Der lebendige Gott


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In Psalm 115 bezeugt der Psalmist die Allmacht Gottes. Dabei fällt auf, dass er an die Aussage, dass Gott alles tun kann, was ihm wohlgefällt, keine Aufzählung der großen Taten Gottes anschließt, sondern eine scharfe Unterscheidung des lebendigen (und tätigen) Gottes von den toten (und daher auch untätigen) Götzen vornimmt:

„Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre, um deiner Güte, um deiner Wahrheit willen!
Warum sollen die Nationen sagen: Wo ist denn ihr Gott?
Aber unser Gott ist in den Himmeln; alles, was ihm wohlgefällt, tut er. Ihre Götzen sind Silber und Gold, ein Werk von Menschenhänden. Einen Mund haben sie und reden nicht; Augen haben sie und sehen nicht; Ohren haben sie und hören nicht; eine Nase haben sie und riechen nicht; sie haben Hände und tasten nicht, Füße, und sie gehen nicht; keinen Laut geben sie mit ihrer Kehle. Ihnen gleich sind die, die sie machen, jeder, der auf sie vertraut. Israel, vertraue auf den HERRN! Ihre Hilfe und ihr Schild ist er. Haus Aaron, vertraut auf den HERRN! Ihre Hilfe und ihr Schild ist er. Ihr, die ihr den HERRN fürchtet, vertraut auf den HERRN! Ihre Hilfe und ihr Schild ist er.“
(…)
Die Toten werden den HERRN nicht loben, noch alle, die zum Schweigen hinabfahren; wir aber, wir werden den HERRN preisen von nun an bis in Ewigkeit. Lobt den HERRN!

(Psalm 115, 1 – 11 + 17 – 18)

Dieser Kontrast – der lebendige Gott und die toten Götzen – durchzieht die ganze Bibel. Wir finden ihn schon im 5. Buch Mose 4, 28. Wir finden ihn wieder in den Psalmen, u.a. in Psalm 115, aber auch in Psalm 135, 14 – 18:

„Die Götzen der Heiden sind Silber und Gold, von Menschenhand gemacht. Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen haben sie und sehen nicht; Ohren haben sie und hören nicht, auch ist kein Odem in ihrem Mund! Ihnen sind gleich, die sie machen, ein jeder, der auf sie vertraut.“

Auch in den alttestamentarischen Propheten wird dieses Thema aufgenommen: besonders scharf zeichnet der Prophet Jeremia diesen Kontrast, vgl. Jeremia 10, 3 – 13. Verwiesen werden muss in diesem Zusammenhang auch auf entsprechende Aussagen des Propheten Jesaja:  Jesaja 42, 17; Jesaja 44, 9 – 20, Jesajas 45, 16 – 19 u. a. m. So finden wir dieses Zeugnis – hier der lebendige Gott, dort die toten Götzen – in allen drei großen Abschnitten des Alten Testaments: dem Gesetz, den Propheten und den Psalmen (vgl. Lukas 24, 44).

Im Neuen Testament wird dieser Kontrast erneut aufgegriffen und bestätigt. Zuerst finden wir ihn im Zeugnis des Petrus in Matthäus 16, 16. Der Herr Jesus und Seine Jünger befanden sich in Cäsarea Philippi (vgl. Matthäus 16, 13). Die Stadt, die ursprünglich Paneas hieß und an einem der Quellflüsse des Jordan liegt, war das Zentrum zweier den griechischen Sprachraum  beherrschenden Götterkulte: Zum einen lag dort das Heiligtum des Pan, eine große Höhle, in deren Felsen man Nischen für die Götterstatuen geschlagen hatte. Pan wurde als zwar hauptsächlich als ein Fruchtbarkeitsgott verehrt, galt aber, wie sein Name „Pan“, griechisch für „alles“,  andeutet, als „ein Gott für alles“ bzw. „alle Fälle“. In direkter Nachbarschaft zum  Pantempel hatte Herodes der Große einen Tempel zu Ehren des römischen Kaisers Augustus errichten lassen. Dieser Kaiser hatte seine Adoptivvater Julius Cäsar vom römischen Senat vergöttlichen lassen und sich selbst dadurch zum Sohn des „Göttlichen“ gemacht.  Und genau an diesem Ort, dem  Zentrum des beherrschenden griechischen Götterkultes und dem Zentrum des herrschenden römischen Kaiser-Gott-Kultes trifft Petrus die klare Aussage: 

„Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“

„Du!“ – „Du bist es!“ – „Du bist der der Sohn des lebendigen Gottes!“ – Diese Aussage des Petrus  stellt Jesus Christus in den direkten Kontrast zu Augustus, der sich zwar ebenfalls als „Sohn Gottes“ bezeichnete, dessen „Gottvater“ jedoch ganz offensichtlich tot und damit nicht in der Lage war, auch nur irgendetwas zu bewirken. Die Antwort des Herrn Jesus an Petrus führt den Kontrast noch weiter aus: Der Felsen, auf den Er Seine Versammlung (= Gemeinde/Kirche) bauen will, wird dem brüchigen Felsen des Pantempels¹ entgegengesetzt. Er Selbst, der Sohn des lebendigen Gottes, ist dieser Felsen² (vgl. 5. Mose 32, 4 in Verbindung mit 1. Korinther 10, 4). Darum – und allein darum – werden die Mächte der Hölle Seine Versammlung (= Gemeinde/Kirche) niemals überwinden. Voraussetzung  dafür ist jedoch, dass wir unseren Glauben allein auf Ihn bauen:

„Wer diese meine Worte hört, und tut, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute (…)“

(Matthäus 7, 24)

Dass Petrus zu Recht Jesus Christus als den Sohn des lebendigen Gottes bezeugt, wird später  durch die leibliche Auferstehung Jesu von den Toten durch Gott Selbst bestätigt. 

