Christi Knecht oder der Menschen Knecht (Galater 1, 10)

Die Lage der Provinz Galatien im römischen Imperium * Grafik: QuartierLatin1968 via Wikimedia Commons

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Zum Hintergrund

Diesen Brief richtete der Apostels Paulus¹ (Galater 1, 1; Galater 5, 2) an die Versammlungen (= Gemeinden) in Galatien (Galater 1, 2). Die Empfänger werden als “Galater“ bezeichnet (Galater 3, 1).   Diese Galater waren Nachkommen keltischer Söldner.
Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus waren Kelten aus Gallien (dem Kerngebiet des heutigen Frankreich) über Italien bis nach Griechenland vorgedrungen und hatten dort vereinzelte Landstriche besiedelt. Nachdem sie im Jahr 279 v. Chr.  Teile des Balkans erobert hatten, stellten sie sich 278 v. Chr. in den Dienst des Königs von Bithynien, Nikomedes I., der im Kampf gegen seinen Bruder Zipoites Verstärkung für seine Truppen suchte. Nachdem Zipoites geschlagen war, wurden die Kelten aus dem Söldnerdienst entlassen und eroberten ihrerseits Teile der umliegenden Landstriche. Erst 268 v. Chr. wurde ihre Ausbreitung durch Antiochius I. gestoppt, der sie in der so genannten “Elefantenschlacht“ besiegte. In deren Folge durften sich die Galater nur in ihnen zugeteilten Siedlungsgebieten niederlassen, die nach ihrem Namen “Galatia“ genannt wurden. Diese Gebiete, die sich durch Zentralanatolien erstreckten und deren Zentren die Städte Gordion und Ankyra (das heutige Ankara) waren, bildeten das Königreich Galatien. Als im Jahr 25. v. Chr.  Amyntas, der letzte König Galatiens, im Krieg gefallen war, ging das Reich aufgrund einer testamentarischen Verfügung in den Besitz des römischen Kaisers Augustus über. Dieser machte aus dem Königreich Galatien eine römische Provinz mit Ankyra als Hauptstadt. Dabei wurden der Provinz auch die Gebiete Paphlagonien, Lykaonien, Kilikia Tracheia und Pisidien zugeschlagen, so dass die römische Provinz weit mehr als nur das Siedlungsgebiet der Galater umfasste.

