Anmerkungen zu Psalm 34, 4 – 5

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Anmerkungen zu Psalm 34, 1 – 11

Psalm 34, Verse 5 – 6 sind als Grundlage für die Wortverkündigung am heutigen Mittwoch vorgesehen. Diese Verse sind Teil des größeren Sinnabschnittes, der Psalm 34, 1 – 11 umfasst:

“Von David, als er seinen Verstand vor Abimelech verstellte und dieser ihn wegtrieb und er fortging.
Den HERRN will ich preisen allezeit, beständig soll sein Lob in meinem Mund sein.
In dem HERRN soll sich rühmen meine Seele; hören werden es die Sanftmütigen und sich freuen.
Erhebt den HERRN mit mir, und lasst uns miteinander erhöhen seinen Namen!
Ich suchte den HERRN, und er antwortete mir; und aus allen meinen Beängstigungen errettete er mich.
Sie blickten auf ihn und wurden erheitert, und ihre Angesichter wurden nicht beschämt.
Dieser Elende rief, und der HERR hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und er befreit sie.
Schmeckt und seht, dass der HERR gütig ist! Glückselig der Mann, der zu ihm Zuflucht nimmt!
Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn keinen Mangel haben, die ihn fürchten.
Junge Löwen darben und hungern, aber die den HERRN suchen, ermangeln keines Guten.“

(Psalm 34, 1 – 11, ÜELBEH)


* Der Hintergrund von Psalm 34: In Psalm 34, 1 wird uns mitgeteilt, dass dies ein Psalm “von David“ ist, “als er seinen Verstand vor Abimelech verstellte und dieser ihn wegtrieb und er fortging“. Die hier angesprochenen Ereignisse betreffen Stationen in Davids Leben, die wir im 1. Buch Samuel ab Kapitel 21 nachlesen können. Zum Verständnis von Psalm 34 ist die Kenntnis dieser Ereignisse unabdingbar. Aus diesem Grund fasse ich sie im Folgenden kurz zusammen:
In den Kapiteln 2131 wird uns Davids Flucht vor Saul und sein Leben im Exil geschildert. Die erste Station auf Davids Flucht ist die Stadt Nob auf dem Skopusberg, nur wenige Kilometer von Jerusalem entfernt (1. Samuel 21, 1 – 9). Zu dieser Zeit befand sich die Bundeslade an diesem Ort und Ahimelech diente dort als Hoherpriester. Ganz offensichtlich suchte Davids auf seiner Flucht zuerst die Hilfe Gottes. Diese meinte er bei der Bundeslade und dem Hohenpriester zu finden. Doch anstatt Ahimelech ehrlich über seine Situation aufzuklären, erzählte David ihm nur “die halbe Wahrheit“. In Vers 2 lesen wir, wie er Ahimelech berichtet, der König habe ihn zu einer geheimen Mission ausgesandt. Die Tatsache, dass keine Soldaten ihn begleiten, erklärt er gegenüber dem Hohenpriester damit, dass er diese an einen anderen Ort geschickt habe und sie in Kürze wieder treffe. Nach Nob sei er gekommen, um Brot für seine Soldaten zu besorgen, und um zu beten. Daraufhin gab Ahimelech David die Schaubrote aus der Stiftshütte. Bei den Schaubroten aus der Stiftshütte handelte es sich um 12 ungesäuerte Weizenbrote, die an jedem Sabbath frisch auf einen extra für sie vorgesehenen Tisch in der Stiftshütte (2. Mose 25, 23 – 30) gelegt wurden. Sie stellten symbolisch die zwölf Stämme Israels vor Gott dar. Einmal wöchentlich wurden die Brote durch neue ersetzt und die bisherigen Brote dienten als Nahrung für die Priester (3. Mose 24, 5 – 6). Nur rituell reine Männer durften von diesem Brot essen und diese rituelle Reinigung forderte Ahimelech auch von David und seinen Männern (vgl. dazu 1. Samuel 21, 4; 2. Mose 19, 14 – 15; 3. Mose 15, 8). Als David ihm versichert, seine Männer und er selbst seien rituell rein, gab Ahimelech ihm die Brote (1. Samuel 21, 6). David fragte Ahimelech auch nach einer Waffe, da er – so seine Erklärung – aus Eile wegen des Auftrags Sauls seine Waffen nicht mitgenommen habe (1. Samuel 21, 8). Ahimelech gibt zur Antwort, dass nur das Schwert Goliaths, das David vor Jahren selbst erbeutet hatte, sich in der Stiftshütte befindet (1. Samuel 21, 9). Wahrscheinlich wurde es dort aufbewahrt, weil es an Gottes Eingreifen beim Kampf gegen die Philister erinnern sollte. Als Ahimelech David dieses Schwert anbietet, erwidert dieser: “Es gibt nicht seinesgleichen; gib es mir!“ Danach verließ David Nob.
Für Ahimelech und seine Mitpriester sollte Davids Verhalten schwerwiegende Konsequenzen haben. In 1. Samuel 21, 7 heißt es: “Es war aber an jenem Tage daselbst vor dem HERRN eingeschlossen ein Mann aus den Knechten Sauls, der hieß Doeg, der Edomiter, einer der mächtigsten Hirten Sauls.“ Doeg befand sich in Nob, um zu beten und wurde aus diesem Grund Zeuge des Besuchs von David bei Ahimelech. Aus 1. Samuel 22, 9 ff. erfahren wir, wie Doeg Saul davon berichtet und wie Saul daraufhin Doeg befiehlt, Rache an Ahimelech und der Stadt Nob zu nehmen:

