Kein Überwinder ohne Hindernis


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“Darum sage den Kindern Israel: Ich bin der HERR und will euch aus den Lasten Ägyptens herausführen und will euch von ihrer Knechtschaft erretten und will euch durch einen ausgestreckten Arm und große Gerichte erlösen. Und ich will euch mir zum Volk annehmen und will euer Gott sein; daß ihr erfahren sollt, daß ich, der HERR, euer Gott bin, der euch aus den Lasten Ägyptens herausführt.“

(2. Mose 6, 6 – 7)

Was bisher geschah

Hindernis Im 1. Kapitel des 2. Buches Mose wird uns die Unterdrückung der Israeliten in Ägypten geschildert. Die Nachkommen Jakobs hatten unter dem Patriarchen Joseph die fruchtbare Region Gosen besiedelt. Doch die guten und sicheren  Zeiten sind vorbei. Joseph ist lange schon tot, neue Herrscher sind in Ägypten an die Macht gekommen, die von Joseph und den Privilegien, die sein Volk durch ihn genießen durfte, nichts mehr wissen. Mit harter Hand halten die neuen Machthaber das Volk unter Kontrolle. Doch ihre Strategie geht nicht auf. Im Gegenteil: Der Druck löst ein (vorhersehbares) ungewolltes Bevölkerungswachstum bei den Israeliten aus. Darauf reagieren die neuen Machthaber mit dem ersten Genozid in der Geschichte des jüdischen Volkes: alle männlichen Neugeborenen sollen getötet werden.

Kapitel 2 berichten uns von der Geburt und der wundersamen Rettung des Mose, den seine Eltern, um ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren, in einem Körbchen auf dem Nil aussetzen. Durch Gottes Eingreifen findet ihn die Tochter des Pharaos. Mose überlebt und darf sogar im Haus des ägyptischen Herrschers aufwachsen. Doch je älter er wird, desto klarer wird ihm seine wirkliche Herkunft. Als er mit ansehen muss, wie ein Ägypter einen Israeliten schlägt, tötet er den Ägypter und muss fliehen. Es verschlägt ihn nach Midian, wo er heiratet und eine Familie gründet. Währenddessen vernimmt Gott das Klagen der Israeliten.

In Kapitel 3 erfahren wir, wie Gott sich Mose am Horeb offenbart. Er verspricht ihm und den Israeliten eine sichere Heimat und beauftragt Mose, die Israeliten aus Ägypten heraus in dieses neue Land zu führen.

Ein Thema des 4. Kapitels sind die Versuche des Mose, sich mit verschiedenen Argumenten dem Auftrag Gottes zu entziehen. Gott entkräftet diese Argumente und stellt ihm verschiedene Hilfen zur Erfüllung seines Auftrags zur Verfügung. Mose gibt sich geschlagen und kehrt nach Ägypten zurück. Auf dem Weg dorthin begegnet er seinem Bruder Aaron. Gemeinsam suchen sie die Ältesten der Israeliten auf und berichten diesen von der Verheißung Gottes. Ihre Verkündigung stößt bei den Zuhörern auf offene Ohren und Herzen. In 2. Mose 4, 29 – 31 heißt es:

“Und sie gingen hin und versammelten alle Ältesten der Israeliten.
Und Aaron sagte alle Worte, die der HERR mit Mose geredet hatte, und Mose tat die Zeichen vor dem Volk. Und das Volk glaubte. Und als sie hörten, dass der HERR sich der Israeliten angenommen und ihr Elend angesehen habe, neigten sie sich und beteten an.“

Einen besseren Start könnte man sich für einen so schwierigen Auftrag kaum wünschen, oder? Jetzt nur noch die Pässe bei der pharaonischen Einwohnermeldebehörde abholen und los geht’s. Kanaan, wir kommen!

