Das ewige Leben haben – Anmerkungen zu Johannes 5, 24

Das ewige Leben haben – Anmerkungen zu Johannes 5, 24

Das Bibelwort, das der Wortverkündigung am heutigen Mittwoch zugrunde liegen soll, ist eines der bekanntesten Worte Jesu aus dem Johannesevangelium (zum Hintergrund des Johannesevangeliums siehe: Klick!):

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“

(Johannes 5, 24; LUTH’84)

 

Wer ist Jesus Christus?  – Gott, der Sohn!

Das zu betrachtende Bibelwort ist Teil eines längeren Sinnabschnittes, der Johannes 5, 19 – 29 umfasst.

Das große Thema, um das es in diesem Sinnabschnitt geht, ist die Frage, ob der Sohn Gottes eins und gleichen Wesens mit Gott, dem Vater ist. Denn genau die Aussage Jesu hierzu hatte die Gegnerschaft der jüdischen Autoritäten hervorgerufen (vgl. dazu Johannes 5, 17 – 18). Ab Johannes 5, 19 beantwortet der Herr Jesus Christus diese Frage, um dann – darüber hinausgehend – die Ihm von Gott dem Vater übertragene Aufgabe, der Richter der Welt zu sein, zu erklären.

* „Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.“ (Johannes 5, 19) – Der Herr beginnt seine Antwort damit, dass Er Seine Abhängigkeit vom Vater betont (siehe auch: Johannes 4, 34; Johannes 5, 30; Johannes 8, 28; Johannes 12, 50; Johannes 15, 10; Lukas 5, 17). Der Sohn Gottes empfängt von Gott. dem Vater, Autorität, Er gehorcht dem Vater, Er führt Seinen Willen aus. Um dies alles vollkommen erfüllen zu können („tut gleicherweise auch der Sohn“), musste der Herr Jesus Christus selbst Gott sein.

* „Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm noch größere Werke zeigen als diese, so daß ihr euch verwundern werdet.“ (Johannes 5, 20) – Hier nennt der Herr den Grund dafür, warum Er tun konnte, was immer auch der Vater tat: Weil der Vater den Sohn liebt (Johannes 3, 36) und weil der Vater dem Sohn alles zeigt (andere Übersetzungen: offenbart), was Er tut. Die Tatsache, dass Gott Seinem Sohn alles zeigt bzw. offenbart, verdeutlicht die Liebe, die der Vater zum Sohn hat. Die „größeren Werke“ (also größer als die Heilung des Gelähmten am Sabbat u.a.) schließt die Auferweckung von Toten (Johannes 5, 21) und die Ausübung des letzten Gerichts (Johannes 5, 22) ein. Durch diese größeren Werke wurden die Kritiker Jesu mit Seiner göttlichen Autorität konfrontiert und mussten sich mit Seinem Anspruch auseinandersetzen.

* „Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.“ (Johannes 5, 21) –  Während die Sadduzäer den Glauben an die Auferweckung der Toten durch Gott ablehnten (vgl. Apostelgeschichte 23, 8), glaubte die Mehrheit des jüdischen Volkes daran, dass (allein) Gott die Toten auferwecken konnte (vgl. z. B. 2. Könige 5, 7; Hesekiel 37, 13). Das Rechnen mit der Auferstehung der Toten, schloss aber gleichzeitig auch den Glauben daran ein, dass die Mächte der Sünde und des Todes überwunden werden konnten. Die Vollmacht genau dies tun zu können, nahm der Herr Jesus Christus jetzt für sich in Anspruch und Er demonstrierte diese Vollmacht nur wenig später in der Auferweckung des Lazarus (vgl. Johannes 11, 1 ff.). Alle Heilungen, die der Herr vollbrachte, waren „nur“ eine „kleinere“ Demonstration dieser Vollmacht.

Wer ist Jesus Christus? – Der Richter der Welt!

