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Die Urkunde

Stefan B. hatte es geschafft. Mit einem strahlenden Lächeln stand er mit 17 weiteren jungen Männern und Frauen auf der Treppe vor dem Haus der Kreishandwerkerschaft, wo ein Fotograf der örtlichen Zeitung ein Foto von der Gruppe machte. Wenige Minuten zuvor war die Freisprechungsfeier zu Ende gegangen, in der die  18 Malerlehrlinge zu Gesellen wurden. In ihren  Händen hielten sie ihren Gesellenbrief, den sie jetzt auf ein Kommando des Fotografen in die Höhe streckten.
Als Stefan B. tags darauf wieder in seinem Ausbildungsbetrieb erschien, wo er in Zukunft auch als Geselle arbeiten würde, gratulierten ihm seine Kollegen zur bestandenen Ausbildung. Nach einem gemeinsamen Frühstück, das Stefan zur Feier seiner bestandenen Prüfung ausgab, ging es wieder an die Arbeit. Die Stunden vergingen, bis kurz vor Arbeitsschluss ein älterer Geselle auf ihn zu kam: “He, Stift B., draußen im Hof stehen noch 10 Kanister Holzlasur, die ins Lager müssen. Also: Dalli dalli!“ Ohne weiter nachzudenken, ging Stefan in den Hof und schaute sich nach den Farbkanistern um. Doch anstatt der Farbe standen dort die anderen Gesellen und lachten: “Wir wollten nur ‚mal sehen, ob Du immer noch gehorchst!“ Er war reingefallen. Als Geselle hatte ihm außer dem Meister niemand mehr Anweisungen zu geben und schon gar nicht durfte man ihn jetzt noch als “Stift“ bezeichnen. Stefan schwor sich, dass das nicht noch einmal vorkommen sollte. Auf dem Heimweg kaufte er einen schönen, großen Bilderrahmen, der seinen Gesellenbrief aufnahm. So eingerahmt hing die Urkunde seit diesem Tag im Flur seiner Wohnung. An jedem Morgen blickte er darauf, ehe er sich auf den Weg zur Arbeit machte. Sie erinnerte ihn daran, dass er kein Lehrling mehr war und dass nur noch sein Meister ihm Anweisungen geben durfte.

Menschen, die erst kurze Zeit Christen sind, geht es oft ähnlich wie Stefan B. Natürlich erhalten wir keinen “Gesellenbrief“ oder dergleichen, wenn wir zum Glauben kommen. Auch die Zeit des Lernens ist für Christen dann nicht vorbei, ganz im Gegenteil, sie beginnt damit gerade erst. Aber die neue Stellung vor Gott und den Menschen, in die uns die Erlösung und Wiedergeburt versetzt, ist für die meisten so neu und ungewohnt, dass sie sehr häufig noch in die Verhaltenweisen abgleiten, die ihr Leben vor ihrer Umkehr zu Gott bestimmt haben. Gott weißt das und Er gibt uns eine “Urkunde“, die uns nicht nur an unsere neue Stellung erinnern, sondern darüber auch gründlich belehren soll. Unsere “Urkunde“ sind die Bücher und Briefe des Neuen Testaments. Der Römerbrief (zu  seinem Hintergrund siehe: Klick!), aus dem unser heutiges Textwort entnommen ist, entfaltet auf besonders gründliche Weise die Lehre über die Erlösung des Menschen, das neuen Leben und die neue Stellung des Christen. Das Schlüsselwort dieses Briefes ist “Gerechtigkeit“ und zwar die “Gerechtigkeit“, die vor Gott gilt. Der Brief beantwortet die Kernfrage des christlichen Glaubens: Wie wird ein Mensch gerecht vor Gott, d.h., wie kommt er in die rechte Beziehung zu Gott? Darüber hinaus belehrt uns der Brief aber auch darüber, wie wir als Gerechtfertigte ganz praktisch leben können.

