Die Kraft des Lebens, das Jesus Christus schenkt (Epheser 4, 31 – 32)

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Das Textwort für den kommenden Sonntag findet sich in Epheser 4, 31 – 32:

“Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit.  Seid aber gegeneinander gütig, mitleidig, einander vergebend,  gleichwie auch Gott in Christo euch vergeben  hat.“

Wie ich bereits im Zusammenhang mit einem anderen Abschnitt des Epheserbriefes dargelegt habe (zum Hintergrund des Epheserbriefes siehe hier: Klick!), können wir diesen Brief des Apostels Paulus grob in zwei Abschnitte aufteilen:

In Teil 1 (Epheser 1, 1Epheser 3, 21) liegt der Schwerpunkt der Belehrung auf den geistlichen Segnungen, die der Gläubige empfangen hat (die Gotteskindschaft, das ewige Leben, die Sohnschaft, die Innewohnung des Heiligen Geistes).

Teil 2 (Epheser 4, 1Epheser 6, 24) enthält dagegen praktische Belehrungen für das christliche (Alltags-)Leben des Gläubigen in der Versammlung (= Gemeinde), in der Familie und in der Welt. Diesem zweiten Teil des Epheserbriefes ist unser heutiges Textwort entnommen.

Eine wichtige Vorbemerkung: Den Zusammenhang beachten!

Nachdem der Apostel in den Kapiteln 13 die lehrmäßige Grundlage gelegt hat, folgt in den Kapitel 46 die praktische Anwendung. Diesen Zusammenhang dürfen wir auf keinen Fall außer Acht lassen. Fordert man nämlich von Gläubigen, das in den Kapiteln 46 aufgezeigte Verhalten “an den Tag zu legen“ ohne ihnen die in den Kapiteln 13 dargelegten Voraussetzungen für dieses Verhalten zu vermitteln, gerät man sehr schnell in die Gefahr, “christliche Moralvorstellungen“ zu verkündigen, nicht aber den “gesamten Ratschluss Gottes“ wie es der Apostel Paulus tat und wie es auch von uns gefordert ist (Apostelgeschichte 20, 26 – 27). Es besteht die große Gefahr, dass die in Epheser 4, 1 ff. genannten Verhaltenweisen auf diese Weise zu neuen Gesetzen werden, die es einzuhalten gilt. Das aber entspricht nicht dem Evangelium! Erinnern wir uns: Das Gesetz kann uns zwar den Maßstab der Heiligkeit Gottes vor Augen führen, es kann uns jedoch keine Kraft vermitteln, diesem Maßstab entsprechend zu leben. Das Gesetz fordert nur, es kann kein Leben geben (2. Korinther 3, 4 – 8). Durch den Kreuzestod des Herrn Jesus Christus ist zu seinem Ende gekommen (vgl. Galater 3, 19; Epheser 2, 15; Kolosser 2, 14). Darum sagt der Apostel Paulus den Gläubigen in Rom (und mit ihnen allen Christen): „Ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.“ (Römer 6, 14). Das Gesetz kann daher auch keine Lebensregel für Christen mehr sein. Das gilt für die biblischen Gesetze und Gebote genauso wie auch für menschlich erdachte „Gebötlein“ und „Verbötlein“. Nicht das Gesetz oder irgendwelche menschlichen Gebote sind die Lebensregel des Christen, sondern der Herr Jesus Christus selbst (Epheser 4, 20 – 24). Nicht das Gesetz (oder von Menschen erdachte Gesetze) regeln das Leben des Christen, sondern die Gnade Gottes:

“Denn die Gnade Gottes ist erschienen, Heil bringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf.“

(Titus 2, 11 – 12)

Das Gesetz ist kraftlos und wenn schon das von Gott gegebene Gesetz keine Kraft zum ewigen Leben entfalten konnte, wie viel weniger werden menschlich erdachte Regeln und Gebote dem Gläubigen Kraft vermitteln können? Das Evangelium Gottes hingegen schenkt nicht nur die Gnade zur Erlösung, sondern mit ihr auch die Kraft, entsprechend dieser Erlösung zu leben:

“Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.“

(Römer 1, 16)

“Aber der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber ist das GesetzGott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

(1. Korinther 15, 56 – 57)

Nur der Mensch, der durch Buße und Bekehrung Vergebung seiner Sünden (1. Johannes 1, 7 – 9) und das neue Leben aus Christus empfangen hat, hat mit Leben aus Christus auch die Kraft empfangen, entsprechend der Ethik des Neuen Testaments zu leben:

“Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.“

(2. Korinther 5, 17)

Diese neue Schöpfung ist keine neue Schöpfung in irgendeinem “übertragenen Sinn“, nein, der Gläubige, der das neue Leben aus Christus empfangen hat, ist eine buchstäblich neue Schöpfung. Buße, Bekehrung und die von Gott daraufhin geschenkte Weugeburt aus dem Heiligen Geist (Johannes 3, 1 – 6) setzten allem Alten einen endgültigen Schlußpunkt.
Wer dieses neue Leben nicht empfangen hat und dennoch versucht, nach dem Maßstab des Neuen Testaments zu leben, der muss scheitern. Wer meint, das neue Leben aus Christus in einer Kirchenzugehörigkeit, in Sakramenten, in religiösen Übrungen, bei so genannten “Heiligen“  oder irgendwo anders außerhalb des Herrn Jesus Christus selbst zu finden, der muss scheitern. Nicht nur das, er wird auch zu einem “blinden Blindenführer“. Der Apostel Paulus sagt über solche Menschen:

“Sie geben sich zwar einen frommen Anschein, aber von der Kraft Gottes, die sie so verändern könnte, dass sie wirklich ein frommes Leben führen würden, wollen sie nichts wissen. Von solchen Menschen halte dich fern!“

(2. Timotheus 3, 5, Neue Genfer Übersetzung)

Eine Form der Gottseligkeit zu haben, das reicht nicht aus. Wo die Kraft fehlt, fehlt Christus und wo Christus fehlt ist das Leben verfehlt. Da mag noch so viel Religiösität sein, da mag noch soviel soziales Engagement sein, da mag man noch so häufig die Kirchenbank drücken – geistlich gesehen ist der Tod im Topf.

