Angebot für jeden (Jesaja 55, 1)

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 Angebot für jeden

Das Textwort für den heutigen Mittwoch ist Jesaja 55, 1. Die Aufforderung Gottes, die wir darin finden, wird in den weiteren vier Versen wiederholt und erläutert. Betrachten wir darum Jesaja 55, 1 – 5:

“Wohlan, ihr Durstigen alle, kommt her zum Wasser; und die ihr kein Geld habt, kommt her, kaufet Getreide, kommt her und kaufet ohne Geld und umsonst Wein und Milch!  Warum wäget ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren Arbeitslohn für das, was nicht sättigt? Höret doch auf mich und esset Gutes, und eure Seele ergötze sich am Fett! Neiget eure Ohren und kommet her zu mir, höret, so wird eure Seele leben! Denn ich will euch einen ewigen Bund gewähren: die Gnadengüter Davids, die beständig sind. Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für Völkerschaften bestellt, zum Fürsten und Gebieter von Völkern. Siehe, du wirst eine unbekannte Nation berufen, und Nationen, die dich nicht kennen, werden dir zulaufen, wegen des HERRN, deines Gottes, und um des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat.“

Zum Kontext von Jesaja 55, 1 – 5

Es mir momentan nicht möglich, auf den gesamten Hintergrund des Buches des Propheten Jesaja einzugehen. Aber es ist wichtig, dass wir uns einen kurzen Überblick über den größeren Kontext verschaffen, in dem die zu betrachtenden Verse stehen:
Nach den Kapiteln 15, die Israels geistlichen Zustand und Gottes Lösung beschreiben und die Einleitung in das Buch darstellen, sowie der Gottesbegegnung und Berufung des Propheten (Jesaja 6),  befassen sich die Kapitel 739 – grob gesagt – mit der geistliche Krise, die das Volk Israel durchlebt.
In den Kapiteln 40 bis 55 geht es um den Auftrag Israels, den das Volk gegenüber der Welt erfüllen soll. Dabei wird in Jesaja 40 bis Jesaja 48 die Gnade, mit der Gott Israel begegnet und in Jesaja 49 bis Jesaja 55 die Erlösung, die Gott für Israel bereitet hat, ausführlich dargelegt.
Bezüglich dieser Israel von Gott bereiteten Erlösung werden in Jesaja 49 bis Jesaja 55 drei Schritte aufgezeigt, in denen Gott Seine Erlösungsabsichten Israel gegenüber entfaltet: 1) Die Erwartung bzw. das Sehnen des Volkes nach Erlösung (Jesaja 49, 1Jesaja 52, 12), 2) die göttliche Ankündigung der Erlösung (Jesaja 52, 13Jesaja 53, 12) und 3) Gottes Einladung, Seine Erlösung anzunehmen.
Die Kapitel 56 bis 66 geben uns dann einen Ausblick auf die zukünftige Wiederherstellung des Volkes Israel und seine geistliche Erneuerung.

Gottes Einladung an Israel, Seine Erlösung anzunehmen

Es geht also, wie wir aus dem Kontext erkennen können, in unserem heutigen Text um Gottes Gnadenangebot an Sein irdisches Volk Israel. Dieses Volk, das Gott  von Grundlegung der Welt (vgl. Mattäus 25, 34) erwählt hat, wurde von Gott nie verworfen (vgl. dazu die eindeutigen Aussagen des Apostels Paulus in den Kapitel 911 des Römerbriefes). Auch wenn das Volk Israel infolge der Verwerfung des Messias von Gott für eine gewisse Zeit beiseite gesetzt wurde, so wird Gott es doch zu dem von Ihm bestimmten Zeitpunkt wiederherstellen und erlösen. Gott hat Seine Verheißungen an Sein irdisches Volk nie zurückgenommen (vgl. Römer 11, 29). Wir dürfen hier nicht den Fehler jener begehen, die behaupten, die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) habe Israel ersetzt. Denn wer behauptet, Gott habe Seine an Israel gegebenen Verheißungen zurückgezogen oder verändert, der gründet damit seine ganze Theologie auf Treibsand. Denn wie kann, wer soetwas behauptet, gleichzeitig davon sprechen, die Verheißungen Gottes an die Gläubigen des Gnadenzeitalters, also die Verheißungen an die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) seien sicher? Wenn Gott Seine an Israel gegebenen Verheißungen zurückzieht oder verändert, warum sollte Er das dann nicht auch mit Seinen für uns tun? Nein, wir müssen jeden Gedanken der Substitutionstheologie strikt zurückweisen, da er die Treue Gottes zu untergraben versucht, die uns in Jesus Christus verbürgt ist:

„Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss.“

(Psalm 33, 4)

„Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt, in ihm ist das Ja, deshalb auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre durch uns.“

(2. Korinther 1, 20)