Gerechtigkeit im Römerbrief

Wenn wir den Römerbrief unter diesem Blickwinkel betrachten, können wir ihn auch wie folgt einteilen:

Römer 1, 1 – 17 stellen eine Einleitung dar, in der Paulus den Grund und das Thema seines Briefes beschreibt.

In Römer 1, 18Römer 3, 20 beschreibt, dass alle Menschen der Rechtfertigung von Gott bedürfen, weil jeder Mensch grundsätzlich ohne Beziehung zu Gott lebt.

In Römer 3, 21Römer 5, 21 erklärt Paulus, wie dem Menschen die Gerechtigkeit Gottes zugerechnet wird (“aus Gnade, mittels des Glaubens“; Römer 3, 21 ff.; Epheser 2, 8 – 9) und welche Auswirkungen die Rechtfertigung für den Gläubigen in seiner Beziehung zu Gott hat: Er hat Frieden mit Gott, Zutritt zu Gott und  Befreiung vom Gericht Gottes (Römer 5, 1 – 21), um nur einige wenige Punkte zu nennen.

Die Kapitel 6, 7 und 8 zeigen die neue Stellung auf, in die der Gläubige durch die Rechtfertigung gebracht ist: seine neue Stellung gegenüber der Sünde (Römer 6), seine neue Stellung gegenüber dem Gesetz (Römer 7) und seine neue Stellung in Gott (Römer 8).

In Römer 911 macht Paulus deutlich, dass die Lehre, dass alle Menschen (Juden wie Nationen) vor Gott Sünder sind und Rechtfertigung allein durch den Glauben an Jesus Christus empfangen (Römer 3, 20 – 24), die Israel von Gott gegebenen besonderen Verheißungen nicht ungültig macht.

Von Römer 12, 1 bis  Römer 15, 13 folgt dann eine ausführliche Belehrung darüber, wie das Leben des Gerechtfertigten ganz praktisch aussieht. Weil der Gläubige in der Erlösung (Johannes 3, 1 – 6) nicht nur Vergebung seiner Schuld, sondern auch neues Leben aus Gott (ein neues “Wesen“, Römer 7, 6) empfangen hat, kann er jetzt auch anders Leben, ein anderes, neues Verhalten kultivieren (Römer 6, 4).

Leben nicht labern!

Nachdem Paulus in Römer 12, 3 – 13 deutlich gemacht hat, wie wir unsere Liebe zu unseren Mitgläubigen praktisch zum Ausdruck bringen können, zeigt er in Römer 12, 14 – 21 auf, dass unser Glaube sich auch in der Liebe zu allen Menschen erweisen muss:

“Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden. Seid gleich gesinnt gegeneinander; sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst. Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen. Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. Rächt nicht euch selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: ‚Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.‘ – ‚Aber wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen; wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken; denn wenn du dieses tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.‘ Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.“

Das Zeugnis eines Christen für seinen Herrn und Erlöser besteht nicht primär in seinen Worten, sondern – das macht das Neue Testament an vielen Stellen deutlich – an seinem Lebenswandel. Fromme Reden halten, das kann jeder. Entsprechend der Lehre Jesu leben, das kann nur der, der wirklich neues Leben aus Gott empfangen hat und in einer Lebensbeziehung zu Ihm steht. Leben – nicht labern – macht den Unterschied.

