Anmerkungen zu Lukas 18, 28 – 30

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Anmerkungen zu Lukas 18, 28 – 30

Die Bibelworte, die der Wortverkündigung am heutigen Mittwoch zugrunde liegen, sind dem 18. Kapitel des Lukasevangeliums entnommen (zum Hintergrund des Lukasevangeliums siehe hier und hier). Wie immer ist es gut, diese Bibelworte in ihrem Kontext zu betrachten:

“Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu ererben?  Da sprach Jesus zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als nur Gott allein. Du weißt die Gebote: «Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht falsches Zeugnis reden! Ehre deinen Vater und deine Mutter!» Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von Jugend an. Da Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Eins fehlt dir noch; verkaufe alles, was du hast, und verteile es an die Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! Als er aber solches hörte, wurde er ganz traurig; denn er war sehr reich. Als aber Jesus ihn so sah, sprach er: Wie schwer werden die Reichen ins Reich Gottes eingehen!  Denn es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes komme.  Da sprachen die, welche es hörten: Wer kann dann gerettet werden? Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Da sprach Petrus: Siehe, wir haben das Unsrige verlassen und sind dir nachgefolgt! Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Weib oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlassen hat um des Reiches Gottes willen,  der es nicht vielfältig wieder empfinge in dieser Zeit und in der zukünftigen Weltzeit das ewige Leben!

(Lukas 18, 18 – 30)


* “Das ewige Leben ererben“: Der reiche junge Mann fragt danach, wie er das ewige Leben ererben könne. „Ewiges Leben“ beinhaltet nach der Lehre der Heiligen Schrift auch immer den Eingang in das (zukünftige) Reich Gottes bzw. das Leben in demselben (vgl. Johannes 3, 1 – 6). Jeder, der ewiges Leben empfängt, empfängt damit auch Anteil am Reich Gottes.
Dem jüdischen Volk war dieses Reich seit dem Stammvater Jakob fest verheißen worden (1. Mose 49, 10). Dementsprechend verstanden sich die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs als “Söhne des Reiches“ (vgl. Matthäus 3, 9; Matthäus 8, 12). Auch der reiche junge Mann war ganz in diesem Denken verwurzelt. Lukas und Markus benutzen, wenn sie von seiner Frage an den Herrn Jesus Christus berichten, beide das Wort “κληρονομησω“ (“kleronomeso“), “ein Erbe sein“. Dadurch wird ausgedrückt, dass sich dieser junge Mann aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit zum Volk der Juden als ein rechtmäßiger Erbe des Reiches Gottes verstand. Er war – nach seiner Meinung – jemand, der darauf “ein Anrecht besaß“. Trotz dieser Überzeugung war in seinem Herzen ein Rest an Ungewissheit, Unsicherheit. Darum erkundigte er sich bei dem Herrn Jesus Christus, was er (noch) tun kann, um das ewige Leben (und damit das Reich Gottes) zu ererben. Die beiden Rückfragen des Herrn an den jungen Mann bezwecken zweierlei:
Die Aussage, dass niemand als Gott allein gut ist, sollte den jungen Mann zu der Erkenntnis führen, dass ihm in der Person des Herrn Jesus Christus Gott Selbst gegenüber stand. Der Hinweis des Herrn Jesus Christus auf das Gesetz als moralischen Maßstab des Reiches Gottes sollte den jungen Mann zu der Einsicht bringen, dass er diesem Maßstab nicht genügte und auch nie würde genügen können. Er sollte erkennen, dass er Vergebung und neues Leben aus Gott empfangen musste (Johannes 3, 1 – 6), wenn er ewiges Leben ererben und in das Reich Gottes eingehen. Um den jungen Mann zu dieser Einsicht zu führen, geht der Herr auf besondere Weise vor: Aus den Zehn Geboten zitiert Er zuerst die Gebote 5 bis 9, die sich mit der Verantwortung befassen, die der Mensch gegenüber seinem Mitmenschen trägt (vgl. 2. Mose 20, 12 – 16).  Auf diesen Hinweis des Herrn hin kann der junge Mann noch antworten, dass er diese Gebote alle gehalten habe. Dann jedoch konfrontiert ihn der Herr mit dem 10. Gebot, in dem es um das Begehren geht.  Die Art des Begehrens wird dabei nicht direkt angesprochen. Denn der Herr zielt bei dem jungen Mann auf die Wurzel allen Begehrens, die Habgier. Da Habgier Götzendienst ist (Kolosser 3, 5) verdeutlicht der Herr dem jungen Reichen hier, dass er gegen das 1. und das 10. Gebot verstoßen hat. Sein Verstoß gegen das 1. Gebot macht das Einhalten aller anderen Gebote obsolet. Der Mensch kann noch so viele gute Werke tun, sich seinem Mitmenschen noch so sehr zuwenden, wenn diese Werke unabhängig von Gott getan werden und Gott nicht  in der Weise geehrt wird, wie es Ihm als Schöpfer, Erhalter und Erlöser des Menschen gebührt, dann sind alle diese “guten Werke“ in Gottes Augen wertlos. Der Prophet Jesaja hatte diese Wahrheit erkannt, als er über sich und das von Gott abgefallene Volk das folgende Bekenntnis aussprach:

