Gewissheit und Sicherheit


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In 2. Timotheus 1, 12 schreibt der Apostel Paulus¹:

„Aus diesem Grund leide ich dies auch; aber ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und bin überzeugt, dass er mächtig ist, das ihm von mir anvertraute Gut auf jenen Tag zu bewahren.“

Zwei Dinge bringt der Apostel hier zum Ausdruck:

1) Gewissheit: „denn ich weiß, wem ich geglaubt habe“ und darauf aufbauend

2) eine große Sicherheit: „(ich) bin überzeugt, dass er mächtig ist, das ihm von mir anvertraute Gut auf jenen Tag zu bewahren“.


„Wem“ nicht „was“

Paulus schreibt diese Worte nicht während eines Kuraufenthaltes, sondern während er in einer römischen Gefängniszelle festgehalten wird (siehe Vers 8). Sein Leben und sein Dienst für Christus waren  von vielfältigem Leiden gekennzeichnet. In 2. Korinther 11, 23 – 33, wo er seinen Dienst gegen die Angriffe falscher Apostel verteidigt, die die Gläubigen in Korinth verführen wollten, beschreibt er dies so:

„Ich habe weit mehr Mühsal auf mich geladen, bin öfter im Gefängnis gewesen, viel mehr geschlagen worden und war häufig in Todesgefahr. Fünfmal habe ich von den Juden die 39 Schläge bekommen. Dreimal wurde ich mit Stöcken geprügelt, und einmal bin ich gesteinigt worden. Dreimal habe ich Schiffbruch erlitten. Eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich habe viele Reisen gemacht und kam in Gefahr durch Flüsse und in Gefahr durch Räuber. Ich wurde bedroht durch mein eigenes Volk und durch fremde Nationen, kam in Gefahr in der Stadt, in der Wüste und auf dem Meer und auch durch falsche Brüder. Wie oft ertrug ich Mühsal und Plage und durchwachte ganze Nächte; ich litt Hunger und Durst und ertrug alle möglichen Entbehrungen; ich fror und hatte nicht genug anzuziehen. Und zu allem kommt noch das, was täglich auf mich eindringt: die Sorge um alle Gemeinden. Wo ist jemand schwach und ich bin es nicht auch? Wo wird jemand zur Sünde verführt und es brennt nicht wie Feuer in mir?  (…) In Damaskus ließ der Statthalter des Königs Aretas  die Damaszenerstadt bewachen, weil er mich verhaften wollte. Ich entkam ihm nur, weil ich durch ein Fenster kletterte und in einem Korb die Mauer hinuntergelassen wurde.“

Das hört sich weder nach dem Wohlstandsevangelium amerikanischer Prägung noch nach europäischem Wohlfühlchristentum an. Wie kann ein Mensch solche Leiden durchstehen, überleben und trotzdem noch so hoffnungsvoll, zuversichtlich und gewiss sein? Würde man bei einem Menschen, der solche Leiden durchstehen muss, nicht Depression und Verzweiflung erwarten?

Paulus konnte in all‘ diesem Leiden gewiss und zuversichtlich sein, weil er wusste „wem“ er  geglaubt hatte. Darum geht es: „wem“ nicht „was“! Der Glaube des Apostels gründete sich nicht auf eine theologische Lehre und auch nicht auf die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft, sondern auf eine göttliche Person, die er kennengelernt hatte: Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Auf dem Weg nach Damaskus, damals noch als Saulus von Tarsus,  begegnet er dem Sohn Gottes in Seiner ganzen Macht und Herrlichkeit (Apostelgeschichte 9,   1 – 31).  Durch diese Begegnung  wird  aus dem Christenverfolger ein neuer Mensch, eine neue Schöpfung (2. Korinther 5, 17). Diese Veränderung ist keine „Eintagsfliege“. Von nun an vergeht kein Tag seines Lebens mehr ohne die lebendige Gemeinschaft mit diesem Herrn und Heiland (Römer 14, 8). Die Begegnung mit dem Auferstandenen und die danach folgende, dreitägige Blindheit führen Paulus in eine tiefe Erkenntnis seiner Sünde, aber auch zu einer tiefen Erkenntnis der Erlösung in Jesus Christus. (1. Timotheus 1, 15).  Das sieht man daran, dass Paulus gleich nach seiner Bekehrung damit beginnt, Jesus Christus als  den Sohn Gottes, den verheißenen Messias, in den Synagogen zu verkündigen (vgl. Apostelgeschichte 9, 20).  Die  Erkenntnis der Liebe, die sein Leben von Grund auf erneuerte, kann Paulus nicht für sich behalten.  Das, was  sein Herz erfüllt, bahnt sich den Weg in die Verkündigung (Matthäus 12, 34 – 35Apostelgeschichte 4, 20). In Lukas 7, 47 sagt der Herr: „Wem wenig vergeben wird, der liebt wenig.“ Daraus können wir schlussfolgern, dass jemand, dem viel vergeben wurde, auch viel liebt.  Ein Mensch, der sich bewußt ist, wie abstoßend und unerträglich seine Sünde (Psalm 5, 5; Psalm 11, 4 – 7; Habakuk 1, 13) für den heiligen und allmächtigen Gott ist, der sich bewußt ist, dass es seine Sünde ist, die Jesus Christus ans Kreuz brachte, die Ihn den Zorn Gottes erleiden ließ, der eigentlich rechtmäßig den Sünder hätte treffen müssen (1. Korinther 15, 3), der kann nicht anders als diesen Retter zu lieben und für Ihn zu leben.  Aber beachten wir: Paulus sagt hier nicht „Ich weiß an wen ich geglaubt habe.“ Er sagt: „Ich weiß, wem ich geglaubt habe.“ An jemanden zu glauben, ist möglich, ohne eine Beziehung zu dieser Person einzugehen. Aber jemandem zu glauben, ist nur möglich, wenn ein direkter Kontakt, eine direkte Kommunikation, eine enge, persönliche Gemeinschaft besteht.  Nur so entsteht ein Vertrauen, das wirklich trägt. Nicht die Abwesenheit von Leid oder Not hält uns bei Christus, sondern seine erlösende Liebe. Es ist die Erfahrung dieser Liebe, die uns die Gewissheit gibt, dass nichts, was wir in diesem Leben erleiden, umsonst ist (Römer 8, 28 – 39). Es ist die Erfahrung dieser Liebe, die uns  auch in den schwierigsten Situationen  Halt und Tragkraft gibt. Gott nimmt uns nicht aus dem Leid dieser Welt (Johannes 17, 15), aber Er geht mit uns durch diese Welt und ihre Leiden und steht uns darin bei (Matthäus 1, 23; 2. Timotheus 4, 17). Wissen Sie, woran Sie glauben? Glauben Sie an eine Lehre, eine religiöse Gemeinschaft, eine Tradition? Oder glauben Sie an diese göttliche Person – Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Heiland und Erlöser der Welt? Und wenn Sie an Ihn glauben, haben Sie Ihn schon richtig kennengelernt? Von Paulus lesen wir, dass er nach seiner Bekehrung in Damaskus von Gott drei Jahre in die Stille nach Arabien geführt wurde (Galater 1, 11 – 17).  Wir werden nicht alle eine so spektakuläre Bekehrung wie Paulus erleben, aber uns allen wird von Zeit zu Zeit ein Rückzug in die Stille gut tun, um unseren Heiland neu und tiefer kennen zu lernen, damit die Freude am Herrn ganz neu zu unserer Stärke wird. Wie dies geschehen kann, habe ich in dem Artikel „Zwei echt starke Typen: Esra und Nehemia, stark durch die Freude am Herrn“ aufgezeigt.

