Gerecht aus dem Glauben – Anmerkungen zu Psalm 97, 11 – 12

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Gerecht aus dem Glauben – Anmerkungen zu Psalm 97, 11 – 12

Die zwei letzten Verse des 97. Psalms bilden die Grundlage der  Wortverkündigung für den kommenden Sonntag:

„Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den frommen Herzen. Ihr Gerechten, freut euch des HERRN und danket ihm und preiset seinen heiligen Namen!“

(Psalm 97, 11 – 12)

 

Da ist keiner, der  ….

Was bedeutet es – im Sinn von Psalm 97 – gerecht zu sein? Das hebräische Wort (צדּיק; Tsaddiyq, auch Zaddik), das unsere deutschen Bibeln als “Gerechter“ übersetzen, bezeichnet einen Menschen, der “richtig“, “korrekt“, “in Übereinstimmung mit dem Gesetz Gottes“ lebt. Auf den Punkt gebracht könnten wir auch sagen, dass ein Gerechter ein Mensch ist, der “passend für eine Beziehung mit Gott“ ist, weil er in Übereinstimmung mit Gottes Gesetz – und so auch mit dem Willen Gottes – lebt.
Nach der Lehre der Heiligen Schrift ist kein Mensch aus sich heraus “gerecht“, also für “eine Beziehung zu Gott passend“. Unter der Inspiration des Heiligen Geistes spricht König David diese bittere Wahrheit in einem seiner Psalmen aus:

“Dem Vorsänger. Von David. Der Tor spricht in seinem Herzen: «Es ist kein Gott!» Sie begehen verderbliche und greuliche Handlungen; keiner ist, der Gutes tut. Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, daß er sehe, ob jemand so verständig sei und nach Gott frage; aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; keiner ist, der Gutes tut, auch nicht einer!

(Psalm 14, 1 – 3)

Aus dem Zusammenhang der Verse 1 – 3 wird eine Grundaussage deutlich: Kein Mensch – auch nicht einer! – tut das, was aus Gottes Sicht gut ist. Menschen können natürlich “Gutes tun“ im Rahmen ihrer eigenen Maßstäbe. Doch dieses “Gute“ aus menschlicher Perspektive wird niemals dem göttlichen Maßstab genügen, weil es aus eigener Kraft und in Unabhängigkeit vom Schöpfer getan wurde.

Auch der Apostel Paulus ist sich dieser geistlichen Realität bewusst, wenn er genau diese Psalmworte im Römerbrief aufgreift:

“Ich habe ja jetzt den Beweis erbracht, dass alle schuldig sind, die Juden ebenso wie die anderen Menschen, und dass alle unter der Herrschaft der Sünde stehen, genau wie es in der Schrift heißt: »Keiner ist gerecht, auch nicht einer. Keiner ist klug, keiner fragt nach Gott. Alle sind vom richtigen Weg abgewichen, keinen Einzigen kann Gott noch gebrauchen. Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.“

(Römer 3, 10 – 12, NGÜ)

Ein bekanntes Beispiel dafür, dass selbst unsere besten menschlichen Taten nicht ausreichen, um uns für eine Beziehung zu Gott passend zu machen, finden wir in dem Bericht von Kain und Abel (1. Mose 4, 1 – 16). Beide brachten Gott ein Opfer dar. Abel opferte von den Tieren seiner Herde, Kain von den Früchten seines Feldes. Das Opfer Abels nahm Gott an, das Opfer Kains verwarf Er. Warum? Abels Opfer war nicht „selbst produziert“. Natürlich musste er seine Herden hegen und pflegen, aber die Frage, ob seine Herden sich vermehrten und wuchsen, das lang nicht in seiner Hand. Das Opfer Kains hingegen war mehrheitlich das Ergebnis “seiner Hände Arbeit“. Er hatte den Samen gesammelt, er hatte den Acker bestellt und besät, er hatte die Pflanzen bewässert. Natürlich lag auch das Gedeihen dieser “Früchte des Feldes“ letztlich in Gottes Hand, aber im Gegensatz zu Abel konnte Kain schon sehr viel mehr dafür tun, dass sich bei seiner Arbeit Erfolg einstellte. Wenn Abel dem Herrn die “Erstlinge“ seiner Herde darbrachte (1. Mose 4, 4), dann legte er damit auch das zukünftige Schicksal seiner Herde und damit auch seines Lebensunterhalts, in die Hände Gottes. Mit seinem Handeln bekundete er, dass er ganz und gar abhängig von Seinem Schöpfer war. Das Wissen um diese totale Abhängigkeit von Gott und ein entsprechendes Leben und Handeln, nennt die Heilige Schrift “Glaube“. Darum bezeugt sie auch von Abel:

