Dem Leben eine neue Richtung geben


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“Ebenso, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“

(Lukas 15, 10)

Nach Norden ... Foto: Erich Westendarp/pixelio

Was Gott Freude macht

Im 15. Kapitel des Lukasevangeliums erzählt der Herr Jesus Christus drei Gleichnisse. Der obige Vers liegt fast in der Mitte dieser Gleichniserzählungen. Vorausgegangen sind ihm das Gleichnis von dem verlorenen Schaf und das Gleichnis von der verlorenen Drachme und ab Vers 11, also nach diesem Vers, folgt dann das Gleichnis von dem verloren Sohn. Unter diesen Namen sind uns diese Gleichnisse gut bekannt. Man könnte sie aber auch anders nennen, z.B. „Der suchende Hirte“, „Die suchende Frau“ und „Der suchende Vater“.¹

Auf dem Hintergrund der vorausgegangenen Kapitel, in denen Lukas die Reaktionen der Pharisäer und Schriftgelehrten auf den Umgang des Herrn Jesus Christus mit Zöllnern und Sündern schildert, treffen diese neuen Bezeichnungen den Inhalt der Botschaft Jesu genauer. Denn in der Auseinandersetzung mit den Pharisäern ging es immer wieder um die Frage, was Gott wohlgefällig ist. Die Pharisäer waren mit einer Antwort schnell zur Hand: Das Halten des Gesetzes ist Gott wohlgefällig! Wer Gottes Gesetz hält, der ist bei Gott gut angesehen!  – Und natürlich schwang noch eine andere „Information“ in ihrer Antwort mit: WIR halten Gottes Gesetze, also sind WIR bei Gott gut angesehen! WIR sind richtig!
Was die Pharisäer und Schriftgelehrten jedoch übersehen hatten, war, dass Gott sich bereits zur Zeit des Alten Testaments sehr deutlich gegen ein nur äußerliches Halten Seiner Gebote ausgesprochen hatte (Hosea 6, 6; Micha 6, 8).  Darauf hatte unser Herr auch bei einer früheren Unterhaltung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten hingewiesen:

“Und es geschah, als er in dem Hause zu Tische lag, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und lagen zu Tische mit Jesu und seinen Jüngern. Und als die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isset euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern? Als aber Jesus es hörte, sprach er: Die Starken bedürfen nicht eines Arztes, sondern die Kranken. Gehet aber hin und lernet, was das ist: »Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer«; denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“

(Matthäus 9, 9 – 13)

Nicht äußerliches Einhalten der Gebote macht Gott Freude, sondern ein Herz, das auf Ihn ausgerichtet ist, ein Herz, das Seine Charakterzüge widerspiegelt. Diesen Punkt versucht unser Herr den Pharisäern zu verdeutlichen, indem er Hosea 6, 6 zitiert. Doch die Augen ihrer Herzen sind verschlossen. Für sie zählt nur, was äußerlich sichtbar ist. Der Grund dafür liegt im Stolz ihrer Herzen. Dieser Stolz treibt sie dazu, sich gegenseitig Ehre zu geben und dieser Stolz hindert sie auch daran, Gott zu glauben (Johannes 5, 44).
Nehmen wir uns einen Moment Zeit und fragen wir uns: Was zählt für uns? Was macht uns Freude? Ist uns das wichtig, was man mit den natürlichen Augen sehen kann? Materieller Wohlstand, gesellschaftliches Ansehen? Gehen wir in den Gottesdienst, damit man uns sieht? Oder weil „man“ das eben so macht? Weil es zu unseren gesellschaftlichen Verpflichtungen eben dazu gehört? Weil wir meinen, durch das äußerliche Einhalten der Gebote oder die Hinnahme der so genannten „Sakramente“ ganz sicher „in den Himmel zu kommen“? Wer so denkt, der wird spätestens im Augenblick seines Todes, eine herbe Enttäuschung erleben.
Gott, das lehrt uns schon das Alte Testament, sucht  nicht den äußeren Gehorsam, sondern unser Herz:

“Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und laß deine Augen Gefallen haben an meinen Wegen.“

(Sprüche 23, 26)

Darum freut sich der ganze Himmel über nichts so sehr, wie  „über einen Sünder der Buße tut“. Denn „Buße tun“ ist eine Angelegenheit des Herzens, eine Angelegenheit unseres innersten Wesens.

