Von verlorenen Schafen und verträumten Hirten

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Die lebendige Hoffnung

In seinem ersten Brief an die Christen, die im Norden und im Zentrum Kleinasiens lebten, schreibt der Apostel Petrus:

“Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unverweslichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, die ihr durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werdet zur Errettung, die bereit ist, in der letzten Zeit offenbart zu werden; (…)“

(1. Petrus 1, 3 – 5)

Weil Jesus Christus den Tod überwunden hat und von den Toten auferstanden ist (1. Korinther 15, 55 – 57; 2. Timotheus 1, 10) kann Er jedem, der zu Ihm kommt, Erlösung und ewiges Leben geben (Johannes 10, 28; 5, 24). Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass ein Mensch „Buße tut“, d.h. von seinem bisherigen Leben ohne Gott zu Gott umkehrt, indem er seine Sünden bereut, sie bekennt (1. Johannes 1, 7 – 9) und Jesus Christus nachfolgt (Johannes 8, 12). Wer dies tut, empfängt nicht nur Vergebung seiner Sünden und neues, ewiges Leben, er empfängt auch eine “lebendige Hoffnung“.
Diese Hoffnung gründet sich auf die feststehenden Verheißungen Gottes und erwartet die endgültige Bestimmung der Gläubigen, nämlich die Teilhabe an Gottes ewiger Herrlichkeit und Seinem Reich (Johannes 14, 1 – 3Philipper 3, 20 – 21; 1. Johannes 3, 1 – 2). Sie wird in dem Augenblick ihre Erfüllung finden, in dem Jesus Christus wiederkommt, um die Gläubigen zu sich zu nehmen (Titus 2, 13; 1. Thessalonicher 4, 13 – 17). “Lebendig“ ist diese Hoffnung, weil sie untrennbar mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus verbunden ist.

Zum Hintergrund

Als der Apostel Petrus seinen zweiten Brief an die Christen in Kleinasien schrieb, war ihm bewusst, dass sein irdisches Leben bald enden würde (2. Petrus 1, 13 – 15).¹ Es überrascht daher nicht, dass dieser Brief neben den literarischen Kennzeichen eines Briefes, auch die Kennzeichen eines Testaments trägt (2. Petrus 1, 3 – 11; 2, 1 – 3; 3, 1 – 4). Weil der Apostel weiß, dass er dazu keine weitere Gelegenheit hat, ist es sein Herzensanliegen, durch diesen Brief bei seinen Lesern wichtige Glaubenslehren in Erinnerung zu rufen und sie darin zu befestigen (2. Petrus 1, 12 – 15; 3, 1 – 3; 3, 15):

* Im ersten Kapitel erinnert er die Gläubigen an ihre Berufung und ermahnt sie, dieser Berufung entsprechend zu leben. Die Berufung des Christen ist heilig (2. Timotheus 1, 9) und sie verlangt nach einem Leben das mit dieser Berufung übereinstimmt (2. Korinther 7, 1).

* Im zweiten Kapitel folgt eine Warnung vor falschen Lehrern und falscher Lehre. Petrus wird dabei sehr konkret. Er beschreibt die Kennzeichen dieser falschen Lehrer (2. Petrus 2, 1 – 3), die Konsequenzen ihrer falschen Lehre (2. Petrus 2, 4 – 10 a), das Verhalten der falschen Lehrer (2. Petrus 2, 10b – 19) und das göttliche Gericht über diese Menschen (2. Petrus  2, 20 – 22).

* Das dritte Kapitel enthält eine weitere Erinnerung, nämlich daran, dass die Heilige Schrift an vielen Stellen bestimmte Dinge voraussagt. Petrus war sich der Tatsache bewusst, dass kaum etwas die Gläubigen besser vor falschen Lehren schützen konnte, als die beständige Rückbesinnung auf die Heilige Schrift. Sie allein kann der Maßstab des Christen sein (Apostelgeschichte 17, 11). Der Apostel erinnert seine Leser auch daran, dass das Auftreten von Spöttern angekündigt wurde, die mit der Hoffnung der Gläubigen ihren Spott treiben würden. Diesem Spott stellt er die Belehrung über Gottes Wesen, d.h. Seine Langmut, Güte und Gerechtigkeit gegenüber und ermutigt seine Leser, an den Verheißungen Gottes festzuhalten. Gott ist treu und Er wird sie erfüllen.  Abschließend fordert Petrus die Gläubigen noch einmal zu einem ihrer Berufung entsprechenden Lebenswandel auf.