Diese Entwicklung führt zu Problemen, wenn man die Empfänger des Galaterbriefes lokalisieren möchte. Zwei Möglichkeiten müssen in Betracht gezogen werden: 1. Die gesamte römische Provinz namens “Galatia“, die nach Sünden hin weit über das Gebiet der Galater hinausreichte oder 2. das kleinere, ursprüngliche Siedlungsgebiet der Galater im Norden. Die Entscheidung für die eine oder andere Möglichkeit bestimmt auch mit darüber, zu welchem Zeitpunkt der Brief an die Galater verfasst wurde.
Die traditionelle Ansicht geht davon aus, dass Paulus seinen Brief an Christen im ursprünglichen Siedlungsgebiet der Galater gerichtet hat (sog. Landschaftshypothese oder auch nordgalatische Hypothese). Die Vertreter dieser Ansicht sind der Meinung, dass der Apostel diese Versammlungen (= Gemeinden) während seiner zweiten Missionsreise, also ca. 51 – 54 n. Chr., gegründet hatte.  Es wäre möglich, dass er diesen Brief dann entweder um 54 n. Chr. in Ephesus oder um 57 n. Chr. in Korinth verfasst hat. Zur Begründung dieser Ansicht wird u.a. angeführt, dass der Name “Galater“ üblicherweise für die Bewohner dieses Gebietes benutzt wurde. Außerdem lässt sich bei Lukas, einem Mitarbeiter des Paulus,  feststellen, dass dieser in seinen Schriften nicht auf die Namen römischer Provinzen, sondern auf die der geographischen Gebiete Bezug nimmt. Paulus konnten diese Gläubigen aufgrund seiner zweiten Missionsreise gut bekannt sein (Apostelgeschichte 16, 6 – 8).
Heute sind jedoch immer mehr Kommentatoren von der zweiten Ansicht, der sog. Provinzhypothese oder südgalatischen Hypothese, überzeugt. Diese geht davon aus, dass Paulus seinen Brief an die Versammlungen (= Gemeinden) in der Provinz Galatien schrieb, die er während der ersten Missionsreise gegründet hatte (Apostelgeschichte 13, 38 – 39 46 – 48; Apostelgeschichte 14, 3810). Für diese Ansicht spricht, dass weder Apostelgeschichte 16, 6 noch Apostelgeschichte 18, 23 den Gedanken unterstützen, dass Paulus auch die nördlichen Gebiete der Provinz bereist hätte. In der Apostelgeschichte findet sich auch sonst nirgendwo ein spezifischer Hinweis auf Christen in Nordgalatien. Aus den Schriften des Paulus ist erkennbar, dass er – im Gegensatz zu Lukas – eher die Namen der Provinzen benutzte als die Bezeichnung geographischer Landschaften. Die Erwähnung von Barnabas in Galater 2, 1 + 9 + 13 deutet ferner darauf hin, dass dieser den Gläubigen, an die der Brief gerichtet war, bekannt gewesen sein muss. Diese Bekanntschaft könnten die Christen in der Provinz Galatien nur während der ersten Missionsreise gemacht haben, denn nur auf dieser wurde Paulus von Barnabas begleitet (Apostelgeschichte Kapitel 12, 13 und 14).
Geht man davon aus, dass der Apostel seinen Brief an die Christen im südlichen Galatien adressierte, dann ergeben sich daraus wiederum zwei mögliche Abfassungszeiten für diesen Brief: Wenn Paulus in Galater 4, 13  auf seinen in Apostelgeschichte 16, 6 beschriebenen Besuch Bezug nimmt, dann wurde der Brief nach dem Konzil in Jerusalem, das auf 49 n. Chr. oder kurz danach datiert wird, geschrieben. Bezieht sich Galater 4, 13 jedoch auf den in Apostelgeschichte 14, 21 erwähnten Besuch, dann wurde der Brief vor dem Konzil und damit vor 49 n. Chr. verfasst. Für die Zeit vor dem Konzil (und damit vor 49 n. Chr.) spricht, dass der Apostel – wie Mauerhofer treffend schreibt –  die “Äußerungen wie z.B. Galater 2, 1 – 16“ den Versammlungen (= Gemeinden) kaum mitgeteilt hätte, ohne “direkt anschließend den Ausgang des Apostelkonzils“ mitzuteilen². Mit Mauerhofer bin ich nach Sichtung aller Argumente der Auffassung, dass der Galaterbrief der erste Brief des Apostels Paulus ist und in die Zeit zwischen der ersten Missionsreise (Apostelgeschichte 13, 1 ff.) und dem Konzil in Jerusalem, also um 48/49 n . Chr., datiert werden kann.³  Als Abfassungsort ist in diesem Fall “Antiochia oder ein Ort zwischen Antiochia und Jerusalem“ denkbar4.

Geistliches Leben oder geistlicher Tod: Gnade oder Gesetz

Anlass für diesen Brief war das Eindringen falscher Lehren in die galatischen Versammlungen (= Gemeinden). Dass es sich bei diesen falschen Lehren nicht um  Nebensächlichkeiten oder unterschiedliche Ausdrücke der persönlichen Frömmigkeit, sondern um einen Angriff auf den Kern des christlichen Glaubens handelte, macht der Galaterbrief an vielen Stellen deutlich. So scharf (Galater 3, 1; 4, 20; 5, 12) und nachdrücklich geht Paulus in keinem anderen Brief gegen ein Problem unter Christen vor. Im Gegensatz zu anderen paulinischen Briefen findet sich im Galaterbrief nur eine sehr kurze Anrede der Empfänger ohne irgendeinen Dank bzw. ein Lob. Gleich nach diesem kurzen Gruß findet sich die schärfte Verurteilung, die Paulus in seinen Briefen ausspricht:

“Mich wundert, daß ihr so schnell übergehet von dem, der euch durch Christi Gnade berufen hat, zu einem anderen Evangelium, so es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium Christi verdrehen wollen. Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium predigen würde außer dem, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium predigt außer dem, das ihr empfangen habt, der sei verflucht!