* „Denn der Vater richtet auch niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben, (…)“ (Johannes 5, 22) –  Beide – der Vater wie der Sohn – wecken die Toten auf und geben Leben, wem sie wollen. Aber das Gericht hat der Vater dem Sohn übergeben (vgl. Apostelgeschichte 17, 31). An diese Stelle kommt es im Grunde genommen zum großen Bruch zwischen dem Herrn und seinen Zuhörern. Im Judentum ging man aufgrund von 1. Mose 18, 25 davon aus, dass allein Gott der Richter aller Menschen ist. Wenn die Behauptung des Herrn Jesus Christus, dass Gott, der Vater Ihm das Gericht übergeben habe, der Wahrheit entspricht, dann muss Er Gott sein. (Um Missverständnisse zu vermeiden, ein kurzer Hinweis: Wenn es in Johannes 3, 17 heißt, dass “Gott (…) seinen Sohn nicht in die Welt gesandt (hat), daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde“, dann liegt dort der Schwerpunkt der Aussage auf dem Grund der Menschwerdung Jesu, dem primären Grund Seines Kommens in diese Welt, nicht auf Seiner Autorität. Johannes 3, 17 und Johannes 5, 22 widersprechen sich daher nicht.)
Die Tatsache, dass der Sohn die Vollmacht hat, Tote aufzuerwecken und Leben zu geben, ist zeigt gleichzeitig, dass Er auch Vollmacht hat, das Gericht auszuüben.

Gott, der Sohn – gleicher Ehre würdig!

* „(…) damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“ (Johannes 5, 23) –  Der Vater hat dem Sohn das Gericht übergeben, damit “alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“. In der Ehrerbietung, mit der Menschen dem Sohn begegnen, soll es also keinen Unterschied geben zu der Ehrerbietung, mit der sie dem Vater begegnen. Normalerweise gehen wir davon aus, dass Personen, die einem Höheren untergeordnet sind, weniger Ehre empfangen, als der Höhere. Doch es ist der Wille Gottes, des Vaters, dass der Sohn dieselbe Ehre empfängt, wie Er Selbst und das drückt sich darin aus, dass Er dem Sohn das Gericht übergeben hat. Wer darum den Sohn nicht ehrt, der zeigt damit, dass er auch den Vater nicht auf die richtige Weise ehrt. Im Umkehrschluss lehrt uns der Apostel Paulus in Philipper 2, 9 – 11, dass jeder, der den Sohn ehrt, auch den Vater ehrt. Diese Aussagen waren für die jüdische Zuhörerschaft Jesu revolutionär. Warum? Weil ihnen – während sie dies hörten – natürlich die Aussagen des Propheten Jesaja durch den Kopf gehen mussten:

“Ich bin der HERR, das ist mein Name; und ich will meine Ehre keinem andern geben, noch meinen Ruhm den Götzen! (…) Singet dem HERRN ein neues Lied und traget seinen Ruhm bis ans Ende der Erde! Was auf dem Meere fährt und was darinnen ist, die Inseln und ihre Bewohner! Die Wüste mit ihren Städten soll ihre Stimme erheben, die Dörfer, in welchen Kedar wohnt; die Bewohner der Felsen sollen frohlocken und von den hohen Bergen herab jauchzen! Sie sollen dem HERRN die Ehre geben und seinen Ruhm auf den Inseln verkündigen!“

(Jesaja 42, 8 + 10 – 12)

“Ich will meine Ehre keinem anderen geben ….“ – Angesichts dieser Aussage Gottes, konnte die Aussage Jesu nichts anderes bedeuten, als dass Gott, der Vater, und Gott, der Sohn, eines Wesens sein mussten!

