Mobbing made in Babylon – Anmerkungen zu Daniel 6, 17

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"Daniels Antwort an den König" von Briton Rivière, R.A. (1840-1920), 1890 (Manchester City Art Gallery).

„Daniels Antwort an den König“ von Briton Rivière, R.A. (1840-1920), 1890 (Manchester City Art Gallery) [Public domain], via Wikimedia Commons (http://commons.wikimedia.org/wiki/Template:PD-1923).

Ein Wort aus dem Buch des Propheten Daniel (zum Hintergrund des Buches Daniel siehe: Klick!) steht im Mittelpunkt der Wortverkündigung des morgigen Sonntags. Es stammt aus dem bekannten Bericht über Daniels Gotteserfahrung in der Löwengrube. Zum besseren Verständnis wollen wir uns das ganze Geschehen noch einmal vor Augen führen: Daniel 6, 1 – 29.

Daniel – ein Mann tiefer Gottesfurcht

Betrachtet man die ersten sechs Kapitel des Buches Daniel, dann kann man den Eindruck gewinnen, dass uns hier eine wirklich bemerkenswerte “Karriere“ geschildert wird:

Im Alter von ca. 15 Jahren wird Daniel als Kriegsgefangener nach Babylon geführt. Von den Babyloniern besiegt, wurde das Land seines Volkes geplündert und unterjocht. Er selbst wird – wie die restliche Kriegsbeute – mit vielen tausend Angehörigen seines Volkes in ein weit entferntes Land gleichsam “verfrachtet“. Das alles geschieht gegen seine Willen. Von heute auf morgen verändert dieser Krieg sein ganzes Leben. Nichts ist mehr sicher, alles ist ungewiss. Seine Zukunft? Ein einziges Fragezeichen! Mit dem Sieg der feindlichen Armee über Juda werden alle seine Wünsche, Ziele und Pläne, die er je gehabt hat, hinfällig, Makulatur. Daniel  verliert alles: seine Freiheit, seine Heimat, höchstwahrscheinlich seine Angehörigen.
Am Ziel seiner Verschleppung angekommen, wird er in ein Umerziehungslager gebracht, dass der babylonische König für die jugendliche Intelligenz der von ihm unterworfenen Völker eingerichtet hat. Hier soll den jungen Menschen auch noch der letzte Rest ihrer bisherigen Identität genommen werden: sie erhalten neue – babylonische! – Namen. Namen, in denen sich auch die Götterwelt der Babylonier widerspiegelt. Der Preis des babylonischen Umerziehungsprogramms ist hoch, doch es winkt auch Lohn dafür: Wer sich hier ein- und unterordnet, der bekommt Anteil an Dingen, von denen andere nicht einmal zu träumen wagen. Er darf von den Speisen und Weinen genießen, die von der Tafel des Königs selbst kommen! Der Weg zu aller Weisheit Babylons und damit auch der Weg zur Macht wird für diejenigen frei, die ihre Heimat, ihre Identität und ihren Gott vergessen (siehe Daniel 1, 1 – 8).
Doch da, wo andere gern zugreifen und sich geschmeichelt fühlen, da gerät Daniel in einen ersten ernsten Gewissenskonflikt. Vertraut mit den Speisegeboten, die Gott dem jüdischen Volk gegeben hatte, möchte Daniel sich nicht an den Speisen von der Tafel des babylonischen Königs verunreinigen und so bittet er den Aufseher über das Umerziehungslager, dass dieser ihm und seinen Freunden nur Gemüse und Wasser zuteilt.
Ist uns bewusst, was hier geschieht? Der Angehörige eines besiegten Volkes, noch dazu ein Teenager, erklärt die Speisen von der Tafel des Königs von Babylon, des mächtigsten Herrschers der damaligen Welt, für unrein! Der Angehörige eines Volkes, dessen Gott es nach Überzeugung der Babylonier doch offensichtlich nicht vor einer militärischen Niederlage bewahren konnte, verschmäht königliche Speisen, weil sie babylonischen Göttern geweiht waren, den Göttern, die Babylon doch augenscheinlich den Sieg über Juda geschenkt hatten?! Wer so etwas tat, der musste entweder total naiv oder lebensmüde sein. Und so lehnt der Aufseher über das königliche Umerziehungslager denn auch das Ansinnen Daniels ab:

“Der sprach zu ihm: Ich fürchte mich vor meinem Herrn, dem König, der euch eure Speise und euern Trank bestimmt hat. Wenn er merken würde, dass euer Aussehen schlechter ist als das der andern jungen Leute eures Alters, so brächtet ihr mich bei dem König um mein Leben.“

(Daniel 1, 10)

Doch Daniel gibt nicht auf und beginnt mit dem Aufseher zu handeln:

“Da sprach Daniel zu dem Aufseher, den der oberste Kämmerer über Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja gesetzt hatte: Versuch’s doch mit deinen Knechten zehn Tage und lass uns Gemüse zu essen und Wasser zu trinken geben. Und dann lass dir unser Aussehen und das der jungen Leute, die von des Königs Speise essen, zeigen; und danach magst du mit deinen Knechten tun nach dem, was du sehen wirst.“

(Daniel 1, 11 – 13)

Das Unglaubliche geschieht – der Aufseher geht tatsächlich auf diesen Handel ein. Hatte er Mitleid mit Daniel? Versprach er sich irgendetwas davon? Sicherlich nicht, denn er brachte sich damit ja  – wie wir gelesen haben – selbst in Lebensgefahr. Es war Daniels Treue zu Gott und seine Gottesfurcht, die dies ermöglichten:

Aber Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, dass er sich mit des Königs Speise und mit seinem Wein nicht unrein machen wollte, und bat den obersten Kämmerer, dass er sich nicht unrein machen müsste. Und Gott gab es Daniel, dass ihm der oberste Kämmerer günstig und gnädig gesinnt wurde.

(Daniel 1, 8 – 9)

Daniel hätte Gott Vorwürfe machen können: “Warum hast du es zugelassen, dass sie mich nach Babylon verschleppen, mir meine Heimat und Familie nehmen?! Warum hast du es zugelassen, dass ich hier in so gefährliche Situationen gerate?!“  Doch davon lesen wir nichts. Daniel war nicht nur mit den Speisegeboten des göttlichen Gesetzes vertraut. Er hatte auch verstanden, dass die Wegführung des jüdischen Volkes in das babylonische Exil Gottes gerechtes Gericht über ein Volk war, das Seine Gebote missachtet hatte (vgl. 5. Mose 28, 15 + 32 mit Daniel 9, 11).
Mehr noch: Daniel hatte begriffen, dass die Tatsache, dass er noch am Leben war, eine zweite, große Chance darstellte, die Gott ihm schenkte. In seinem alltäglichen Leben in Babylon konnte er nun ganz praktisch unter Beweis stellen, dass er aus dem Geschehenen gelernt hatte und Gott den ersten Platz in seinem Leben einräumte. Gottes Reaktion blieb nicht aus. Er stellte sich zu dem Glauben Daniels und erfüllte die Seine Verheißungen, die mit der Gottesfurcht des Gläubigen verbunden sind:

Gott schenkte Daniel die verheißene Weisheit und den verheißenen Schutz:

“Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.“

(Sprüche 9, 10; Sprüche 1, 7; Sprüche 15, 33)

“Wer ist nun der Mann, der den Herrn fürchtet? Er wird ihn unterweisen in dem Wege, den er wählen soll.“

(Psalm 25, 12)

“Der Engel des Herrn lagert sich um die her, welche ihn fürchten, und er befreit sie.“

(Psalm 34, 7)

“Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen! Denn keinen Mangel haben, die ihn fürchten.“

(Psalm 34, 9)

“Gottesfurcht“ im biblischen Sinn hat nichts mit “Angst vor Gott“ zu tun, sondern bedeutet, dass der Gläubige Gott mit Ehrfurcht, mit Respekt, begegnet. Der Theologe Wolfhart Pannenberg hat den Begriff Gottesfurcht sehr treffend so definiert: “Gott fürchten – das heißt, Gott als Gott anzuerkennen in seiner Erhabenheit und Macht, als den Schöpfer, von dem unser Leben in jedem Augenblick abhängt, und als den Richter, vor dem nichts verborgen bleibt.“¹
Nach biblischem Verständnis ist Gottesfurcht nicht nur eine innere Einstellung, sondern
drückt sich immer auch im äußeren Tun und Wandel des Gläubigen aus. Es wäre nicht ausreichend gewesen, wenn Daniel gesagt hätte: “Gott, du weißt ja, wie es in meinem Herzen aussieht und dass ich dich allein als meinen Gott verehre. Du wirst es mir sicher nicht übel nehmen,  wenn ich in dieser bedrohlichen Situation diese unreinen babylonischen Speisen esse. Das sind doch nur äußerliche Dinge. So ernst kannst du es doch mit deinen Geboten nicht meinen.“ Nein, Daniel wusste ganz genau, dass es darauf ankam, seiner Gottesfurcht Taten folgen zu lassen. Gottesfurcht, die nur im Herzen verborgen lebt, aber unsichtbar bleibt, wenn wir Furcht vor Menschen bekommen, ist keine wahre Gottesfurcht. Gottesfurcht muss immer auch in unserem Wandel und unseren Taten sichtbar werden:

“Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten. Der hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken.

