Erbarmen, die Zweifler kommen! (Judas 22 & 23)

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Wellen im Sturm * Foto: By Office of NOAA Corps Operations. (NOAA Photo Library: wea00820) [Public domain], via Wikimedia Commons


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Zum Hintergrund

Als Autor des Judasbriefes wird traditionell Judas, der Halbbruder des Herrn (Matthäus 13, 55; Markus 6, 3) angesehen¹. Er war auch Bruder des Jakobus, der eine verantwortliche Stellung unter den ersten Christen in Jerusalem einnahm (Judas 1; Apostelgeschichte 15, 13). Der Autor des Judasbriefes muss von dem in Lukas 6, 16 und Apostelgeschichte 1, 13 genannten “Judas, Sohn des Jakobus“ unterschieden werden.
Das Argument, die Aussage “Bruder des Jakobus“ könne auch als “Sohn des Jakobus“ gelesen werden und unter dem Autor sei daher ein Sohn des Jakobus zu verstehen, wird durch keine bekannte Handschrift belegt². Gegen die Autorenschaft des Judas wurde angeführt, dass das Griechisch dieses Briefes für einen Juden aus Galiläa “zu gut sei“. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass sich das Griechisch des Judas vorrangig in dem Umfang des Vokabulars und weniger im grammatikalischen Stil auszeichnet, so dass dieses Argument gegen seine Autorenschaft nicht wirklich stichhaltig ist³.
Die Halbbrüder des Herrn glaubten während Seines irdischen Dienstes nicht an Ihn  (Johannes 7, 5; Markus 3, 21). Erst nach Seiner Auferstehung finden wir sie – einschließlich Judas – unter den Gläubigen in Jerusalem (Apostelgeschichte 1, 14; 1. Korinther 15, 7; 1. Korinther 9, 5).

Empfänger und Abfassungszeitraum

Der Judasbrief enthält viele Bezüge zum Alten Testament, was bei dem jüdischen Hintergrund des Autors zu erwarten ist. Diese Tatsache lässt aber auch darauf schließen, dass die Empfänger des Judasbriefes mit dem Alten Testament gut vertraut waren. Wir können also davon ausgehen, dass die ersten Empfänger Christen waren, die aus dem Judentum zum Glauben an Jesus Christus als dem von Gott verheißenen Messias gekommen waren. Selbstverständlich ist der Brief für alle Christen von Bedeutung, insbesondere auch, weil Judas die in seinem Brief angesprochenen Entwicklungen als dauerhaft (“am Ende der Zeit“, Vers 18) bezeichnet. Die primäre Empfängerschaft sollten wir jedoch nicht außer Acht lassen.

Viele Kommentatoren weisen darauf hin, dass der Judasbrief schwer zu datieren  ist. Die Erwähnung falscher Lehrer (Judas 3 – 5) und die Bezugnahme auf den “ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben“ (Judas 1 – 3) und die Apostel (Judas 17) lassen darauf schließen, dass der Brief zu einem Zeitpunkt geschrieben wurde, an dem diese Zustände in den Versammlungen (= Gemeinden) akut und zumindest einige Apostel bereits verstorben waren. Der Judasbrief enthält viele Übereinstimmungen mit dem 2. Petrusbrief4. Es ist wahrscheinlich, dass die Empfänger des Judasbriefes auch den 2. Petrusbrief kannten und Judas sie an das, was ihnen bereits gelehrt worden war (Judas 1 – 3) erinnern wollte. Für denselben Empfängerkreis spricht, dass Petrus in Galater 2, 7 – 8 als “Apostel der Beschneidung“ bezeichnet wird. Sein primärer Auftrag war es also, unter Juden bzw. aus dem Judentum zum Glauben gekommenen Christen zu dienen. Wir können davon ausgehen, dass Judas den 2. Petrusbrief kannte. Da der Tod des Petrus auf 64 n. Chr. datiert wird, muss der Judasbrief danach geschrieben worden sein. Dafür spricht u.a., dass der Apostel Petrus in 2. Petrus 3, 2 das Kommen falscher Lehrer ankündigt, Judas 17 das Auftreten falscher Lehrer als erfüllt ansieht. Außerdem scheinen, wie gesagt, Judas 3 und 17 anzudeuten, dass zumindest einige Apostel bereits verstorben waren und so die apostolische Zeit (zumindest fast) vorüber war. Während Petrus in 2. Petrus 3, 2 spezifisch von „euren Aposteln“ spricht, also von Menschen, die den Empfängern des 2. Petrusbriefes noch persönlich bekannt waren, heißt es in Judas 17 mehr allgemein  “die Apostel“.  Der Apostel Petrus warnt in seinem zweiten Brief die Gläubigen vor dem Auftreten von falschen Lehrern, die die Wiederkunft des Herrn Jesus Christus leugnen. Im Judasbrief wird ebenfalls das Auftreten falscher Lehrer erwähnt, jedoch ohne den Hinweis, dass diese die Wiederkunft des Herrn leugnen würden. Geht man davon aus, dass Judas seinen Brief nach dem Tod des Petrus schrieb, dann bietet sich die Zeit zwischen 66 n. Chr. und 67 n. Chr. an. Denn in dieser Zeit liegt der Beginn des jüdisch-römischen Krieges, mit dessen Ende manche Christen die Wiederkunft des Herrn erwarteten. Erst nach 70 n. Chr. und dem Ausbleiben der Wiederkunft Jesu im Zusammenhang mit diesen Ereignissen, finden wir verstärkt das Auftreten solcher “Lehrer“, die  Seine Wiederkunft leugneten.

