Die Chance für alle – die Ehre für Gott allein (1. Kor. 1, 27-29)


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Kurze Bestandsaufnahme: Probleme in Korinth

Das heutige Textwort ist dem ersten Kapitel des 1. Korintherbriefes (zum Hintergrund des 1. Korintherbriefes: Klick!) entnommen:

“Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft. Denn es steht geschrieben: Ich will die Weisheit der Weisen vernichten, und den Verstand der Verständigen will ich wegtun. Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Schulstreiter dieses Zeitlaufs? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil ja in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, so gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu erretten; weil ja sowohl Juden Zeichen fordern als auch Griechen Weisheit suchen; wir aber predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Anstoß und den Nationen eine Torheit; den Berufenen selbst aber, sowohl Juden als auch Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit; denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen. Denn seht eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt [und] das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme. Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; damit, wie geschrieben steht: Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.“

(1. Korinther 1, 18 – 31)

Die Verse 30 – 31 dieses Kapitels haben wir bereits Anfang Februar d. J. betrachtet und dabei folgende Feststellungen getroffen:

* Bei dieser Versammlung (= Gemeinde) handelte es sich um Gläubige, die durch Gottes Gnade reich gesegnet waren: Sie waren Geheiligte in Christus, berufene Heilige (1. Korinther 1, 1), in Ihm waren sie auch reich gemacht worden in aller Lehre und Erkenntnis (1. Korinther 1, 5). Sie waren in der Lehre Jesu befestigt worden, an Gnadengaben hatten sie keinerlei Mangel und der Apostel stellt ihnen das Zeugnis aus, dass sie die Offenbarung des Herrn, d.h. Jesu Kommen für die Seinen, erwarteten (1. Korinther 1, 6 – 7).

Wir stellten auch fest, dass diese Gläubigen ganz offensichtlich noch nicht begriffen hatten, was Gott ihnen in Seiner Gnade geschenkt hatte:

* Anstatt ein Leben in Dankbarkeit und Demut gegenüber Gott zu führen, war ihr Verhalten von Stolz und Prahlerei geprägt. Das wiederum führte zu Spaltungen innerhalb der Versammlung (= Gemeinde): Da gab es einige, die sich einer besonderen Beziehung zu Paulus rühmten. Andere wiederum zogen den Dienst des Apollos vor. Eine dritte Gruppe hielt Kephas (Petrus) für einen noch wichtigeren Diener Gottes und betonte daher, ihm nachzufolgen. Und eine vierte Gruppe wollte ganz besonders fromm sein und behauptete, nur Christus anzugehören. Doch auch dieser vierten Gruppe ging es nur darum sich von den anderen abzuheben. Wäre dem nicht so gewesen, so hätte diese Gruppe versucht, den Spaltungen ein Ende zu bereiten. Doch das taten sie nicht. Genau wie die anderen prahlten sie mit den Fähigkeiten eines einzelnen Dieners Gottes (oder eben mit Christus selbst) und betonten die eigene Nachfolge gegenüber diesem Mann (oder dem Herrn), um sich dann selbst in dem “Licht“ dieses Dieners (oder des Herrn) sonnen zu können (vgl. Johannes 5, 35). Mit diesem Verhalten hatten sich die Gläubigen weit von der Einheit, die der Geist Gottes unter ihnen gestiftet hatte (1. Korinther 12, 13) entfernt, denn Spaltungen und Zwietracht sind ein “Werk des Fleisches“ (Galater 5, 20).

Wir haben außerdem gesehen, wie Paulus auf diese Zustände und insbesondere auf die Prahlereien der Korinther einging: Er zeigte jenen, die ihn zu ihrem Favoriten erkoren hatten, auf, wie töricht es ist, ihn über Christus zu erheben, wo doch Christus (und nicht er!) sie erlöst hatte (1. Korinther 1, 13). Er verweist darauf, dass er – obwohl Gründer dieser Versammlung (= Gemeinde) – nur sehr wenige Personen getauft hat (1. Korinther 1, 14 – 16).

Aus diesen Beobachtungen wurde/wird deutlich: Diese Gläubigen vertrauten auf falsche Sicherheiten. Sie hängten sich mit ihrem Herzen an – in ihren Augen – besondere Menschen und deren – angebliche – besondere Fähigkeiten. Dadurch verloren sie Christus und die Kraft des Evangeliums aus den Augen und zudem die geschwisterliche Einheit, die sie doch im Band des Friedens hätten bewahren sollen (Epheser 4, 2 – 3). Mit diesem Verhalten zeigten sie, dass sie immer noch wie Menschen dachten, die Jesus Christus nicht kannten (vgl. 1. Korinther 3, 1 – 10).