(Titus 1, 11 – 14)

Kurz gefasst können wir sagen: Gottesfurcht stellt in allem Gottes Wort, Seinen Willen, an die erste Stelle und handelt danach – und zwar völlig unabhängig von den Konsequenzen, die sich daraus ergeben.
Damit wird deutlich, dass nur derjenige in Gottesfurcht leben kann, der wirklich mit Gott lebt und Ihm vertraut. Ein in Gottesfurcht gelebtes Leben wird nicht einfach sein, denn es bringt uns in vielen Situationen in Konflikt mit einer Welt, die Gottes Wort und Gottes Willen ignoriert oder sogar entgegen steht. Aber es ist das Leben in Gottesfurcht, das Gott segnet:

“Und nach den zehn Tagen sahen sie schöner und kräftiger aus als alle jungen Leute, die von des Königs Speise aßen. Da tat der Aufseher die Speise und den Trank, die für sie bestimmt waren, weg und gab ihnen Gemüse. Und diesen vier jungen Leuten gab Gott Einsicht und Verstand für jede Art von Schrift und Weisheit. Daniel aber verstand sich auf Gesichte und Träume jeder Art. Und als die Zeit um war, die der König bestimmt hatte, dass sie danach vor ihn gebracht werden sollten, brachte sie der oberste Kämmerer vor Nebukadnezar. Und der König redete mit ihnen, und es wurde unter allen niemand gefunden, der Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja gleich war. Und sie wurden des Königs Diener. Und der König fand sie in allen Sachen, die er sie fragte, zehnmal klüger und verständiger als alle Zeichendeuter und Weisen in seinem ganzen Reich.“

(Daniel 1, 15 – 20)

“Denn so hoch die Himmel über der Erde sind, ist gewaltig seine Güte über die, welche ihn fürchten.“

(Psalm 103, 11)

Es waren Daniels Treue zu und Ehrfurcht vor Gott, die dazu führten, dass ihm Gottes Güte und die Gunst des Königs geschenkt wurden.

Daniel – ein Mann kompromisslosen Glaubens

Viele Jahrzehnte hindurch behielt Daniel diese gottesfürchtige Lebensweise inmitten eines götzendienerischen Volkes bei. Lange nachdem Nebukadnezar gestorben war und Babylon von den Medo-Persern eingenommen wurde, finden wir ihn noch immer in einer führenden Position am königlichen Hof in Babylon. Unter dem neuen Herrscher, Darius dem Meder, soll Daniel erneut befördert werden. Das ruft den Neid und die Feindschaft seiner “Kollegen“ auf den Plan.
In einer von Gott losgelösten, ja Gott feindlich gesonnenen Welt, wird auch das gottesfürchtige Leben des Gläubigen – ob er will oder nicht – immer Widerstand hervorrufen. Eine von Gott losgelöste Welt kann es nicht ertragen, dass es in ihr immer noch Einzelne gibt, die sich nicht mit ihr einsmachen, sich nicht in ihr System pressen lassen, sondern “unbedingt aus der Masse heraus stechen“ wollen. Eine von Gott losgelöste Welt kann nicht verstehen, dass es dem Gottesfürchtigen gar nicht darum geht, selbst einen besonderen Platz einzunehmen, sondern Gott den richtigen Platz in seinem Leben zu geben. Und so reagiert sie mit Spott und Hohn auf das Leben und auf den Glauben des Gottesfürchtigen. Da ist dann von den “Ewiggestrigen“, “Spießern“ o.ä. die Rede und wo spitze Witzeleien zur Einschüchterung nicht genügen, muss dann eben zu “härteren Bandagen“ gegriffen werden. So machten es auch Daniels babylonische “Kollegen“. Da sie in seiner Amts- und Lebensführung nichts fanden, womit sie ihn beim König diskreditieren konnten, benutzen sie seinen Glauben an Gott, um ihm eine Falle zu stellen.  Sie überredeten König Darius dazu, ein Gesetz zu erlassen, das für die Dauer von 30 Tagen jede Bitte an irgendjemand anderen als den König unter Strafe stellte. Wer dieses Gesetz übertrat, sollte in die Löwengrube geworfen werden, d.h. er sollte auf besonders grausame Weise mit dem Tode bestraft werden. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie diese Männer dem König das entsprechende Gesetz schmackhaft machten, wurde doch dadurch seine Autorität im ganzen Reich gestärkt.