“Wir alle sind wie ein Unreiner geworden und all unsere Gerechtigkeiten wie ein beflecktes Kleid. Wir alle sind verwelkt, wie das Laub welkt, und unsere Sünden trugen uns davon wie der Wind. Und da war niemand, der deinen Namen anrief, der sich aufraffte, an dir festzuhalten. Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und uns preisgegeben wegen unserer Sünden.“

(Jesaja  64, 6 – 7)

Mit dem Ausdruck “alle unsere Gerechtigkeiten“ fasst Jesaja alle – vermeintlich – guten Werke des Volkes zusammen. Ja, der von Gott getrennte Mensch kann gute Werke tun – Werke, die in seinen Augen und in den Augen seiner Mitmenschen “gut“ sind. Doch diese “guten Werke“ können nie dem Maßstab Gottes entsprechen, weil sie unabhängig von Ihm getan werden. In Gottes Augen sind sie nicht mehr als ein beflecktes Kleid, mit dem der von Gott losgelöste Mensch seine Sünde und Gottlosigkeit zu verdecken sucht.  Zu der Erkenntnis des Propheten Jesaja war der junge, reiche Mann nie durchgedrungen. Wie hätte er sonst so selbstsicher behaupten können, er habe die Gebote Gottes alle gehalten? Nein, Gott hatte im Herzen dieses jungen Mannes nicht den Ihm gebührenden Platz – trotz aller “guten Werke“. Und als der Herr Jesus Christus die Sünde der Habgier und des  Götzendienstes in seinem Leben aufdeckte, da zog dieser Mann nicht die entsprechenden Konsequenzen, nein, er wandte sich ab (vgl. Matthäus 19, 22; Markus 10, 22).  Dieser junge Mann ist der einzige Mensch, von dem uns die Evangelien berichten, dass er in einer schlechteren Verfassung von dem Herrn Jesus Christus fort ging, als er zu Ihm gekommen war. Denn er erwählte den “Betrug des Reichtums“ (Matthäus 13, 22) anstelle des ewigen Lebens, des Reiches Gottes, des Reichtums der Gnade (Epheser 1, 7; 2, 7; Römer 2, 4), des Reichtums der Herrlichkeit Seines Erbes in den Heiligen (Epheser 1, 18; 3, 16), des unausforschlichen Reichtums Christi (Epheser 3, 8; Kolosser 1, 27; Hebräer 11, 27).

* “Wie schwer werden die Reichen ins Reich Gottes eingehen!  Denn es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes komme.“ Zwei Dinge können einen reichen Menschen hindern, in das Reich Gottes einzugehen:

1) Reiche Menschen können sich durch ihren Reichtum zum Hochmut verleiten lassen und auf arme Menschen herabsehen. Manche reichen Menschen betrachten ihren Reichtum als eine Art Gütesiegel Gottes auf ihrem Leben und meinen daher, nicht weiter auf die Gnade und Vergebung Gottes angewiesen zu sein. Der Prophet Jeremia gibt uns einen Einblick in die Sichtweise Gottes über solche Menschen:

“Wehe dem, der sein Haus mit Unrecht baut und sein Söller mit Ungerechtigkeit, der seinen Nächsten umsonst arbeiten läßt und ihm den Lohn nicht gibt, der da spricht:  «Ich will mir ein geräumiges Haus und luftige Söller bauen», und sich viele Fenster darein macht, sie mit Zedern täfelt und mit roter Farbe anstreicht!  Bist du damit König, daß du dich im Bau von Zedernpalästen hervortun kannst? Hat nicht dein Vater auch gegessen und getrunken und doch Recht und Gerechtigkeit geübt? Damals stand es gut mit ihm.  Ja, wenn man den Bedrängten und Armen zum Recht verhilft, dann steht es gut; heißt solches nicht, mich erkennen? spricht der HERR. Aber deine Augen und dein Herz sind auf nichts anderes als auf deinen Gewinn aus und auf das Vergießen unschuldigen Blutes und auf Bedrückung und Mißhandlung, sie auszuüben. Darum spricht der HERR also wider Jojakim, den Sohn Josias, den König von Juda: Man wird nicht um ihn klagen: «Ach, mein Bruder!» oder «ach, meine Schwester!» Man wird auch nicht um ihn klagen: «Ach, mein Herr!» oder «ach, seine Majestät!», sondern er soll wie ein Esel begraben werden, indem man ihn fortschleift und hinwirft, fern von den Toren Jerusalems!“

(Jeremia 22, 13 – 19)

2) Reiche Menschen können sich durch ihren Reichtum zu dem Gedanken verleiten lassen, dass ihr Reichtum ihnen “Sicherheit“ verleiht. Auf diese Weise vergessen viele Reiche für die Zeit nach ihrem irdischen leben Vorsorge zu treffen.

