Meine Zeit steht in deinen Händen


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„Er/Sie ist viel zu früh von uns gegangen.“ – Diesen Satz haben Sie so oder in anderer Form sicher schon einmal gehört, vielleicht haben Sie ihn auch gesagt.  Ein solcher Satz drückt die Trauer über den Tod eines jungen Menschen oder eines Menschen „in der Lebensmitte“ aus. Wenn Sie einmal einen jüdischen Friedhof besuchen, dann werden Sie dort mit Sicherheit den einen oder anderen Grabstein in Form eines abgebrochenen Baumstammes oder in Form einer abgebrochenen Säule finden. Die Symbolik ist eindeutig: Dieses Leben ist nicht zu seinem vollem Wuchs gelangt, es konnte nicht seine ganze Tragkraft entwickeln. Dieses Leben wurde in der Mitte beendet, überraschend abgebrochen. Ähnliche „Symbole“, also Zeichen oder Erinnerungszeichen, begegnen uns immer wieder im Leben. Die bedrohliche Erkrankung, der schwere Unfall – sie machen uns deutlich, dass wir unser Leben nicht in der Hand haben. Wir können viel zum Erhalt unseres Lebens beitragen – gesunde Ernährung, körperliche Fitness. Aber weder Gesundheit noch Fitness werden uns vor dem Tod bewahren.

Vertrauen auf Gottes Hilfe

Auch die Worte Davids, die wir im 31. Psalm finden, spiegeln die Erfahrung einer lebensbedrohlichen Situation wieder: Feinde umgeben ihn, sie stellen ihm Fallen (Vers 5). Die äußerliche Bedrohung dringt bis in sein Innerstes: er ist deprimiert, auch seine Seele ist den Bedrängnissen ausgeliefert (Vers 8 + 10). In dieser Situation treten auch seine eigenen Verfehlungen wieder vor seine Augen und bereiten ihm zusätzliche Sorge (Vers 11). Auf Hilfe von Nachbarn, Freunden oder anderen, ihm nahe stehenden Menschen ist nicht zu hoffen. Auch sie reden schon über ihn und rücken von ihm ab (Verse 12 – 13). In dieser ausweglosen Situation legen Davids Gegner zum finalen Schlag auf sein Leben an (Vers 14). Davids Leben hätte hier, in der „Mitte seiner Jahre“, ein Ende finden können. Aber er setzt sein Vertrauen auf Gott:

„Ich aber, ich habe auf dich vertraut, HERR; ich sprach: Du bist mein Gott!
In deiner Hand sind meine Zeiten; errette mich aus der Hand meiner Feinde und von meinen Verfolgern!“


(Psalm 31, 15 – 16)

David weiß: Weder er selbst, noch seine Feinde bestimmen über die Dauer seines Lebens. Gott allein hat diese Zeit in Seiner Hand. Er ist auch der Einzige, der ihn aus der Hand seiner Feinde befreien kann. Und David erlebt Gottes helfendes Eingreifen, denn er kann wenige Verse später bezeugen:

„Ich zwar sagte in meiner Bestürzung: ‚Ich bin abgeschnitten von deinen Augen!‘; dennoch hörtest du die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie.“

(Psalm 31, 23)

David konnte Gott vertrauen, denn er hatte Seine Hilfe und Sein Eingreifen schon früher in seinem Leben vielfach erfahren. In Situationen, in denen wir Bedrängnisse und Schwierigkeiten durchleben müssen, ist es gut, wenn wir uns daran erinnern, wie treu Gott uns in der Vergangenheit zur Seite gestanden hat. Hilfreich ist es, wenn wir dann auf ein Tagebuch oder auf entsprechende Notizen zurückgreifen können (1. Samuel 7, 12). Denn in solchen Zeiten drängen sich die Schwierigkeiten oft so sehr in den Mittelpunkt unseres Denkens, dass wir dabei häufig die guten Erfahrungen der Vergangenheit vergessen. Es hilft sehr, wenn wir dann – schwarz auf weiß – nachlesen können, was Gott uns in den Jahren und Monaten zuvor alles geschenkt hat, wo er uns in Seiner Gnade geholfen hat. Es ist wichtig, dass wir uns vor Augen führen: Der Gott, der uns bis hierher gebracht hat, der wird auch jetzt seine Hand nicht von uns abziehen.

