Der Tag Christi


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In einem vorausgegangenen Artikel habe ich hier den biblischen Begriff des „Tages des Herrn“ betrachtet. Die Fundstellen aus dem Alten Testament haben dabei deutlich gemacht, dass der „Tag des Herrn“ ein Tag (im Sinne einer Zeitperiode) des Gerichts und zwar über Israel, die es umgebenden Nationen, ja  über die ganze Erde, ist. Er ist verbunden mit dem „Zorn Gottes“ (Jesaja 13, 5 f.;  Hesekiel 7, 19Zephania 1, 14 f. u. a. m.) und dieses Kennzeichen des „Tages des Herrn“ macht deutlich, dass er nicht mit den christlichen Gläubigen in Verbindung steht. Denn die  Gläubigen sind bzw. werden nach Römer 5, 9  und 1. Thessalonicher 1, 9 – 10 vor dem Zorn Gottes errettet.
Auch die neutestamentarischen Belegstellen haben verdeutlicht, dass es sich bei dem „Tag des Herrn“ um eine Zeit des Gerichts handelt. Dieser „Tag“ kommt „wie ein Dieb in der Nacht“ (vgl. Matthäus 24, 43), d.h. er kommt unerwartet, überraschend. Im Gegensatz dazu aber stellt der Apostel Paulus in 1. Thessalonicher 5, 1 – 5 fest: „Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Ihr seid allzumal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.“

Christen erwarten einen anderen „Tag“, den  „Tag Christi“, an dem sie mit ihrem Erlöser vereint werden. Diesen „Tag“ möchte ich heute näher betrachten. Er begegnet uns im Neuen Testament auch unter den Begriffen „Tag Jesu Christi“, „Tag unseres Herrn Jesus Christus“ und „Tag des Herrn Jesus“ und umfasst, wie wir sehen werden, ebenfalls eine Zeitperiode mit mehreren Ereignissen:

1. Korinther 1, 4 – 8:

„Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr in ihm in allem reich gemacht worden seid, in allem Wort und aller Erkenntnis, wie das Zeugnis des Christus unter euch befestigt worden ist, so daß ihr in keiner Gnadengabe Mangel habt, indem ihr die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus erwartet, welcher euch auch befestigen wird bis ans Ende, daß ihr untadelig seid an dem Tage unseres Herrn Jesus Christus.“

1. Korinther 5, 4 – 5:

„Im Namen unseres Herrn Jesus Christus (ihr und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus [Christus]versammelt seid ) einen solchen dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, auf daß der Geist errettet werde am Tage des Herrn Jesus.“

2. Korinther 1, 13:

„Denn wir schreiben euch nichts anderes, als was ihr kennet oder auch anerkennet; ich hoffe aber, daß ihr es bis ans Ende anerkennen werdet, gleichwie ihr auch uns zum Teil anerkannt habt, daß wir euer Ruhm sind, so wie auch ihr der unsrige seid an dem Tage des Herrn Jesus.“


Philipper 1, 3 – 6:

„Ich danke meinem Gott bei aller meiner Erinnerung an euch allezeit in jedem meiner Gebete, indem ich für euch alle das Gebet mit Freuden tue, wegen eurer Teilnahme an dem Evangelium vom ersten Tage an bis jetzt, indem ich eben dessen in guter Zuversicht bin, daß der, welcher ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollführen wird bis auf den Tag Jesu Christi; wie es für mich recht ist, daß ich dies in betreff euer aller denke, weil ihr mich im Herzen habt, und sowohl in meinen Banden, als auch in der Verantwortung und Bestätigung des Evangeliums, ihr alle meine Mitteilnehmer der Gnade seid.“

Philipper 1, 9 – 10:

„Und um dieses bete ich, daß eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und aller Einsicht, damit ihr prüfen möget, was das Vorzüglichere sei, auf daß ihr lauter und unanstößig seid auf den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum ist, zur Herrlichkeit und zum Preise Gottes.“

Philipper 2, 14 – 16:

„Tut alles ohne Murren und zweifelnde Überlegungen, auf daß ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes, inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter welchem ihr scheinet wie Lichter in der Welt, darstellend das Wort des Lebens, mir zum Ruhm auf den Tag Christi, daß ich nicht vergeblich gelaufen bin, noch auch vergeblich gearbeitet habe.“

Keine der Stellen, die von dem „Tag Christi“ sprechen, spricht in irgendeiner Form von dem „Zorn Gottes“.  Sie beziehen sich ausschließlich auf die Erwartung der Christen, ihrem Erlöser zu begegnen. Eine Übersicht über die damit verbundenen Geschehnisse gibt der Apostel Paulus in

2. Thessalonicher 2, 1 – 12:

„Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unseres Versammeltwerdens zu ihm hin,  daß ihr nicht schnell erschüttert werdet in der Gesinnung, noch erschreckt, weder durch Geist, noch durch Wort, noch durch Brief als durch uns, als ob der Tag des Herrn da wäre.  Laßt euch von niemand auf irgend eine Weise verführen, denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall komme und geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens,  welcher widersteht und sich selbst erhöht über alles, was Gott heißt oder ein Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, daß er Gott sei.  Erinnert ihr euch nicht, daß ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? Und jetzt wisset ihr, was zurückhält, daß er zu seiner Zeit geoffenbart werde. Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur ist jetzt der, welcher zurückhält, bis er aus dem Wege ist,  und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft,  ihn, dessen Ankunft nach der Wirksamkeit des Satans ist, in aller Macht und allen Zeichen und Wundern der Lüge und in allem Betrug der Ungerechtigkeit denen, die verloren gehen, darum daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, damit sie errettet würden. Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben, auf daß alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit.“

