Anmerkungen zu Sprüche 3, 7

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Anmerkungen zu Sprüche 3, 7

Das Bibelwort, das der Wortverkündigung am kommenden Sonntag zugrunde liegen soll, stammt aus dem 3. Kapitel des Buches der Sprüche  (zum Hintergrund dieses biblischen Buches siehe: Klick!). Zum besseren Verständnis lesen wir den gesamten Abschnitt Sprüche 3, 1 – 10:

„Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden; Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen. Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen.  Das wird deinem Leibe heilsam sein und deine Gebeine erquicken.  Ehre den HERRN mit deinem Gut und mit den Erstlingen all deines Einkommens,  so werden deine Scheunen voll werden und deine Kelter von Wein überlaufen.“

(Sprüche 3, 1 – 10)

 

* Die Weisungen eines Vaters (Vers 1)

Kurz zusammengefasst können wir sagen, dass wir es in diesen 10 Versen mit der Unterweisungen eines liebevollen und gottesfürchtigen Vaters zu tun haben: Ein Sohn, der auf die gottesfürchtige Unterweisung seines Vaters (Verse 1 – 4) hört und sie zu Herzen nimmt, ist selbst weise. Er darf Gottes Führung  erwarten und wird sie auch erleben (Verse 5 – 6). Darum kann er zuversichtlich in die Zukunft schauen (Verse 7 – 10).
Dass es sich bei diesen Worten um die Weisung eines gottesfürchtigen Vaters handelt und nicht um göttliche Gebote, wird daran deutlich, dass hier von “meine“ Weisung die Rede ist. Das hebräische Wort für “Weisung“ (auch: Gesetz, Gebot, Lehre oder  Unterweisung) ist “Thora“. Wo immer wir diesen Begriff ohne Possessivpronomen finden, ist die Rede vom Gesetz Gottes (manchmal eingegrenzt auf den Pentateuch, die fünf Bücher Mose, sonst aber auch allgemein verstanden).  In diesen Versen geht es jedoch eindeutig um die Gebote eines menschlichen Vaters (oder – vgl. Sprüche 1, 8 – um die Gebote einer menschlichen Mutter). Wegen ihres jüdischen Kontextes sind natürlich auch diese menschlichen/elterlichen Weisungen im Gesetz Gottes gegründet, dürfen mit dem Gesetz Gottes aber nicht gleichgesetzt werden.

* Gehorsam aus Liebe und Vertrauen (Vers 3)

In Vers 3 ist (in unseren deutschen Übersetzungen) die Rede von “Gnade“ und “Treue“. Das hebräische Wort, das die Lutherübersetzung 1984 hier mit dem Begriff “Gnade“ wieder gibt, ist “hesed“, Es bedeutet Freundlichkeit, Liebeswürdigkeit, Güte (und in diesem Sinne auch Gnade) und bezieht sich hier auf die Art und Weise, wie die genannten Weisungen/Gebote aufgenommen werden sollen. Es geht nicht um einen sturen Gesetzesgehorsam. Es geht um ein Befolgen dieser Weisungen, das aus der Beziehung entspringt, die der Sohn (oder die Tochter) zu dem ihn/sie belehrenden Vater hat. Es geht nicht um Gehorsam aus Furcht vor Strafe, sondern um das Befolgen der väterlichen Weisungen aus Liebe. Dieser Gedanke klingt auch in 5. Mose 6, 5 – 6 ff. an, wenn es um Gottes Gesetz geht.
“Wahrheit“ (in anderen Übersetzungen auch besser mit “Treue“ wiedergegeben) meint hier die Treue zu bzw. das sich stützen auf etwas, das zuverlässig/stabil ist. Beide Worte stehen hier in einem untrennbaren Zusammenhang. Es geht um “wahrhaftige/treue Liebe“ bzw. um Freundlichkeit/Liebe, die sich als treu erweist. “Treue“  entsteht, wenn ein Mensch sich entscheidet, zu vertrauen.
Der Gehorsam des in Sprüche 3, 1 – 10 angesprochenen Sohnes gegenüber den Unterweisungen/Geboten seines Vaters, soll seine Quelle in der Liebe zu dem Vater und im Vertrauen auf seine Zuverlässigkeit haben.