(Galater 1, 6 – 8)

“Gesetzeslehrer“ waren unter den Gläubigen in Galatien aufgetreten, die sie von dem Evangelium, das Paulus ihnen verkündet hatte, abbringen wollten. Diese Männer leugneten nicht den Herrn Jesus Christus und Sein Werk. Aber sie lehrten, dass der Glaube an den Sohn Gottes allein nicht ausreiche, um Erlösung zu erfahren und um in eine Lebensbeziehung zu Gott zu kommen. Neben dem Glauben an Jesus Christus, so betonten sie, müsse der aus dem Heidentum stammende Gläubige auch noch zusätzlich die mosaischen Gesetze einhalten. Nur dadurch, dass ein Nichtjude, erst durch die Beschneidung zu Judentum konvertiere, die mosaischen Gebote einhalte und dann auch an Jesus Christus glaube, könne Erlösung geschehen. Außerdem sei es von entscheidender Bedeutung für den Gläubigen, dass er die jüdischen Feste und “heiligen Tage“ einhalte (vgl. Galater 4, 8 – 11). Jesus Christus, der Heiland der Welt, so behaupteten sie, sei nicht genug. Das “Evangelium“, das sie verbreiteten, war ein “Jesus und das Gesetz – Evangelium“ und darum, wie Paulus in Galater 1, 6 – 9 betont, ein “anderes“, ein falsches Evangelium, eine blasphemische Irrlehre. Jeder Leser sollte erkennen: Hier stehen wir in einer Auseinandersetzung um den Kern des christlichen Glaubens. Wer hinter die Gnade, die Gott ihm in Jesus Christus gewährt, also zum Gesetz, zurückkehrt, der kehrt zu dem zurück, was ihm den geistlichen Tod brachte:

“Denn als unser Leben noch von unserer eigenen Natur bestimmt war, wirkten sich in allem, was wir taten, die sündigen Leidenschaften aus, die vom Gesetz geweckt wurden. Und die einzige Frucht, die das brachte, war der Tod.

(Römer 7, 5)

Zu den Folgen, die der Glaube an ein “anderes“, d.h. ein falsches Evangelium für den Christen in seinem praktischen Glaubensleben haben kann, siehe auch: “Glaube – Kraftquelle der Liebe“ (Galater 5, 6).

Überblick und Aufteilung

Um die Galater von diesem verderblichen Weg abzubringen, entfaltet Paulus in seinem Brief noch einmal die grundlegenden Fakten des Evangeliums und grenzt es gegen das falsche “Jesus und …“-Evangelium ab. Wir können den Brief grob in fünf Abschnitte  einteilen:

Den ersten Abschnitt bilden der kurze Gruß (Galater 1, 1 – 5) und die Verfluchung des falschen Evangeliums bzw. der Irrlehrer (Galater 1, 6 – 10).

Im zweite Abschnitt (Galater 1, 112, 21) verteidigt Paulus das von ihm verkündete Evangelium. Dabei verweist er zuerst auf die Quelle seines Evangeliums (Galater 1, 11 – 17) und auf Erfahrungen in der Frühzeit seines geistlichen Dienstes (Galater 1, 18 – 24). Dann erläutert er seine Unabhängigkeit von den anderen Aposteln (Galater 2, 1 – 10) und berichtet davon, wie er selbst andere Apostel korrigieren musste (Galater 2, 11 – 21).