“Durch Glauben brachte Abel Gott ein größeres Opfer dar als Kain; durch ihn erhielt er das Zeugnis, daß er gerecht sei, indem Gott über seine Gaben Zeugnis ablegte, und durch ihn redet er noch, wiewohl er gestorben ist.“

(Hebräer 11, 4)

Jetzt aber ….

Wenn dem so ist, wie es der Apostel Paulus hier bezeugt, dann stellt sich die Frage, wie Menschen überhaupt “gerecht“ werden, in eine Beziehung mit Gott treten können. Ist es Zufall oder Glück, Erziehung zum Glauben oder doch eine von der Wissenschaft noch unentdeckte “Veranlagung“? Die Heilige Schrift bezeugt uns, dass nichts davon der Grund für die Entstehung einer Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer ist. Der einzige Grund dafür, dass Menschen, die nicht nach Gott fragen, doch in eine Beziehung zu Gott treten können, ist Liebe – Gottes Liebe (Johannes 3, 16). Bevor wir auch nur ein einziges Mal nach Gott fragten, hat Gott in Seiner großen Liebe Seinen Sohn gesandt. Jesus Christus starb für uns “Ungerechte“ am Kreuz von Golgatha und brachte das Opfer, durch dass wir erlöst werden und wieder in Beziehung zu Gott treten können:

“Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. (…) Wir sind ja mit Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt worden, als wir noch seine Feinde waren. „

(Römer 5, 6 + 10a)

Der Schlüssel zu einer Beziehung mit Gott ist – wie wir es bei Abel gesehen haben – nicht das menschliche Tun, sondern der Glaube. Wer immer dieses vollkommene Erlösungswerk Christi im Glauben für sich in Anspruch nimmt, den spricht Gott “gerecht“:

“Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.“

(Römer 3, 22; Luth84)

Mehr noch: Gott hat Christus selbst als “Gnadenstuhl“ (ein anderes Wort für den Sühnedeckel der Bundeslade im Alten Testament, an dem einmal im Jahr alle Sünden des Volkes vergeben wurden) hingestellt. Wer an Ihn und Sein vollkommenes Werk auf Golgatha glaubt, wird nicht nur “passend für eine Beziehung zu Gott“, sondern empfängt auch Vergebung aller seiner Sünden:

“Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.“

(Römer 3, 25 – 26)

Mit der Rechtfertigung und der Vergebung der Sünden, schenkt Gott aber dem Gläubigen auch den ganzen Reichtum Seiner Gnade.

Das große Licht und die kleinen Lichter

Und so geht, wenn  ein Mensch das Opfer Christi im Glauben für sich in Anspruch nimmt, in ihm buchstäblich “ein Licht an“. Der Apostel Paulus beschreibt den Christen in Korinth dieses Erlebnis so:

“Denn Gott, der gesagt hat: „Aus Finsternis wird Licht leuchten!“, er ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“

(2. Korinther 4, 6)

So, wir Gott durch Sein machtvolles Wort diese ganze Schöpfung ins Dasein rief (vgl. 1. Mose 1, 1 ff.), so macht Gott aus jedem Menschen, der sein Vertrauen auf das Werk Christi setzt, mittels Seines Wortes (1. Petrus 1, 23) eine neue Schöpfung (2. Korinther 5, 17).  Als wir Ihn, unseren Erlöser Jesus Christus, empfangen haben, ist das “Licht der Welt“ in unser Leben getreten:

“Nun redete Jesus wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben.

