Göttliche Führung (2. Mose 13, 21 – 22)

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Anmerkungen zu 2. Mose 13, 21 – 22

Das Textwort für den heutigen Mittwoch findet sich in 2. Mose 13, 21 – 22:

“Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, daß er sie den rechten Weg führete, und des Nachts in einer Feuersäule, daß er ihnen leuchtete, damit sie bei Tag und bei Nacht wandeln konnten. Die Wolkensäule wich nimmer vom Volk des Tages, noch die Feuersäule des Nachts.“

Betrachten wir kurz, was dieser Feststellung über die Führung Gottes vorausgegangen war: Nach einer langwierigen Auseinandersetzung mit dem ägyptischen Pharao, der das Volk Israel nur auf beständigen göttlichen Druck in Form der 10 Plagen aus der Sklaverei entlassen hat, befanden sich die Israeliten nun auf dem Weg in das verheißene Land Kanaan. Obwohl dieses Ziel über einen  kurzen Weg zu erreichen gewesen wäre, führt Gott das Volk Israel einen anderen Weg:

“Als nun der Pharao das Volk gehen ließ, führte sie Gott nicht auf die Straße durch der Philister Land, wiewohl sie die nächste war; denn Gott gedachte, es möchte das Volk gereuen, wenn es Krieg sähe, und möchte wieder nach Ägypten umkehren. Darum führte Gott das Volk den Umweg durch die Wüste am Schilfmeer. Und die Kinder Israel zogen gerüstet aus Ägypten. Und Mose nahm die Gebeine Josephs mit sich; denn er hatte einen Eid von den Kindern Israel genommen und gesagt: Gott wird euch gewiß heimsuchen; dann führet meine Gebeine mit euch von hinnen!  Also zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam, am Wüstenrand.“

(2. Mose 13, 17 – 20)

Es wird uns nicht gesagt, wie das Volk Israel auf diese Führung Gottes reagiert hat. Aber wir erfahren aus diesen Zeilen, dass hinter diesem “Umweg“ Gottes gute Gedanken für Sein Volk standen: Er wusste, dass sie gerade durch eine Zeit hindurchgegangen waren, die von einer permanenter Auseinandersetzung mit einem in allen Dingen überlegenen Gegner gekennzeichnet war. Hätte Gott das Volk nun auf dem kürzeren Weg nach Kanaan geführt, so hätten es alsbald auch wieder eine kriegerische Auseinandersetzung zu bestehen gehabt. Genau davor bewahrte Er das Volk durch den “Umweg“. Der „Umweg“ gab den Israeliten die Gelegenheit, von den Strapazen der letzten Wochen und Monate in Ägypten auszuruhen, neue Kraft zu sammeln und sich neu auf Gott zu fokussieren.
Gottes Führung mag für uns manchmal wie ein “Umweg“ aussehen. In gewissen Dingen erreichen wir das von uns gewünschte Ziel nicht so schnell, wie wir es uns gedacht und vielleicht auch von Gott erbeten haben. Wir empfinden vielleicht, dass wir “zur Untätigkeit verdammt“ sind. Für Menschen, die gern aktiv sind – und insbesondere in unserer Leistungsgesellschaft – kann das ein schwer zu ertragender Zustand sein. Aber vielleicht ist gerade solch‘ ein “Umweg“, eine ungeplante Zeit der (menschlich betrachtet) “Inaktivität“ eine Zeit besonderer Aktivität Gottes in unserem Leben.  Wir können gegen einen solchen Zustand mit Unverständnis reagieren, dagegen aufbegehren. Eine solche Reaktion ist verständlich und wir sollten sie auch nicht verdrängen, weil “man soetwas als Christ nicht tut“. Gott kennt unser Herz (1. Johannes 3, 20). Er weiß genau, was in uns vorgeht. Vor Ihm brauchen wir keine “fromme Maske“ aufsetzen, Er blickt sowieso dahinter. Ihm dürfen wir im Gebet unsere Not mit dem “Umweg“, den wir zu gehen haben, und unser Unverständnis in Bezug auf Seine Führung ganz offen bekennen. Ihn dürfen wir auch um Antwort auf die Fragen bitten, die wir bzgl. dieses “Umwegs“ haben. Wenn wir das tun, dann werden wir nicht in einem Zustand von Frust und/oder Resignation stecken bleiben. Psalm 103, 7 bezeugt:

“Er hat seine Wege Mose kundgetan, den Kindern Israel seine Taten.“

Mose war ein Mensch, der beständig die Nähe Gottes suchte. Wann immer er vor Herausforderungen, menschlich unlösbaren Problemen oder Fragen stand, suichte Er Hilfe und Antworten bei Gott im Gebet (2. Mose 33, 13). Die Kinder Israel suchten häufig Hilfe in ihren Problemen  und Antworten auf ihre Fragen an anderer Stelle. Ihnen konnte Gott zwar Seine Taten zeigen, doch Seine Wege konnte Er nur Mose kundtun, weil dieser Seine Nähe suchte. Mose war ein Mensch, wie er uns in Psalm 143, 8 beschrieben wird:

“Laß mich frühe hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich. Tue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll; denn mich verlangt nach dir.“

Wer immer mit einem solchen Verlangen Gottes Nähe sucht, nach Seinem Weg – und damit auch nach Seiner Führung – fragt und Seine Hilfe erwartet, dem wird  Gott antworten. Das hat Er versprochen (Lukas 18, 1 – 8). Wenn wir uns so neu auf  Gottes Handeln und Reden einlassen, eröffnet sich für uns gleichzeitig die Möglichkeit, die wahren Hintergründe für die “Umwege“ unseres Lebens zu erkennen und besser zu verstehen. Zeiten menschlicher Inaktivität  können dann zu Zeiten besonderer Aktivität Gottes, Zeiten besonderen Wirkens Gottes, in unserem Leben, werden. Die Israeliten wurden durch die Führung Gottes auf einen “Umweg“ geführt und empfingen dadurch Zeit zum Ausruhen, Zeit zum Kraftschöpfen, Zeit zur Neuausrichtung auf Gott. Auch für uns können Führungen Gottes, die auf den “ersten Blick“ nur nach “Umwegen“ aussehen, zu einem Geschenk der Ruhe, der neuen Kraft und der erlebten Gegenwart Gottes werden.

2. Mose 13, 21 – 22 spricht davon, dass Gott das Volk Israel sichtbar führte – am Tag in Form einer Wolkensäule und in der Nacht in Form einer Feuersäule. Adam Clarke weist in seinem Kommentar darauf hin, dass weder jüdische noch christliche Theologen darüber eine Aussage treffen können, wie lange Gott das Volk in dieser Form führte. Manche gehen davon aus, dass die Wolken- bzw. Feuersäule den Israeliten bis zu ihrem Eingang in das verheißene Land vorausging, andere wiederum nehmen an, dass diese Art der Führung mit dem Empfang des göttlichen Gesetzes am Berg Horeb endete. (Die Herrlichkeitswolke, die wir später im Tempel in Jerusalem finden [vgl. z.B. 2. Chronika 5, 11 – 14] war keine Form der göttlichen Fürhung, sondern das Zeichen der Gegenwart Gottes.) Doch ganz egal wann diese Art der göttlichen Führung endete, festzuhalten bleibt, dass sie nur zeitlich begrenzt war. Schon dem Propheten Elia macht Gott deutlich, dass Er (auch) auf andere Arten spricht und führt:

“Und er ging daselbst in eine Höhle hinein und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des HERRN kam zu ihm und sprach: Was willst du hier, Elia?  Er sprach: Ich habe heftig für den HERRN, den Gott der Heerscharen, geeifert; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert umgebracht, und ich bin allein übriggeblieben, und sie trachten darnach, mir das Leben zu nehmen!  Er aber sprach: Komm heraus und tritt auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR ging vorüber; und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Winde aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben.  Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam die Stimme eines sanften Säuselns. Als Elia dieses hörte, verhüllte er sein Angesicht mit seinem Mantel und ging hinaus und trat an den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm, die sprach: Was willst du hier, Elia?“

(1. Könige 19, 9 – 13)

Verfolgt man den Gedanken der gölttlichen Führung durch die Bibel hindurch, so wird deutlich, dass Gott zu besonderen Zeitpunkten innerhalb der Heilsgeschichte Seinen Willen und Seine Führung auch durch ganz offensichtliche Zeichen kundtat. Aber grundsätzlich war es Sein Wille, die Gläubigen durch Seine Stimme, Sein Wort zu leiten. In der Sendung des herrn Jesus Christus wird dies noch einmal konkretisiert. Es ist die Stimme des guten Hirten, auf die wir hören sollen:

“Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach.  Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“

(Johannes 10, 27 – 28)

Die Stimme einer anderen Person kennt man nur dann, wenn man sie oft gehört hat. Dazu muss man sich viel in der Nähe dieser Person aufhalten. Nicht anders verhält es sich mit der Stimme des guten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus. Nur wenn wir beständig Seine Nähe im Gebet suchen und Seine Stimme durch Sein Wort, die Heilige Schrift,  zu uns reden lassen, lernen wir sie immer besser kennen und können sie von anderen Stimmen unterscheiden. Das ist von großer Wichtigkeit. Viele Stimmen verlangen nach unserer Aufmerksamkeit und bieten uns ihre (pseudo-)göttliche Führung an. Schon der Apostel Paulus warnte die Ältesten in Milet:

“Denn ich weiß dieses, daß nach meinem Abschiede verderbliche Wölfe zu euch hereinkommen werden, die der Herde nicht schonen.  Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her.“

(Apostelgeschichte 20, 29 – 30)

Diese Gefahr besteht jedoch nur dort, wo Gläubige die Stimme des Herrn nicht kennen (gelernt haben) und darum auch nicht Ihm folgen (können). Wer aber die Stimme des guten Hirten kennt und Ihm nachfolgt, der wird beständig von Ihm geführt und befindet sich auf dem rechten, dem sicheren Weg.

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