Buße? Sünder?

Viele Menschen freuen sich darüber, wenn sie diese freundliche, ihnen zugewandte Seite Gottes kennen lernen. Diese Freude wandelt sich jedoch meist dann in Verwunderung oder Verwirrung, wenn sie im Evangelium auf die vielen Stellen stoßen, die zur Buße auffordern².  “Buße, was ist/was soll denn das jetzt?  Ich denke, Gott will keine Opfer, sondern unser Herz?“ – Ganz genau! Denn bei der biblischen Buße handelt es sich nicht um ein äußerliches Werk der Kasteiung oder um ein Abbüßen der Sünden, wie viele fälschlich meinen. Diese Bedeutung hat das Wort erst im Verlauf der Kirchengeschichte durch falsche Lehren bekommen³.

Das Neue Testament lehrt uns, dass Buße bzw. Bekehrung die Reaktion des Menschen auf die Verkündigung des Evangeliums ist. In Apostelgeschichte 2, 38 fordert der Apostel Petrus die Anwesenden auf, Buße zu tun und sich zu Gott zu bekehren:

„Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“

Buße zu tun bzw. Bekehrung ist also etwas, dass jeder einzelne Mensch nur selber für sich tun kann bzw. tun muss, wenn er in den Genuss der göttlichen Vergebung kommen möchte. Das griechische Wort, das im Neuen Testament für das Wort „Buße“ benutzt wird, ist „metanoia“ und bedeutet „umdenken“. Der Mensch muss also umdenken, seinem Leben und Denken eine neue Richtung geben und zwar von einem bisher ohne Gott gelebten Leben hin zu einem Leben mit Gott. Daraus wird deutlich, dass „sich bekehren“ bzw. „Buße tun“ die Reaktion eines Menschen auf die Verkündigung des Evangeliums ist und von der Wiedergeburt unterschieden werden muss. Dies wird auch deutlich aus Apostelgeschichte 3, 19:

„So tut nun Buße und bekehrt euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden (…)“

Die neue Geburt aus dem Geist Gottes (Johannes 1, 13 – 14; Johannes 3, 1 – 6)  ist also die Reaktion Gottes auf die Bekehrung des Menschen, wenn diese mit aufrichtiger Reue und Umkehr über das bisher ohne Gott gelebte Leben einhergeht.

Warum fordert uns das Evangelium an so vielen Stellen dazu auf, Buße zu tun, also zu Gott umzukehren? Weil der Mensch nach der Lehre der Heiligen Schrift ein Sünder ist. Auch das Wort Sünde bzw. Sünder ruft bei vielen Menschen bestimmte Assoziationen hervor. Da isst jemand bei einem Geburtstag ein Stück Torte mehr und sagt: „Na, heute dürfen wir mal sündigen!“ Oder da ist die Rede von der Kartei in Flensburg, in der die Punkte der „Verkehrssünder“ eingetragen werden. Doch auch hier ist die Definition der Heiligen Schrift eine ganz andere: Sünde, griech. „harmatia“, ist „Zielverfehlung“. Da der Mensch von Gott für Gott geschaffen wurde, verfehlt jeder Mensch das Ziel des Lebens, wenn er nicht in Gemeinschaft mit Gott lebt. Nicht an Gott zu glauben und darum ein von Gott los gelöstes Leben zu führen, das ist die grundlegende Sünde bzw. Zielverfehlung (Johannes 16, 9; Kolosser 1, 15 – 17; Psalm 36, 9). Alle anderen Sünden bzw. Zielverfehlungen sind Auswirkungen davon.

