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Korinth_Muendung / Foto: Wikipedia/Don Vincenzo

Korinth_Muendung / Foto: Wikipedia/Don Vincenzo

Zum Hintergrund

Die intensive Beziehung, die den Apostel Paulus mit den Christen in Korinth verband, habe ich bereits an anderer Stelle beschrieben (zum Hintergrund des 1. Korintherbriefes siehe: Klick!).

Reich gesegnet

Unser heutiges Textwort ist Teil eines größeren Abschnitts des 1. Kapitels, in dem der Apostel eines der großen Probleme der Versammlung (= Gemeinde) anspricht:

“Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft. Denn es steht geschrieben: Ich will die Weisheit der Weisen vernichten, und den Verstand der Verständigen will ich wegtun. Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Schulstreiter dieses Zeitlaufs? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil ja in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, so gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu erretten; weil ja sowohl Juden Zeichen fordern als auch Griechen Weisheit suchen; wir aber predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Anstoß und den Nationen eine Torheit; den Berufenen selbst aber, sowohl Juden als auch Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit; denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen. Denn seht eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt [und] das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme. Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; damit, wie geschrieben steht: Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.

(1. Korinther 1, 18 – 31)

Kennen sie die Redensart „Große Klappe, nichts dahinter!“? Das sagt man über einen Menschen, der mit seinen Erfolgen oder Fähigkeiten angibt, wenn diese jedoch auf die Probe gestellt werden, nichts vorzuweisen hat. Mit diesen Worten würde man die Situation der Christen in Korinth in jener Zeit, in der der Apostel Paulus diesen Brief schrieb, sehr gut beschreiben: Die Korinther waren durch Gottes Gnade reich gesegnet worden: Sie waren Geheiligte in Christus, berufene Heilige (1. Korinther 1, 1), in Ihm waren sie auch reich gemacht worden in aller Lehre und Erkenntnis (1. Korinther 1, 5). Sie waren in der Lehre Jesu befestigt worden, an Gnadengaben hatten sie keinerlei Mangel und der Apostel stellt ihnen das Zeugnis aus, dass sie die Offenbarung des Herrn, d.h. Jesu Kommen für die Seinen, erwarteten  (1. Korinther 1, 6 – 7).

Spaltungen in Korinth: Falschen Sicherheiten vertrauen

All‘ das war ein Geschenk der Gnade Gottes, wofür der Apostel Gott dankt (1. Korinther 1, 4). Doch ganz offensichtlich hatten die Korinther noch nicht begriffen, was ihnen Gott in Seiner Gnade geschenkt hatte. Wären sie sonst so mit dem Geschenk Gottes umgegangen? Anstatt ein Leben in Dankbarkeit und Demut gegenüber Gott zu führen, war ihr Verhalten von Stolz und Prahlerei geprägt. Da gab es einige, die sich einer besonderen Beziehung zu Paulus rühmten. Andere wiederum zogen den Dienst des Apollos vor. Eine dritte Gruppe hielt Kephas (Petrus) für einen noch wichtigeren Diener Gottes und betonte daher, ihm nachzufolgen. Und eine vierte Gruppe wollte ganz besonders fromm sein und behauptete, nur Christus anzugehören. Doch auch dieser vierten Gruppe ging es nur darum sich von den anderen abzuheben. Wäre dem nicht so gewesen, so hätte diese Gruppe versucht, den Spaltungen ein Ende zu bereiten. Doch das taten sie nicht. Genau wie die anderen prahlten sie mit den Fähigkeiten eines einzelnen Dieners Gottes (oder eben mit Christus selbst) und betonte die eigene Nachfolge gegenüber diesem Mann (oder dem Herrn), um sich dann selbst in dem “Licht“ dieses Dieners (oder des Herrn) sonnen zu können (vgl. Johannes 5, 35). Mit diesem Verhalten hatten sich die Korinther weit von der Einheit, die der Geist Gottes unter ihnen gestiftet hatte (1. Korinther 12, 13) entfernt, denn Spaltungen und Zwietracht sind ein “Werk des Fleisches“ (Galater 5, 20).
Paulus antwortet auf diese Prahlereien, in dem er jenen, die ihn zu ihrem Favoriten erkoren hatten, aufzeigt, wie töricht es ist, ihn über Christus zu erheben, wo doch Christus sie erlöst hatte (1. Korinther 1, 13). Er verweist darauf, dass er – obwohl Gründer der Versammlung (= Gemeinde) in Korinth – nur sehr wenige Personen getauft hat (1. Korinther 1, 14 – 16). Aus seinen Briefen wissen wir, welche wichtige Bedeutung die Taufe für Paulus hatte. Doch hier stellt er klar, dass es völlig egal ist, durch wen jemand getauft wurde und dass diejenigen, die durch den Apostel getauft wurden, sich nichts darauf einbilden konnten.
In der griechischen Kultur jener Tage wurden Rhetoren, gebildete Redner, sehr verehrt. Scheinbar sahen einige Korinther in Paulus, Apollos, Petrus und sogar in Christus nichts anderes als solche Rhetoren und vielleicht gaben sie damit in ihrer nichtchristlichen Umwelt sogar an. Doch Paulus macht deutlich, dass er nicht als gebildeter Rhetor auftritt, sondern als Verkündiger des Evangeliums zu ihnen kommt. Das Evangelium ist keine weitere philosophische Lehre, sondern die Botschaft der göttlichen Erlösung. Diese Botschaft entfaltet ihre Kraft nicht durch geschliffene Reden, sondern durch das Wort vom Kreuz Christi (1. Korinther 1, 17 – 23). Auch das musste der Apostel den Korinthern eindrücklich ins Gedächtnis rufen.
Die Gläubigen in Korinth vertrauten auf falsche Sicherheiten. Sie hängten sich mit ihrem Herzen an – in ihren Augen – besondere Menschen und deren – angebliche – besondere Fähigkeiten. Dadurch verloren sie Christus und die Kraft des Evangeliums aus den Augen und zudem die geschwisterliche Einheit, die sie doch im Band des Friedens hätten bewahren sollen (Epheser 4, 2 – 3). Mit diesem Verhalten zeigten die Korinther, dass sie immer noch wie Menschen dachten, die Jesus Christus nicht kannten (vgl. 1. Korinther 3, 1 – 10).