Aus diesen Gründen warnt der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an Timotheus:

“Wer jedoch darauf aus ist, reich zu werden, verfängt sich in einem Netz von Versuchungen und erliegt allen möglichen unvernünftigen und schädlichen Begierden, die dem Menschen Unheil bringen und ihn ins Verderben stürzen. Denn die Liebe zum Geld ist eine Wurzel, aus der alles nur erdenkliche Böse hervorwächst. Schon manche sind vom Glauben abgeirrt, weil sie der Geldgier verfallen sind, und haben dadurch bitteres Leid über sich gebracht.“

(1. Timotheus 6, 9 – 10 NGÜ)

* Das Nadelöhr: Der Herr sagt in Lukas 18, 24 – 25, dass es für reiche Menschen schwer sein wird, in das Reich Gottes einzugehen. “Schwer“ – nicht “unmöglich“! Er vergleicht das Eingehen des Reichen in das Reich Gottes mit dem Durchgang eines Kamels durch ein “Nadelöhr“. Verschiedene Interpretationsmöglichkeiten sind für die Aussage vorgeschlagen worden. Einige Bibelkommentatoren bringen den Begriff des Nadelöhrs mit einer kleinen Pforte in Jerusalem in Verbindung, die ein Fußgänger nur durchschreiten konnte, wenn er alles Gepäck vom Rücken nahm. Andere Kommentatoren sehen in diesem Begriff die Anspielung auf ein allgemein bekanntes jüdisches Sprichwort, mit dem eine Unmöglichkeit ausgedrückt werden sollte. Wieder andere halten diese Aussage für eine orientalische Übertreibung. Ich denke, wir können einfach bei dem Grundgedanken, der hier ausgedrückt wird,  bleiben: Etwas Großes, das durch eine Enge hindurchgehen will, muss sich klein machen und sich alles überflüssigen Ballastes entledigen. Reiche Menschen sollten demütig anerkennen, dass alle Gaben, die sie empfangen haben, von Gott kommen und sie nur als Haushalter darüber eingesetzt sind. Sie werden für jede dieser Gaben und für ihren Umgang mit denselben vor Gott Rechenschaft geben müssen. Und wenn es in Gottes Willen und Plan ist, kann er jedem Reichen über Nacht allen Reichtum wieder entziehen. Die Erinnerung an zwei Weltkriege und die Betrachtung der Finanzkrise seit 2008 sollten für jeden Menschen eine Mahnung sein, dass Reichtum keine wirkliche Sicherheit bietet:

“Den Reichen im jetzigen Zeitalter gebiete, daß sie nicht stolz seien, auch nicht ihre Hoffnung auf die Unbeständigkeit des Reichtums setzen, sondern auf den lebendigen Gott, der uns alles reichlich zum Genuß darreicht,  daß sie Gutes tun, reich werden an guten Werken, freigebig seien, mitteilsam,  und so für sich selbst ein schönes Kapital für die Zukunft sammeln, damit sie das wahre Leben erlangen.“

(1. Timotheus 6, 17 – 19)

* “Da sprach Petrus: Siehe, wir haben das Unsrige verlassen und sind dir nachgefolgt!“ Nachdem der Herr Jesus Christus Seine Belehrung über den Umgang mit dem Reichtum beendet hat, meldet sich Petrus zu Wort und erinnert daran, dass die Jünger – im Gegensatz zu dem Reichen jungen Mann – genau das getan haben, was Ihr Herr von ihnen verlangt. Man könnte in dieser Aussage des Petrus den Versuch sehen, eine eindeutige Zusage des Herrn bezüglich des ewigen Lebens zu erwirken. Doch was immer der Beweggrund des Petrus für die Aussage gewesen sein mag, der Herr Jesus benutzt die Situation, um all‘ jenen die Verheißung von ewigem Lohn zu zusprechen, die um Seinetwillen alles verlassen. Der Herr leitet Seine Verheißung mit den Worten “Amen. Amen“ (andere übersetzen “Wahrlich, wahrlich ….“) ein, um auf diese Weise die Zuverlässigkeit Seiner Verheißung zu bekräftigen: Jede und jeder, die/der um Seinetwillen und um des Reiches Gottes willen auf etwas verzichtet, wird ewigen Lohn von Gott dafür empfangen. Doch der/die Gläubige, der/die so lebt, muss nicht bis zur Ewigkeit warten, bis er/sie dieses Lohnes teilhaftig wird. Erfüllende, tiefe menschliche und geistliche Beziehungen (vgl. Apostelgeschichte 2, 44 – 47; Apostelgeschichte 4, 32 – 37) werden schon jetzt  sein/ihr Teil sein.¹

Fußnoten:

¹= Wenn in Lukas 18, 29 davon die Rede ist, dass jemand eine Frau um des Reiches Gottes willen verlässt, so ist damit keine Scheidung gemeint. Dies würde im Widerspruch zu Maleachi 2, 16Matthäus 5, 32 stehen. Hier geht es vielmehr darum, dass ein Mensch um des Reiches Gottes Willen im Sinne von 1. Korinther 7, 7 – 8  auf Ehe und Familie verzichtet bzw. um des Reiches Gottes zeitweise auf die Gemeinschaft mit diesen Menschen verzichtet, um einen Dienst für Gott auszuüben.

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