Doch was tut Daniel, als er von diesem Gesetz hört? Er geht in sein Haus und betet – wie er es immer zu tun pflegte. Im Leben mit Gott, das seinen  Ausdruck vorrangig im Gebet findet, kann es keine Unterbrechungen geben. Viele andere hätten sich gesagt: “Naja, für 30 Tage kann ich auch mal mit dem Beten aufhören. Gott wird das schon verstehen.“ Oder: „In den kommenden 30 Tagen bete ich dann eben nur verborgen in meinem Herzen. Schließlich sieht Gott doch das Herz an!“ Nicht so Daniel. Er weiß, dass im Herzen verborgene Gottesfurcht gar keine Gottesfurcht ist und dass Glaube, der das öffentliche Bekenntnis scheut, gar kein Glaube ist (Matthäus 10, 32; Jakobus 2, 26). So geht er treu seinen Weg mit Gott und ist bereit dafür auch die Konsequenzen zu tragen. Und diese Konsequenzen treten augenblicklich ein. Seine Feinde warten nur darauf, dass Daniel Gott mehr gehorcht als dem menschlichen König (vgl. Apostelgeschichte 4, 19 + 5, 29) und sind sofort zur Stelle, um ihn anzuklagen. Der durch das Gesetz gebundene König muss die darin angedrohte Strafe vollziehen und so wird Daniel  in die Löwengrube geworfen. Doch nun geschieht, was niemand erwartet: Daniel überlebt die Nacht in der Löwengrube. Er selbst bezeugt auf die erstaunte Frage des Königs am anderen Morgen:

“Daniel aber redete mit dem König: Der König lebe ewig!  Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten; denn vor ihm bin ich unschuldig, und auch gegen dich, mein König, habe ich nichts Böses getan.“

(Daniel 6, 22 – 23)

Der Hebräerbrief erklärt uns:

“Was haben Menschen wie sie durch ihren Glauben nicht alles zustande gebracht! Sie zwangen Königreiche nieder, sie sorgten für Recht und Gerechtigkeit, sie erlebten die Erfüllung von Zusagen, die Gott ihnen gemacht hatte, sie hielten Löwen das Maul zu, (..)“

(Hebräer 11, 33)

womit eindeutig auf Daniel Bezug genommen wird. Inmitten der Löwengrube erlebte Daniel, wie Gott Seine Verheißung erfüllte und ihn bewahrte:

“In der Furcht des Herrn ist ein starkes Vertrauen, und seine Kinder haben eine Zuflucht.“

(Sprüche 14, 26)

“Menschenfurcht ist ein Fallstrick; wer aber auf den Herrn vertraut, hat nichts zu fürchten.“

(Sprüche 29, 25)

Doch Daniel wird nicht nur bewahrt. Er darf auch erleben, wie seine tiefe Gottesfurcht und sein kompromissloser Glaube dazu führen, dass König Darius zum Glauben an den wahren Gott findet und dies sogar in seinem ganzen Herrschaftsbereich bekannt macht:

“Da ließ der König Darius allen Völkern und Leuten aus so vielen verschiedenen Sprachen auf der ganzen Erde schreiben: Viel Friede zuvor! Das ist mein Befehl, dass man in meinem ganzen Königreich den Gott Daniels fürchten und sich vor ihm scheuen soll. Denn er ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende. Er ist ein Retter und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden. Der hat Daniel von den Löwen errettet.“

(Daniel 6, 26 – 28)

Daniel tappte nicht in die Falle der Menschenfurcht und als Folge davon wird der Name Gottes im ganzen Königreich bekannt und gepriesen.