Von verlorenen Schafen und verträumten Hirten

Unser heutiges Textwort ist diesem letzten Kapitel des 2. Petrusbriefs entnommen und es nimmt Bezug auf die im Eingang dieses Kapitels erwähnten Spötter:

“Der Herr säumt nicht mit der Verheißung, wie etliche es für ein Säumen halten, sondern er ist langmütig gegen uns, da er nicht will, daß jemand verloren gehe, sondern daß jedermann Raum zur Buße habe.“

(2. Petrus 3, 9)

Auf die Aussage der Spötter, dass ja „doch alles so bleibt, wie es schon immer war“ (Vers 4), entgegnet Petrus, dass nur geschichtsvergessene Menschen so etwas behaupten können und verweist auf die Sintflut: Damals hatte Gott Sein Gericht nicht nur angekündigt, sondern auch vollzogen (Verse 5 – 6). Zu einem Zeitpunkt, den Gott bestimmt und den nur er kennt, wird Er diese Erde ein weiteres Mal und dann endgültig, richten (Apostelgeschichte 17, 31). Die Tatsache, dass Gott diese Ankündigung bisher noch nicht wahr gemacht hat, sollte die Spötter nicht zu dem Gedanken verleiten, dass Gott machtlos sei oder Er das Interesse an Seiner Schöpfung verloren hätte. Im Gegensatz zu den nicht erhörten Gebeten der Baals- Propheten (1. Könige 18 ), ist die noch nicht erfüllte Verheißung Gottes kein Zeichen der Schwäche Gottes, sondern ein Zeichen Seiner Langmut und Barmherzigkeit (2. Mose 34, 6). Gott will nicht den Tod der Gottlosen. Er gibt ihnen Zeit, damit sie Buße tun, d.h. zu Ihm umkehren können:

“So wahr ich lebe, spricht Gott, der HERR, ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daran, daß der Gottlose sich abwende von seinem Wege und lebe! Wendet euch ab, wendet euch ab von euren bösen Wegen!“

(Hesekiel 33, 11)

Die Geduld Gottes ist also die große Chance für jeden Menschen. Gott weiß, dass Menschen ohne Ihn „wie Schafe in die Irre“ gehen. Er geht den Menschen nach und wird jedem Menschen eine Chance zu Umkehr geben (Lukas 15, 3 – 7). Ob der Mensch diese Chance nutzt, liegt in seiner Entscheidung.

In der vergangenen Woche haben wir Lukas 15, 10 betrachtet. Dieser Vers thematisiert die Freude, die Gott empfindet, wenn ein Mensch zu Ihm umkehrt. Wie ich bereits erwähnte, steht Lukas 15, 10 inmitten der drei „Verloren-gefunden-Gleichnisse“. Das erste dieser drei Gleichnisse spricht von dem „verlorenen Schaf“, das zweite von der „verlorenen Drachme“ und das dritte von dem „verlorenen Sohn“. Von diesen drei Gleichnissen begegnet uns nur das Gleichnis vom verlorenen Schaf noch ein weiteres Mal im Neuen Testament. In Matthäus 18, 10 – 14 ist dieses Gleichnis Teil der Belehrung der Jünger. Dabei liegt der Schwerpunkt des Gleichnisses jedoch nicht auf der Verlorenheit des Schafes, sondern auf der Hingabe des Hirten: Gottes Herz schlägt für die Schafe, die in die Irre gehen und dieser Herzschlag Gottes soll auch das Herz der Jünger bewegen. Jeder Nachfolger Jesu, also jeder Christ, ist dazu berufen, den Menschen nachzugehen, die vor Gott davon laufen. Wir sind nicht alle dazu berufen, Evangelisten im Sinn von Epheser 4, 16 zu sein, aber wir haben alle die Aufgabe, unseren Mitmenschen das Evangelium, die Gute Nachricht, weiterzusagen.  Wir sind auch nicht alle zu Hirten im Sinn von Epheser 4, 16 berufen und doch soll unser Herz, wie das des großen Hirten, für die Verlorenen schlagen und „uns Beine machen“.

