Errettung aus ihren gegenwärtigen Bedrängnissen hätten haben sollen. Der Apostel gebraucht diese Worte “Furcht und Zittern“ in anderen Stellen auch im Sinne von Gottesfurcht (vgl. 2. Korinther 7, 15; Hebräer 12, 21 u.a.m.). Gottesfurcht, richtig verstanden als Ehrfurcht vor Gott, kann ein großer Katalysator für unseren Glauben sein. Je mehr wir Gott erkennen, desto mehr werden wir über Seine Größe und Allmacht staunen und desto mehr werden wir Ihm zutrauen, dass Er uns auch aus den schweren Situationen unseres Lebens erretten bzw. uns in ihnen  beistehen kann und will.

In 2. Timotheus 3, 10 – 11 (vgl. auch Apostelgeschichte 27, 44) bezeugt der Apostel Paulus, wie er selbst  Gottes Rettung aus eben solchen Umständen erfahren hat:

“Du aber bist meiner Lehre gefolgt, meinem Lebenswandel, meinem Vorsatz, meinem Glauben, meiner Langmut, meiner Liebe, meinem Ausharren, meinen Verfolgungen, meinen Leiden, die mir in Antiochia, in Ikonion, in Lystra widerfahren sind. Diese Verfolgungen ertrug ich, und aus allen hat der Herr mich gerettet.“


Errettet von der Welt

Der Begriff “Errettung“ wird noch in einem dritten Sinn in der Heiligen Schrift gebraucht und zwar als “Errettung von der Welt“. So sagt der Apostel Paulus in Galater 1, 3 – 4:

“Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsre Sünden dahingegeben hat, dass er uns errette von dieser gegenwärtigen, bösen Welt nach dem Willen Gottes, unseres Vaters (…)

Unter der “gegenwärtigen, bösen Welt“ sind dabei weder die wunderbare Schöpfung Gottes, noch die Menschen, die ebenfalls Seine geliebten Geschöpfe sind, zu verstehen, sondern sondern das Böse und der Unglaube, die unsere Welt dominieren (vgl. Epheser 2, 2; Epheser 6, 12; 1. Johannes 2, 15 – 17; 1. Johannes 5, 19).

In 1. Petrus 3, 21 wird uns gesagt, dass die “Errettung aus der Welt“ durch das Mittel der Taufe vollzogen wird:

Das ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi (…)“

Die Taufe schenkt keine “Errettung zum Heil“ – dies geschieht – wie wir anhand von Epheser 2, 8 gesehen haben – einzig und allein aus Gnade mittels des Glaubens. Viele andere biblische Belegstellen machen dies ebenfalls deutlich: Aus Apostelgeschichte 10, 44 – 48 wird deutlich, dass Menschen bereits vor ihrer Taufe zum Glauben kamen. Aus Apostelgeschichte 8, 9 – 24 geht hervor, dass die Taufe keine Veränderung des Herzens bewirkt – man kann getauft  und gleichzeitig “in Galle der Bitterkeit und in Banden der Ungerechtigkeit“ wie der Zauberer Simon sein. Aus Markus 16, 16 erfahren wir ferner, dass der Mangel an Glaube, nicht aber das Ungetauftsein, über die “Errettung zum Heil entscheidet“ (vgl. im Gegensatz dazu die Zusage des Herrn Jesus Christus an den ungetauften Schächer in Lukas 23, 43). Abschließend sei angemerkt, dass der Apostel Paulus wohl kaum gesagt hätte, dass der herr ihn “nicht gesandt (habe) zu taufen“ – wie er es in 1. Korinther 1, 14 – 17 tut – wenn durch die Taufe die “Errettung zum Heil“ vermittelt werden würde.
Wenn die Taufe aber keine “Errettung zum Heil“ schenkt, welche Art der “Errettung“ schenkt sie dann? Die Antwort auf diese Frage finden wir in den alttestamentarischen Geschehenissen, auf die die neutestamentarischen Autoren in diesem Zusammenhang Bezug nehmen:
Wenn Petrus davon spricht, dass die Gläubigen mittels der Taufe gerettet werden und zwar so, wie Noah mittels der Arche durch die Flut hindurch gerettet wurde (1. Petrus 3, 20 – 21), dann ist klar, dass hier die “Rettung“ aus der alten, unter dem Gericht Gottes stehenden Welt, gemeint ist. Noah war ja bereits gläubig, hatte also in diesem Sinn “Rettung zum ewigen Heil“ erfahren. Aber er musste aus einer Welt gerettet werden, die aufgrund ihrer Sünde von Gott gerichtet werden sollte. Das Mittel, das Gott dazu benutzte, war die Arche. In gleicher Weise ist die Taufe nun das Mittel, durch das Gott die Gläubigen “aus der Welt“ gerettet werden. Denn mit der Taufe wird nicht nur ein Bekenntnis zu Jesus Christus abgelegt, sondern auch ein Stellungswechsel  vollzogen. So lehrt Paulus in Römer 6, 1 – 11, dass der Gläubige “auf den Tod Christi“ getauft und so “mit ihm begraben“ wird. Das Untertauchen in der Taufe spricht symbolisch von einem Begräbnis. Wer sich taufen lässt, bezeugt damit, dass er den stellvertretenden Sühnetod Christi für sich in Anspruch nimmt und sein altes Leben (ohne Christus) “in den Tod“ gibt. Ein neues Leben hat für den Gläubigen begonnen und dieses neue Leben findet – geistlich gesehen – nicht mehr “in der Welt“ statt, sondern “in Christus“ (Kolosser 3, 1 – 5). In Galater 3, 27 schreibt der Apostel Paulus diesbezüglich:

So viele ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.“

Dass dieser Stellungswechsel durch die Taufe von Angehörigen andere Religionen sehr wohl verstanden wird, wird u.a. daran deutlich, dass Konvertiten zum Christentum häufig so lange geduldet werden, bis sie sich taufen lassen. Das mündliche Bekenntnis zu Jesus Christus wird oftmals noch hingenommen. Spätestens aber mit dem Vollzug der Taufe nehmen die Bedrängnisse und Verfolgungen zu. Dies ist die Erfahrung, die viele Christen, die gegenwärtig Verfolgung erleiden, immer wieder bezeugen.
Wenn der Herr Jesus Christus kommen wird, um alle Gläubigen zu sich nehmen (1. Thessalonicher 4, 16 – 17), dann wird dieses Geschehen die Errettung der Gläubigen aus dieser Welt endgültig vollenden (Hebräer 9, 28).

Dreifache Errettung erfahren

    • Die “Errettung zum ewigen Heil“ ist bereits jetzt der Besitz aller an Jesus Christus Gläubigen (1. Johannes 5, 13).
    • Darum dürfen wir die “Errettung aus notvollen Lebenssituationen“ auch jederzeit vertrauensvoll im Gebet von Gott erbitten und erwarten. Der Gott, dem es möglich war, das größte Problem unseres Lebens – die Trennung von Gott durch unsere Sünde – zu lösen, ist auch mächtig genug, um uns aus den Schwierigkeiten unseres Lebens zu erretten bzw. uns sicher durch sie hindurch zu führen. Dabei dürfen wir uns der Fürbitte und Hilfe unseres Herrn und Erlösers sicher sein. Denn in Hebräer 7, 25 wird uns versichert:

“Daher (weil Er ein so großer Hoherpriester ist, JNj.) kann er die auch völlig retten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immer lebt, um sich für sie zu verwenden.“

  • Die “Errettung aus der Welt“ sollten Gläubige durch ihre Taufe bezeugen und die endgültige Vollendung dieser Errettung täglich erwarten.

 

Fußnoten:

¹= Zu den persönliche Klagepsalmen rechnet man ferner die Psalmen 3, 5, 7, 11, 13, 17, 22, 23, 27, 31, 32, 35, 38, 39, 41, 51, 57, 63, 69, 71, 88, 102, 103, und 130.

²= Den Gebrauch des Wortes “Errettung“ im Sinn der Erlösung zum ewigen Heil findet sich u.a. in Matthäus 18, 11; Epheser 2, 5; Epheser 2, 8; 2. Timotheus 1, 9; Titus 3, 5, 1. Petrus 1, 9;

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