Sich in fremdem Glanz sonnen?

Unser heutiges Textwort beleuchtet noch einmal etwas mehr die Gründe für das falsche Verhalten der Gläubigen: Aus 1. Korinther 1, 27 – 29 geht hervor, dass es unter den Gläubigen in Korinth keine große Anzahl von hohen Intellektuellen gab. Auch gab es nur wenige, die eine herausgehobene gesellschaftliche Stellung bekleideten oder anderweitig einflussreich waren. Die Gläubigen gehörten mehrheitlich dem an, was man allgemein als „niedrige Gesellschaftsschicht“ bezeichnet. Wir können sicher sein, dass Mitglieder höherer gesellschaftlicher Schichten diese Menschen ihre untergeordnete Stellung immer wieder spüren ließen. „Von oben wird heruntergeschaut!“ Das war immer so und das ist noch immer so.  Auch die Reaktion jener, die ihre niedrige gesellschaftliche Stellung zu spüren bekommen, war und ist häufig gleich: Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl versuchen alles mögliche, um wenigstens etwas von dem Glanz der „gesellschaftlich Großen“, der „Prominenten“, abzubekommen. Das ist der Grund, warum Menschen sich gern mit Politikern zusammen fotografieren lassen. „Ich habe ‚Dr. XYZ von und zu und auf und davon‘ die Hand geschüttelt.“ – „Der zukünftige Bundespräsident ist in meinem Taxi gefahren!“ Das ist der Grund, warum sich auch heute noch Wochenmagazine gut verkaufen, in denen über nichts anderes berichtet wird, als über Skandale von Königshäusern oder anderen „Stars“. Die Lektüre solcher Hefte vermittelt den Lesern das Gefühl, sie wüssten Bescheid, seien ganz nah am Geschehen „dran“. Dadurch entsteht die Illusion, dieses „Wissen“ würde sie aus der Masse herausheben, ihnen mehr „Wert“ geben. Doch nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Auch die Korinther meinten, sich im Glanz anderer sonnen und so ihren Wert, ihr Ansehen, steigern zu können. Als Christen konzentrierten sie sich dabei nicht auf einflussreiche Menschen in Politik oder Gesellschaft, sondern – ganz (pseudo-)geistlich – auf „christliche Prominente“, insbesondere auf Paulus, Petrus oder Apollos. Wegen dieses Verhaltens musste Paulus die Korinther eindringlich zurechtweisen. Indem sie ihren Wert auf weltliche Weise zu steigern versuchten, entwerteten sie sich geradezu. Denn sie erkannten nicht, welchen Wert Gott, der allmächtige Schöpfer, ihnen zumaß!  Paulus macht ihnen in diesem Brief  deutlich, wie töricht ein solches Verhalten ist. Ihr Verhalten war nicht besser, als das ihrer ungläubigen Umwelt (1. Korinther 1, 10 – 16). Sie handelten nach weltlichen Maßstäben. Dabei hätten sie mit einem Blick auf sich selbst und ihre Berufung durch Gott, erkennen können, dass Gott ganz andere Maßstäbe hat, als die Welt.  Der Apostel erinnert die Gläubigen daran, dass unter ihnen nicht viele Weise nach dem Maßstab der Welt waren. Trotzdem hatte Gott sie erwählt. Gott hatte nicht die Menschen erwählt, die auch nach menschlichen Maßstäben sofort in jede erste Auswahl gekommen wären. Nein, jene Menschen, die bei jeder Mannschaftswahl bis zum Schluss stehen geblieben und dann einer Mannschaft unter deren Protest zugeteilt worden wären, die hatte Gott erwählt. Damit waren die Korinther, die ja die lebensverändernde Kraft des Evangeliums an sich selbst erfahren hatten, ein Beweis dafür, wie Gottes „Torheit“ die „Weisheit“ der Menschen zuschanden machte.

Die Chance für alle – die Ehre für Gott allein!