Im Gegensatz zu unserem Herrn Jesus Christus, der die Himmel, also das ganze Universum, durchschritten hat, um „verirrten Schafen“ nachzugehen (Hebräer 4, 14), kleben wir nur zu gern auf unseren Kirchenbänken fest. Wissen unsere Kollegen, dass wir eine „lebendige Hoffnung“ haben? Halten unsere Nachbarn uns für freundliche Zeitgenossen, die einen frommen Touch haben oder haben sie durch uns schon von der einzigartigen Botschaft der Erlösung gehört? Sind wir von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllte Christen, die sich ihres Herrn und Erlösers nicht schämen (Römer 1, 16)? Oder sind wir „Winnetou-Christen“, die auf leisen Sohlen durch die Prärie des Lebens schleichen und dabei jede Deckung ausnutzen? Sind wir „träumende Hirten“, die sich in Gedanken über die herrliche himmlische Zukunft verlieren und dabei den Auftrag, den Gott uns für die Zwischenzeit gegeben hat, vergessen? Dann brauchen wir Buße! Dann müssen wir umdenken, ja umkehren! -> “Der Herr säumt nicht mit der Verheißung, wie etliche es für ein Säumen halten, sondern er ist langmütig gegen uns, da er nicht will, daß jemand verloren gehe (…)“ (1. Petrus 3, 9)

Es stimmt: Gott hat wunderbare Verheißungen für uns und Er wird diese Verheißungen auch erfüllen, so wie Er bisher alle Seine Verheißungen erfüllt hat.² Dessen dürfen wir uns sicher sein und darauf dürfen, ja sollen wir uns auch freuen. Mit dem Liederdichter können wir bekennen:

“Gottes Verheißungen bleiben, sie wanken ewig nicht. Blutend hat Jesus besiegelt, was Er im Wort verspricht.

Himmel und Erd‘ mag brennen, Hügel und Berge verschwinden; doch, wer da glaubt, wird finden, Sein Wort bleibt stets wahr.“³

Gottes Verheißungen sind uns allein durch Jesus Christus zuteil geworden. Der Sohn Gottes hat Sein Blut vergossen, damit wir Vergebung, Erlösung und eine lebendige Hoffnung empfangen können. Aber es ist nicht unsere Aufgabe, darüber zu spekulieren, wann unsere Hoffnung erfüllt wird oder was bis dahin noch geschehen muss (Markus 13, 32). Gottes Wunsch ist es, dass so viele Menschen wie nur irgend möglich von Seiner Liebe hören und an diesen Verheißungen Anteil bekommen. Diesen Verkündigungsdienst hat Er nicht Seinen Engeln anvertraut (1. Petrus 1, 12). Nein, Er beauftragt uns, die wir Seine Gnade in unserem Leben erfahren haben, davon Zeugnis abzulegen (1. Petrus 3, 15).

Ihnen, die Sie bisher Gott aus Ihrem Leben ausgeschlossen haben, gilt die Einladung, Buße zu tun, d.h. zu Gott umzukehren. Dann werden Sie seine Vergebung, Seine Erlösung erfahren und neues, ewiges Leben sowie eine lebendige Hoffnung empfangen. Dann wird über Sie „Freude im Himmel“ sein (Lukas 15, 10).

An jene, die die Segnungen Gottes schon lange genießen dürfen, aber von Gottes Herzschlag für die Verlorenen nicht mehr berührt werden, an jene, die vom Himmel träumen, aber ihren Auftrag auf Erden vergessen haben, ergeht die Aufforderung, Buße zu tun. Es gilt, die falschen Traumpfade zu verlassen und nach Wegen zu suchen, auf denen Menschen mit dem Evangelium erreicht werden können. Es gilt, sich neu nach der Kraft des Heiligen Geistes im Gebet auszustrecken und wieder „brennend im Geist“ und damit „bereit zum Dienst“ zu werden (Römer 12, 11). Dann leben wir unserer Berufung gemäß und tragen so auch dazu bei, „dass der Lohn Seiner Schmerzen groß“ wird (Jesaja 53, 11 – 12).

