Alles wird anders


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Erstaunen und Erschrecken

Das Markusevangelium wird häufig als „Evangelium der Kraft“ bezeichnet, weil der Evangelist ganz offensichtlich Wert darauf legt, seiner hauptsächlich römischer Leserschaft (zur Zielgruppe des Markusevangeliums siehe hier: Klick!) weniger von den Lehren und mehr von den Machttaten des Herrn Jesus zu berichten. Das wird schon zu Beginn des Evangeliums deutlich, wo wir von folgenden zwei Begebenheiten lesen:

“Und als er am galiläischen Meere wandelte, sah er Simon und dessen Bruder Andreas; die warfen das Netz aus im Meer; denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Folget mir nach, so will ich euch zu Menschenfischern machen! Da verließen sie alsbald ihre Netze und folgten ihm nach. Und als er von da ein wenig weiter ging, sah er Jakobus, des Zebedäus Sohn, und seinen Bruder Johannes, welche auch im Schiffe die Netze bereitmachten. Und alsbald berief er sie; und sie ließen ihren Vater Zebedäus samt den Taglöhnern im Schiff und folgten ihm nach. Und sie begaben sich nach Kapernaum; und er trat alsbald am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Und sie erstaunten über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten. Und alsbald war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geiste, der schrie  und sprach: Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen uns zu verderben? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! Aber Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Da riß der unreine Geist ihn hin und her, schrie mit lauter Stimme und fuhr von ihm aus. Und sie erstaunten alle, so daß sie sich untereinander befragten, und sprachen: Was ist das? Eine neue Lehre! Mit Vollmacht gebietet er auch den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm. Und das Gerücht von ihm verbreitete sich alsbald in die ganze umliegende Landschaft von Galiläa.“

(Markus 1, 16 – 28)

Die beiden Geschehnisse, die uns hier geschildert werden – die Berufung der Jünger und die Befreiung des Besessenen – stehen in einem engen inneren Zusammenhang. Das wird daran deutlich, dass Markus bei beiden Ereignissen eine ähnliche (erstaunte, ja erschütterte) Reaktion auf Seiten derer berichtet, die diese Geschehnisse miterlebten. Nach der Berufung der Jünger und nach der Lehre des Herrn in der Synagoge, heißt es:

“Und sie erstaunten über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.“

(Markus 1, 22)

Und nach der Befreiung des Besessenen bezeugen die Menschen:

“Was ist das? Eine neue Lehre! Mit Vollmacht gebietet er auch den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm.“

(Markus 1, 27)

Alles wird anders, wenn Jesus Christus erscheint

Ungewohntes, ja bisher Unbekanntes war geschehen. Plötzlich trat ein Lehrer, ein Rabbi, auf, der seine Schüler, seine Jünger, selbst berief! Das hatte es bisher noch nicht gegeben. Im Judentum hatte der Schüler sich einen Lehrer, einen Rabbi, zu suchen, bei dem er lernen konnte. Doch hier ereignet sich genau das Gegenteil.  Das Erstaunen der jüdischen Beobachter bzw. Zuhörer wird noch verständlicher, wenn wir uns mit dem Hintergrund der Berufung der Jünger und der Befreiung des Besessenen beschäftigen:

Menschenfischer

Im Alten Testament – und diese Kenntnisse können wir bei den Besuchern des Synagogengottesdienstes durch die wöchentliche Lesung der Bücher des AT voraussetzen – wird nur Gott selbst als derjenige bezeichnet, der Menschenfischer aussendet:

“Seht, ich will viele Fischer senden, spricht der HERR, die sie fischen sollen; darnach will ich viele Jäger senden, die sie jagen sollen von allen Bergen und von allen Hügeln und aus den Felsenklüften.“

(Jeremia 16, 16)

“Und es werden Fischer von En-Gedi bis En-Eglaim an ihm stehen und ihre Fischernetze darin ausspannen. Seiner Fische werden sehr viele sein, gleich den Fischen im großen Meer, nach ihrer Art.“

(Hesekiel 47, 10)