Der Apostel Paulus behandelt in diesen Versen verschiedene, zeitlich voneinander zu unterscheidende, Ereignisse, die mit dem gesamten Geschehen der Wiederkunft Jesu Christi verbunden sind. Mit dem Begriff „unseres Versammeltwerdens zu ihm“ beschreibt der Apostel die Auferstehung der in Christus Entschlafenen und die Entrückung der Gläubigen, die zu diesem Zeitpunkt noch am Leben sind: vgl.

1. Thessalonicher 4, 16 – 18:

„Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten.“¹

Als Ereignis, das sich an die erste Auferstehung bzw. Entrückung anschließt, schildert Paulus in 2. Thessalonicher 2 dann die Wirksamkeit des Antichristen (ab Vers 3) und das anschließende Gericht über ihn und die ihm nachfolgenden Nationen (Verse 3 – 12). Das Auftreten des Antichristen  und seine Herrschaft liegen chronologisch also zwischen der ersten Auferstehung/der Entrückung zu dem Herrn hin und der Wiederkunft Christi (mit den Gläubigen) auf die Erde  zum Gericht  (vgl. 2. Thessalonicher 1, 7 – 9; Offenbarung 19, 1 – 20).

Die erste Auferstehung/die Entrückung  wird von Petrus als die „lebendige Hoffnung“  (vgl. 1. Petrus 1, 3) und von Paulus als „glückselige Hoffnung“ (vgl. Titus 2, 13) der Gläubigen bezeichnet.  Dies wäre nicht der Fall, wenn es sich bei diesem Ereignis um den „Tag des Herrn“ handeln würde. Der „Tag Christi“ wird ein Tag der Errettung (vgl. 1. Korinther 5, 5) und der Belohnung sein (vgl. 2. Korinther 1, 13; Philipper 2, 14 – 16). Die Gläubigen müssen diesen Tag nicht fürchten, da ihr Herr und Erlöser, der das „gute Werk in ihnen begonnen hat“, es auch „vollenden wird“ (vgl. Philipper 1, 3 – 6).

Neben der Auferstehung/Entrückung umfasst der „Tag Christi“ auch das Gericht über die Gläubigen. Dieses Gericht, das vor dem „Richterstuhl Christi“ (2. Korinther 5, 10; Römer 14, 10) stattfinden wird, müssen wir unbedingt von dem Gericht  „vor dem Thron Gottes“ (vgl. Offenbarung 20, 11 – 15) unterscheiden. Denn bei dem Gericht vor dem „Richterstuhl Christi“ geht es nicht um die Frage, ob die zu Richtenden „ewiges Leben“ oder „ewigen Tod“ empfangen werden. Das kann auch nicht sein, da der Mensch, der das Erlösungswerk Christi im Glauben für sich in Anspruch genommen hat, dadurch bereits ewiges Leben empfangen hat. Johannes 5, 24 macht dies deutlich:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen.“

Das Gericht vor dem „Richterstuhl Christi“  wird eine Beurteilung der Gläubigen nach ihren Werken sein (vgl. 1. Korinther 3, 11 – 15; 2. Korinther 5, 10). Dabei wird es um die Frage gehen, ob die Gläubigen „Lohn empfangen“ oder ob ihre Werke im Feuer der Prüfung verbrennen. Selbst wenn die Werke eines Gläubigen die Feuerprobe nicht bestehen sollten, so wird der Gläubige trotzdem errettet werden (vgl. 1. Korinther 3, 15). Auch das ist in völliger Übereinstimmung mit der Lehre des Evangeliums, da der Mensch  nicht aufgrund von Werken gerecht und gerettet wird, sondern allein aus Gnade mittels des Glaubens (vgl. Römer 3, 20 – 24).

An das Gericht vor dem Richterstuhl Christi wird sich dann die „Hochzeit des Lammes“ (vgl. Offenbarung 19, 7 – 9) anschließen, an der alle Erlösten teilhaben werden. Auch dieses Ereignis wird Teil des „Tages Christi“ sein. Die darauf folgende Wiederkunft des Herrn (mit den Gläubigen) zum Gericht (vgl. 2. Thessalonicher 1, 10; Offenbarung 19, 1 – 20) markiert dann den Beginn den Beginn des Tausendjährigen Reiches.

Da es das primäre Anliegen dieses Artikels ist, den „Tag Christi“ eindeutig von dem „Tag des Herrn“ abzugrenzen und damit auch deutlich zu machen, dass Christen diesen Tag nicht fürchten, sondern voll Freude erwarten dürfen, konnte  auf viele, mit dem „Tag Christi“  in Verbindung stehende Ereignisse (Richterstuhl Christi, Lohn der Gläubigen etc.) nur kurz eingegangen werden. Diese Themen werde ich  – Jakobus 4, 15 – in weiteren Artikeln  betrachten.

Fußnoten:
¹= Hätten die Gläubigen den „Tag des Herrn“ zu erwarten, so würde Paulus sie wohl kaum auffordern, sich „mit diesen Worten“ zu ermutigen.

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