Anlass, Inhalt und Aufteilung

Der Brief wurde im Stil einer geschriebenen Predigt verfasst. Dieser Stil wurde oft gewählt, wenn es dem Autor nicht möglich war, die Leser persönlich zu besuchen. Ursprünglich wollte Judas seinen Lesern einen Brief schreiben, mit dem er ihre Kenntnisse über das gemeinsame Heil vertiefen wollte. Doch dann erreichten ihn Mitteilungen über das Auftreten der erwähnten Irrlehrer. Vor ihren Lehren und dem, was sie unter den Gläubigen anrichten, will Judas seine Leser warnen. Die Lehren dieser Männer sind davon gekennzeichnet, dass sie die Herrschaft Christi (Vers 4) leugnen und auch sonst jede von Gott eingesetzte Herrschaft lästern (Vers 8). Diese Irrlehrer vertraten einen unmoralischen Lebensstil (Verse 4 – 8; 17 – 18). Ganz offensichtlich lehrten sie – wie andere gnostische Irrlehrer jener Zeit -,  dass moralische Sünden nur den vergänglichen Körper beträfen, die Seele und den Geist des Gläubigen jedoch nicht beschmutzen würden. Gegen diese Irrlehre hatte sich auch Paulus in 1. Korinther 6, 15 ausgesprochen. Die Erwähnung des falschen Propheten Bileams (Vers 11) in diesem Zusammenhang ist ein eindeutiger Hinweis, dass die Irrlehrer aus dieser Richtung kamen. Damit offenbaren diese Menschen auch, dass sie “irdisch gesinnt“ sind (Vers 19), d.h., dass ihr Denken von völlig anderen Dingen erfüllt ist, als es das Denken eines Christen sein sollte (vgl. auch Philipper 3, 20 – 21). Diesen unmoralischen Lebensstil verteidigen sie dann auch noch rechthaberisch als Ausdruck “christlicher Freiheit“.

Wir können den Judasbrief grob wie folgt einteilen:

Der erste Abschnitt: Nach einer kurzen Einleitung, in der sich der Autor vorstellt und seine Leser grüßt (Verse 1 – 2), folgt der Hinweis auf den Grund des Schreibens (Verse 3 – 4).

In einem zweiten Abschnitt (Verse 5 – 16) warnt Judas vor den Irrlehren und ihren Konsequenzen, in dem er in einem ersten Teil auf Beispiele der Geschichte verweist: Das Beispiel bestimmter Israeliten (Vers 5), das Beispiel bestimmter Engel (Vers 6) und das Beispiel bestimmter Nichtjuden (Vers 7). In einem zweiten Teil zeigt er die Natur des Irrtums (Vers 8 – 9), die ernste Bedeutung des Irrtums (Verse 10 – 13) und die ebenfalls ernsthaften Konsequenzen dieses Irrtums (Verse 14 – 16) auf.

Ein dritter Abschnitt (Verse 17 – 23) enthält Ermahnungen für die Gläubigen, wobei Judas zuerst an die Warnungen der Apostel erinnert (Verse 17 – 19) und anschließend Hinweise gibt (Verse 20 – 23), wie die Gläubigen ganz praktisch mit den Situation in den Versammlungen (= Gemeinden) und den damit verbundenen Herausforderungen umgehen können.