Der dritte Abschnitt (Galater 3, 14, 31) führt die Verteidigung des von Paulus gepredigten Evangeliums fort, in dem in einem ersten Teil Argumente aus der Erfahrung (Galater 3, 1 – 5), der Heiligen Schrift des Alten Testaments (Galater 3, 6 – 14) und der Logik (Galater 3, 15 – 29) darlegt. Der zweite Teil dieses Abschnitts verdeutlicht das Evangelium anhand von Illustrationen aus dem Alltag (Galater 4, 1 – 11), der Geschichte (Galater 4, 12 – 20) und dem Alten Testament (Galater 4, 21 – 31).  

Auch der vierte Abschnitt (Galater 5, 16, 10) enthält zwei Teile: Kapitel 5 beschreibt das ausgewogene christliche Leben, indem es das Leben ohne das Gesetz (Galater 5, 1- 12), das Leben in falsch verstandenen Freiheit (Galater 5, 13 – 15) und das Leben unter der Leitung des Heiligen Geistes (Galater 5, 16 – 26) darstellt. Kapitel 6 zeigt auf, wo der Christ Verantwortung trägt: gegenüber Mitgläubigen, die sündigen (Galater 6, 1), gegenüber Christen, die besondere Lasten tragen müssen (Galater 6, 2 – 5), gegenüber Lehrern, die ihnen das Wort Gottes bringen (Galater 6, 6 – 9) und gegenüber allen Menschen (Galater 6, 10).

Den Abschluss bildet der fünfte Abschnitt (Galater 6, 11 – 18), in dem Paulus noch einmal auf die wichtigsten Punkte des Briefes hinweist und die Galater auffordert, aus dem Geschriebenen praktische Konsequenzen zu ziehen.

Gottesfurcht statt Menschenfurcht (Galater 1, 10)

Gleich nach der kurzen Begrüßung der Empfänger dieses Briefes und der Verfluchung der Irrlehrer folgt eine Aussage des Apostels Paulus, die das Textwort für den kommenden Mittwoch enthält:

“Rede ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich nicht Christi Knecht.“

(Galater 1, 10)

Diese Worte müssen wir auf dem Hintergrund des lehrmäßigen Konfliktes verstehen, den der Galaterbrief aufgreift. Es war nicht nur so, dass die besagten “Gesetzeslehrer“ in die Versammlungen (= Gemeinden) eindrangen und dort ihre falschen Lehren verbreiteten. Nein, sogar gestandene Christen und geistliche Leiter waren unter ihrem Einfluss zu Heuchlern geworden. Unter diesen waren sogar die Apostel Petrus und Barnabas:

Doch als Petrus dann nach Antiochia kam, sah ich mich gezwungen, ihn vor der ganzen Gemeinde zur Rede zu stellen; denn so, wie er sich dort verhielt, sprach er sich selbst das Urteil. Zunächst hatte er zusammen mit den nichtjüdischen Geschwistern an den gemeinsamen Mahlzeiten teilgenommen. Als dann aber einige Leute aus dem Kreis um Jakobus kamen, zog sich Petrus aus Angst vor den Verfechtern der Beschneidung zurück und sonderte sich von den Nichtjuden ab. Und genauso unaufrichtig verhielten sich in der Folge die anderen jüdischen Geschwister. Sogar Barnabas ließ sich dazu hinreißen, dieses heuchlerische Spiel mitzumachen. Als ich nun sah, dass sie den richtigen Weg verlassen hatten, den Weg, der mit der Wahrheit des Evangeliums übereinstimmt, sagte ich in Gegenwart aller zu Petrus: ‚Du selbst nimmst dir – obwohl du ein Jude bist – die Freiheit, dich über die jüdische Lebensweise hinwegzusetzen und wie ein Nichtjude zu leben. Wieso zwingst du dann die Nichtjuden, sich der jüdischen Lebensweise anzupassen?'“

(Galater 2, 11 – 14)