“Da antwortete Doeg, der Edomiter, der neben Sauls Knechten stand, und sprach: Ich sah den Sohn Isais, als er nach Nob zu Achimelech, dem Sohn Achitubs kam. Der befragte den HERRN für ihn und gab ihm Brot, und das Schwert Goliaths, des Philisters, gab er ihm auch. Da sandte der König hin und ließ rufen Achimelech, den Sohn Achitubs, den Priester, und seines Vaters ganzes Haus, die Priester, die zu Nob waren; und sie kamen alle zum König. Und Saul sprach: Höre doch, du Sohn Achitubs! Er sprach: Siehe, hier bin ich, mein Herr! Und Saul sprach zu ihm: Warum habt ihr einen Bund wider mich gemacht, du und der Sohn Isais, daß du ihm Brot und ein Schwert gegeben und Gott für ihn befragt hast, so daß er sich wider mich auflehnt und mir nachstellt, wie es jetzt am Tage ist? Achimelech antwortete dem König und sprach: Und wer ist unter allen deinen Knechten so treu wie David, dazu des Königs Tochtermann und Oberster über deine Leibwache und in deinem Hause so hoch gehalten? Habe ich denn erst heute angefangen, Gott für ihn zu befragen? Das sei ferne von mir! Der König lege solches weder seinem Knecht, noch dem ganzen Hause meines Vaters zur Last; denn dein Knecht hat von alledem nichts gewußt, weder Kleines noch Großes! Aber der König sprach: Achimelech, du mußt des Todes sterben, du und deines Vaters ganzes Haus! Und der König sprach zu seinen Trabanten, die vor ihm standen: Wendet euch und tötet die Priester des HERRN! Denn ihre Hand ist auch mit David; und obschon sie wußten, daß er floh, haben sie es mir doch nicht eröffnet. Aber die Knechte des Königs wollten die Hand nicht an die Priester des HERRN legen, sie zu erschlagen. Da sprach der König zu Doeg: Wende du dich und erschlage die Priester! Und Doeg, der Edomiter, wandte sich und fiel über die Priester her und tötete an jenem Tage fünfundachtzig Männer, die das leinene Ephod trugen. Und Nob, die Stadt der Priester, schlug er mit der Schärfe des Schwertes, Männer und Weiber, Kinder und Säuglinge, auch Ochsen, Esel und Schafe, mit der Schärfe des Schwertes.“

(1. Samuel 22, 9 – 19)

So führte Davids Lüge zum Tod vieler unschuldiger Menschen.

Nachdem er Nob verlassen hatte, wandte sich David nach Gath (1. Samuel 21, 10 – 15). Wer sich ein wenig mit der biblischen Geschichte auskennt, wird sicher verwundert sein, wenn er dies liest. Wie kommt es, dass David, der Bezwinger Goliaths, ausgerüstet mit dem Schwert dieses getöteten Riesen, nun in dessen Heimatstadt flieht (1. Samuel 17, 4)? Wieso denkt er, dass er gerade dort, wo ihn jeder hassen musste, Zuflucht finden könnte?  Vielleicht meinte er in Achis (a.Ü. Abimelech), dem König von Gath, einen Verbündeten zu finden, da dieser ja auch mit Saul verfeindet war. Hat ihn der Gedanke, dass “die Feinde meiner Feinde meine Freunde sind“ zu diesem Schritt bewogen? Doch was immer Davids Beweggründe für diesen Schritt gewesen sein mögen, sein Versuch, sich in Gath in Sicherheit zu bringen, scheitert. Denn in Gath wird David sofort erkannt (1. Samuel 21, 11) und ihm wird klar, dass er auch dort nicht sicher ist. Den einzigen Ausweg, den er in dieser Situation sieht, ist es, sich als geisteskrank auszugeben. Im Nahen Osten wurden zu jener Zeit geisteskranke Menschen als schlechtes Omen, Vorboten eines Unglücks, betrachtet. Sie zu töten, brachte nach den Vorstellungen jener Zeit ebenfalls Unglück und so vertrieb man solche Menschen nur, tat ihnen aber in der Regel nichts weiter an. David, der offensichtlich um diese Einstellung zu Geisteskranken wusste, verstellte sich dementsprechend, um aus Gath fliehen zu können und er hatte sogar Erfolg mit seiner List. Der König von Gath lässt ihn vertreiben und David konnte in die Höhle Addullam fliehen (1. Samuel 22, 1).
In beiden Situationen – in Nob wie in Gath – benutzt David eine List, um seinen Verfolgern zu entgehen. In beiden Fällen lügt er. In Nob sind es verbale Lügen, in Gath ist es ein lügnerisches Verhalten. In beiden Fällen haben die Lügen Davids Konsequenzen. Ahimelech und die Stadt Nob kommen durch den Zorn Sauls um und Gath muss David mit dem Makel verlassen, dass der zukünftige König Israels ein Irrer ist. Obwohl David ein gewisses Vertrauen zu Gott hatte, meinte er, in diesen Situationen sich mit eigenen Mitteln helfen zu müssen. Diese Vermischung von Vertrauen in Gott und einem völlig von Gott unabhängigen Handeln finden wir an mehreren Stellen in Davids Leben. In 1. Samuel 21 wird es jedoch besonders deutlich. Als David Psalm später Psalm 34 (und ander Psalmen) schreibt, ist er zu dieser Einsicht gekommen, dass er sein Vertrauen ganz auf Gott setzen muss und es nicht mit menschlich durchtriebenen Listen vermischen darf. David erwähnt offen sein falsches Handeln in Gath ganz zu Beginn dieses Psalms, doch alles, was er danach sagt, ist ein Lobpreis Gottes und Seines Bewahrung. Es wird deutlich, dass David zwischenzeitlich zu der Einsicht gelangt ist, dass nicht seine menschlichen Listen ihn in den heiklen Situationen seines Lebens bewahrten, sondern allein Gott.  Dieser Psalm beleuchtet seine Erfahrungen also aus einer neuen Perspektive. Und noch viel später sehen wir wie David, der von dem Schwert Goliaths sagte: “Es gibt nicht seinesgleichen“ ein Bekenntnis vor Gott ablegt, in dem er sagt:

“Darum bist du, HERR, mein Gott, auch so hoch erhaben; denn dir ist niemand gleich, und es ist kein Gott außer dir nach allem, was wir mit unsern Ohren gehört haben!“

(2. Samuel 7, 22)

Aus Psalm 34 erfahren wir, dass Gott David immer wieder vor seinen Feinden bewahrte und aus der Hand seiner Feinde befreite. Gottes Eingreifen zu Gunsten Davids dürfen wir nicht als eine Zustimmung zu Davids lügnerischem Handeln mißdeuten. Gott bewahrte David nicht, weil dieser so handelte, sondern obwohl dieser so handelte. Gottes Bewahrung stellt keine Zustimmung zu Davids Handeln dar. Gott bewahrte David, weil Er ihm schon Jahre zuvor eine Verheißung gegeben hat und weil Gott – im Gegensatz zu uns Menschen – Seine Bündnisse nie bricht und Seine Verheißungen immer einhält.

* Lernen, was David gelernt hat: Davids Verhalten ist eine Mischung aus Gottvertrauen und menschlichen Listen. Auf der einen Seite möchte er Gott vertrauen, auf der anderen Seite greift er in schwierigen Situationen zu eigenen Mitteln, ja sogar zur Lüge. Wie oft mag es uns ähnlich ergangen sein oder noch ergehen? Auf der einen Seite möchten wir Gott vertrauen und Ihm dienen und wenn es dann darauf ankommt, dann meinen wir, doch wieder selbst für uns sorgen zu müssen und scheuen auch nicht den Einsatz von Mitteln, die Gottes Willen so gar nicht entsprechen. Wenn dann noch “alles gut geht“, dann meinen wir auch noch, Gott habe uns und unserem falschen Handeln doch noch irgendwie Seinen Segen gegeben. Und wenn es wieder zu einer schwierigen Situation kommt, handeln wir erneut falsch. Nein, Gottes Bewahrung ist nie ein Siegel für falsches Handeln. Gott bewahrt uns, weil er uns dies zugesagt hat (2. Thessalonicher 3, 3). Aber auch unser falsches Handeln wird Konsequenzen haben:

”Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder empfange, was er in dem Leib getan hat, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses.”

(2. Korinther 5, 10)

Darum ist es wichtig, dass wir aus dem lernen, was David (in einem langen, schmerzhaften Prozess) gelernt hat: Wirkliche Hilfe kann für uns nur von Gott kommen, wahre Sicherheit gibt es nur bei Ihm. Keine menschliche List, kein Schwert Goliaths kann uns helfen und kein König Achis vermag unseren Schutz zu gewährleisten. Alles, was wir brauchen, finden wir nur in Gott:

Niemand ist gleich dem Gott Jeschuruns, der zu deiner Hilfe am Himmel einherfährt und auf den Wolken in seiner Majestät. Eine Zuflucht ist [dir] der Gott der Urzeit, und unter dir sind ewige Arme. Er hat den Feind vor dir her gejagt und zu dir gesagt: Vertilge!«“

(5. Mose 33, 26 – 27)

Setzen wir unser Vertrauen ganz auf diesen Gott, dem niemand gleich ist. Nehmen wir Abstand von allem, was sich mit dem Willen und Wesen Gottes in unserem Leben nicht vereinbaren lässt. Denn in Jesus Christus hat Gott uns die einzigartige Verheißung geschenkt, dass Er uns alles geben wird, was wir brauchen:

“Welcher sogar seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“

(Römer 8, 32)

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