Den Abschluss des Briefes bilden der Segen für die Leser und der Lobpreis Gottes und des Erlösers Jesus Christus (Verse 24 – 25).

Erbarmen, die Zweifler kommen! (Judas 22 – 23)

Das Textwort für den kommenden Sonntag ist Judas 22 – 23. Diese Verse lauten nach der Lutherübersetzung von 1984:

“Und erbarmt euch derer, die zweifeln; andere reißt aus dem Feuer und rettet sie; anderer erbarmt euch in Furcht und hasst auch das Gewand, das befleckt ist vom Fleisch.“

Andere, sehr textgenaue Übersetzungen geben das Wort “zweifeln“ mit “streiten“ wieder. Das griechische Wort “διακρίνω“ (“diakrino“), das Judas hier benutzt, kann beides bedeuten und hat darüber hinaus noch weitere Bedeutungen, u.a. unterscheiden, entscheiden. David DeGraaf hat die betreffende Stelle im Judasbrief einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Er kommt zu dem Schluss, dass alle Argumente dafür sprechen, dass wir “διακρίνω“ in Judas 22 mit “zweifeln“  übersetzen sollten5.

Drei Aufforderungen

Judas fordert seine Leser – und damit auch uns – auf,  dass wir uns

1) der Zweifler erbarmen,

2) andere aus dem Feuer reißen  und

3) uns wieder anderer erbarmen, die ein “beflecktes Kleid“ tragen.

Die Wortwahl in  Judas 23 (also die Aufforderung  2 und 3 betreffend) erinnert sehr an Sacharja 3, 2 – 4:

“Da sprach der HERR zum Satan: Der HERR schelte dich, du Satan; ja, der HERR schelte dich, er, der Jerusalem erwählt hat! Ist dieser nicht ein Brand, der aus dem Feuer gerettet ist?  Aber Josua hatte unreine Kleider an und stand doch vor dem Engel.  Er aber antwortete und sprach zu denen, die vor ihm standen: Nehmt die unreinen Kleider von ihm weg! Und zu ihm sprach er: Siehe, ich habe deine Sünde von dir genommen und lasse dir Feierkleider anziehen!  Und ich sprach: Man setze einen reinen Kopfbund auf sein Haupt! Da setzten sie den reinen Kopfbund auf sein Haupt und bekleideten ihn mit Gewändern, während der Engel des HERRN dastand.“

Die symbolische Bedeutung der hier und in Judas 23 gebrauchten Bilder ist leicht zu verstehen, darum wollen wir uns zuerst der Aufforderungen 2 und 3 zuwenden:

–> Die “befleckten Kleider“ sind ein Symbol für das Leben des Gläubigen, das durch  Sünde verunreinigt wurde (vgl.  Jesaja 64, 5 – 6; Jesaja 61, 10Offenbarung 3, 4 – 5 + 18, Offenbarung 16, 15; Offenbarung 19, 8 u.a.).
Offensichtlich hatten sich bereits einige der Gläubigen auf die unter ihnen verbreiteten Lehren und den damit verbundenen, unmoralischen Lebensstil eingelassen, so dass ihre “Kleider“ nicht mehr rein waren. Solcher Mitgläubiger sollten sich die Leser des Judas erbarmen.  Das in Judas 22 und 23 gebrauchte griechische Wort für “erbarmen“ ist “ἐλεέω“ (“eleeo“), das mit “Mitleid haben“, bzw. “Mitleid zeigen“ übersetzt werden kann. Es wird im Neuen Testament auch für die göttliche Gnade gebraucht. Dabei ist der Unterschied, den Judas hier aufzeigt, wichtig: Der in Sünde gefallenen Mitgläubigen sollten sich die Leser seines Briefes erbarmen, also mit Liebe zuwenden, gleichzeitig aber “das Gewand, das befleckt ist vom Fleisch“ meiden. Diese Unterscheidung ist wichtig. Nicht der Sünder ist abzulehnen, sondern die Sünde. Der in Sünde gefallenen Mitgläubige ist und bleibt ein geliebtes Kind Gottes.  Gott, der Vater, tut alles, um die volle Gemeinschaft mit diesem geliebten Kind wieder herzustellen (vgl. Lukas 15, 22). In Sünde gefallenen Gläubige sind bei Gott nicht “abgeschrieben“, Sein Herz schlägt für sie und wünscht sich nichts mehr, als ihnen “reine Kleider“ zu schenken. Eine solche Einstellung erwartet Gott auch von uns. Wie ein von göttlichem Erbarmen geprägter Umgang mit in Sünde gefallenen Menschen aussehen kann, hat uns der Herr Jesus Christus in den Evangelien an vielen Beispielen deutlich gemacht, ich nennen nur zwei: a) die Frau am Jakobusbrunnen (Johannes 4, 4 – 26) und b) Petrus (Johannes 21, 15 – 19). In beiden Gesprächen fällt die Sünde nicht “unter den Tisch“. Sie wird entweder direkt oder indirekt angesprochen. Doch das geschieht sachlich und nicht mit einem “erhobenen Zeigefinger“. In beiden Gesprächen steht eindeutig der Hinweis auf Vergebung und Wiederherstellung im Vordergrund.  Auch wir dürfen in entsprechenden Gesprächen die Sünde, ihre Auswirkungen und Konsequenzen nicht unerwähnt lassen. Seelsorge, die das tut, ist keine wirkliche Sorge um die Seele des anderen. Doch im Vordergrund unseres Gespräches muss das Angebot Gottes, dem Betreffenden zu vergeben und ihn wiederherzustellen, liegen (2. Korinther 5, 20). Wenn wir uns bei solchen Gesprächen immer unserer eigenen Schwachheit bewusst sind (1. Korinther 10, 12!), dann werden wir auch den “richtigen Ton treffen“. Vergessen wir auch nicht, dass Gottes Werben um jeden Menschen von Langmut gekennzeichnet ist (Römer 2, 4). Auch wir dürfen bei einem solchen Dienst keine “Instant-Ergebnisse“ erwarten. Viele Faktoren können dazu führen, dass der auf Abwege geratene Mitbruder eine längere Zeit braucht, ehe er zur Umkehr bereit ist. Auf diesem Weg sollten wir ihn liebevoll, mit Verständnis und Ausdauer begleiten (1. Korinther 13, 4). Dass eine solche seelsorgerische Begleitung von anhaltendem Gebet getragen werden sollte, muss sicherlich nicht extra betont werden.

