Gnade ist mehr …

Translation here.


…. als “unverdiente Güte“ 

Gnade definieren wir häufig ganz schnell als “unverdiente Güte“. Doch “χάρις“ (“charis“), also Gnade im Sinn des Neuen Testaments, ist mehr als nur „unverdiente Güte“ oder „Begnadigung“, d.h. Erlass der/einer Strafe.  “χάρις“ ist auch „der göttliche Einfluss auf das Objekt der Gnade“¹, eine Gabe bzw. eine Kraft, die das Objekt der Gnade befähigt bzw. in den Stand versetzt, das zu tun, was von ihm verlangt wird. Ein irischer Bibelkommentator spricht daher auch sehr treffend von „the energy of Grace“², zu deutsch “die Energie bzw. Kraft der Gnade“.

In Römer 6, 23 spricht der Apostel Paulus von der größten aller Gnadengaben:

“Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“

Wenn ein Mensch diese größte aller Gnadengaben Gottes –  Jesus Christus – annimmt, erfährt dieser Mensch: Begnadigung (Vergebung der Sünden, einschließlich der ewigen Konsequenzen, die diese mit sich bringen) und neues, ewiges Leben aus Gott. Denn die Gnadengabe Gottes in Christus Jesus ist eben nicht nur Begnadigung, sondern „ewiges Leben“!

Dieses Leben ist göttliches Leben (griech. “ζωή“ [“zoe“]), nicht das normale “ψυχή“ (“psychḗ“). Es ist nicht eine „andere Art zu leben“, sondern eine andere Art „von Leben“. Der Apostel Petrus sagt darum zutreffend, dass wir „Teilhaber der göttlichen Natur“ geworden sind:

“Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft. Durch sie sind uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt, damit ihr dadurch Anteil bekommt an der göttlichen Natur, die ihr entronnen seid der verderblichen Begierde in der Welt.“

(2. Petrus 1, 3 –  4)

Wir nennen diesen Vorgang, der den Beginn des Christseins markiert, „Wiedergeburt“, „Geburt von oben“ oder „Neugeburt“. Grundlage dafür ist die Lehre, die der Herr Jesus Christus selbst gegenüber den Pharisäer Nikodemus dargelegt hat:

“Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, namens Nikodemus, ein Oberster der Juden.  Dieser kam des Nachts zu Jesus und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, daß du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm! Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht zum zweitenmal in seiner Mutter Schoß gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen!  Was aus dem Fleische geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, das ist Geist.“

(Johannes 3, 1 – 6)

In diesem Geschehen empfängt der Mensch, der bisher von seiner Sündennatur bestimmt wurde und dementsprechend auch nichts anderes konnte, als zu sündigen, tatsächlich eine neue Natur. Er wird durch dieses Geschehen wirklich eine „neue Schöpfung“:

“Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!“

(2. Korinther 5, 17)

Dieser Mensch kann noch sündigen, er wird es aber nicht mehr wollen, weil Sünde ein Handeln gegen seine neue, innerste Natur ist (nicht nur gegen ein Verbot/Gebot). Sünde wird in seinem Leben nicht mehr „gewohnheitsmäßig“ ausgeübt:

“Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde; denn Sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“

(1. Johannes 3, 9)

Wenn der Apostel Johannes hier schreibt, dass ein aus Gott Geborener “Sünde nicht tut“, dann ist damit ein andauernder Zustand gemeint. Ein wirklich aus Gott Geborner kann zwar noch sündigen, aber er wird nicht in einem andauernden, gewohnheitsmäßigen Zustand des Sündigens verharren. Denn das entspricht nicht seinem neuen Wesen³.
Darum wird dieser Mensch göttliche Gnade – in welcher Form sie ihm auch immer dargereicht wird – nicht ablehnen. Denn diese Gnade ist es ja gerade, die ein Leben gemäß der neuen Natur entsprechend ermöglicht, ihn dazu befähigt. Darum sagt Johannes, dass „wir aus seiner Fülle genommen haben, Gnade um Gnade“ (Johannes 1, 16). Die Mittel, durch die wir täglich neue Gnade “nehmen“ dürfen, sind das Gebet und das Wort Gottes. Ich kenne keinen von neuem geborenen Menschen, der eine ihm von Gott angebotene Gnade annehmen würde, weil er fürchtet, er würde sonst ein Gebot/Verbot übertreten. Im Gegenteil, jeder aus Gott Geborene wird von der ihm angebotenen Gnade mit großer Freude regen Gebrauch machen. Denn genauso, wie der natürliche Mensch ohne tägliche Nahrung nicht überleben kann, genauso weiß der von neuem Geborene, dass „the energy of Grace“ (“die Kraft der Gnade“) die Kraft ist, ohne die er nicht zu leben vermag.

Fußnoten:

¹= vgl. Thayer, Joseph Henry: ‘Thayer’s Greek-English Lexicon of the New Testament”, New York: Harper & Brothers, 1889, Seite 665 f., Anmerkung zu ”χάρις”.

²= vgl. J.N. Darby: “Betrachtungen über das Wort Gottes“, Band 4 (“Matthäus -Johannes“), Ernst-Paulus-Verlag Neustadt/Weinstraße, o. J., Seite 406, Fußnote zu Lukas 14.  

³= vgl. die ausführliche Betrachtung zu diesem Fragenkomplex bei: C. Briem: “Dies ist das ewige Leben – Eine Auslegung zum 1. Johannesbrief“, CSV-Verlag Hückeswagen, 1. Auflage 2012, Seite 277 f.

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