Leben und Wohlgefallen vom Herrn (Sprüche 8, 35)


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Die Reichskrone by Gryffindor (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

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Zum Hintergrund: Das Buch der Sprüche

Das Textwort für den heutigen Sonntag ist dem alttestamentarischen Buch der Sprüche entnommen. Dieses Buch ist eines der wenigen biblischen Bücher, das uns gleich zu Beginn selbst mitteilt, von wem und warum es geschrieben wurde:

“Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel, daß man Weisheit und Zucht erlerne und verständige Reden verstehe, daß man Gedankenzucht erlange, Rechtssinn, Urteilskraft und Aufrichtigkeit; damit den Einfältigen Klugheit, den Jünglingen Erkenntnis und Besonnenheit verliehen werde. Wer weise ist, hört darauf und vermehrt seine Kenntnisse, und wer verständig ist, eignet sich Fertigkeiten an, damit er Sprichwörter und bildliche Rede verstehe, die Worte der Weisen und ihre Rätsel.“

(Sprüche 1, 1 – 6)

In unseren deutschen Bibeln findet sich dieses Buch nach den Psalmen, gefolgt vom Buch des Predigers und dem Hohenlied, also in dem Abschnitt der so genannten Weisheitsliteratur vor den prophetischen Büchern. In der hebräischen Bibel hat es seinen Platz in den so genannten „Schriften“ (hebr. “Ketubin“; ‏כְּתוּבִים), die dort den dritten und letzten Teil (nach den prophetischen Büchern) bilden¹.
Obwohl König Salomo in Sprüche 1, 1 – 6 als Autor genannt wird, stammt doch nicht das ganze Buch der Sprüche von ihm. Er ist der Autor der Kapitel 1, 1 bis Kapitel 22, 16. Die Sprüche von Kapitel 22, 17 bis Kapitel 24, 34 sind „Sprüche der Weisen“, deren Namen uns unbekannt sind. Die Kapitel 25, 1 bis Kapitel 29, 27 stammen ebenfalls von König Salomo, wurden jedoch später durch (namentlich ungenannte) Männer des Königs Hiskia gesammelt (Sprüche 25, 1). Das 30. Kapitel des Buches stammt von Agur, das 31. Kapitel von König Lemuel. Von diesen beiden Weisen ist – außer ihren Namen – ebenfalls nichts bekannt. Außer dem Buch der Sprüche (vgl. 1. Könige 5, 9 – 14) stammen der 127. Psalm (vgl. Psalm 127, 1), das Buch des Predigers (vgl. Prediger 1, 1) und das Hohelied (vgl. Hohelied 1, 1) von Salomo. Aufgrund der verschiedenen Autoren kann das Buch der Sprüche zeitlich nicht als Ganzes eingeordnet werden. Von Solomon wissen wir, dass er von 971 v. Chr. bis 931 v. Chr. regierte. Die Regentschaft Hiskias wird auf die Zeit zwischen 726 v. Chr. bis 697 v. Chr.  (bzw. 715 v. Chr. bis 686 v. Chr.) datiert. Teile des Buches existierten also bereits zu Salomos Lebenszeit, andere wurden unter König Hiskia ergänzt.

Die Sprüche gehören zur biblischen Weisheitsliteratur. Das hebräische Wort für Spruch (“mashal“, מָשָׁל) bedeutet “Vergleich“ bzw. auch “Gegenüberstellung“. Die Sprüche sind kurze Aussagen, die größere Zusammenhänge prägnant zusammenfassen und so eine bestimmte Wahrheit weitergeben, die für den, der sie annimmt, praktischen Rat für das Leben darstellt (vgl. Jeremia 18, 18). Auch aus anderen Ländern des Nahen Ostens sind Spruchsammlungen aus dieser Zeit bekannt. Teilweise ähneln sie dem Buch der Sprüche Salomos. Dabei fällt jedoch ein großer Unterschied auf. Während sich die außerbiblischen Spruchsammlungen auf Aussagen zu alltäglichen Geschehnissen und Belehrungen zu moralischen Fragen konzentrieren, hat das Buch der Sprüche einen weit darüber hinausgehenden, geistlichen Fokus, nämlich die göttliche Weisheit, die allein durch “die Furcht des Herrn“, also aus der Beziehung zu dem einzig wahren Gott, gewonnen werden kann (vgl. Sprüche 1, 7; 2, 1 – 6; 3, 7 – 89, 10 – 11; 14, 2; 14, 26 – 27; 15, 16; 15, 33; 19, 23; 23, 17).

