Susanne Geske: „Ich will keine Rache“


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Buchbesprechung: Susanne Geske “Ich will keine Rache”

“Mission” – das war und ist für viele Menschen ein schreckliches Wort. Denn das Wort “Mission” war und ist für viele Menschen gleichbedeutend mit Kreuzzügen, Ausrottung indigener Völker, Kolonisation, Sklavenhaltung und Gewaltherrschaft. Dass jemand “in die Mission” geht, weil er Liebe zu einem fremden Volk empfindet und diesem Volk das bringen möchte, was er selbst als das größte Geschenk seines Lebens empfindet, das ist wohl für die meisten Menschen nicht nachvollziehbar. Aber genau diese Liebe zum Evangelium und zum tükischen Volk motivierte das Ehepaar  Tilmann und Susanne Geske im Jahr 1997 Deutschland hinter sich zu lassen und mit ihrer ganzen Familie in die Türkei überzusiedeln. Zehn Jahre lebten sie in verschiedenen türkischen Städten, bis sie ab 2003 ihren ständigen Wohnsitz in Malatya, der zentralen Stadt des berühmten Anbaugebietes für türkische Aprikosen, nehmen. Sie lernten die Sprache, integrierten sich in die Gesellschaft, betreuten eine internationale christliche Gemeinde und beteiligten sich an der Übersetzung einer Studienbibel in die türkische Sprache bis am 18. April 2007 das Unvorstellbare geschah. Am Morgen dieses Tages verlässt Tilmann Geske wie immer das Haus, um das Büro seiner kleinen Übersetzungsfirma aufzusuchen. Dort soll ein Treffen mit einigen jungen türkischen Männern statt finden. Sie haben Interesse an der christlichen Botschaft bekundeten und wollen nun mit Tilmann Geske und zwei türkischen Christen ihre angeblichen Fragen besprechen. Doch bei den Interessenten handelt es sich nicht um ernsthafte Gottessucher, sondern Menschen, die nur das eine Ziel haben: Keiner der drei Christen darf diesen Tag überleben. Wenige Stunden später erfährt die Welt durch internationale Medien, dass diese Menschen ihr schreckliches Ziel erreicht haben: Tilmann Geske (45), Ugur Yüksel (32) und Necati Aydin (35) sind tot.

In ihrem Buch “Ich will keine Rache – das Drama von Malatya” schildert Susanne Geske nicht nur diese schreckliche Begebenheit, sondern den ganzen Weg, den sie und Tilmann sich bis zu diesem Punkt von Gott geführt sahen. Wir begleiten Susanne auf ihrem Weg zum Glauben, zur Bibelschule und in den Gemeindedienst, in dem sie Tilmann kennenlernt und wir folgen dem Ehepaar mit ihren Kindern in die Türkei, nach Adana und nach Malatya. In allem, was Susanne Geske beschreibt, besticht ihre ehrliche, einfache Art. Vor uns liegt keine theologische Abhandlung über das Für und Wider von christlicher Mission, sondern der authentische Lebensbericht einer Frau, die gelernt hat, Gott in allen Situationen ihres Lebens zu vertrauen. Dabei entsteht keine “christliche Heldenlegende”, denn die Autorin verhehlt dem Leser ihre Zweifel und Anfechtungen, ihre Fragen und ihren Schmerz nicht. Vor uns entsteht das Bild einer schwachen, verletzten Frau, die in den wohl schwersten Stunden ihres Lebens ganz praktisch erlebt, dass Gottes Kraft gerade da zur Vollendung kommt, wo Gläubige am Ende ihrer eigenen Kraft sind (2. Korinther 12, 9). Es ist diese Kraft, die es ihr ermöglicht, jedem Rachegedanken zu widerstehen. Und so erklärt Susanne Geske nur kurz nach der Ermordung ihres Mannes einer weltweiten Öffentlichkeit, dass sie nicht nur den Mördern vergibt, sondern auch, dass sie und ihre Kinder beschlossen haben, Tilmann in Malatya zu begraben und selbst weiterhin dort leben wollen. Da, wo andere alle Brücken abgebrochen hätten, fängt sie neu an. Die altkirchliche Überzeugung, dass das Blut der Märtyrer der Same der Kirche ist, ist auch ihre Überzeugung.

Ein Lebensbericht, der unsere Aufmerksamkeit auf die Schwierigkeiten der Christen in den Gebieten der Welt lenkt, in denen der christliche Glaube angefeindet und verfolgt wird, der aber zugleich auch Mut macht, in den schwierigsten persönlichen Problemen Gott ganz zu vertrauen.

Angaben zum Buch: Susanne Geske: “Ich will keine Rache – das Drama von Malatya“, Brunnen-Verlag Gießen 2008, 144 Seiten, ca. 12 Euro.

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5 Antworten zu Susanne Geske: „Ich will keine Rache“

  1. Tom Proehl schreibt:

    Reblogged this on Tom Proehl and commented:
    Gut an Malatya erinnert zu werden.

  2. Sabine Wittmann schreibt:

    Liebe Susanne Geske,

    habe Tilmann persönlich gekannt. Er war mein Chorleiter in der EFS in Lörrach. Ich erinnere mich aber auch an einen außergewöhnlichen, bescheidenen Menschen, der mir immer authentisch schien. Ich lernte Anbetung und Gebet durch seine Leidenschaft für Gott und danke ihm noch heute dafür.
    Mein Mann ist Türke. Wir haben zwei Kinder hier in Deutschland und grüßen Dich und Deine Kinder. Ich bete für Dich und Deine Kinder!!!!!Das Buch werde ich lesen.
    Sabine Wittmann

  3. Sabine Wittmann schreibt:

    sorry meinte FEG

  4. JNj. schreibt:

    Liebe Frau Wittmann,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich, dass Sie dadurch den Eindruck, den ich von dem Buch von Frau Geske hatte, noch einmal bestätigt haben. Allerdings ist dies nicht der Blog von Frau Geske und ich verfüge auch über keine E-Mail-Adresse von Frau Geske, so dass ich ihr Ihre Mitteilung nicht weiterleiten kann. Wenn Sie sich schriftlich an Frau Geske wenden möchten, kann Ihnen sicher der Verlag weiterhelfen, in dem das Buch von Frau Geske erschienen ist. Die Anschrift ist:

    Brunnen Verlag GmbH
    Gottlieb-Daimler-Straße 22
    D-35398 Gießen

    Mit freundlichen Grüßen,
    JNj.

  5. Simeon Seelig schreibt:

    Guten Tag
    Ich habe über die Ils Ihr Tochter kennen gelerntde Miriam Geske. Ich schreibe oft mit ihr! Hat sich dies mit der Nachricht schon erledigt? Wenn nein könnte ich auch ihre Mutter auf diese Seite aufmerksam machen!
    Herzliche Grüsse
    Simeon Seelig

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