Daniel – ein Mann des anhaltenden Gebets

Wenn man das Leben Daniels betrachtet, seine tiefe Gottesfurcht und seinen  kompromisslosen Glauben, dann könnte man leicht resignieren und sagen: “Daniel, ja das war ein Riese im Glauben, mit dem kann ich natürlich nicht mithalten!“ Doch dieses Denken ist falsch. Wäre Daniel ein Glaubensriese, “mit dem wir nicht mithalten“ könnten, dann würde ihn uns der Hebräerbrief kaum als ein Vorbild für unseren Glauben vorstellen. Nein, auch wir können glauben und leben wie Daniel und die Erfüllung von Gottes Verheißungen in unserem Leben erleben. Daniel war ja nicht aus sich selbst heraus ein Mann tiefer Gottesfurcht und ein Mann kompromisslosen Glaubens. Die Kraft zu diesem Leben empfing er von Gott und zwar weil er im Gebet auf Gott blickte. In Daniel 6, 11 lesen wir:

“Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem, und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte.“

Inmitten einer gottlosen Umwelt hatte Daniel einen Platz, an dem er von aller Gottlosigkeit weg und auf Gott hin blickte. Sein Blick war nicht auf Babylon, ihre Verführungen und Bedrohungen, gerichtet, sondern nach Jerusalem und damit auf Gott –  Seine Allmacht, Seine Größe, Seine Treue, Seine Hilfe, Seine Weisheit, Seine Führung, Seine Kraft, Seine …. Wie Abraham, der nicht auf den erstorbenen Leib  der Sara, sondern “auf den Gott blickte, der die Toten lebendig macht“ (Römer 4, 17), so richtete Daniel seinen Blick weg von den Gefahren Babylons und zu dem allmächtigen Gott. So empfing er die Kraft, die er für ein Leben brauchte, das wir neutestamentarisch als ein “Überwinderleben“ bezeichnen können.
König Darius sagt von Daniel, dass dieser seinem Gott “ohne Unterlass“ dienen würde. Das Wort, das in Daniel 6, 17 benutzt wird, תְּדִירָא (“tdiyra“), drückt Kontinuität, Dauerhaftigkeit, Beständigkeit, Regelmäßigkeit in einer Sache aus. Genau das finden wir bei Daniel: Regelmäßig und mit Ausdauer betete er, blickte er auf zu Gott. Hier lag die Quelle seiner Kraft. Das wusste er. Darum ließ er es auch nicht zu, dass irgendetwas – und sei es das Gebot seines Königs – ihn von dieser Kraftquelle abschnitt. 

Wir dürfen heute noch umfassende Glaubensfreiheit genießen. Niemand verbietet uns z. B.  zu beten. Aber machen wir von diesem Vorrecht auch Gebrauch? Auch unsere Zeit stellt Gläubige vor immer größere Herausforderungen. Unser christlicher  Glaube bleibt in dieser Welt nicht ohne Widerspruch, manchmal auch nicht ohne offene Feindschaft. Wie reagieren wir? Treten wir in den Fallstrick der Menschenfurcht und ziehen wir uns “ins Private“ zurück? Spalten wir unseren Glauben in einen “Sonntagsglauben“ und einen “Alltagsglauben“ auf, in einen Glauben, den wir inmitten unserer Mitchristen leben und in einen “Glauben“ der in einer gottfernen Welt nicht “aneckt“? Oder bleiben wir beständig im Gebet und dadurch auch beständig in der Gottesfurcht und im Glauben? Genau dazu fordert uns der Apostel Paulus in 1. Thessalonicher 5, 17 auf:

“Betet ohne Unterlaß!“

Im Gleichnis von der Witwe und dem ungerechten Richter sagt der Herr Jesus Christus, dass dieser durch anhaltendes, regelmäßiges Gebet zum Ausdruck gebrachte, überwindende Glauben etwas ist, das in der Zeit kurz vor Seiner Wiederkunft nur noch wenig zu finden sein wird (Lukas 18, 1 – 8). Die in diesem Gleichnis erwähnte Witwe ließ sich weder von ihren Widersachern, noch von dem ungerechten Richter einschüchtern. Wie steht es da mit uns?  Blicken wir von den Bedrängnissen weg zu Gott, um so seine Kraft zu empfangen und ein Zeugnis für Ihn in dieser Welt zu sein? Dann werden auch wir erleben können, wie sogar der eine oder andere “König“ zum Glauben an den wahren Gott findet und wenn der Herr Jesus Christus wiederkommt, wird Er uns nicht nur wachend und betend, sondern auch Frucht für Ihn bringend finden.

Fußnoten:

¹= Wolfhart Pannenberg: “Systematische Theologie“, Band 3, Seite 216, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 3. Auflage 1993


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