Wenn hier also jemand auftrat und mit Vollmacht nicht nur Jünger i.S. von Schülern sondern zu Menschenfischern berief, dann konnte es niemand anderes sein als Gott selbst! Das war für einen Juden, der das Alte Testament kannte, eindeutig. Und noch eine weitere, Aufsehen hervorrufende Information war mit der Berufung der Jünger zu Menschenfischern verbunden: Aus dem Kontext von Jeremia 16, 16 und Hesekiel 47, 10 wird deutlich, dass mit der Berufung der Menschenfischer die Zeit beginnen sollte, in der die Gottesfürchtigen gesammelt werden sollten, ehe das Gericht Gottes eintreffen würde. Wer das Geschehen der Berufung der Jünger auf dem Hintergrund des Alten Testaments richtig deutete, der wusste: Gottes Handeln mit Seinem Volk, ja mit der ganzen Welt, war in einen neuen Zeitabschnitt eingetreten. Nichts würde ab jetzt so bleiben, wie es war. Alles würde sich ändern. Wer dieses Geschehen auf dem Hintergrund des Alten Testaments richtig deutete, der wusste aber auch, dass er nun in die Entscheidung gestellt war: In der Person des Jesus von Nazareth war Gott selbst erschienen. Der Messias war unter sie getreten. Die Zeichen und Machttaten beglaubigten Seine Sendung. Jeder Einzelne war gefordert, sich zu entscheiden, dem Messias zu glauben oder ihn zu verwerfen.

Befreier der Gebundenen

Wem die Berufung der Jünger und die vollmächtige Lehre des Herrn in der Synagoge noch nicht genug Beweis waren, dem gab Gott in Seiner Gnade einen weiteren Denkanstoß: die Befreiung des Besessenen. Im Alten Testament finden wir zahlreiche Wunder, die die Propheten im Auftrag Gottes vollbrachten. Darunter sind Nahrungswunder (1. Könige 17, 9 ff.) und sogar Totenauferweckungen (1. Könige 17, 17 ff.). Aber von der Befreiung von Besessenen wird uns im Alten Testament nichts berichtet. Auch mit diesem Handeln stellt der Herr Jesus Christus Seine Gottheit unter Beweis. Für Juden, die im Alten Testament gelehrt waren, war das eindeutig.
Aber auch für Römer, die keine Kenntnis des Alten Testaments besaßen, wurde an diesem Geschehen die Macht und Autorität Jesu deutlich. Denn auch die römische Glaubenswelt kannte Dämonen und böse Geister und die Angst vor ihnen war verbreitet. Um sich vor Dämonen zu schützen, musste man einen Schamanen oder Beschwörer aufsuchen, der gegen Entgelt Riten vollführte, durch die die Dämonen gebannt werden sollten. Wie oft werden die so Schutzsuchenden wohl erfahren haben, dass der Dienst dieser Magier das schwer erarbeitete Geld nicht wert war? Hier aber erfuhren diese Menschen, dass es einen gab, der ganz offensichtlich absolute Macht über diese Wesen hatte – und zwar durch einen einzigen Befehl! Kein Ritual wurde veranstaltet, kein Geld musste bezahlt werden. Ein Wort dieses Mannes genügte und das Böse musste den geknechteten Menschen verlassen.

Hoffnung für Heute

Wir können sicher nur eingeschränkt ermessen, welchen unauslöschlichen Eindruck die berichteten Geschehnisse bei denen hinterließen, die sie miterlebten. Vielleicht wünschen wir uns manchmal, „live“ dabei gewesen zu sein. Aber wir sollten dieser vergangenen Gelegenheit nicht nachtrauern, sondern uns auf die Hoffnung konzentrieren, die uns hier angeboten wird. Denn wir besitzen die „ganze Geschichte“, das ganze Markusevangelium und darum wissen wir, dass die Wunder des Herrn nicht “alles“ waren. Wir dürfen wissen, dass der Sohn Gottes am Kreuz auch die Sünde und den Tod überwunden hat. Damit ist auch „der letzte Feind“ des Menschen besiegt worden (vgl. 1. Korinther 15, 55). Was könnten wir an Hilfe von diesem Heiland nicht erwarten?  Wo sollte seine Kraft versagen? Nein, mit Seinem Kommen ist eine neue Zeit angebrochen und jeder, der Ihn im Glauben aufnimmt (Johannes 1, 12 – 13), Vergebung der Sünde und ewiges Leben empfängt (1. Johannes 1, 7 – 9; Johannes 5, 24), wird auch Seine Hilfe, Seinen Schutz, Seine Bewahrung, ja Seine Wunder erleben. Er ist für jeden von uns  immer nur ein Gebet weit entfernt.

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