Trau Dich: Tu was! (Matthäus 25, 14 – 15)

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In Matthäus 25, 14 – 30 lesen wir das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (oder, wie Luther übersetzt “Zentnern“). Dieses Gleichnis scheint auf den ersten Blick mit dem Gleichnis von den anvertrauten Pfunden in Lukas 19, 11 – 27 identisch zu sein.  Bei genauer Betrachtung ist dem jedoch nicht so. Aber ich möchte heute weder auf die Unterschiede, noch auf die prophetische Dimension dieser Gleichnisse eingehen, sondern einige Aussagen in dem Gleichnis von den anvertrauten “Talenten“ (“Zentnern“) betrachten, die einen mehr persönlichen Charakter haben: 

Die individuelle Beauftragung

Das Gleichnis beginnt mit einem interessanten Hinweis:

“Denn so wie ein Mensch, der außer Landes reiste, seine eigenen Knechte rief und ihnen seine Habe übergab: Und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, jedem nach seiner eigenen Fähigkeit; und sogleich reiste er außer Landes.“

Der Herr vertraut seinen Knechten etwas an und zwar “jedem nach seiner eigenen Fähigkeit“. Die Lutherbibel übersetzt hier “nach seiner Tüchtigkeit“. Das im griechischen Text an dieser Stelle benutzte Wort ist “dunamis“ (“δύναμις“) und bedeutet “Kraft“. Der Herr verteilt die Talente offensichtlich nicht nach Qualifikation, sondern nach der “Kraft“ bzw. “Fähigkeit“ des einzelnen Dieners.  Die Zuteilung ist also ganz individuell. Niemand bekommt mehr, als er Kraft hat zu verwalten und niemand bekommt weniger als er verwalten könnte. Keiner der Knechte wird unterfordert, keiner der Knechte wird überfordert. Der Herr kennt seine Diener. Er weiß um die Kraft eines jeden Einzelnen und dementsprechend teilt Er die zu verwaltenden “Talente“ aus.

Diesen Gedanken finden wir immer wieder in der Heiligen Schrift. Gott kennt uns, jeden einzelnen von uns. Sein Umgang mit uns ist ganz individuell, er “schert“ Seine Kinder und Seine Diener nicht “über einen Kamm“:

“Denn er kennt unser Gebilde, ist eingedenk, dass wir Staub sind.“

(Psalm 103, 14)

„Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu; der wird euch nicht über euer Vermögen versucht werden lassen, sondern wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, daß ihr sie ertragen könnt.“

(1. Korinther 10, 13)

In diesem Wissen, dass unser Herr uns ganz genau kennt und unsere Kraft richtig einzuschätzen vermag, können wir Ruhe und Zuversicht finden. Er Selbst hat uns zugesagt:

“Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

(Matthäus 11, 28 – 30)

Diese Worte Jesu sind ein wichtiges Unterscheidungskriterium. Wir dürfen sicher sein, dass ein hartes Joch bzw. eine schwere Last, nie von unserem Herrn kommt. Wenn eine Aufgabe oder ein Dienst unsere Kräfte auszehrt oder uns so belastet, dass wir darunter leiden, dann können wir sicher sein, dass wir hier nicht mehr das Joch bzw. die Last Jesu tragen. Paulus durchlebte in seinem Dienst für den Herrn viel Schweres. Doch er erlebte dabei auch, dass Gott ihn mit ständig nachströmender, geistlicher Kraft versorgte:

“Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.“

(Römer 8, 37)

“Zu allem habe ich die Kraft in der Gemeinschaft dessen, der mich stark macht.“

(Philipper 4, 13¹)

Wo aber dieser “Nachschub“ an Kraft ausbleibt, fehlt, da dürfen wir sicher sein, dass wir ein Joch, eine Last, tragen, die nicht vom Herrn kommt und ein Joch bzw. eine Last dieser Art dürfen, ja müssen wir ablegen. Ein solches Joch – und mag es noch so sehr einen “christlichen“ oder “geistlichen“ Schein tragen, ist nicht das Joch Jesu. Ein solches Joch dürfen wir von uns weisen, ohne dass wir dafür Schuldgefühle haben müssten.

Halten wir also fest: Unser Herr vertraut uns – entsprechend unserer Kraft – “Talente“ (“Zentner“) an, damit wir damit handeln. Er weiß genau, was und wie viel Er uns anvertrauen kann. bei Ihm gibt es weder eine Unter- noch eine Überforderung.

Einsatz verloren? Kein Grund zum Aufgeben!