–> Wenn Judas davon spricht, dass wir solche Gläubigen “aus dem Feuer“ reißen sollen, dann dürfen wir unter diesem “Feuer“ nicht die ewige Qual verstehen, denn aus dieser kann kein Mensch einen anderen erretten. Außerdem gilt auch für Gläubige, die in Sünde fallen, dass sie aus dem Gericht über Leben und Tod genommen sind (Johannes 3, 18). Aber die Werke jedes Gläubigen werden durch ein Gericht gehen. Paulus beschreibt dieses Gericht in 1. Korinther 3, 11 – 15 (vgl. Römer 14, 10; 2. Korinther 5, 10):

“Denn einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf diesen Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, so wird eines jeden Werk offenbar werden; der Tag wird es klar machen, weil es durchs Feuer offenbar wird. Und welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erproben. Wird jemandes Werk, das er darauf gebaut hat, bleiben, so wird er Lohn empfangen; wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so, wie durchs Feuer hindurch.

In Sünde gefallene Gläubige verlieren zwar nicht das ewige Leben, aber sie riskieren den Verlust ihres ewigen Lohnes bei Gott. Es muss das seelsorgerische Bemühen der Mitgläubigen sein, solche Menschen aus diesem Zustand herauszuführen. Die Wortwahl des Judas lässt darauf schließen, dass dieser Dienst nicht einfach und nur mit einem großen Aufwand an geistlicher Kraft zu vollbringen ist.  Von Gott erbetene Weisheit, Liebe und Ausdauer sind dazu nötig. 

–> “Und erbarmt euch derer, die zweifeln (…)“ Hier geht es um Gläubige, die durch die Verkündigung der falschen Lehrer verunsichert worden und ins Zweifeln geraten sind. Es handelt sich um Menschen, die zwischen Wahrheit und Irrtum nicht zu unterscheiden vermögen. Darum waren sie in ihrer Treue zu Gott schwankend geworden. Wie kann man solchen Mitgläubigen helfen? Ganz sicher nicht, indem man ihnen Stellen wie z. B. Jakobus 1, 6 – 7 “um die Ohren“ haut. Diese Verse aus dem Jakobusbrief sind uns nicht gegeben worden, damit wir mit ihnen das Problem des Zweifels bei solchen Menschen noch vergrößern, sondern, damit wir die “Funktionsweise“ des Zweifels besser verstehen.
Lassen Sie uns zuerst festhalten: Ein zweifelnder Gläubiger ist kein Ungläubiger! So wie die Versuchung noch keine Sünde ist (Jakobus 1, 13 – 15), so ist Zweifel noch kein Unglaube. Der zweifelnde Gläubige ist ein Mensch, der in seinen Überzeugungen verunsichert ist, schwankt, jemand, der den festen (Glaubens-)Boden unter seinen Füßen verloren hat. Einem solchen Mitgläubigen helfen wir am besten,