Aber das 5. Kapitel belehrt uns eines Besseren: Als Mose beim Pharao vorspricht, ist dieser (natürlich) nicht willig, das Volk der billigen Arbeitssklaven gehen zu lassen. Von der Tatsache, dass ein Gesandter Gottes vor ihm steht, lässt er sich nicht beeindrucken. Ganz Traditionalist, reagiert er mit Druck und lässt die Arbeitslast der bereits erschöpften Israeliten noch weiter erhöhen. Als diese davon erfahren, bekommt Mose Ärger. Von der freudigen Zuversicht nach der ersten Begegnung ist nichts mehr übrig. Der Gesandte Gottes wird jetzt mit Anklagen und Vorwürfen überschüttet. Mose sucht das Gespräch mit Gott und bringt dabei auch seinen eigenen Frust zum Ausdruck:

“Herr, warum tust du so übel an diesem Volk? Warum hast du mich hergesandt? Denn seitdem ich hingegangen bin zum Pharao, um mit ihm zu reden in deinem Namen, hat er das Volk noch härter geplagt, und du hast dein Volk nicht errettet.“

(2. Mose 5, 22 – 23)


Auch das noch!

Mose, ganz Anhänger des modernen Effizienzgedankens, versteht die Welt – oder sollten wir besser sagen: Gott? –  nicht mehr: Wenn Gott jemanden beauftragt und sendet, dann muss es doch klappen mit dem Auftrag – und zwar beim ersten Mal! Doch Mose hat etwas übersehen: Schon bei seiner Berufung am Horeb hatte Gott ihm den Widerstand der Ägypter angekündigt. Gott hatte ihm auch gesagt, dass die Ägypter das Volk erst dann ziehen lassen würden, wenn Er auf besondere Weise eingreifen würde (vgl. 2. Mose 3, 19 – 20). Aus den Kapiteln zuvor wissen wir, dass es Mose nicht leicht gefallen ist, Gottes Auftrag anzunehmen. Vielleicht war es der Wunsch, diesen Auftrag so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, der ihn Gottes Warnung vergessen ließ. Wer würde sich auch freiwillig so etwas zumuten: Wir gehen nach Ägypten und erklären dem mächtigsten Mann der bekannten Welt, dass wir mit der gesamten Belegschaft seiner Bauindustrie, also mit knappen 2 Millionen Israeliten, mal eben ein Projekt auf eigene Rechnung in Kanaan realisieren werden?! Nein danke, für jemanden aus der „Generation 80 plus“  gibt’s wirklich Alternativen. Also: Augen zu und durch! Mit Gottes Hilfe wird es schon klappen. Aber Pharao knickt vor dem Gesandten Gottes nicht ein, der legt nach! Damit nicht genug: Jetzt bekommt Mose den Zorn der Israeliten zu spüren. Auch das noch! Als ob der Auftrag an sich nicht schon schwer genug wäre.
Vielleicht war es aber auch jene Euphorie nach der ersten Beratung mit den Ältesten Israels, die Mose den Blick auf die Realitäten vernebelte. Wow, die hören mir nicht nur zu, die bestätigen mir sogar, dass ich die Gebetserhörung für sie bin!  Klasse, da kann doch nichts mehr schief gehen!
Wenn es um Gottes Berufungen oder um Seine Verheißungen geht, dann ist beides – Angst wie Euphorie – gefährlich. Die Angst vor der Schlange kann uns vergessen lassen, dass wir einen Stab in der Hand halten, der nur darauf wartet, das giftige Biest zu verschlingen. Euphorie hingegen kann uns dazu verleiten, dass wir in dem Stab, den Gott uns als Waffe im Kampf gegen die Schlange gegeben hat, nur eine zusätzliche Belastung zu unserem Wandergepäck sehen. Wir lassen ihn zurück und ziehen unbewaffnet los. Taucht plötzlich die Schlange auf unserem Weg auf, dann ist es zu spät.
Wenn es um Gottes Aufträge bzw. Verheißungen geht, dann ist geistlicher Realitätssinn gefragt. Geistlicher Realitätssinn aber sagt uns:

Kein Überwinder ohne Hindernis

Paulus war ein  geistlicher Realist. Im Brief an die Epheser macht er deutlich, dass das ganze christliche Leben ein geistlicher Kampf ist (Epheser 6, 12 – 18 ). Wenn man das nicht erkennt und entsprechend handelt, wird aus dem christlichen Leben schnell ein geistlicher Krampf. Er vergleicht das Leben des Gläubigen mit einem Marathonlauf (1. Korinther 9, 24 – 26). Wer nicht bereit ist, für Langstrecken zu trainieren, wird das Ziel nicht erreichen. Aber Überwinder sind nicht irgendwelche elitären Gläubigen, die – aus welchen Gründen weiß man nicht so genau  – über besondere Fähigkeiten oder Kräfte verfügen. Überwinder sind ganz einfach Menschen, die ein Hindernis (einen Gegner, ein unvorhergesehenes Problem, eine Notlage etc.) über-winden. Nirgendwo in der Bibel lesen wir, dass nur der ein Überwinder ist, der ein Hindernis beim ersten Anlauf überwindet. Im Gegenteil: Die Bibel macht deutlich, dass Ausdauer (Training!) untrennbar mit dem Überwinden verbunden ist. Das lernen wir z.B. aus dem Gleichnis der bittenden Witwe  (Lukas 18, 1 – 8 ). Das lernen wir aber auch aus dem Leben des Mose. Aus dem Mose der, beginnend mit dem Auszug aus Ägypten, immer wieder vor Gott erscheint und Ihm seinen Frust und seine Nöte klagt, wird in 2. Mose 32, 32 der Mose, der bereit ist, sich selbst für sein Volk zu opfern und damit zu einem symbolischen Vorbild auf Christus wird. Wäre Mose innerlich so verändert worden, wenn er nach seiner ersten Vorsprache beim Pharao mit den Israeliten hätte ausreisen dürfen?

Wer ein Überwinder sein will, der darf Hindernissen nicht angstvoll aus dem Weg gehen, nein, der muss sich ihnen stellen. Wer ein Überwinder sein will, der darf sich aber auch nicht der Täuschung hingeben, dass jedes Hindernis mit einem Sprung zu schaffen wäre. Mose und die Israeliten müssen zehn Plagen abwarten, zehnmal gehorchen, zehnmal vertrauen, ehe sie ausziehen können. Und selbst als sie schon auf dem Weg waren, wurden sie am Schilfmeer noch einmal mit der ganzen Macht des Pharaos konfrontiert. In jeder Prüfung aber erfahren sie Gottes Treue und Bewahrung und als endlich alle Hindernisse überwunden sind, ziehen sie in das verheißene Land ein.

Gott kennt uns und Er weiß auch um unsere Begrenzungen (1. Petrus 1, 24). Als Mose nach dem ersten gescheiterten Versuch frustriert zu Ihm kommt, da tadelt Gott ihn nicht. Er kündigt an, dass Mose jetzt erst recht sehen werde, wie Er eingreifen wird und Er erneuert seine Verheißung der Befreiung (2. Mose 6, 6 – 7).
Vielleicht hat Gott Sie zu einem Dienst berufen oder Er hat Ihnen eine Verheißung gegeben. Sie waren dankbar und haben sich begeistert in die neue Aufgabe gestürzt. Am Anfang lief auch alles glatt, Sie fühlten sich, als würden Sie über Wolken laufen. Doch kurz darauf kamen die ersten Hindernisse und wenig später die schmerzhafte Berührung mit dem „harten Boden der Realität“. Sie fühlen sich als Versager und trauen sich nicht, Gott „vor die Augen zu treten“? Ich muss Sie enttäuschen: Gott ist allwissend. Er weiß, wie’s um Sie steht. Er entdeckt das nicht erst, wenn Sie es Ihm „beichten“. Er wusste ganz genau, wen Er da berufen hat und welche Schwierigkeiten sich auf Ihrem Weg ergeben würden. Es gibt also keinen Grund, jetzt nicht vor Gott zu treten. Frusten Sie sich aus, besprechen Sie die Situation mit Ihm. Bedenken Sie noch einmal, was Er genau gesagt hat. Überdenken Sie auch noch einmal, wie Sie an die Sache heran gegangen sind. Waren Angst oder Euphorie maßgeblich an Ihrem Misserfolg beteiligt? Haben Sie die Situation realistisch eingeschätzt? Haben Sie von dem Stab Gebrauch gemacht? Besprechen Sie die Sache mit Gott. Öffnen Sie neu Ihre Ohren für Seine Verheißung. Lassen Sie sich neu ausrichten und dann nehmen Sie neuen Anlauf auf das (nächste) Hindernis. Auf Dauer wird es keinen Bestand vor Ihnen haben können.

Bildhinweis: „Hindernis“ von Buchart/pixelio

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