(Johannes 8, 12)

Durch Ihn haben wir das “Licht des Lebens“ empfangen, das wir nun auch an andere weitergeben dürfen.

Motivation für tägliche Zuversicht, tägliche Freude, täglichen Dank und täglichen Lobpreis

Die Verheißung, die Gott den Gläubigen der alttestamentarischen Zeit in Psalm 97 gab, war, dass ihnen das Licht “immer wieder neu aufgehen“ sollte.
Wir hingegen, die wir das “Licht des Lebens“ in der Person unseres Erlösers empfangen haben, brauchen nicht bis zum nächsten Morgen warten, bis uns dieses Licht erneut aufgeht. Wir brauchen auch nicht bis zum nächsten Tag warten, um erneut mit Freude erfüllt zu werden. Wir dürfen in allen Situationen unseres Lebens – und seien sie noch so schwer und unbegreiflich –  Sein Licht und Seine Freude erfahren. Wie ist das möglich? Nun zum einen kann uns von der Quelle unseres Lichts und unserer Freude – Jesus Christus – nichts und niemand mehr scheiden:

“Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unsrem Herrn! „

(Römer 8, 38 – 39)

Der Weg zum Thron der Gnade (Hebräer 4, 16) ist immer frei für uns und wir dürfen sicher sein, dass unser Herr uns immer hört und uns gibt, was wir brauchen. Allein das Wissen um diese Tatsache kann uns schon sehr glücklich machen. Zum anderen sind uns dieses Licht und diese Freude jederzeit durch den Glauben zugänglich. Wie sieht das praktisch aus? Von Abraham lesen wir:

“Und er wurde nicht schwach im Glauben und zog nicht seinen Leib in Betracht, der schon erstorben war, weil er fast hundertjährig war; auch nicht den erstorbenen Mutterleib der Sara. Er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark durch den Glauben, indem er Gott die Ehre gab und völlig überzeugt war, daß Er das, was Er verheißen hat, auch zu tun vermag.“

(Römer 4, 19 – 21)

Abraham blickte auf Gott und Seine unbegrenzten Möglichkeiten. So war es für ihn kein Problem, zu glauben, dass er auch in seinem hohen Alter noch Vater eines Sohnes werden konnte. Später dann, als Gott Abraham prüfte und ihn mit Isaak nach Morija schickte, da blickte Abraham wieder auf Gott und Seine unbegrenzten Möglichkeiten:

“(…) vor Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und dem ruft, was nicht ist, als wäre es da.

(Römer 4, 17)

Den Tod seines Sohnes Isaak vor Augen, setzte Abraham sein ganzes Vertrauen auf den Gott, der ihm diesen Sohn aus den Toten zurückgeben konnte. In diesen beiden, wohl schwierigsten Situationen seines Lebens, konnte Abraham überwinden und sich alles, was er von Gott brauchte, zugänglich machen. Warum? Weil er seinen Blick auf Gott und Seine unendliche Größe richtete. Die Beschäftigung mit der Person Gottes, Seinem Wesen, Seinen Fähigkeiten, machte ihn stark, versorgte ihn mit der Ermutigung und Freude, die er zum überwinden brauchte. Auch wir können auf diese Weise überwinden. Wenn wir unseren Blick auf all den Reichtum der Gnade Gottes richten, die uns in Jesus Christus geschenkt wurde, dann werden wir darin täglich immer wieder einen neuen Grund zur Freude und Zuversicht finden. Ein Mann, der diese Zusammenhänge erkannt und in seinem Leben umgesetzt hatte, war der Dichter des bekannten Liedes “In Dir ist Freude, in allem Leide“,  Cyriacus Schneegaß:

In dir ist Freue in allem Leide, o du süßer Jesu Christ! Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist; hilfest von Schanden, rettest von Banden. Wer dir vertrauet hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja. Zu deiner Güte steht unser Gmüte; an dir wir kleben im Tod und Leben, nichts kann uns scheiden. Halleluja.

Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden / Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren / mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphie­ren, lieben und loben dein Macht dort droben / mit Herz und Munde. Halleluja.

(Text und Melodie: Klick!)

 

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