Wir können das Buch der Sprüche grob wie folgt einteilen: Kapitel 1, 1 – 7 stellt die Einleitung des Buches dar. Diese Verse informieren uns über den Namen, den (hauptsächlichen) Autor, den Inhalt und die Absicht des Buches. Kapitel 1, 8 bis Kapitel 9, 18 bilden einen ersten großen Block. Sie schildern die Weisheit Gottes, wobei die Kapitel 1 bis 8 sich mit ihren Unterweisungen insbesondere an junge Menschen wendet. Sie beleuchten: den Umgang mit Sündern/Ungerechten (Kapitel 1, 8 – 19), die Einladung, Weisheit anzunehmen (Kapitel 1, 20 – 33), den Wert der Weisheit (Kapitel 2), göttliche Verheißungen und menschliche Verpflichtungen (Kapitel 3, 1 – 12), die Folgen eines weisen Lebens (Kapitel 3, 13 – 35), die Liebe zur Weisheit (Kapitel 4, 1 – 9), den Weg der Weisheit im Gegensatz zum Weg der Gesetzlosigkeit (Kapitel 4, 10 – 19), die Bedeutung des Ausharrens (Kapitel 4, 20 – 27),  die Bedeutung der Weisheit in Fragen der Ehe bzw. der ehelichen Treue (Kapitel 5, 1 – 23; 6, 20 – 35; 7, 1 – 27), die Frage der Bürgschaft (Kapitel 6, 1 – 5), die Bedeutung eines disziplinierten Lebens (Kapitel 6, 6 – 11), die Bedeutung des Herzens und wie man es in der rechten Stellung zu Gott bewahrt (Kapitel 6, 12 – 19). Kapitel 8 ist ganz der Beschreibung der Weisheit gewidmet, Kapitel 9 beschreibt den großen Gegensatz, in dem diese Weisheit zur menschlichen Torheit steht.
Die Kapitel 10, 1  bis  Kapitel 22, 16 bilden einen zweiten großen Block, in dem uns die Kennzeichen eines weisen Lebens (Kapitel 10, 1  bis Kapitel 15, 33) vor Augen geführt und wir darin unterwiesen werden, wie wir ein Gott wohlgefälliges Leben führen können (Kapitel 16, 1  bis Kapitel 22, 16).
Die Sprüche der Weisen, die die Kapitel 22, 17 bis  24, 34 umfassen, können wir als einen dritten Block betrachten. Sie enthalten Warnungen (Kapitel 22, 17 bis Kapitel 23, 35) und eine weitere Gegenüberstellung von Weisheit und Torheit (Kapitel 24, 1 ff.).
Block vier bilden die von den Männern Hiskias gesammelten Sprüche (Kapitel 25, 1 bis Kapitel 29, 27). Sie stellen den Gegensatz von Weisheit und Torheit heraus (Kapitel 25, 1 ff.; Kapitel 28, 1 bis Kapitel 29, 27), warnen vor dem Umgang mit törichten, faulen und bösen Menschen (Kapitel 26) und belehren über den weisen Umgang mit anderen (Kapitel 27).
Den fünften und letzten Block bilden die Kapitel 30 und 31, also die Belehrungen Agurs und Lemuels. In Kapitel 30 finden wir Agurs weise Aussagen über Gott (Verse 2 – 9) und über das Leben (Verse 10 – 33). In Kapitel 31 beschreibt Lemuel den Prototypen des weisen Königs (Verse 2 – 9) und der weisen Frau (Verse 10 – 31).

Die Bedeutung der Weisheit in Kapitel 8

Unser heutiges Textwort stammt aus dem 8. Kapitel des Buches der Sprüche. Thema dieses Kapitels ist die Weisheit. Die Weisheit wird ab Vers 1 (wie auch in anderen Kapiteln) symbolisch in der Person einer Frau dargestellt. Gottes Weisheit „ruft“, d.h. sie lädt die Menschen ein, von ihr zu lernen. Das, was Menschen von der Weisheit Gottes lernen können, wird in den Versen 2 bis 21 weiter ausgeführt.
Doch dieses Bild erfährt in Vers 22 eine Wandlung. Anstelle der symbolischen „Frau Weisheit“, die der symbolischen „Frau Torheit“ (Sprüche 7) gegenübergestellt wurde, spricht jetzt die Person der Weisheit Gottes direkt zu dem Leser. das wird daran deutlich, dass die Weisheit hier mit Eigenschaften gekennzeichnet wird, die weit über die einer natürlichen Person hinausgehen:

“Der HERR besaß mich im Anfang seines Weges, vor seinen Werken von jeher. Ich war eingesetzt von Ewigkeit her, von Anbeginn, vor den Uranfängen der Erde. Ich war geboren, als die Tiefen noch nicht waren, als noch keine Quellen waren, reich an Wasser. Bevor die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln war ich geboren; als er die Erde und die Fluren noch nicht gemacht hatte, und den Beginn der Schollen des Erdkreises. Als er die Himmel feststellte, war ich da, als er einen Kreis abmaß über der Fläche der Tiefe; als er die Wolken droben befestigte, als er Festigkeit gab den Quellen der Tiefe; als er dem Meer seine Schranke setzte, dass die Wasser seinen Befehl nicht überschritten, als er die Grundfesten der Erde feststellte, da war ich Werkmeister bei ihm und war Tag für Tag seine Wonne, vor ihm mich ergötzend allezeit, mich ergötzend auf dem bewohnten Teil seiner Erde; und meine Wonne war bei den Menschenkindern. Nun denn, ihr Söhne, hört auf mich: Glückselig sind, die meine Wege bewahren! Hört Unterweisung und werdet weise, und verwerft sie nicht! Glückselig der Mensch, der auf mich hört, indem er an meinen Türen wacht Tag für Tag, die Pfosten meiner Tore hütet! Denn wer mich findet, hat das Leben gefunden und Wohlgefallen erlangt von dem HERRN. Wer aber an mir sündigt, tut seiner Seele Gewalt an; alle, die mich hassen, lieben den Tod.“

(Sprüche 8, 22 – 36)

Wer die hier sprechende, personifizierte Weisheit Gottes ist, wird erst aufgrund der Offenbarung Gottes im Neuen Testament deutlich. Johannes 1, 1 – 3 + 14 erklärt, welche Person „seit Ewigkeit bei Gott  war“ (Sprüche 8, 22):

“Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (…) Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Aus Hebräer 1, 1 – 3 erfahren wir, wer der in Sprüche 8, 30 genannte “Werkmeister“ ist:

“Nachdem Gott vor Zeiten manchmal und auf mancherlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er zum Erben von allem eingesetzt, durch welchen er auch die Weltzeiten gemacht hat; welcher, da er die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens ist und alle Dinge trägt mit dem Wort seiner Kraft, und nachdem er die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst vollbracht, sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat.“

Die personifizierte Weisheit Gottes, die uns in Sprüche 8, 22 – 36 vorgestellt wird, ist niemand anderes, als der Sohn Gottes, Jesus Christus, selbst.  Das bestätigt uns auch der Apostel Paulus in Kolosser 1, 16 – 18:

“Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen;  und er ist vor allem, und alles besteht in ihm.  Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde, er, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem der Erste sei.“

Er, der Sohn Gottes, ist es, an dem Gott seit Ewigkeit her, Wohlgefallen (“Wonne“, Sprüche 8, 30) hat. Die Entsprechung zu Sprüche 8, 30 finden wir in Johannes 17, 24, wo der Herr über Seine Beziehung zu Gott, dem Vater, sagen kann:

“(…) du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.“

Diese personifizierte Weisheit Gottes, Jesus Christus, ist der Inhalt des Evangeliums und der Inhalt aller apostolischen Verkündigung:

“Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen.“

(Kolosser 1, 28)

Nur wer Ihn, den Sohn Gottes, findet, findet damit auch “Leben und Wohlgefallen vom Herrn“, wie Sprüche 8, 35 es ausdrückt. Denn nur in Ihm ist „das Leben“ (Johannes 1, 2), Er ist “der Weg, die Wahrheit und das Leben“ und niemand kommt zu Gott dem Vater, außer durch Ihn (Johannes 14, 6 – 7). Allein Seine Worte sind „Geist und sind Leben“ (Johannes 6, 63). Nur sie können bis in die Tiefen des menschlichen Seins vordringen und dort neues, ewiges Leben schaffen (1. Petrus 1, 23). Darum ist außerhalb, unabhängig von Ihm, niemals wahres, göttliches Leben möglich. Erst durch die neue Natur, die der Mensch in der Wiedergeburt (Johannes 3, 1 – 6; 2. Petrus 1, 4) empfängt, ist er fähig, dem Willen Gottes gemäß zu leben und so Gottes Wohlgefallen zu erlangen (Epheser 2, 10).

Wer also „Leben und Wohlgefallen vom Herrn“ sucht, der wird beides nur in und durch Jesus Christus, den Sohn Gottes, finden. Zur Zeit Salomos rief als die Weisheit Gottes und lud die Menschen ein, an ihren Segnungen teilzuhaben. Heute ist es der Sohn Gottes selbst, der jeden Menschen einlädt, durch Ihn wahres Leben und Wohlgefallen bei Gott zu finden, denn in Ihm „liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ (Kolosser 2, 3).

Fußnoten:

¹= Die Reichskrone des Heiligen Römischen reiches Deutscher Nation, zeigt auf dieser Seite Christus und zwei Engel, sowie die Inschrift „(Per) Me Reges Regnant – Durch mich regieren die Könige“ aus Sprüche 8, 15, was auf Christus, die personifizierte Weisheit Gottes bezogen wird.

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