Anmerkungen zu Lukas 22, 26 – 27

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Anmerkungen zu Lukas 22, 26 – 27

Auch die Bibelworte für die Wortverkündigung am kommenden Sonntag stammen aus dem Lukasevangelium (zum Hintergrund des Lukasevangeliums siehe hier und hier) und zwar aus Lukas 22, 26 – 27. Wir betrachten diese Verse in dem Sinnabschnitt, zu dem sie gehören:

“Es entstand aber auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen für den Größten zu halten sei. Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Nationen herrschen über sie, und die, die Gewalt über sie ausüben, werden Wohltäter genannt. Ihr aber nicht so; sondern der Größte unter euch sei wie der Jüngste, und der Führende wie der Dienende. Denn wer ist größer, der zu Tisch Liegende oder der Dienende? Nicht der zu Tisch Liegende? Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende. Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen; und ich bestimme euch, wie mein Vater mir bestimmt hat, ein Reich, damit ihr esst und trinkt an meinem Tisch in meinem Reich und auf Thronen sitzt, um die zwölf Stämme Israels zu richten.“

(Lukas 18, 24 – 30)


* Der Kontext von Lukas 22, 26 – 27: In den Kapiteln 2224 des Lukasevangeliums schildert der Evangelist das Leiden, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu Christi, sowie die damit zusammenhängenden Ereignisse: In Lukas 22, 1 – 6 lesen wir, wie die geistlichen Führer Israels die Verhaftung Jesu planen und wie Judas sich ihnen zur Verfügung stellt, um seinen Herrn zu verraten. In Lukas 22, 7 – 13 werden uns dann die Vorbereitungen der Jünger für das Passahfest geschildert. In Lukas 22, 14 – 38 berichtet der Evangelist von den Geschehnissen, die sich rund um das letzte Passahfest des Herrn und Seiner Jünger im Obersaal zugetragen haben: die bewegenden Worte des Herrn zu Beginn der Feier (Lukas 22, 15 – 16), Seine Worte über den Kelch (Lukas 22, 27 – 28) und die Einsetzung des Herrenmahles (Lukas 22, 19 – 20), die Ankündigung Jesu, dass Er verraten werde (Lukas 22, 21 – 23). In Lukas 22, 24 – 30 finden wir eine ausführliche Belehrung des Herrn über den Dienst der Jünger. Aus diesem Zusammenhang stammen auch die Bibelworte für den kommenden Sonntag. 

* “Es entstand aber auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen für den Größten zu halten sei“: Gerade hat ihr Herr über Sein zukünftiges Leiden und Sterben gesprochen, da bricht unter den Jüngern ein Streit darüber aus, wer  unter ihnen der Größte sei. Schon zu anderen Zeiten hatte es in der Gruppe der Jünger solche Gespräche gegeben. In Lukas 9, 46 – 48 lesen wir:

“Es entstand aber unter ihnen eine Überlegung, wer wohl der Größte unter ihnen sei. Als Jesus aber die Überlegung ihres Herzens sah, nahm er ein Kind und stellte es neben sich und sprach zu ihnen: Wer irgend dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, nimmt mich auf; und wer irgend mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat; denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.“

Der Evangelist Matthäus berichtet ebenfalls von einem Rangstreit unter den Jüngern und zwar kurz nachdem der Herr Jesus Christus auf dem Weg nach Jerusalem zum dritten Mal Sein Leiden und Sterben angekündigt hat:

“Dann trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm und warf sich nieder und wollte etwas von ihm erbitten. Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Sprich, dass diese meine zwei Söhne einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen sollen in deinem Reich. Jesus aber antwortete und sprach: Ihr wisst nicht, was ihr erbittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagen zu ihm: Wir können es. Er spricht zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und zur Linken, das steht nicht bei mir zu vergeben, sondern ist für die, denen es von meinem Vater bereitet ist. Und als die Zehn es hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder. Als Jesus sie aber herzugerufen hatte, sprach er: Ihr wisst, dass die Fürsten der Nationen diese beherrschen und die Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch soll es nicht so sein; sondern wer irgend unter euch groß werden will, soll euer Diener sein; und wer irgend unter euch der Erste sein will, soll euer Knecht sein – so wie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“

(Matthäus 20, 20 – 28; vgl. auch Markus 10, 10 + 42 – 45)

Besser, größer, mehr als andere sein zu wollen, das ist ein tief verwurzeltes Begehren, das der Seele des nicht durch Gottes Geist erneuerten Menschen entspringt. Der durch den Sündenfall von Gott getrennte Mensch ist ständig auf der Suche nach dem, was seinem Leben echte Erfüllung und Befriedigung schenkt. Manche Menschen meinen, dass Reichtum, Macht und die damit verbundene Bewunderung anderer ihnen diese Erfüllung zu schenken vermag. Doch das göttliche Urteil über den von Gott getrennten Menschen steht fest:

“(…) denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, (…)“

(Römer 3, 23)

Menschen können durch Macht, Reichtum, Einfluss oder Ansehen ihrem Leben eine menschliche Herrlichkeit verleihen, aber die göttliche Herrlichkeit können sie auf diese Weise nicht in ihr Leben zurück bringen. Nur dann, wenn ein Mensch auf dem Weg der Buße und Bekehrung zu Gott zurückkehrt, Vergebung, Frieden mit Gott und neues, ewiges Leben empfängt, nur dann kehrt auch die Herrlichkeit Gottes in sein Leben zurück.
Das Leben des Zöllners Zachäus (Lukas 19, 1 – 10) zeigt uns genau diese Entwicklung: Zächäus, ein Mann von kleiner Statur, hatte es im Leben weit gebracht. Er war ein Oberzöllner in Jericho und er war reich. Der Beruf des Zöllners war im Volk der Juden verachtet, weil Zöllner mit der verhassten Besatzungsmacht der Römer zusammenarbeiteten. Ganz offensichtlich hatte der schlechte Ruf dieser Tätigkeit Zachäus aber bei seiner Berufswahl nicht abgeschreckt. Denn Zöllner waren einflussreich. Sie hatten die Macht, Steuern und Pflichtabgaben einzutreiben. Von diesen Steuern und Abgaben bekamen Zöllner zeitweise Provision. Sie bestimmten auch, welche Händler in eine Stadt eingelassen wurden und welche nicht, wer also Handel treiben durfte und wem im Gegenzug Geschäfte entgingen. Viele ließen sich die Genehmigungen für die Händler ein zusätzliches Schmiergeld kosten. Der Beruf des Zöllners war vielleicht verachtet, aber er bot vielfältige Möglichkeiten, zu Reichtum und damit auch zu Macht und Ansehen zu gelangen. Doch obwohl er als Oberzöllner über all‘ das verfügte, hatten Zachäus seine Erfolge bisher nicht die Erfüllung geschenkt, die er sich ersehnt hatte. Das wird deutlich, als der Herr Jesus Christus nach Jericho kam. Zachäus tat alles, um diesen Rabbi, von dem alle erzählten, zu hören. Er war sich nicht zu fein, um auf einen Maulbeerbaum zu steigen. Irgendetwas, das er über die Person des Herrn Jesus Christus gehört hatte, muss ihn so angesprochen haben, dass er sogar bereit war, sich durch sein Klettern auf den Maulbeerbaum dem Hohn und Spott der Leute auszusetzen. “Seht her, da sitzt Zachäus auf dem Maulbeerbaum! Tja, wenn er uns die Steuern abknöpft, dann ist er groß, der Herr Oberzöllner! Aber wenn es darum geht, den Rabbi zu sehen, dann reicht seine mickrige Statur nicht aus! Was ist, Zachäus? Kauf dir doch ein Paar längere Beine, wenn Du es kannst, genug Geld hast du ja aus uns herausgepresst!“ Hatte er es als Oberzöllner nötig, einem wandernden Rabbi nachzulaufen? Hatte er es als Oberzöllner nötig, auf einen solchen Baum zu steigen, nur um diesen Rabbi zu hören? Hatte er es als Oberzöllner nötig, sich dem Hohn und Spott der Menschen auszusetzen? Ja, das hatte er nötig. Er hatte es sogar bitter nötig. Die Leere seines Herzens trieb ihn, Dinge zu tun, die er früher nie getan hätte. Doch nun hatte er erkannt, dass alles das, was er bisher erreicht hatte, ihm nicht die Erfüllung seines Lebens schenken konnte. So ist es auch seine Reaktion auf den Befehl des Herrn, von dem Baum herabzusteigen, nicht verwunderlich: “Und er stieg eilends herab und nahm ihn auf mit Freuden.“  In der Gegenwart des Herrn Jesus Christus erfährt das Leben von Zachäus eine tiefgreifende Veränderung. Er ist bereit die Hälfte seines Besitzes den Armen zu geben und jedem, den er betrogen hat, sein Gut vierfach zurück zu erstatten. Warum tut er das? Weil er in der Gegenwart des Herrn Jesus Christus begriffen hat, dass fortan die Beziehung zu Gott, das Heil, die Erlösung, die seinem Haus widerfahren ist, sein Leben erfüllen wird.
Es mag sein, dass wir nicht über großen Reichtum verfügen, sondern im Gegenteil jeden Cent zweimal umdrehen müssen, bevor wir ihn ausgeben. Doch Vieles kann zu einem Ersatz für die Lebenserfüllung werden, die in Wirklichkeit nur in der Beziehung zu Gott gefunden wird. Ob wir arm oder reich sind, spielt dabei eine untergeordnete Rolle und nur wir selbst wissen, welche Ersatzbefriedigungen oder Ersatzgötter sich in unser Leben eingeschlichen haben.
Der Weg zu Gott und damit auch zu wahrer Lebenserfüllung ist seit dem Tod und der Auferstehung Jesu frei und Seine Einladung ergeht auch heute noch an alle Menschen, die wie Zachäus begriffen haben, dass Irdisches allein sie nie zu erfüllen vermag:

“Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen;  denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht!“

(Matthäus 11, 28 – 30)

 

* “Ihr aber sollt nicht so sein; sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Führende wie der Dienende.“ Auch Gläubige können – nachdem sie Gott erfahren haben – unter Umständen wieder in ein altes Denkmuster zurück fallen, in dem ihnen irdischer Besitz und irdisches Ansehen erneut den Blick auf Gott verstellen. In seinem dritten Brief schreibt der Apostel Johannes:

“Ich habe der Gemeinde etwas geschrieben; aber Diotrephes, der bei ihnen der erste sein möchte, nimmt uns nicht an.“

(3. Johannes 9)

Hier ist die Rede von einem Menschen, der sich als Christ bezeichnete und doch durch sein Verhalten deutlich machte, dass in ihm keine Bereitschaft war, sich in das Bild Jesu umgestalten zu lassen (Römer 8, 29). Der Herr Jesus hatte seine Jünger gelehrt:

“(…) sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Führende wie der Dienende.“

(Lukas 22, 26)

Diotrephes verhielt sich genau entgegengesetzt zu diesen Worten des Herrn und damit auch zu dem Vorbild, das der Herr Jesus Christus denen, die an Ihn glauben, hinterlassen hat (1. Petrus 2, 21).
Bei dem Konflikt, den der Apostel Johannes hier beschreibt, ging es nicht um Meinungsverschiedenheiten, z.B. über bestimmte Lehrfragen. Johannes sagt nicht, dass Diotrephes falsche Lehren verbreitet hätte. Aber er zeigt sein stolzes Verhalten und seine Herrschsucht auf.
Auch Christen können in ein solches Denk- und Verhaltensmuster zurückfallen. Dann ist es wichtig, dass verantwortliche Seelsorger, wie Johannes, die Menschen wieder zum Evangelium und zum Vorbild des Herrn Jesus Christus zurückführen.

* “Denn wer ist größer: der, welcher zu Tisch sitzt, oder der Dienende? Ist es nicht der, welcher zu Tisch sitzt? Ich aber bin mitten unter euch wie der Dienende.“ Normalerweise dienen die Jüngeren den Älteren und die Diener den Herrschenden. Im Nahen Osten zur Zeit Jesu standen insbesondere ältere Menschen in hohem Ansehen. Doch der Herr lehrt seine Jünger, dass sie ganz unabhängig von Alter oder Aufgabe einander dienen sollen (1. Timotheus 5, 1; Titus 2, 6; 1. Petrus 5, 5).
Es ist normalerweise auch so, dass diejenigen, die bei Tisch bedient werden, eine höhere soziale Stellung haben, als die, die das Essen servieren. Im Nahen Osten zur Zeit Jesu war derjenige, der bei Tisch bediente, oft ein Sklave. Der Herr selbst hatte sich bei diesem Passahfest wie ein Sklave (griech.: “διακονέω“/“diakoneo“) verhalten (vgl. Johannes 13, 12 – 17). Diesem Beispiel sollten auch seine Jünger folgen. Wenn eine dienende Haltung nicht unter der Würde ihres Meisters  war, dann  war eine solche Haltung auch nicht unter ihrer Würde. Der Herr lehrte seine Jünger, dass sie mehr nach Gelegenheiten Ausschau halten sollten, in denen sie  anderen dienen konnten, anstatt nach Gelegenheiten zu suchen, in denen anderen ihnen dienten. Auf diese Weise sollten sie die Herrschaft ihres Erlösers widerspiegeln, die sich so völlig von der Herrschaftsweise der heidnischen Könige unterscheidet.
Auch uns heute gilt dieses Gebot des Herrn. Es ist ein sehr praktisches Gebot und unser Alltag bietet uns zahlreiche Möglichkeiten, es zu erfüllen. Wir müssen es nur wollen und uns von Gott diese Möglichkeiten zeigen lassen.

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