Gott hat Freude daran, das zu erwählen, was vor der Welt „nichts ist“, was verachtet ist. Gott hat Freude daran, an jenen Seine Macht zu erweisen, die von der Welt aufgeben worden sind (Vers 29). Er benutzt das, was in den Augen der Welt „nichts ist“, um gerade damit seine Pläne auszuführen. So hat Gott schon immer gehandelt. Wir sehen das an Beispielen aus dem Alten Testament. Wie töricht muss es in den Augen der Ägypter ausgesehen haben, als die Israeliten die Bündel Ysop nahmen und ihre Türpfosten mit dem Blut des Passahlammes bestrichen. Der biblische Ysop (nicht zu verwechseln mit dem Ysop officialis) ist eine kleinwüchsige Pflanze, der man wenig Beachtung schenkte. Aber es wurde das Mittel, durch das das Blut des Passahlammes an die Türpfosten aufgebracht werden und so den Schutz der Israeliten bewirken konnte. Das Buch der Richter voll von Beispielen davon, wie die Israeliten mit den einfachsten menschlichen Mitteln in Verbindung mit Gottes Kraft ihre Feinde schlugen (Richter 3, 31; 4, 21; 7, 20; 9, 53; 15, 15). Weitere Beispiele für Gottes Sicht finden wir in: Psalm 8, 2; Jesaja 26, 5 – 6; Jesaja  29, 14 + 19Zephania 3, 12. Auch mit dem Kommen Christi hat sich diese Handlungsweise Gottes nicht geändert: Er berief seine Nachfolger nicht aus der politisch oder religiös einflussreichen Schicht Israels (Matthäus 4, 18 – 22; 9, 9; 11, 25; 21, 16; Lukas 19, 39 – 40; 21, 15). Ja, der Erlöser und Sein Werk waren und sind in den Augen der Welt etwas „Törichtes“ (Apostelgeschichte 4, 11 – 21). Genauso werden auch Seine Nachfolger von der Welt gesehen (Apostelgeschichte 6, 9 – 10; 7, 35; 7, 54; 17, 18; 24, 24 – 25; 2. Korinther 4, 7; 10, 4 – 5 + 10).
Ein bekannter Bibellehrer sagte sehr häufig: “Gott beruft nicht die Befähigten, er befähigt  die Berufenen!“ In diesem Handeln Gottes liegt die große Chance für jeden Menschen. Niemand muss einer besonderen gesellschaftlichen Schicht angehören oder über besondere Fähigkeiten verfügen, um von Gott gebraucht zu werden. Jeder Mensch, der die Erlösung in Jesus Christus annimmt (Johannes 3, 1 – 6) und neues Leben aus Gott empfängt, tritt damit auch in einen Wachstumsprozess ein, in dessen Verlauf er durch Gottes Gnade verändert und befähigt wird, die Dinge zu tun, mit denen Gott ihn beauftragt.
Unser Wert und unsere Stellung als Christen leitet sich nicht davon ab, ob wir „besondere Christen“ kennen und zu ihren eine Beziehung pflegen. Denn bei Gott – das lernen wir hier von Paulus – gibt es keine „besonderen Christen“. Er selbst verweist in 1. Korinther 15, 10 darauf, dass er sich weder auf seine Fähigkeiten noch auf seinen Dienst etwas einbildet/einbilden kann:

“Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.

Unser Wert und unsere Stellung gründet sich einzig und allein auf das Erlösungswerk Christi:

„(…) indem ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken; der zwar zuvor erkannt ist vor Grundlegung der Welt, aber offenbart worden ist am Ende der Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn an Gott glaubt, der ihn aus den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat, damit euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott sei.

(1. Petrus 1, 18 – 21)

Gottes Handeln eröffnet jedem eine Chance, von Gott gebraucht zu werden, aber es gibt niemandem die Möglichkeit, sich auf Gottes Erwählung etwas einzubilden. Jeder kann gebraucht werden, jeder ist wichtig, aber niemand steht über dem anderen. Christen bilden nach der Lehre des Neuen keine Organisation mit Hierarchien, sondern einen Organismus, den Leib Christi, bei dem es auf jedes einzelne Glied ankommt (1. Korinther 12, 12 – 25). Die einzige Quelle unserer Segnungen, unserer Sicherheit, unseres Wertes, unserer Stellung ist Gott selbst (1. Korinther 1, 30). Und nur durch Christus – der personifizierten Weisheit Gottes – ist uns dies alles (1. Korinther 6, 11; Johannes 17, 19; Epheser 1, 7; Römer 3, 24).
Darum kann und muss Gott selbst der Einzige sein, dem wir dafür die Ehre geben:

„(…) wer sich rühmt, der rühme sich des HERRN!“

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