* indem wir seine Offenheit bzgl. seiner Fragen und Zweifel dankbar begrüßen! Zweifel führen in der Regel zur Isolation. Keinem Gläubigen fällt es leicht, sich mit seinen Zweifeln zu “outen“. Umso wichtiger ist es, dass wir ein geistliches Klima schaffen, in dem Fragen erwünscht sind und Zweifel offen angesprochen werden können, ohne dass der Zweifler dafür verurteilt wird. Denn nur so können wir ihm überhaupt helfen.

* indem wir die Fragen und Zweifel unseres Mitgläubigen ernst nehmen. Gläubige, die zweifeln befinden sich meist in einer “ver-zweifelten“ Lage. Diese Menschen möchten gern glauben, aber es gibt Dinge, die sie daran hindern. Jakobus beschreibt Zweifler als “Meereswogen“, die von den Winden hin und her getrieben werden, d.h. Zweifler haben die Kontrolle über die Dinge, die ihr Leben und damit auch ihren Glauben bestimmen, verloren. Dies wird auch sehr deutlich an jenem Vater, dessen Kind von den Jüngern des Herrn nicht geheilt werden konnte (vgl. Markus 9, 14 – 29) und der seinen Zustand offen vor dem Herrn Jesus Christus bekannte:  „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!“. Den Zweifel eines Mitgläubigen als “Unsinn“ o. ä. abzutun, heißt, sich an diesem Mitgläubigen zu versündigen.

* indem wir  uns gründlich mit ihnen Fragen und Zweifeln auseinandersetzen und diese anhand der Heiligen Schrift beantworten. Dabei ist von jeder “Patentantwort“ unbedingt Abstand zu nehmen! (Sollte uns das nicht möglich sein, so ist es angebracht, einen anderen, erfahreneren Seelsorger einzuschalten, vorausgesetzt, der Betroffene hat dazu sein Einverständnis gegeben.)

* indem wir dem Zweifler helfen, ehrlich und ohne Angst im Gebet vor Gott zu kommen. Das fällt gemeinsam oft leichter als allein. Gott möchte den Glauben des Zweifelnden wiederherstellen, Er möchte seinem Leben und seinem Glauben neue Stabilität verleihen. Der Umgang des Herrn Jesus Christus mit Petrus (Johannes 21, 15 – 17) kann dem Zweifler und uns hier Mut machen. Wer zu Ihm kommt, wird nicht hinausgestoßen (Johannes 6, 37). Wer zu Ihm kommt, wird auch Entlastung von Seiner  (Zweifels-)Last erfahren (Matthäus 11, 28 – 30).

Bei allen Bemühungen, unseren Mitgläubigen zu helfen, ist es wichtig zu bedenken, dass wir selbst diesen Dienst nur mit der Hilfe Gottes erfüllen können. Die Weisheit, Kraft und Ausdauer, die wir dazu benötigen, kann nur von Ihm kommen. Darum muss Gebet die Grundlage dieses Dienstes sein.

Fußnoten:

¹= zur ausführlichen Diskussion der Frage nach dem Autor des Judasbriefes siehe: Prof. Dr. Erich Mauerhofer: „Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments“, Band II, Seite 255 – 258, Verlag für Theologie und Religionswissenschaft Nürnberg und Reformatorischer Verlag Beese, 3. Auflage 2004, (Gesamtausgabe)

²= siehe Dr. Daniel B. Wallace: „New Testament Introductions and Outlines“, The-Word-Bible-Software, Modul „Introductions and Outlines to each book of the New Testament.  By Daniel B. Wallace, Ph.D. Professor of New Testament Studies“, Abschnitt „Jude“, ohne Seitenangabe, o. Jg.

³= siehe Dr. Daniel B. Wallace, a.a.O.

4= Prof. Dr. Erich Mauerhofer führt 14 Übereinstimmungen auf; siehe Mauerhofer, a.a.O., Seite 259

5= David DeGraaf: „Some doubts about doubt: the New Testament use of Διακρινω.“ Journal of the Evangelical Theological Society, Ausgabe Nr. 48, 2005/4, Seite 733 – 755

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