Gottes Weisheit versus menschliche Weisheit

Um deutlich zu machen, wie töricht es ist, sich in geistlichen Fragen auf menschliche Weisheit und Kraft zu verlassen, zeigt Paulus in 1. Korinther 1, 18 ff. den Gegensatz auf, in dem Gottes Weisheit zur menschlichen Weisheit steht. Die Kraft der Erlösung liegt in dem Wort vom Kreuz.
Wo immer Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen, geschieht das nicht durch die besondere Persönlichkeit des Verkündigers oder dessen rhetorische Fähigkeiten, sondern durch die Kraft, die in der klaren Verkündigung des Wortes Gottes, d.h. in der Verkündigung der Erlösung durch Jesus Christus allein (Johannes 14, 6; Apostelgeschichte 4, 12) liegt. Die Wiedergeburt aus dem Heiligen Geist (Johannes 3, 1 – 6) ist nicht das Ergebnis einer schlauen Überzeugung des ungläubigen Intellekts durch unschlagbare Argumente, sondern einzig und allein ein Wunder der Gnade Gottes (Johannes 6, 44 + 65; Matthäus 16, 17; Matthäus 11, 25).
Die Kraft der Erlösung liegt in der Predigt des gekreuzigten Christus. Für Juden war das ein Ärgernis, denn sie erwarteten einen siegreichen Messias, der sie vom Joch der römischen Fremdherrschaft befreien sollte. Für Griechen war die Lehre, dass ein – nach römischem Recht hingerichteter Verbrecher – der Sohn Gottes sein sollte – eine Torheit (vgl. Apostelgeschichte 17, 18 + 32).
Jesus Christus – ein Ärgernis und eine Torheit – das hat sich bis in unsere Tage hinein nicht geändert. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Letzte, was diese Welt von Jesus Christus sah, sein toter Leib am Kreuz war (Johannes 19, 31 – 36). Der Auferstandene begegnete nur denen, die an Ihn glaubten (vgl. z.B. 1. Korinther 15, 4 – 8). Wer immer seitdem an Christus gläubig wird, der stellt sich auf die Seite eines von der Welt verworfenen Erlösers und muss sich bewusst sein, dass die Welt ihn fortan genauso betrachten wird, wie seinen Herrn und Meister (Galater 6, 14; Matthäus 10, 24 – 31).
Indem Paulus in 1. Korinther 1, 19  den Propheten Jesaja zitiert (Jesaja 29, 14), macht er deutlich, dass Gott  schon immer so gehandelt hat, um die Torheit der menschlichen Weisheit  zu entlarven. Dabei ist zu beachten, dass es Paulus nicht darum geht, jede Form menschlicher Weisheit abzulehnen. In 1. Korinther 1, 18 – 25 geht es darum, dass alles, was menschliche Weisheit an Aussagen über Gott und Sein Handeln hervorbringt, angesichts der alles überragenden Weisheit Gottes nur als Torheit bezeichnet werden kann.