Dem Leben eine neue Richtung geben

Die Gemeinschaft mit Gott wird uns nicht automatisch zuteil, sondern erst dann, wenn wir Gottes Einladung folgen und zu Ihm umkehren. Alle Menschen sind geliebte Geschöpfe Gottes – einzigartig und wertvoll. Aber seit dem Sündenfall kommen alle Menschen ohne eine Beziehung zu Gott auf die Welt. Erst durch die neue Geburt aus dem Geist Gottes wird ein Mensch auch zu einem Kind Gottes (Johannes 1, 12 – 13; Johannes 3, 1 – 6). Ein solcher Mensch ist nicht „besser“ als seine Mitmenschen. Was ihn unterscheidet, ist, dass er nun sein Leben in Gemeinschaft mit Gott führt. Er ist umgekehrt, er hat seinem Leben eine neue (Aus-)Richtung gegeben.

Gott lädt jeden Menschen durch das Evangelium, die gute Nachricht, dazu ein, ein Leben in engster Gemeinschaft mit Ihm zu führen. Gott wünscht sich sehr, dass jeder Mensch wieder in diese Gemeinschaft mit Ihm eintritt und so ein Leben aus der Fülle der guten Gaben Gottes empfängt (Johannes 10, 10). Er ist der suchende Hirte, die suchende Frau und er ist auch der suchende Vater, der danach Ausschau hält, dass verlorene Söhne und Töchter wieder nach Hause zurückkehren. Gott hat alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass jeder Menschen ein neues Leben in Gemeinschaft mit Ihm beginnen kann  (Johannes 3, 16). Und wenn das ein Mensch tut, dann erfreut dieser Schritt das Herz Gottes mehr als alles andere. Aber Gott drängt uns Seine Gemeinschaft nicht auf. Wir müssen eine Entscheidung treffen, ob wir die Einladung Gottes annehmen wollen. Dafür müssen wir nicht bis zum nächsten „Buß- und Bettag“ warten. Jeder Tag kann der Tag sein, an dem Sie ein neues Leben mit Gott beginnen können, an dem Ihr Leben eine neue (Aus-)Richtung bekommt. Wenn Sie Ihr bisher von Gott los gelöstes Leben hinter sich lassen und ein Leben in Gemeinschaft mit Ihrem Schöpfer beginnen wollen, dann sprechen Sie jetzt im Gebet mit Gott. Sie werden erfahren, dass Gott Ihr Gebet nicht unbeantwortet lässt.

Fußnoten:

¹ = Pentecost, J. Dwight, „The Parables of Jesus“, Zondervan Publishing House, Grand Rapids, 1982, Seite 99.

² = Matthäus 3, 2; Matthäus 3, 8;  Matthäus 3, 11; Matthäus 4, 7; Matthäus 9, 13; Matthäus 11, 21; Matthäus 12, 41;  Matthäus 21, 32; Markus 1, 4; Markus 1, 15; Markus 2, 17; Markus 6, 12;  Lukas 3, 3; Lukas 3, 8; Lukas 5, 32; Lukas 10, 13; Lukas 11, 32; Lukas 15, 7; Lukas 15, 10; Lukas 16, 30; Lukas 24, 47; Apostelgeschichte 2, 38; Apostelgeschichte 3, 19; Apostelgeschichte 5, 31; Apostelgeschichte 8, 22, Apostelgeschichte 11, 18; Apostelgeschichte 13, 24; Apostelgeschichte 17, 30; Apostelgeschichte 19, 4; Apostelgeschichte 20, 21; Apostelgeschichte 26, 20, um nur eine gewisse Auswahl zu nennen.

³ = siehe Wikipedia, Stichwort „Buß- und Bettag“ unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Bu%C3%9F-_und_Bettag

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