Neues Leben = Neue Gemeinschaft (Epheser 4, 31 – 32)

Da aber, wo Menschen das Auferstehungsleben aus Christus empfangen haben, beginnt für sie dann der Prozess der Umgestaltung in das Bild Christi:

“Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbilde seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“

(Römer 8, 29)

Dieser Prozess der Umgestaltung ist kein passiver Prozess, den Gott an uns vollzieht, ob wir es mitbekommen oder nicht. Wenn es um den Prozess der Umgestaltung in das Bild Christi geht, dann sind auch wir gefordert. Zum einen müssen wir uns bewusst sein, dass Gott diesen Prozess an uns vollziehen möchte. Zum anderen müssen wir bereit sein, uns auch umgestalten zu lassen.
Christen, die das Auferstehungsleben Christi empfangen haben, können immer noch sündigen,  können immer noch fehlen. Aber sie stehen nicht mehr unter der Macht der Sünde. Der Mensch ohne Christus kann gar nicht anders als sündigen, er steht unter der Macht der Sünde (vgl. Römer 6, 1ff.). Aber der Mensch, der das neue Leben aus Christus empfangen hat, der ist freigemacht worden von der Macht der Sünde (Römer 8, 1 – 2). Er kann, aber er muss ihr nicht mehr dienen. Fällt der Christ in Sünde, so wird er auch dafür durch Bekenntnis und Umkehr Vergebung empfangen (1. Johannes 1, 7 – 9). Aber – und hier tritt der Prozess der Umgestaltung in das Bild Christi vor unsere Augen – der Christ muss solche Situationen als Weckruf verstehen. Jedes Versagen ist traurig. Das stimmt. ABER: Jedes Versagen beinhaltet auch die Chance im Prozess der Umgestaltung in das Bild Christi zu wachsen! Denn jedes Versagen führt uns vor Augen, wo wir noch wachsen müssen! Wenn wir bewusst mit unserem Versagen umgehen, es Gott bekennen, Vergebung erfahren, Ihn bitten, Seine Kraft ganz besonders in diesem Bereich unseres Lebens wirksam werden zu lassen,  dann wird uns selbst unser versagen zum Besten dienen müssen (Römer 8, 28).
Ein Feld, indem wir sicher am häufigsten Versagen, ist der Umgang mit anderen.  Aus diesem Grund fordert uns der herr Jesus Christus durch den Apostel Paulus auf:

“Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit.  Seid aber gegeneinander gütig, mitleidig, einander vergebend,  gleichwie auch Gott in Christo euch vergeben  hat.“

(Epheser 4, 31 – 32)

Wenn wir an unserem Gegenüber gefehlt haben, dann müssen wir den Betroffenen ehrlich um Vergebung bitten. Dabei sollten wir ganz konkret sein und nicht versuchen, die Sache mit einem “Tschuldigung, war nicht so gemeint!“ wegwischen.  Worte können tiefer verletzen als Taten. Umso wichtiger ist es, dass der Betroffene erfährt, dass es uns wirklich leid tut. Wenn es sich um einen Mitchristen handelt, den wir verletzt haben, können wir ihn auch bitten, für uns zu beten, dass wir an diesem Punkt besonders Gottes Hilfe und Veränderung erfahren. Vielleicht können wir die Gelegenheit sogar nutzen, um gemeinsam dafür zu beten.
Was aber, wenn wir derjenige/diejenige sind, der durch Worte oder Verhaltensweisen verletzt wurde und nun um Vergebung gebeten wird? Auch in dieser Situation sollten wir das Ganze nicht mit einem “Ist schon gut!“ abtun. Auch in dieser Situation ist es wichtig, dass wir konkret sind. Wir sollten, so sachlich wie möglich, die Dinge benennen, die uns verletzt haben (nur so kann der andere aus der Situation lernen) und dann auch – ganz konkret – Vergebung aussprechen. Wenn es sich um einen Mitgläubigen handelt, können wir ihm auch vorschlagen, gemeinsam und für einander zu beten.
Wenn wir eine Haltung kultivieren, in der jeder bereit ist, um Vergebung zu bitten und Vergebung zu gewähren, wird dies zu größerer Offenheit und Einheit in unseren Beziehungen führen. So wird das durch Christus erneuerte Leben zu von Christus erneuerten Beziehungen untereinander führen. Was könnte in dieser Welt ein besseres Zeugnis sein, als eine versöhnte Gemeinschaft, deren Umgang untereinander aus der Vergebung Christi gespeist wird? Christliches Zeugnis findet nicht dadurch seinen Ausdruck, dass Gläubige keine Fehler mehr machen.  Christliches Zeugnis bedeutet, dass Gläubige wissen, wie man mit solchen Problemen christusgemäß umgeht:

“Ich will damit sagen: Lebt aus der Kraft, die der Geist Gottes gibt; dann müsst ihr nicht euren selbstsüchtigen Wünschen folgen.“

(Galater 5, 16; GN)

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