Fußnoten:

¹ = Die Schriften der Kirchenväter datieren den Tod des Apostels in die Jahre 67/68 n. Chr. als Folge der Christenverfolgung, die im Jahr 64 n. Chr. unter Nero begann.

² = * Die göttliche Vorhersagen über das erste Kommen Jesu, Seine Geburt in Bethlehem (Prophetie: Micha 5, 1; Erfüllung: Matthäus 2, 1; Johannes 7, 42; Matthäus 2, 4 – 8; Lukas 2, 4 – 7) durch eine Jungfrau (Prophetie: Jesaja 7, 14; Erfüllung: Matthäus 1, 18 – 19 + 25; vgl. auch: Lukas 1, 26 – 35), Seine Abstammung aus dem Stamm Juda (Prophetie: 1. Mose 49, 10 und Micha 5, 1; Erfüllung: Lukas 3, 23 + 33; vgl. Matthäus 1, 2 und Hebräer 7, 14) als Nachkomme Abrahams (Prophetie: 1. Mose 22, 18; 1. Mose 12, 2 – 3; Erfüllung: Matthäus 1,1; Galater 3, 16), Isaaks (Prophetie: 1. Mose 21, 12; Erfüllung: Lukas 3, 23 + 34; Matthäus 1, 2), Jakobs (Prophetie: 4. Mose 24, 17; vgl. auch: 1. Mose 35, 10 – 12; Erfüllung: Lukas 3, 23 + 34; Matthäus 1, 2; Lukas 1, 33) aus dem Haus Davids (Jeremia 23, 5; 2. Samuel 7, 12 – 16; Psalm 132, 11; Erfüllung: Lukas 3, 23 + 31; Matthäus 1, 1; Matthäus 9, 27; Matthäus 15, 22 f.; Markus 10, 47 – 48 ff.; Lukas 18, 38 – 39 ff.; Apostelgeschichte 13, 22 – 23) sowie vielfältige göttliche Vorhersagen über Seinen Dienst (Prophetie: Jesaja 35, 5 – 6; Jesaja 32, 3 – 4; Erfüllung: Matthäus 9, 35; Matthäus 9, 32 – 33; Matthäus 11, 4 – 6; Markus 7, 33 – 35; Johannes 5, 5 – 9; Johannes 9, 6 – 11; Johannes 11, 43 – 44 + 47), Sein stellvertretendes Leiden (Prophetie: Psalm 22, 17; Erfüllung: Lukas 23, 33; Johannes 20, 25; Prophetie: Jesaja 53, 12; Erfüllung: Matthäus 27, 38; Markus 15, 27 – 28; Prophetie: Psalm 22, 19; Erfüllung: Johannes 19, 23 – 24; Prophetie: Psalm 69, 22; Erfüllung: Matthäus 27, 34; Johannes 19, 28 – 29; Prophetie: Psalm 22, 2; Erfüllung: Matthäus 27, 46), Seine Auferstehung (Prophetie: Psalm 16, 10; Psalm 30, 4; Psalm 41, 11; Psalm 118, 17; Hosea 6, 2; Erfüllung: Lukas 24, 46; Markus 16, 6; Matthäus 28, 6; Apostelgeschichte 2, 31) und Seine Himmelfahrt (Prophetie: Psalm 68, 19; Erfüllung: Apostelgeschichte 1, 9) sind alle eindeutig erfüllt worden. * Die göttliche Vorhersage über die Zerstörung Jerusalems (Jeremia 16, 1 – 13; Matthäus 24, 15; Lukas 21, 20) wurde im Jahr 70 n. Chr. durch das römische Invasionsheer unter Titus erfüllt, ebenso wie die * göttlichen Vorhersagen über die Wiederherstellung Israels als Staat (vgl. Jeremia 16, 14 – 21; Hesekiel 34, 12; Hesekiel 36, 1 ff.; Sacharja 2, 5; Hesekiel 37, 1 ff.), die wir seit dem 14. Mai 1948 erleben.

³ = Lewi Pethrus, dt. „Gottes Verheißungen bleiben“, Text: http://www.leben-und-glauben.de/gottes_verheissungen_bleiben.html, Midi-Version: http://www.hymntime.com/tch/htm/t/r/u/trust.htm

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