Als es nach der Rückkehr des Herrn zur „Abrechnung“ der anvertrauten “Talente“  kommt, treten zwei Knechte vor Ihn und weisen auf den Gewinn hin, den sie erarbeiten konnten.  Dann tritt ein dritter Knecht vor den Herrn und gibt ihm das eine, ihm anvertraute Pfund, zurück:

„Es trat aber auch herzu, der das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich kannte dich, daß du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;  und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde; siehe, da hast du das Deine.“

(Matthäus 25, 24 – 25)

Dieser Knecht wird streng getadelt, das anvertraute “Talent“ wird ihm genommen  und am Ende wird er aus der Gegenwart seines Herrn verbannt.

Je mehr in mich in der letzten Zeit mit diesem Gleichnis beschäftigt habe, umso klarer wurde mir, dass es Gott in erster Linie darum geht, dass wir – handeln! Dies wird m. E. besonders aus der Rüge, die Er gegenüber dem untreuen Knecht ausspricht deutlich:

“Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Böser und fauler Knecht! Du wußtest, daß ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? So solltest du nun mein Geld den Wechslern gegeben haben, und wenn ich kam, hätte ich das Meine mit Zinsen erhalten.“

(Matthäus 25, 26 – 27)

Auf der Bank hätte das eine “Talent“ vielleicht nicht so viel an Ertrag durch Zinsen erbracht, wie dies u. U. im freien Handel möglich gewesen wäre. Trotzdem hätte der Herr sich damit zufrieden gegeben. Denn der Knecht hätte dann wenigstens etwas mit dem anvertrauten “Talent“ getan. So aber hatte er es verborgen. Er hatte sich völlig passiv verhalten. Im Gegensatz dazu waren die beiden anderen Knechte ein großes Risiko eingegangen – sie hatten mit den anvertrauten “Talenten“ gehandelt und hätten alles verlieren können! Doch sie kannten ihren Herrn. Im Gegensatz zu dem „bösen Knecht“ hatten sie auch kein falsches Bild von ihrem Herrn. Ihr Blick war auf die Güte ihres Herrn gerichtet, der ihnen, in dem Er ihnen diese “Talente“ anvertraute, Sein persönlichen Vertrauen (und damit auch Zutrauen in ihr Handeln) schenkte. Die Rechenschaftslegung der beiden ersten Knechte ist von Freude und Dankbarkeit Ihm gegenüber geprägt. Der dritte Knecht jedoch ist von Angst und Bitterkeit gezeichnet. Nichts, aber auch gar nichts in dieser Gleichniserzählung belegt das falsche Bild, welches er von seinem Herrn hatte.

Die beiden ersten Knechte hatten im Vertrauen auf ihren Herrn mit den ihnen anvertrauten “Talenten“ gehandelt. Dabei waren sie ein großes Risiko eingegangen. Nichts deutet jedoch darauf hin, dass der Herr sie, hätten sie dieses eine Pfund verloren, bestraft hätte. Wir lesen hier nichts von Aussagen, wie: „Verliert nur nichts!“ oder: „Macht den größten Gewinn!“ Der Herr vertraut seine Talente den Knechten an und sie handeln damit im Vertrauen auf Ihn.

Wie sieht es mit uns aus? Leben und handeln wir im Vertrauen auf unseren Gott? Kennen wir Ihn gut genug, dass wir bereit sind, für Ihn zu handeln, auch wenn wir damit ein Risiko eingehen, uns u. U. vor Menschen lächerlich machen? Und wenn wir in unserem Handeln Fehler machen, was dann? Geben wir auf, ziehen wir uns zurück – oder wagen wir es im Vertrauen auf Gott und Gottes Güte ein zweites Mal? Sind wir „Knechte“, die verstanden haben, dass es Gott in allererster Linie um unser Vertrauen, unsere Liebe zu Ihm und erst dann um unsere sichtbaren „Erfolge“ geht? Oder haben wir – woher auch immer – ein verkorkstes Gottesbild, das uns zu passiven, ängstlichen Bitterpflanzen (Hebräer 12, 15) werden lässt? Was ist uns wichtiger: Ein Leben im Vertrauen auf Gott zu leben – mit dem Risiko, dass wir – menschlich gesehen – versagen können. Oder ein Leben in vermeintlicher Sicherheit, dafür aber auch im Unglauben und in letzter Konsequenz fern von Gott?

Gott sagt: „Handele bis ich komme! (Lukas 19, 13) Also: „Tu was!“ und denk‘ dran: Wenn Du Fehler gemacht hast, Deinen Einsatz vielleicht beim ersten Mal verloren hast, dann ist das kein Grund aufzugeben. Du dienst keinem fordernden Monster, sondern einem Dich liebenden himmlischen Vater! (1. Johannes 2, 1 – 2)

Fußnoten:

¹= zitiert nach  „Das Neue Testament und Die Psalmen – Übersetzt und kurz erläutert von Ludwig Albrecht“, Brunnen Verlag Giessen und Basel, 14. Auflage 1988

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