Wer also behauptete bzw. behauptet, Gott anzubeten und gleichzeitig die Gottheit Jesu ablehnte bzw. ablehnt, der “hat weder den Vater noch den Sohn“ (1. Johannes 2, 23). Die jüdischen Zuhörer Jesu wollten sich diesem Anspruch nicht stellen. Auch heute gibt es religiöse Bewegungen (z.B. Mormonen, Zeugen Jehovas oder die so genannten Unitarier u.v.a.m.), die sich zwar als christlich bezeichnen, gleichzeitig aber die Gottheit Jesu leugnen und auf diese Weise zeigen, dass sie weder Gott, den Vater, noch Gott, den Sohn erkannt haben.

Der Weg, die Wahrheit, das Leben

* „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ (Johannes 5, 24) –   Nachdem der Herr aufgezeigt hat, dass er das ewige Leben gibt, wem immer Er will, konkretisiert Er nun, wer genau diese Menschen sind, die dieses Leben empfangen werden: Es sind jene Menschen, die Sein Wort hören und dem Vater glauben. Menschen, die dies tun, werden im Gericht nicht verurteilt werden (Johannes 3, 18; Römer 6, 14; Römer 8, 1), sondern sie werden schon in diesem Leben die Kraft des ewigen Lebens erfahren (Johannes 3, 36; Epheser 2, 1 + 5). Die Kraft des ewigen Lebens, das mit der Auferstehung völlig manifest werden wird, erlebt der Gläubige schon in seinem gegenwärtigen Leben. Die Verheißung Jesu für die Gläubigen ist nicht, dass der Gläubige „in Zukunft (irgendwann einmal) ewiges Leben haben wird“, sondern:

“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben (…)“

(Johannes 5, 24)

Der Besitz des ewigen Lebens im „Hier und Jetzt“ ist die Verheißung des Sohnes Gottes für alle, die Sein Wort hören und dem Vater glauben. Wer das tut, der wird in genau dem Moment, in dem er es tut, aus dem Bereich des Todes in den Bereich des göttlichen, ewigen Lebens versetzt:

“(…) sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“

(Johannes 5, 24; vgl. 1. Johannes 3, 14)

So, wie das Wort des Herrn Jesus Christus dem Gelähmten Heilung und neues Leben schenkte (Johannes 5, 8) so schenkt Sein Wort jetzt jedem ewiges Leben, der es hört und dem Vater glaubt. Sein Wort und das Wort des Vaters sind dasselbe, denn der Sohn sagt nur, was Er vom Vater hört (Johannes 5, 19) Warum wird hier Gott, der Vater, als die Person der Gottheit genannt, auf die sich der Glaube beziehen soll, wenn doch, wie wir gesehen haben, sind Gott, der Vater und Gott, der Sohn eins sind? Der Herr richtet den Fokus hier auf den Vater, weil Er kurz zuvor deutlich gemacht hat, dass Er der Mittler zwischen Gott und dem Menschen ist (vgl. Johannes 3, 16; Johannes 14, 6;  1. Timotheus 2, 5). Damit wird aber nicht gesagt, dass sich unser Glaube nicht auch in gleicher Weise auf Gott, den Sohn beziehen soll oder darf. Da Gott, der Vater, und Gott, der Sohn, eins sind, setzt jeder, der Gott, dem Vater, vertraut, natürlich auch sein Vertrauen in Gott, den Sohn.

Jesus Christus vertrauen – Gewissheit finden

Die Grundlage für die Heilsgewissheit und Heilssicherheit des Gläubigen ist also die vertrauensvolle Annahme der Verheißung Jesu, die uns hier gegeben wird.

Jeder Mensch, der das tut, wird schon in diesem Leben in geistlicher Weise die Kraft des Auferstehungslebens erfahren (Johannes 4, 23; Römer 6, 13), das sich in der (zukünftigen) Auferstehung der Toten dann vollkommen manifestieren wird. Denn die Worte des Herrn Jesus Christus, die Worte des Sohnes Gottes, geben heute schon jedem geistlich ewiges Leben und jeder, der dieses Leben empfangen hat, wird durch Ihn auch vom Tod auferweckt werden (Johannes 5, 28 – 29; Johannes 11, 43).

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