Entdecke die Möglichkeiten

Diese Aussage und die Anweisungen, die uns Paulus z. B. in Römer 12, 14 – 21 gibt, können wir falsch verstehen. Dann verstehen wir sie als Gebot, als neues Gesetz, ja als Druck, der auf uns lastet. Doch wenn wir uns die aufeinander aufbauenden Belehrungen des Römerbriefes anschauen (und aus diesem Grund habe ich sie meinen Gedanken noch einmal voran gestellt), dann erkennen wir, dass wir in der Wiedergeburt alles empfangen haben, um einen entsprechenden Lebenswandel führen zu können (Römer 38). Nicht wir müssen z. B. aus unserer kleinen, menschlichen Liebesfähigkeit heraus vergeben, nein, die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen worden (Römer 5, 5) und dadurch wird es uns möglich, sogar denen zu vergeben, die uns verfolgen. Weil wir diese Menschen jetzt mit Gottes Augen sehen können, ist es uns möglich, die zu segnen, die uns verfluchen. Weil wir Gottes Vergebung “am eigenen Leib“ erfahren haben, sind wir nicht mehr dazu verurteilt, Böses mit Bösem vergelten zu müssen, Rache üben zu müssen. Die Erfahrung der unverdienten Barmherzigkeit und Gnade Gottes in unserem eigenen Leben, ermöglicht es uns, Böses mit Gutem überwinden. Erinnern wir uns: Auch wir wurden “als wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt (…) durch den Tod seines Sohnes“ (Römer 5, 10). Das Wissen um die “Feindesliebe Gottes“ will auch uns einen neuen, anderen Blick auf unsere “Feinde“ schenken. Der Glaube an die Gerechtigkeit Gottes, befähigt uns, von Rachegedanken Abstand zu nehmen und das endgültige Urteil Gott zu überlassen.

Wachsen in der Gnade

Das alles passiert nicht “von heute auf morgen“. Christsein ist ein Wachstumsprozess (2. Petrus 3, 18) und ein Verwandlungsprozess (Römer 8, 29; 2. Korinther 3, 18). Bei jedem Lern- oder Wachstumsprozess macht man Fehler und auch uns werden Fehler während unseres Wachstums als Christen unterlaufen. Gott weiß das und Er hat dafür Vorsorge getroffen (1. Johannes 2, 1 – 2;  Jakobus 3, 1 – 2, Galater 6, 1). Entscheidend ist, dass wir uns diesem Wachstumsprozess stellen, dass wir ihn selbst aktiv unterstützen. Dazu ist es notwendig, das wir uns immer wieder mit “unserer Urkunde“, dem Neuen Testament, beschäftigen. Im Gegensatz zu Stefan B. sollten wir “unsere Urkunde“ jedoch nicht zum bloßen Anschauungsobjekt machen. Wir müssen “unsere Urkunde“ lesen und studieren. Je mehr wir Gottes Wort kennen- und verstehen lernen, desto besser werden wir auch entsprechend Seinem Willen leben und handeln können. Wichtig ist dabei, dass wir nicht nur unseren Kopf mit Wissen aus bzw. über Gottes Wort füllen, sondern das Gelesene bzw. das Erkannte in Gebet umsetzen. Wir können z.B. jede der Aufforderungen aus Römer 12, 14 – 21 zum Gebet machen, indem wir z.B. darum bitten, dass Gott Seine Liebe in unserem Herzen aktiviert, damit wir Menschen lieben könne, die uns feindlich gesonnen sind. Wir können darum beten, dass Gott die Herzen dieser Menschen verändert und auch sie zur Versöhnung bereit werden. Wir können darum beten, dass Gott erst dann ein erneutes Treffen zwischen uns und diesen Menschen zulässt, wenn beide “Parteien“ innerlich richtig vorbereitet sind. Wir können darum beten, dass Gott uns Kraft schenkt, wenn wir selbst um Entschuldigung bei anderen bitten müssen. Wir können darum beten, dass Gott uns verändert, da wo wir Veränderung von alten, eingefahrenen Verhaltensweisen brauchen. Wir können  ….. tausend neue Möglichkeiten tun sich hier für Sie und mich auf.   Gott hat uns in der Erlösung nicht nur die Vergebung unserer Schuld geschenkt. Das allein wäre schon Grund zu ewigem Dank.  Nein, Gott hat uns in der Erlösung auch ein neues Leben mit einem unglaublichen Potenzial eröffnet. Entdecken Sie noch heute erstmals – oder wieder neu – die Möglichkeiten eines Lebens aus der Kraft Gottes. Gott segne Sie dazu!

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