Ein Überrest aus Israel wird die in Jesaja 55, 1 – 5 ausgesprochene Einladung Gottes annehmen und Gott wird dieses Volk wiederherstellen und ihm den von Ihm verheißenen Platz schenken. Gott wird mit Seinem Volk einen ewigen Bund schließen und ihm die “ewigen Gnadengüter Davids“ gewähren (vgl. Jesaja 55, 3).  Dieser neue Bund, den Gott mit Israel schließen wird (vgl. auch Jeremia 31, 31 – 33) gründet sich auf das vollbrachte Opfer Jesu Christi, das durch Jesaja in den Kapiteln 52, 13 bis 53, 12 prophetisch angekündigt wird. Dieser neue Bund, den Gott mit Israel schließen wird, wird, im Gegensatz zu dem Bund, den Gott mit den Israeliten am Sinai (vgl. 2. Mose 20, 1ff.; 2. Mose 34, 37 f.) schloss, nicht mehr vom Gehorsam der Menschen abhängig sein, sondern sich ganz auf die Gnade Gottes und das vollkommene Werk Christi am Kreuz von Golgatha gründen (vgl. Jesaja 42, 6; Jesaja 49, 8). Die Erlösung, die der Überrest Israels dann erfahren wird, wird nicht eine Erlösung aus Gehorsam mittels eigener Werke, sondern Erlösung aus Gnaden mittels des Glaubens sein:

“Denn durch die Gnade seid ihr gerettet, vermittels des Glaubens, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“

(Epheser 2, 8 – 9)

Gottes Einladung an die Welt, Seine Erlösung anzunehmen

Wie wir gehen haben, ergeht diese Einladung, Gottes Erlösung anzunehmen, zuerst und primär an das Volk Israel. Aber aus Jesaja 52, 15, Jesaja 53, 11 – 12 und vielen anderen Stellen wird deutlich, dass Gott diese Einladung über das Volk Israel hinaus an alle Menschen richtet – es ist ein “Angebot für jeden“.
Das, was in Bezug auf Israel erst in der Zukunft Realität werden wird, kann jeder Mensch, völlig unabhängig von seiner Nationalität, heute schon (Johannes 3, 16; Matthäus 11, 27 – 30) empfangen und erleben: Erlösung durch Jesus Christus Epheser 2, 1 – 9), Frieden mit Gott (Römer 5, 1) und ewiges Leben als Kind Gottes (Johannes 3, 1 – 6; Johannes 10, 10).

Wasser, Getreide, Wein und Milch

Kaufen – ohne Geld! Wer würde sich das nicht manchmal wünschen? Bei Gott ist das möglich. Gottes Angebot der Erlösung ist ein Gnadenangebot. In Jesaja 55, 1 bietet Er allen Menschen “Wasser, Getreide, Wein und Milch“ an. Fällt uns dabei etwas auf? Eigentlich würden doch Wasser und Getreide zum Lebenserhalt ausreichen, oder? Mit Wasser kann man seinen Durst löschen und aus Wasser und Getreide lässt sich ein einfaches Brot herstellen, mit dem man seinen Hunger stillen kann. Doch Gott bietet uns viel mehr, als nur das Allernötigste. Er gibt auch “Wein und Milch“. In Seinem Sohn gibt uns Gott das “Wasser des Lebens“ (Johannes 4, 14) und das “Brot des Lebens“ (Johannes 6, 47 – 51). Ohne Jesus Christus und Sein Werk am Kreuz wäre Leben in der Gemeinschaft mit Gott nicht möglich. Nur durch Ihn ist der Weg in eine lebendige Beziehung zu Gott frei geworden (Johannes 14, 6). Aber wessen Lebensdurst durch das “Wasser des Lebens“ und wessen Lebenshunger durch das “Brot des Lebens“ gestillt wurde, der empfängt auch “Wein und Milch“. Wein ist in der Heiligen Schrift ein Bild für Freude (vgl. Psalm 104, 15; Johannes 2, 6 – 10). Gott möchte nicht, dass wir zwar erlöst, aber ohne Freude leben. Ganz im Gegenteil, Er möchte, dass wir in der Gemeinschaft mit Ihm Freude erleben, die über die Freude, die uns diese vergängliche Schöpfung zu geben vermag, hinausgeht (Johannes 15, 11; Johannes 16, 22 + 24; Johannes 17, 23). Durch Jesus Christus und Sein Werk am Kreuz ist uns der direkte Zugang in Gottes Gegenwart eröffnet worden (Römer 5, 2; Epheser 3, 12). An dieser direkten Gegenwart Gottes dürfen wir zu jeder Zeit erfreuen:

“Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich!“

(Psalm 16, 11)

“Da wir nun, ihr Brüder, kraft des Blutes Jesu Freimütigkeit haben zum Eingang in das Heiligtum, welchen er uns eingeweiht hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heißt, durch sein Fleisch,  und einen so großen Priester über das Haus Gottes haben,  so lasset uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Glaubenszuversicht, durch Besprengung der Herzen los vom bösen Gewissen und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser. „

