Gesegnetes Gebetsleben – Anmerkungen zu Jakobus 5, 16 – 18

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Anmerkungen zu Jakobus 5, 16 – 18

Als Bibeltext für den kommenden Sonntag sind Verse aus dem 5. Kapitel des Jakobusbriefes (zum Hintergrund des Jakobusbriefes siehe hier: Klick!) vorgesehen:

“Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen und die Erde brachte ihre Frucht.

(Jakobus 5, 16 – 18)

“Gebet“ ist ganz offensichtlich ein Thema, das Menschen bewegt: Gibt man den Begriff “Gebet“ bei Amazon.de ein, so erhält man den Verweis auf 22.576 Ergebnisse. Unter diesen Ergebnissen finden sich nicht nur Bücher zum Thema “Gebet“. Auch muslimische Gebetsteppiche oder Skulpturen betender buddhistischer Mönche sind dort im Angebot. Grenzt man die Suche auf “christliches Gebet“ ein, so bringt diese immer noch 5.166 Ergebnisse, in denen Bücher und anderes zum Thema “christliches Gebet“ angeboten werden.
In den vergangenen 30 Jahren habe auch ich eine Anzahl von Büchern zu diesem Thema gelesen. Manche Bücher waren ermutigend, manche widersprachen sich. Wenn ich auf diese Lektüre zurück blicke, muss ich ehrlich zugeben, dass mich nicht eines dieser Bücher wirklich innerlich befriedigt hat. Das war, wie ich heute er- und bekennen kann, gut. Denn diese Unzufriedenheit hat mich zum “Buch der Bücher, zur Bibel, zurückgeführt und darin befriedigende Antworten auf meine Fragen bzgl. des Gebets finden lassen. Das Neue Testament gibt uns zahlreiche, praktische Hinweise und Belehrungen zu diesem Thema. Einige dieser Hinweise möchte ich aufgreifen und auf das genannte Wort aus Jakobus 5, 16 – 18 anwenden.

Bitten nach Seinem Willen

In der jüngeren Vergangenheit  äußerten sich auch verschiedentlich Atheisten zum Thema Gebet. Von Hohn und Spott ging des dabei bis hin zu der Aussage, dass Gebet für den Menschen schädlich sei. Es wurde argumentiert, dass Gott ja keine Gebete erhören würde und dass das, was Gläubige als Gebetserhörungen bezeichneten, sich auf ganz natürlichem Wege erklären ließe. Dass die Erfahrung von Millionen von Christen der unterschiedlichsten Konfessionen und Denominationen dieser  “Argumentation“ widerspricht, wird natürlich nicht erwähnt.
Aber ich möchte diese Kritik nicht “per se“ ablehnen. Die Frage nach den unerhörten Gebeten ist wichtig, auch und gerade für Christen. Welche Voraussetzungen können Gläubige erfüllen, um ein gesegnetes Gebetsleben zu führen, um die Erhörung ihrer Gebete zu erleben? Es wird z.B. immer wieder auf ein Wort des Herrn aus  Markus 11, 24 verwiesen. Dort heißt es:

“Darum sage ich euch: Alles, was ihr im Gebet verlangt, glaubet, daß ihr es empfangen habt, so wird es euch zuteil werden!“

Von vielen Menschen wurde diese Aussage als eine Art “Freifahrtschein“ betrachtet. Egal was immer sie wünschten, Gott hatte sich – nach ihrem Verständnis – ja dazu verpflichtet, diese Wünsche zu erfüllen.
Wie immer, wenn Bibelstellen aus ihrem Kontext herausgerissen und singulär betont werden, muss man auch hier zu falschen Schlussfolgerungen kommen. Bereits in Psalm 119, 160 werden wir darauf hingewiesen, dass wir die Gesamtheit der Aussagen des Wortes Gottes zum einem Thema betrachten müssen, wenn wir wissen möchten, was die Lehre der Heilige Schrift zu diesem Thema ist:

“Die Summe deines Wortes ist Wahrheit, und alle Verordnungen deiner Gerechtigkeit bleiben ewig

(Psalm 119, 160)

Das gilt natürlich auch für das Thema Gebet. Wenn wir uns Markus 11, 24 genauer anschauen, so erkennen wir, dass es sich dabei um eine Belehrung der Jünger des Herrn handelte. Wie die Jünger diese Belehrung verstanden haben, macht der Apostel Johannes in seinem ersten Brief deutlich:

“Und das ist die Freimütigkeit, die wir ihm gegenüber haben, daß, wenn wir seinem Willen gemäß um etwas bitten, er uns hört.“

(1. Johannes 5, 14)

Die Aussage des Herrn über das Gebet stellt also keinen “Freifahrtschein“ für alle möglichen Wünsche dar. Gebete, die Erhörung finden möchten, müssen sich im Rahmen des Willens Gottes bewegen. Blicken wir in diesem Zusammenhang auf den Propheten Elia, der uns  in Jakobus 5, 16 – 18 ja als Vorbild genannt wird. Dort heißt es:

“Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen und die Erde brachte ihre Frucht.“

(Jakobus 5, 17 – 18)

Wie kam Elia dazu, in dieser Weise zu beten? Hatte er sich das in irgendeiner stillen Stunde ausgedacht? In 1. Könige 17, 1 – 3 lesen wir:

“Und Elia, der Tisbiter, aus Tisbe-Gilead, sprach zu Ahab: So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dessen Angesicht ich stehe, es soll diese Jahre weder Tau noch Regen fallen, es sei denn, daß ich es sage! Und das Wort des HERRN erging an ihn also: Gehe fort von hier und wende dich gegen Morgen und verbirg dich am Bache Krit, der gegen den Jordan fließt!“