* Dem Geber aller guten Gaben vertrauen (Verse 5 – 10)

Mit dem, was in den vorausgehenden Versen gesagt wurde, ist der Weg bereitet für die Aufforderung in den Versen 5 – 6:

“Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand; erkenne Ihn auf allen deinen Wegen, so wird Er deine Pfade ebnen.“

Diese Verse sind sehr bekannt und sie sind leider auch sehr oft missbraucht worden, um den uns von Gott gegebenen Verstand zu diskreditieren. Betrachtet man jedoch das Vorkommen des Wortes “Verstand“ allein im Buch der Sprüche (z.B. Sprüche 2, 4 – 5; 4, 1 + 5 + 7; 7, 4; 8, 5 u.v.a.m.), so wird deutlich, dass es sich hier nicht um eine Aufforderung handeln kann, dieses Geschenk Gottes gering zu achten. Es geht nicht darum, Verstand und Glaube gegeneinander auszuspielen, sondern darum, unsere eigenen Fähigkeiten richtig einzuordnen. Die Schlüsselworte in diesem Zusammenhang sind “erkenne Ihn“. In der hebräischen Sprache ist hier keine “Erkenntnis“ im Sinne von “Wissen“ gemeint, sondern ein “Kennen“ im Sinne einer engen Beziehung. Unser Verstand ist ein Geschenk Gottes.  Aber wenn wir bei diesem Geschenk stehen bleiben und meinen, dieses Geschenk sei alles, dann sind wir wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, das angesichts der neuen Puppe oder des neuen Autos seine Eltern vergisst. Es ist die Beziehung zu Gott, dem “Geber aller guten Gaben“, die unser Leben erhält und über den Verlauf unseres Lebens entscheidet. Darum geht es in diesen Versen und das ist auch die Verheißung, die uns hier gegeben wird: Tritt in eine Lebensbeziehung zu Gott ein, lerne Ihn immer besser kennen, pflege einen immer vertrauteren Umgang mit Ihm, bleib nicht bei Seinen Gaben stehen, Er kann und will Dir noch viel mehr geben.
Auch die Weisungen, die dann in Vers 7 folgen, sind so zu verstehen. Vers 7a (“halte dich nicht selbst für weise“) wiederholt die Aufforderung aus Vers 5 (“verlaß dich nicht auf deinen Verstand“). Die Aufforderung zur Gottesfurcht, also dem Respekt gegenüber Gott, in Vers 7b (“fürchte den Herrn“) wiederholt auf andere Weise Vers 5a (“vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen“). Wir können vertrauen, weil Er sich als vertrauenswürdig erwiesen hat und darum ist Er auch aller Ehre würdig. Aus Liebe zu Ihm, meiden wir das, was nicht Ihm und Seinem Wesen entspricht (“weiche vom Bösen, Vers 7c).

*  Verheißungen und Segnungen (Verse 8 – 10)

Die Verheißungen, die Gott Seinem irdischen Volk gab, waren primär irdisch, d.h. materiell. Dem Israeliten, der auf die Weisungen aus Sprüche 3, 1 – 7 hörte und entsprechend handelte, wurden Gesundheit und Wohlstand verheißen.
Diese Segensverheißungen können wir nicht einfach auf uns als Christen übertragen. Uns hat Gott zwar auch die Versorgung zugesagt, die wir benötigen (Philipper 4, 19 u.a.m.), aber die Segnungen des Christen gehen weit darüber hinaus und sind vorrangig geistlicher Art (Epheser 1, 3).

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Eine Antwort zu Anmerkungen zu Sprüche 3, 7

  1. rehde schreibt:

    „…aus Sprüche 3, 1 – 7 hörte und entsprechend handelte, wurden Gesundheit und Wohlstand verheißen.
    Diese Segensverheißungen können wir nicht einfach auf uns als Christen übertragen. Uns hat Gott zwar auch die Versorgung zugesagt, die wir benötigen (Philipper 4, 19 u.a.m.), aber die Segnungen des Christen gehen weit darüber hinaus und sind vorrangig geistlicher Art (Epheser 1, 3).“

    Danke für den Beitrag und die Erinnerung daran: die Segnungen des Christen gehen weit darüber hinaus. Nur leider lassen wir uns vom Erkennen dieses Segens von kleinen (naja manchmal auch großen) Kümmernissen / Problemen von dieser Sicht zu oft ablenken.
    Danke!

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