(Hebräer 10, 19 – 22)

Gottes Gnadenangebot geht, wie gesagt, weit über das “lebensnotwendige“ hinaus. Er will uns nicht nur eine ewige Beziehung zu Ihm schenken, sondern diese Beziehung soll uns mit vollkommener Freude erfüllen. Was könnte man sich mehr wünschen? Doch Gottes Angebot geht auch darüber noch hinaus. Gott bietet uns “Milch“ an. Aus 1. Petrus 2, 2 erfahren wir, wofür der Begriff “Milch“ steht:

“(…) und seid als neugeborene Kindlein begierig nach der unverfälschten Milch des Wortes, damit ihr durch sie heranwachst (…)“

Gott möchte gesunde, starke Kinder, die zu geistlich erwachsenen Menschen heranreifen:

“(…) damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen, sondern, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus.“

(Epheser 4, 13 – 15)

Das Mittel, das Er uns dazu gegeben hat, ist Sein Wort. Wir nehmen dieses Wort durch die Verkündigung zu uns, aber das ist nicht genug. Jede Gläubige muss sich täglich aus Gottes Wort ernähren, diese Milch, die Gott uns darreicht, zu sich nehmen, d.h. es betend lesen, darüber nachsinnen und es im täglichen Leben anwenden. So wie wir nicht von einer oder zwei Mahlzeiten pro Woche leben können, so können wir auch geistlich nicht wirklich leben und wachsen, wenn wir Gottes Wort nur ein- oder zweimal pro Woche hören. Menschen, die nur zweimal pro Woche essen würden, würden sehr schnell Mangelerscheinungen zeigen und nach kurzer Zeit an Hunger sterben. Leider gibt es viele Gläubige, die das Angebot Gottes vernachlässigen und darum geistlich schwach und kränklich sind. Wie traurig muss es Gott machen, wenn wir Sein Angebot ausschlagen und so immer im Stadium eines “geistlichen Babys“ oder eines “geistlichen Kleinkindes“ verharren. Wie traurig muss es Gott machen, wenn Versammlungen (= Gemeinden) einem “geistlichen Kindergarten“ ähneln? Nein, Gott möchte, dass wir geistlich erwachsen werden, er wünscht sich geistliche Väter und Mütter (1. Johannes 2, 13 – 14) und dazu reicht Er uns täglich die “Milch“ Seines Wortes dar.

Kaufen – ohne Geld!

Gott bietet uns, wie gesagt, nicht nur das Nötigste an, sondern alles, was wir brauchen (2. Petrus 1, 3!). Wie aber kommen wir in den Genuß dieser Gaben? Wie  nehmen wir dieses Angebit ganz praktisch für uns an? Gott fordert uns auf, zu “kaufen ohne Geld“. Auf den ersten Blick scheint das ein Widerspruch zu sein. Wenn Gottes Angebot doch ein Gnadenangebot ist, wenn wir seine Gaben also “ohne Kaufpreis“, “ohne Geld“ erhalten, warum müssen wir sie dann kaufen?
Der Begriff “kaufen“, der in diesem Zusammenhang von Gott benutzt wird, soll uns den Wert der Gaben Gottes vor Augen führen. Gottes Angebot ist kostenlos – wir müssen nichts dafür bezahlen. Aber diese Gaben waren für Gott nicht ohne Kosten – sie kosteten Ihn Sein Herz, Seinen einzigen Sohn:

“(…) da ihr ja wisset, daß ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes (…)“

(1. Petrus 1, 18 – 19)

Gold und Silber, ja aller Reichtum der Welt, hätte uns nicht erlösen können. Nur durch das Blut des Sohnes Gottes, der Sein Leben für uns gab, konnte Erlösung geschehen. Wer zu Gott kommt und “ohne Geld kaufen will“, der muss sich bewusst sein, dass er selbst nichts zu bringen hat. Kein Mensch hätte den Preis für seine eigene Erlösung, geschweigedenn den Preis für die Erlösung anderer, zahlen können (Psalm 49, 8 – 9). Wir haben (geistlichen) Durst und (geistlichen) Hunger, aber wir besitzen nichts, absolut nichts, womit wir das wasser und das Brot  erwerben könnten, mit dem dieser Durst und dieser Hunger gestillt werden kann. Wer das anerkennt – seinen eigenen Mangel – und ihn vor Gott im Gebet bekennt, der “kauft“ ohne Geld und dem empfängt, was Gott ihm verheißt:

“(…) die Gnadengabe Gottes (ist) das ewige Leben in Christus Jesus, unsrem Herrn.“

(Römer 6, 23)

Haben Sie das Angebot Gottes schon angenommen?

 

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