Die entscheidenden Worte hier lauten: “vor dessen Angesicht ich stehe“. Elia war ein Mann, der betete und so in beständigen Kontakt zu Gott stand. Das Gebet, durch das der Himmel für dreieinhalb Jahre über Israel verschlossen wurde, entstammte nicht einer Idee des Propheten, es war ein Auftrag Gottes und darum dem Willen Gottes entsprechend. Die Aussage des Apostels Jakobus, dass das “Gebet eines Gerechten“ viel vermag, gibt uns einen weiteren Hinweis in diese Richtung. So benutzt die Neue Genfer Übersetzung für den Begriff “Gerechter“ auch die Umschreibung “ein Mensch, der sich nach Gottes Willen richtet“.
Die Frage, die wir uns also stellen müssen, ist, ob unsere Gebete dem Willen Gottes entsprechen. Wie können wir das herausfinden? Müssen wir uns dazu auf einen Weg des “Trial and Error“, d.h., des Versuchens und Herausfindens durch ausprobieren und Fehler machen, begeben? Ich glaube nicht. Gott hat Seinen Willen in der Heiligen Schrift geoffenbart. Die Heilige Schrift spricht in fast 50 Stellen ausdrücklich vom “Willen Gottes“ und in vielen anderen Stellen werden wir indirekt über den Willen Gottes unterrichtet. Wenn wir also Sein Wort lesen und studieren, dann erfahren wir, was Gottes Wille ist bzw. was Seinem Willen entspricht. Ein gesegnetes Gebetsleben setzt also ein gründliches Lesen und Studieren des Wortes Gottes voraus.
Wenn wir diesen Gedanken auf Jakobus 5, 16 anwenden, dann können wir daraus entnehmen, dass es Gottes Wille ist, dass wir in Zeiten geistlicher oder körperlicher Schwäche füreinander beten und – wenn notwendig – auch einander Sünden bekennen.
Je gründlicher Sie das Neue Testament lesen, desto mehr Hinweise werden Sie darin bzgl. des Willens Gottes und damit für ein gesegnetes Gebetsleben finden.

Gebet und Verantwortung

Gebet ist nach dem Zeugnis des Neuen Testaments die Priorität des christlichen Lebens. Das ist nur zu gut verständlich, weil das Gebet der Kommunikationskanal in unserer Beziehung zu Gott ist. Jemand hat das gebet auch sehr treffend als das “Atmen der Seele“ bezeichnet. So, wie jeder neue Lungenzug voll Sauerstoff unseren Körper mit Kraft versorgt, so wird auch unser geistliches Leben nur dann kraftvoll sein, wenn es ein Leben des Gebets, des ständigen Gesprächs mit Gott, ist. Gebet auch mehr als nur das Vortragen von Bitten. Es umfasst genauso Dank, Lobpreis und Anbetung. Aber selbst wenn alle diese “Gebetskomponenten“ in unserem Glaubensleben vorhanden sind, dürfen wir unsere menschliche Verantwortung, die wir tragen, nicht vergessen.
Manche Menschen betonen die Bedeutung des Gebets sehr. Das ist grundsätzlich nicht falsch. Wenn aber Gebet als Ersatz für die persönliche Verantwortung verstanden wird, dann bekommt das Leben des Gläubigen Schieflage. Nehmen wir an, ein gläubiger junger Mann wird in Kürze seinen Schulabschluss machen. Er betet viel dafür, dass Gott ihm die richtige Ausbildungsstelle schenkt. Nehmen wir weiter an, dieser junge Mann würde nie eine Bewerbung für einen Ausbildungsplatz schreiben und uns, wenn wir danach fragten, antworten: “Wieso Bewerbungen schreiben? Ich bete doch!“  Dann würden wir ihn doch sicherlich darauf hinweisen, dass er noch viele Jahrzehnte weiter beten kann, aber nie Erhörung finden wird, weil er sich weigert, die Voraussetzungen für die Erhörung seines Gebets zu schaffen. Viele Christen verhalten sich ähnlich, wie dieser junge Mann.  Sie beten für ein besseres Ehe- und Familienleben, für eine bessere Zusammenarbeit am Arbeitsplatz und vieles andere mehr. Gleichzeitig vergessen sie aber, dass sei selbst auch Verantwortung tragen und Voraussetzungen dafür schaffen können, dass Gott ihr Gebet erhört. Der Prophet Elia kann uns auch in diesem Zusammenhang ein Vorbild sein: Er betete nicht nur, dass es drei Jahre Dürre geben würde und wandte sich dann wieder seinen Alltaggeschäften zu. Nein, nachdem er Gottes Auftrag empfangen hatte, machte er sich auf und führte ihn aus. Erst nachdem er dem König begegnet war und das göttliche Gericht in Form der Dürrezeit angekündigt hatte, traf diese Ankündigung auch ein. Genauso war es auch, als Gott die Dürrezeit für beendet erklärte. Zuerst musste Elia dem König das Ende der Dürre ankündigen, dann zog er sich auf den Berg zurück, um zu beten (1. Könige 18, 41 – 45). Gebet und verantwortliches Handeln gehören also immer zusammen.
Wenn wir bereit sind, selbst Teil der Gebetserhörung zu werden, dann wird auch das zu einem gesegneten Gebetsleben beitragen. Wir werden dann nicht nur erleben, wie Gott unsere Gebete erhört, sondern auch, wie Er uns  gebrauchen und zu einem Segen für andere machen kann.

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