Von dem Apostel Jakobus wissen wir, dass er diese falschen Lehren nicht vertrat (vgl. Galater 2, 9), aber ganz offensichtlich gab es Menschen, die aus seinem Umfeld kamen und solche Dinge verbreiteten. Es ist möglich, dass diese Menschen  Jerusalem verlassen hatten und nach Antiochia gekommen waren, weil Jakobus ihrer falschen Lehre in Jerusalem widerstanden hatte. In Antiochien hatte ihre Ankunft eine einschüchternde Wirkung auf den Apostel Petrus. Er, der bisher keinen Unterschied zwischen Christen, die aus dem Judentum und Christen, die aus dem Heidentum zum Glauben an Jesus Christus gekommen waren, machte,  zog sich nun von den nichtjüdischen Gläubigen zurück. Aus den Evangelien wissen wir, dass Petrus unter äußerlichem Druck zu Kompromissen neigte5. Sein Verhalten hatte eine Sogwirkung auf Barnabas und andere Gläubige, die ebenfalls aus dem Judentum stammten. Bedenkt man das Handeln des Petrus auf dem Hintergrund von Apostelgeschichte 10, 9 – 36, dann wird umso deutlicher, warum Paulus in Galater 2, 11 – 14 von “Heuchelei“ sprechen kann: der Apostel Petrus handelte aus Menschenfurcht entgegen einer Offenbarung, die Gott ihm persönlich hatte zuteil werden lassen!
Wenn man zum ersten Mal liest, wie Paulus im Brief an die Galater seine Zurechtweisung des Petrus beschreibt, dann ist man geneigt zu fragen: „Woher hatte der Mann diesen Mut?!“ – Petrus war ein Jünger der “ersten Stunde“. Im Gegensatz zu Paulus war er während der ganze Zeit des irdischen Dienstes Jesu persönlich zugegen. Er hatte auch eine sehr enge Beziehung zu seinem Meister. Mit Johannes und Jakobus gehörte er zum engsten Kreis der Jünger und hatte u.a. die besondere Verklärung seines Herrn auf dem Berg Tabor (Matthäus 17, 1 ff.) erlebt. Alle diese Gründe zusammengenommen trugen wohl auch dazu bei, dass er zu den “Säulen“ der Versammlung (= Gemeinde) in Jerusalem gezählt wurde (Galater 2, 9). Wer war Paulus, dass er das geistliche Urteil eines solchen Mannes in Frage stellte? Wer war Paulus, dass er einen solchen Mann – öffentlich! – vor anderen Gläubigen zu Recht wies?
Nun, wer er war, das macht Paulus in den ersten Versen des Galaterbriefes deutlich:

“Paulus, Apostel, nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn auferweckt hat von den Toten (..)“

(Galater 1, 1)

  • “Paulus, Apostel nicht von Menschen“ (Mehrzahl!) – der Autor dieses Briefes hat seinen Dienst nicht von einer Gruppe von Menschen empfangen. Er ist weder von einem Synedrion, noch von einer Synode oder irgendeinem anderen Leitungsgremium zu dem Dienst berufen und bestellt worden, den er ausübt.
  • “Paulus, Apostel (…), auch nicht durch einen Menschen (Einzahl!)“ – der Autor dieses Briefes hat seinen Dienst auch nicht von einem geistlichen “Oberhaupt“ empfangen. Weder ein Vorgänger, noch ein gewählter oder selbsternannter spezieller geistlicher Leiter  hat ihn zu dem Dienst berufen und bestellt, den er ausübt.