Zurück zum Zentrum

In den Versen 26 – 31 kommt Paulus wieder auf die Torheit der Korinther zu sprechen: Indem sie ihre Sicherheit auf weltliche Weise in besonderen Menschen mit besonderen Fähigkeiten suchten (1. Korinther 1, 10 – 16), verhielten sie sich nicht besser als ihre Umwelt.  Dabei hätten sie mit einem Blick auf sich selbst und ihre Berufung durch Gott, erkennen können, dass Gottes Weisheit der Weisheit der Welt völlig entgegengesetzt ist. Der Apostel erinnert die Gläubigen daran, unter ihnen nicht viele Weise nach dem Maßstab der Welt waren. Trotzdem hatte Gott sie erwählt. Gott hatte nicht die Menschen erwählt, die auch nach menschlichen Maßstäben sofort in jede erste Auswahl gekommen wären. Nein, jene Menschen, die bei jeder Mannschaftswahl bis zum Schluss stehen geblieben und dann einer Mannschaft unter deren Protest zugeteilt worden wären, die hatte Gott erwählt. Damit waren die Korinther, die ja die lebensverändernde Kraft des Evangeliums an sich selbst erfahren hatten, ein Beweis dafür, wie Gottes „Torheit“ die „Weisheit“ der Menschen zuschanden machte.
Gott hat Freude daran, das zu erwählen, was vor der Welt „nichts ist“, verachtet ist. Gott hat Freude daran, an jenen Seine Macht zu erweisen, die von der Welt aufgeben worden sind (Vers 29). Der Herr Jesus Christus erwies diese Macht an der Frau am Jakobsbrunnen, an der Ehebrecherin und an vielen anderen „gescheiterten Existenzen“. Daran sollten wir denken, wenn wir das nächste Mal einem Obdachlosen, einer Prostituierten, einem Straßenkind begegnen. Und wir sollten es nicht bei dem obligatorischen „einen Euro“ belassen, sondern nach Wegen suchen, wie wir diesen Menschen das Evangelium in Wort und Tat nahebringen können.
Gott handelt auf diese Weise, damit niemand sich rühmen kann. Es macht absolut keinen Sinn, wenn ein Christ irgendjemand anderen rühmt, als Gott allein. Denn das bedeutet nichts anderes, als dass er sein Vertrauen in etwas bzw. jemanden außerhalb von Gott setzt. Das aber ist ein Vertrauen in falsche Sicherheiten. Die einzige Quelle aller Segnungen (und damit der einzigen Sicherheit) des Gläubigen ist Gott selbst (1. Korinther 1, 30). Und nur durch Christus – der personifizierten Weisheit Gottes – sind uns diese Segnungen zugänglich (1. Korinther 6, 11):  Die Rechtfertigung, durch die Er uns in die richtige Beziehung zu Gott gebracht hat, die Heiligung, die Er uns geschenkt hat (Johannes 17, 19) und die Erlösung von der Sünde und ihren Folgen, die Er uns erworben hat (Epheser 1, 7; Römer 3, 24).  Alles, was wir als Gläubige sind und haben, sind und haben wir von Gott durch seinen Sohn empfangen.
Wenn wir, warum auch immer, unsere Sicherheit in irgendetwas oder irgendjemandem außerhalb von Gott gesucht haben, wenn wir andere Menschen – und damit auch „ein klein wenig“ uns selbst – glorifiziert haben, dann ist es höchste Zeit, diese Götzen in unserem Herzen von ihrem Thron zu stoßen. Dann ist es höchste Zeit,  Buße zu tun, umzudenken, umzukehren – zurück zum Zentrum unseres Glaubens, zurück zu Jesus Christus. Denn:

„(…) wer sich rühmt, der rühme sich des HERRN!“

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