Sicherheit

Auch die Sicherheit, die Paulus in 2. Timotheus 1, 12 zum Ausdruck bringt, ist in seiner engen Beziehung zu Christus begründet. Einer Person, die wir aus den Erzählungen anderer kennen, die wir vielleicht hin und wieder einmal kurz gesehen haben, können wir Respekt und Achtung entgegen bringen, aber würden wir ihr auch in den schwierigsten Situationen unseres Lebens vorbehaltlos vertrauen? Wohl kaum. Vertrauen kann nur da entstehen, wo man sich persönlich kennenlernt, Umgang mit einander pflegt, den anderen in den unterschiedlichsten Situationen  erlebt.  Paulus kann auf viele Situationen zurückblicken, in denen er Christus erlebt und als vertrauenswürdig kennengelernt hat (2. Timotheus 4, 14 – 18; Apostelgeschichte 23, 11; 27, 23).  Im Gegensatz zu  1. Timotheus 6, 20 und 2. Timotheus 1, 14 geht es bei dem hier genannten „Gut“ nicht um ein Gut, dass Gott einem Menschen anvertraut hat, sondern um ein „Gut“, das ein Mensch Gott anvertraut. Was ist unter diesem „Gut“ zu verstehen? Ein Kommentator erklärt dazu:

„Aus dem Zusammenhang geht hervor, dass das Wort hier eine andere Bedeutung haben muss als in den beiden übrigen Stellen. Dort ist es etwas, das Menschen, hier etwas, das dem Herrn anvertraut ist. Das griechische Wort bedeutet „Nie­dergelegtes“, und wörtlich steht hier: „mein Niedergelegtes“. (…) Unter diesem anvertrauten Gut ist alles zu verstehen, was ich als Gläubiger der Obhut Gottes anvertraue, nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Segnung von Seele und Leib, von Wandel und Werk, einschließlich jeder Frage, die in Vergangenheit, Gegen­wart und Zukunft aufkommen kann.“²


Was in Zukunft noch alles auf dieser Erde geschehen wird, wissen wir nicht. Aber Vergangenheit und Gegenwart führen uns eindrücklich vor Augen, wie schnell  menschliche  „Gewissheiten“ und „Sicherheiten“ ins Wanken geraten und wir buchstäblich alles verlieren können. Wohl dem, der nicht erst in solchen Notsituationen, sondern schon jetzt, Den kennenlernt, in Dem echte Gewissheit und ewige Sicherheit zu finden sind. Es ist möglich, auch für Sie.  Gott ist immer nur ein Gebet weit von Ihnen entfernt.

Fußnoten:

¹= Entgegen der häufig vorgebrachten Behauptung, dass der 2. Timotheusbrief nicht von dem Apostel Paulus stammen könnte, gibt es für seine Autorenschaft zuverlässige Belege. Weitere Informationen finden sich hier: Klick!

²= W. Kelly, Exposition of Timothy, S. 197, zitiert in: Anmerkung zu 2. Timotheus 1, 12, Arend Remmers: „Du aber … Eine Betrachtung über die beiden Briefe an Timotheus“, CSV-Verlag Hückeswagen 2001

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