“Paulus, Apostel (…) durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn auferweckt hat von den Toten“ – der Autor dieses Briefes hat den Dienst, zu dem er berufen wurde und den er ausübt, wie jeder andere wahrhaft Berufene, von dem Herrn Jesus Christus und Gott, den Vater empfangen (1. Korinther 12, 5). Er ist kein  “Knecht der Versammlung (= Gemeinde), kein “Knecht des Konzils“, auch kein  “Knecht des Petrus“, er ist  ein “Knecht Christi“.
Die Frage, ob man ein Knecht Christi ist (und bleibt!) entscheidet sich an unserer ganz persönlichen Stellung, die wir zu der Wahrheit, die Christus uns in Seinem Evangelium geoffenbart hat, einnehmen. Machen wir Abstriche an der Wahrheit Christi, wenn andere Christen, die vielleicht schon länger gläubig sind, es tun? Machen wir Abstriche an der Wahrheit Christi, wenn andere Christen, die vielleicht großen Einfluss haben, es tun?
Für Paulus war klar, dass es in diesen Dingen keine Kompromisse geben kann. Hier ging es nicht um Nebensächlichkeiten, um Fragen des persönlichen Geschmacks oder der persönlichen Frömmigkeit. Hier ging es um die Grundlagen der christlichen  Lehre und um die Freiheit des Evangeliums, zu der Christus uns durch Seinen Tod befreit hat (Galater 5, 13). Hier ging es auch um eine Entscheidung zwischen Gottesfurcht und Menschenfurcht. Paulus hätte aus Menschenfurcht schweigen können. Damit hätte er nicht nur die Wahrheit des Evangeliums verraten, sondern auch den Herrn, der ihn berufen hatte. Hätte Paulus aus Menschenfurcht geschwiegen, dann hätte er damit vielleicht eine harmonische Stimmung zwischen ihm und Petrus aufrechterhalten. Aber diese Harmonie (nicht wirklichen göttlichen Frieden!) hätte er um den Preis eines großen Schadens im geistlichen Leben seines Mitapostels und vieler anderer Gläubiger erkauft. Paulus wusste um die Mahnung aus Sprüche 29, 25:

Menschenfurcht ist ein Fallstrick; wer aber auf den HERRN vertraut, hat nichts zu fürchten.“

und er wählte darum den Weg der Wahrheit, den Weg, der einen wahren Diener Christi auszeichnet. Wir sind nicht berufen, wegen Nebensächlichkeiten Streit unter Gläubigen zu entfachen. Aber wenn es um die Grundlagen des christlichen Glaubens geht, dann  dürfen wir nicht in die Falle der Menschenfurcht tappen. Denn dann schaden wir uns, dann schaden wir anderen und dann wir schaden vor allem dem Zeugnis unseres Herrn Jesus Christus, der uns erlöst und berufen hat. Von Christian Morgenstern stammt die Aussage, dass die,  „die zur Wahrheit wandern, allein wandern“. Für Christen gilt diese Aussage nicht. Wenn wir den Weg der Wahrheit erwählen (Psalm 119, 30), dann wird unser Gott uns bei jedem Schritt auf diesem Weg begleiten:

“Ich will dich unterweisen und dich den Weg lehren, den du wandeln sollst; mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten.“

(Psalm 32, 8)

Christi Knecht oder Knecht der Menschen? Gott schenke Ihnen viel Gnade und Kraft in den entscheidenden Situationen Ihres Lebens (unabhängig von den sich daraus ergebenden Konsequenzen) die richtige Entscheidung zu treffen.

Fußnoten:

¹= Der Galaterbrief ist einer der wenigen Briefe, bei dem die Autorenschaft des Apostels Paulus selbst von liberalen Kommentatoren nicht in Frage gestellt wird.

²= Prof. Dr. Erich Mauerhofer: “Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments“, (Band  I und II), 3. Auflage 2004, Verlag für Theologie und Religionswissenschaft (Nürnberg) und Reformatorischer Verlag Beese (Hamburg),  Band II, Seite 37,

³= Prof. Dr. Erich Mauerhofer, a.a.O., Seite 43

4= Prof. Dr. Erich Mauerhofer, a.a.., Seite 44

5= vgl. Matthäus 16, 16 – 23; Matthäus 26, 69 – 75; Markus 14, 66 – 72; Lukas 22, 54 – 62; Johannes 18, 15 – 18 + 25 – 27

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