Ich habe es bereits in einem anderen Zusammenhang erwähnt, möchte es aber wiederholen: Solche Zeiten, sind oftmals auch Zeiten, in denen alte, längst vergebene Schuld wieder vor unsere Augen tritt. Wir verzagen und beginnen zu zweifeln: Sind wir nicht selbst an allem schuld? Haben wir immer zu wenig Glauben gehabt? Hätten wir nicht viel mehr beten, opfern, evangelisieren sollen? Geschieht es uns am Ende nicht ganz recht, dass wir jetzt leiden? Und ohne es zu merken, lauschen wir jener Stimme, die seit Anbeginn der Menschheit Zweifel in die Herzen der von Gott geliebten Wesen säen will: „Sollte Gott wirklich gesagt haben …., dass Er ein so elendes Wesen wie dich liebt? – Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass du aus Gnade und nicht um deiner Werke willen erlöst und geliebt bist?“ Wenn diese Stimme unsere Ohren und Gedanken erobern will, dann lasst uns zu Gott schreien, wie David es tat. Ihm, dem von der vollkommenen Offenbarung der Liebe Gottes in Christus noch nichts bekannt war (1. Petrus 1, 10), war doch klar: Gott ist meine einzige Rettung und darum rufe ich zu Ihm trotz aller meiner Zweifel. Wie viel mehr dürfen wir, die wir in Christus angenommen sind, mit Freimut vor Gottes Angesicht treten (Hebräer 4, 16)? Lassen wir uns nichts einreden, lassen wir uns nicht aufhalten! Er, dieser Gott, der uns in Christus alles geschenkt hat (Römer 8, 31 – 38!), Er wechselt nicht plötzlich nach Lust und Laune die Seiten! Er lässt uns nicht „im Regen“ stehen. Wenn wirklich Sünde in unserem Leben sein sollte, dann wird Gottes Geist uns darauf aufmerksam machen. Diese Überführung durch den Geist Gottes ist befreiend (vgl. Psalm 32, 2 – 3 + 5; 1. Johannes 1, 9; Römer 8, 1), sie führt uns nicht in Zweifel oder Unglauben.

David konnte zuversichtlich seine Rettung erwarten, weil er wusste, dass er sein Vertrauen in den wahren Gott und nicht auf die toten Götzen  gesetzt hatte (Psalm 31, 7). Obwohl er  eine Zeit bis zu seiner Befreiung ausharren musste, begann er noch in der Bedrängnis Gott zu loben (Psalm 31, 8 – 9) und brachte so sein Vertrauen und seine Zuversicht zum Ausdruck. Von Paulus und Silas wird uns ebenfalls berichtet, dass sie in ihrer Gefangenschaft so handelten (Apostelgeschichte 16, 25). Auch sie setzten ihr  Vertrauen ganz auf Gott und sie erlebten Sein Eingreifen.

Und wenn Gott andere Pläne hat?

Der Monat November ist traditionell in Deutschland ein so genannter „stiller Monat“. Am kommenden Sonntag findet der Internationale Gebetstag für die verfolgten Christen statt, zeitgleich ist auch der „Volkstrauertag“ und am Sonntag darauf ist „Ewigkeitssonntag“ bzw. „Totensonntag“. Am Internationalen Gebetstag für die verfolgten Christen gedenken wir jener Mitchristen, die ihr Leben unter schweren, ja teilweise schwersten Bedingungen führen müssen. Viele von ihnen leben in Ländern, in denen der Glaube an Jesus Christus verboten ist und wo die Bekehrung zum christlichen Glauben mit der Todesstrafe geahndet wird. Am Volkstrauertag gedenken wir der zahlreichen Opfer von Kriegen in aller Welt. Auch Christen werden Opfer von Kriegshandlungen, werden vertrieben oder gar getötet. Und am Ewigkeitssonntag gedenken wir der Verstorbenen, die uns nahe standen. Unter allen diesen Menschen sind unzählbar viele, von denen man sagen wird, dass sie „zu früh“ von uns gegangen sind. Und es ist dieser Punkt, an dem jene, die dem christlichen Glauben kritisch bis feindlich gegenüberstehen, die altbekannte Frage stellen: „Wenn Gott ein Gott der Liebe ist ….. wie kann er es dann zulassen, dass Menschen, die ihm dienen, verfolgt und getötet werden? …. wie kann er es dann zulassen, dass seine Kinder Opfer von Krieg und Vertreibung werden? …. wie kann er es dann zulassen, wenn das Kind gläubiger Eltern nach nur eineinhalb Monaten stirbt?“ Wer so fragt, vergisst, dass das Leben des Gläubigen nicht mit dem Tod endet. Christen glauben an einen Erlöser, der von den Toten auferstanden ist, ja mehr noch, der den Tod besiegt hat. Wer im Glauben an Ihn – Jesus Christus – stirbt, der wird in Ewigkeit leben (Johannes 5, 24). Die Trennung, die der Tod verursacht, ist schmerzlich – auch für Christen. Jeder geliebte Mensch, der stirbt, geht zu früh. Zu erwarten, dass ein Mensch anders empfindet,  wäre unmenschlich. Aber als Christen wissen wir, dass die Trennung, die mit dem Tod eintritt, nur eine zeitlich begrenzte Trennung ist. Und als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass der Zeitpunkt, den wir als zu früh empfinden  – empfinden müssen – in Gottes Plan immer der richtige Zeitpunkt ist. Denn für einen Menschen – sei er neun Tage oder neunzig Jahre alt – gibt keinen besseren Ort, an den er zurückkehren kann als in die Geborgenheit und Sicherheit der Hand Gottes.

Quellenhinweis:

Angaben zum Bild „Eppingen-judenfriedhof-1“: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Eppingen-judenfriedhof-1.jpg&filetimestamp=20090330082802, Urheber & Rechteinhaber: Peter Schmelzle

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2 Antworten zu Meine Zeit steht in deinen Händen

  1. Armin schreibt:

    Ich versuche zur Zeit mein RSS Feed Tool zu mit Feeds zu bestuecken, wo finde ich den hier die URL zum RSS Feed ?

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