Als der Auferstandene, der Lebendige, ist Jesus Christus heute inmitten Seiner Versammlung (= Gemeinde/Kirche) tätig (Matthäus 18, 20; Johannes 5, 17 i. V. m. Johannes 14, 10). Der Apostel Paulus macht das deutlich (und dabei greift er den Kontrast wieder auf), wenn er in  1. Korinther 12, 2 – 3 daran erinnert:

„Ihr wisset, daß ihr, als ihr Heiden waret, euch zu den stummen Götzen hinziehen ließet, wie ihr geleitet wurdet. Deshalb tue ich euch kund, daß niemand, im Geist Gottes redend, sagt: Fluch über Jesum! und niemand sagen kann: Herr Jesus! als nur im Heiligen Geist.“

Warum legt die Heilige Schrift durchgehend eine solche Betonung auf diesen Kontrast zwischen dem lebendigen Gott und den toten Götzen? Sie will nicht nur deutlich machen, dass es nur einen lebendigen Gott gibt, sondern auch, dass nur dieser eine lebendige Gott zu Gunsten des Menschen in die Geschehnisse des Lebens eingreifen kann. Weil dies so ist, kann der Mensch nur von diesem einen lebendigen Gott Hilfe erwarten und erfahren und darum soll sich der Mensch im Gebet auch nur an diesen einen Gott wenden (vgl. z. B. Psalm 65, 2). Jedes Gebet an irgendein anderes Wesen, von dem behauptet wird, es sei  ein  Gott, ist daher  aus Sicht der Heiligen Schrift unlogisch.

Ganz besonders deutlich wird die Einzigartigkeit Gottes in der Sendung Seines Sohnes Jesus Christus. Denn in der Sendung Seines Sohnes wendet sich Gott ganz praktisch und ganz eindeutig der von Ihm getrennten Menschheit zu. Er fordert kein Opfer, wie die toten Götzen, sondern Er Selbst bringt das Opfer, um die Versöhnung zu ermöglichen. Gott Selbst macht sich in der Sendung Seines Sohnes „auf den Weg zu den Menschen“. Von Christus sagt der Hebräerbrief in Kapitel 4, 14:

„Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasset uns festhalten an dem Bekenntnis!“

Der Gott, an den Christen glauben, hat „sozusagen die Füße in Bewegung gesetzt“, mehr noch, Er hat „die Himmel (!) durchschritten“. Kein Weg war Ihm zu weit, um sich Seiner  von Ihm  getrennten Schöpfung zu erbarmen und sie zu erlösen. In der Sendung, dem Sterben und der leiblichen Auferstehung Seines Sohnes hat Gott eindrücklich unter Beweis gestellt, mit welcher Macht Er für Seine Menschheit tätig wird. Und in dieser Einzigartigkeit wird Gott ganz persönlich. Auf der Grundlage des Erlösungswerk Seines Sohnes und durch die Wirksamkeit Seines Heiligen Geistes will Er zu jedem einzelnen Menschen eine ganz persönliche Lebensbeziehung eingehen (Johannes 14, 23). Haben Sie den lebendigen Gott schon kennengelernt oder erwarten Sie noch immer Hilfe von „stummen Götzen“, wie immer diese auch aussehen mögen? Den lebendigen Gott kennenzulernen ist einfach: Greifen Sie zur Bibel, lesen Sie Sein Wort und sprechen Sie mir Ihm. Er ist immer nur ein Gebet weit entfernt. Gott segne Sie!

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Fußnoten:

¹= Die Kultstätte wurde durch ein Erdbeben in der Spätantike teilweise zerstört.

²=  Zu Matthäus 16, 16 – 18 vgl. Thiede in „Wer bist Du Jesus?“, Brunnen-Verlag Basel und Gießen 2000, Seite 27 – 28: „Aber Jesus sagt nun nicht, dass er auf  ‚Petros‘ seine Gemeinde gründen will, sondern vielmehr auf ‚Petra‘ [griech. ‚petra‘ = für den gewachsenen Felsen; JNj.]: Nicht auf dich, Petrus, als Person, sondern auf den Felsen, für den du nun stehst. Das Wortspiel, das Jesus hier spielt und das annähernd so deutlich auch aramäisch mit „Kepha“/“Kephas“ funktioniert, beruht durchaus auf einem feinen Unterschied. Jesus setzt den persönlichen Beinamen und das Wort für ‚Fels‘ nicht völlig gleich, sondern benutzt dieses Wort anschließend ausdrücklich getrennt. Im Deutschen lässt sich dieser Wechsel der Geschlechter kaum nachahmen, aber es wäre in etwa so, als hätte Jesus gesagt: „Du bist  Fels, und auf diese Felsin will ich…“ Anders gesagt: Das Wortspiel zielt sehr bewußt auf eine enge Beziehung zwischen beiden. Und doch sagt Jesus eben nicht: „Du bist Fels, und auf dich ….“, oder „Du bist Fels, und darauf ….“, sondern er spricht vom Gestein als einer eigenen Größe. Wir haben es gelernt, bei Jesus auf Nuancen zu achten, auch im griechisch verfassten Bericht der Evangelien. So sollten wir das auch hier tun. Nicht die Person des Petrus ist der Fels, sondern der Messias-Glaube, der Sohn-Gottes-Glaube, der Glaube an die gesamte Lehre, die von Jesus ausgeht. Darauf wird die künftige Gemeinschaft gründen. Jesus selbst hatte das so vorgegeben: ‚Wer diese meine Worte hört, und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels (griech: ‚petra‘) baute‘ (Matthäus 7, 24).“

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